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[Star Trek] Welche Gesellschaftsstruktur hat die Erde?

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Prisma:
Die folgenden Kommentare sind aus dem Star Wars hat 85% seines Publikums verloren...-Thread. Die Diskussion welche Gesellschaftsstruktur die Erde in Star Trek hat (nicht pauschal zu verwechseln mit der Föderation) finde ich spannend. Damit wir das sauber von Star Wars trennen können, habe ich diesen neuen Thread aufgemacht.

Soweit die Diskussion:


--- Zitat von: Xemides am 26.06.2026 | 17:51 ---Die Föderation ist im Grund ein sozialistisches Paradies, die Ferengi sind im Grunde die fiesen Kapitalisten, etc.

--- Ende Zitat ---



--- Zitat von: Prisma am 27.06.2026 | 12:36 ---Pardon, aber das stimmt nicht. Die Föderation ist eine Art soziale Meritokratie. Es gibt zwar kein Geld mehr, aber offenbar eine Art sozialen Kredit. Denn wer sich für die Gesellschaft einsetzt/arbeitet bekommt viel mehr als andere. Ist man z.B. bei der Sternenflotte bekommt man das Appartement mit Blick auf den Eifelturm. Ist man z.B. hochrangig bei der Sternenflotte hat man Zugang zu Luxusappartements oder zu Villen, bzw. villenartigen Häusern. Macht man nix, stürzt man aber nicht in die Armut ab, man bekommt aber eben nicht das tolle Appartement, sondern irgendwo eine Wohnung. Man kann im Replimat repliziertes Essen essen, was nicht schlecht ist, aber eben nicht im Restaurant von Siskos Vater dinieren … man kann aber natürlich auch immer nett fragen.
Die Ferengi sind in der Tat fiese Kapitalisten, aber eher eine lustige Parodie darauf.

--- Ende Zitat ---



--- Zitat von: Eisenmeile am 28.06.2026 | 20:00 ---Die Theorie halte ich für nicht haltbar (auch wenn ich die Gesellschaft von Star Trek auch nicht für sozialistisch halte – einfach weil die politischen Systeme aus unserer Zeit nicht so recht in die utopistische Zukunft passen).

Picard sagt in TNG, dass es in der Föderation kein Geld mehr gibt, und jeder die Möglichkeit hat, sich nach seinen Wünschen zu entfalten. Jeder. Ohne Bedingungen.

Recht deutlich sieht man das an Joseph Sisko: was soll dieser denn für die Gesellschaft geleistet haben, um sich sein Nobelrestaurant zu "verdienen"? Er ist nicht (und war nie) Mitglied der Sternenflotte und hatte auch nie ein hohes Amt in der Föderation. Nach dem was wir über ihn erfahren, war er sein ganzes Leben lang nur Koch, mit sehr begrenztem Beitrag zur Gesellschaft.

Oder noch deutlicher: Robert Picard. Jemand mit einer deutlichen Anti-Technologie und Anti-Sternenflotte Einstellung (wie sein Vater auch, und nach dem was wir hören auch einige Generationen davor). Und trotzdem darf dieser "Weinberg-Hippie", der nicht nur nichts leistet, sondern sich auch aktiv gegen große Teile der Föderationsgesellschaft abgrenzt, in einer luxeriösen Villa, umgeben von weitreichenden Ländereien, leben. Ob die Starfleet-Admiräle auch solche Heimstätten vorweisen können? Zumindest sehen wir nichts derartiges.

Daher halte ich leistungsbasierte "Entlohnung" (in Form von social credits o.ä.) innerhalb der Föderation für eher unwahrscheinlich. Ich denke es ist eher so, wie Picard es gesagt hat: jeder kann sich frei entfalten, solange die dafür erforderlichen Ressourcen im Überfluss vorhanden sind, was auf der Erde auf die meißten Ressourcen zutrifft. Der einzige wirklich limitierende Faktor ist (neben Platz, je nachdem was man auf welchem Planeten machen will) Arbeitkraft - da man seine Restaurantbelegschaft oder Weinbauern nicht mit Geld bezahlen kann, muss man sie irgendwie anders motivieren, bei diesem Projekt mitzumachen (oder halt vollständig auf Technologie setzen, aber dann gibt es halt wenig, was das eigene Projekt wirklich einzigartig macht - und damit wenig positive Rückkoppelung durch zufriedene Klienten). Abgesehen davon kann jedes Mitglied der Föderation ein Restaurant eröffnen, oder ein anderes Projekt vorantreiben.

--- Ende Zitat ---

Prisma:

--- Zitat von: Eisenmeile am 28.06.2026 | 20:00 ---Die Theorie halte ich für nicht haltbar (auch wenn ich die Gesellschaft von Star Trek auch nicht für sozialistisch halte – einfach weil die politischen Systeme aus unserer Zeit nicht so recht in die utopistische Zukunft passen).

