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Solarpunk - what do the Characters do?
Wonko:
--- Zitat von: Feuersänger am 29.03.2026 | 22:45 ---Einfach nur immer dasselbe Theaterstück mit immer anderen Kostümen braucht in der Tat niemand.
--- Ende Zitat ---
1001 Theaterregisseure begehen gerade enttäuscht Seppuku...
Nur weil die Kerngeschichte nicht auch in einem anderem Zusammenhang funktionieren würde, heißt doch nicht, dass für die Geschichte die Details des Settings nicht sehr relevant sind. Wenn eine Detektivgeschichte in Baldurs Gate spielt, wird sie fast zwangsläufig zu einer eigenen Geschichte. Jedenfalls, wenn es eine gute Geschichte ist. Plötzlich wird eben relevant, dass es bestimmte Zauber gibt. Oder gewisse Charaktere. Selbst wenn ich einen Sherlock-Holmes-Fall ziemlich 1:1 nacherzählen würde, nur dass Sherlock eben ein 400-jähriger Elf ist, der seine ganz eigene Weltsicht auf die Dinge hat, wäre das, wenn sie gut geschrieben ist, eine Art von Fantasy-Geschichte.
Ich glaube, warum ihr euch gerade so schwer tut, liegt nicht an Solarpunk (von dem ich übrigens immer noch nicht verstehe, was es eigentlich ist), sondern eher daran, dass es wirklich schwierig ist, einen Plot zu definieren, der nur in einem bestimmten Setting funktioniert. Ich glaube, man muss einigermaßen konkret werden, so wie
--- Zitat von: Ruinenbaumeister am 29.03.2026 | 19:25 ---Man denke sich z.B. eine große Naturkatastrophe: Vulkane brechen aus, Aerosole trüben die Atmosphäre, es wird auf dem ganzen Globus kälter, viele Talsperren sind durch Erdbeben zerstört worden und ausgerechnet jetzt liefern die Solarzellen und Sonnenkollektoren nicht genug Energie.
--- Ende Zitat ---
Dann erst versteht man, was dieses Setting jetzt eigentlich besonders macht.
nobody@home:
Ich erinnere mich gerade an Shakespeares berühmtes Spätwerk "Der König der Löwen"...okay, für diese Nacht reicht's. ;)
Waldviech:
Vielleicht kann der Gedanke helfen, dass das Genre "Solarpunk" bislang, als relativ junges Genre, nur wenig mehr tut als die Rahmenbedingungen der verwendeten Technologie abzustecken und dem Setting eine Art "Grundstimmung" zu verpassen:
- Die technische Zivilisation, die existiert, basiert auf nachhaltigen Quellen (ich beschränke das absichtlich nicht nur auf die Solarzelle) und die Folgen heutiger Umweltprobleme haben sich als lösbar erwiesen oder man hat sich in einer Art und Weise mit ihnen arrangieren können, dass die Zukunft in der das Setting spielt, eine lebenswerte ist.
- Die Gesellschaft, die abgebildet ist, ist ebenfalls eine in weiten Teilen eher nette.
Das wars. Darüber hinaus ist "Solarpunk" ja irgendwie eher schwammig. Alles andere hängt davon ab, wie der Rest des Settings um diese beiden Grundpfeiler herum aufgebaut ist. Die pulsierende, grüne Megametropole einer Solarsatteliten betreibenden Raumfahrergesellschaft bietet völlig andere Abenteuermöglichkeiten als eine Agrargesellschaft, die sich nach der Apokalypse mit Hilfe von Windrädern und Solarzellen von "Mad Max" zu "Unsere kleine Farm" gerettet hat.
Boba Fett:
Muss die Solarpunk Zivilisation eigentlich 100% des Planeten übernommen haben, oder kann es auch Gegenentwürfe anderer Zivilisationkonzepte geben?
Ich mach ein kurzes Beispiel: Die EU hat sich nach schweren Umweltkatastrophen zu einer Solarpunk-Zivilisation entwickelt und bietet nach ausser Untestützung und Förderung an, das selbe zu tun. Es gibt bestimmte Voraussetzungen dafür (Demokratie und so). Die Russische Seite hat die Oligarchen und die Amerikanische den Turbokapitalismus. Alle drei Systeme kämpfen um globalen Einfluss...
Wäre das schon ein Solarpunk-Setting? Wenn ja, dann haben wir da ja genug Konfliktpotential geschaffen.
GIR:
Ich sehe zwei Möglichkeiten für Abenteuer:
Die externe Bedrohung
Das kann alles sein, was die vermeintliche Utopie stört. Naturkatastrophen, Seuchen, Kreaturen, rivalisierende Kommunen.
Die Charaktere sind also eine Art Troubleshooter, die für den Forbestand der utopischen Gesellschaft kämpfen.
Die interne Bedrohung
Das funktionier nur, wenn die Utopie nicht perfekt ist. Dann können die Charaktere die Schattenseiten aufdecken. Soylent Green ist hier ein nettes Beispiel. Oder Equilibrium. Selbst 1984 ist (aus sicht der herrschenden Klasse) eine Utopie: Keine Arbeitslosigkeit, keine Armut, ...
Da ist also genug Spannungspotential da, um als ausgebeuteter Arbeiter in der Solarzellenfabrik gegen "die da oben" aufzubegehren
Viele Utopien haben auch faschistoide oder darwinistische Tendenzen. Was also, wenn man nicht zu den Reichen und Schönen gehört, die in grünen Arcologies leben und nachhaltige Bioprodukte verspeisen? Wenn man (aus welchem Grund auch immer) zu den Ausgestoßenen gehört, die keinen Zugriff auf die Technologie haben und sich mit einem alten Dieselgenerator über Wasser halten (was sie wiederum zum Ziel macht, da sie ja die Umwelt verschmutzen).
Nur, weil es oberflächlich eine Utopie zu sein scheint, heisst das ja nicht, dass es keine Konflikte geben kann.
Auch im wahren Leben hat sich bisher jede selbsterklärte utopische Gesellschaft selbst zerlegt, sei es der Sozialismus oder der Gottesstaat oder wer auch immer meinte, die eine wahre Gesellschaftsform gefunden zu haben.
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