Picard sagt in TNG, dass es in der Föderation kein Geld mehr gibt, und jeder die Möglichkeit hat, sich nach seinen Wünschen zu entfalten. Jeder. Ohne Bedingungen.

Recht deutlich sieht man das an Joseph Sisko: was soll dieser denn für die Gesellschaft geleistet haben, um sich sein Nobelrestaurant zu "verdienen"? Er ist nicht (und war nie) Mitglied der Sternenflotte und hatte auch nie ein hohes Amt in der Föderation. Nach dem was wir über ihn erfahren, war er sein ganzes Leben lang nur Koch, mit sehr begrenztem Beitrag zur Gesellschaft.

Oder noch deutlicher: Robert Picard. Jemand mit einer deutlichen Anti-Technologie und Anti-Sternenflotte Einstellung (wie sein Vater auch, und nach dem was wir hören auch einige Generationen davor). Und trotzdem darf dieser "Weinberg-Hippie", der nicht nur nichts leistet, sondern sich auch aktiv gegen große Teile der Föderationsgesellschaft abgrenzt, in einer luxeriösen Villa, umgeben von weitreichenden Ländereien, leben. Ob die Starfleet-Admiräle auch solche Heimstätten vorweisen können? Zumindest sehen wir nichts derartiges.

Daher halte ich leistungsbasierte "Entlohnung" (in Form von social credits o.ä.) innerhalb der Föderation für eher unwahrscheinlich. Ich denke es ist eher so, wie Picard es gesagt hat: jeder kann sich frei entfalten, solange die dafür erforderlichen Ressourcen im Überfluss vorhanden sind, was auf der Erde auf die meißten Ressourcen zutrifft. Der einzige wirklich limitierende Faktor ist (neben Platz, je nachdem was man auf welchem Planeten machen will) Arbeitkraft - da man seine Restaurantbelegschaft oder Weinbauern nicht mit Geld bezahlen kann, muss man sie irgendwie anders motivieren, bei diesem Projekt mitzumachen (oder halt vollständig auf Technologie setzen, aber dann gibt es halt wenig, was das eigene Projekt wirklich einzigartig macht - und damit wenig positive Rückkoppelung durch zufriedene Klienten). Abgesehen davon kann jedes Mitglied der Föderation ein Restaurant eröffnen, oder ein anderes Projekt vorantreiben.

--- Ende Zitat ---

Joseph Sisko bietet als Koch ein besonderes Produkt an, nämlich handgekochtes Essen. Immer wieder gibt es Beispiele in Star Trek warum "echte" Güter replizierten Gütern vorgezogen werden. Man trinkt lieber den echten Brandy, als den replizierten. Man geht lieber zu einem Schneider als dass man sich seine Klamotten repliziert, wie etwa Massenware, wie etwa Uniformen. "Echte" Gegenstände stehen also höher im Wert. Joseph Sisko bekocht gerne andere Leute leistet damit einen Beitrag zur Gesellschaft. Sein Restaurant läuft auch gut, das wird ja gezeigt. Im Rahmen seines "sozialen Kredits" steht ihm das also zu.

Bei Robert Picard ist es genau so. Er produziert "echten" Wein, unter der Familienmarke Chateau Picard. Also, hat auch er einen gewissen "sozialen Kredit".
Das Chateau Picard ist aber ein spannender Fall. Es wird soweit ich weiß nicht erklärt, warum die Familie Picard diese Ländereien behalten darf. Ich vermute, da wird es so etwas wie ein Alteingessenheit-schafft-Rechte-Gesetz vorliegen. Aber ohne die Ländereien könnte Robert die bekannte Weinmarke nicht produzieren. Da ist es egal ob er ein Weinberg-Hippie oder technologiefeindlich ist. Das ist wahrscheinlich sogar ein Vorteil oder gar Qualitätsmerkmal für die Konsumenten des Weins, die ein natürliches und kein repliziertes Produkt wollen.
Technisch gesehen könnte ich mir vorstellen, dass ein Sternenflottenadmiral auch den nötigen "sozialen Kredit" hat, um in einem Schloss zu leben. Aber vermutlich erfordert das (Selbst)Ansehen solch hoher Führungspersönlichkeiten auch eine gewisse Verpflichtung zur Effizienz. Der Admiral bräuchte keinen Weinberg, es sei denn, er baut Wein an, als Rentner. Wahrscheinlich könnte er das aber haben, wenn er wirklich wollte. Aber dann wohl nur einen Weinberg und nicht zehn. Die Heimstätten von Captains und Admirälen brauchen sich aber nicht zu verstecken. Und auch Junior-Offiziere wie Harry Kim bekommen begehrte Objekte.

Zwar gibt es sehr viel im Überfluss in Star Trek, aber bei weitem nicht alles. Wenn nun nur ein Appartement mit Blick auf den Eifelturm zur Verfügung steht, muss ja irgendwie entschieden werden wer es bekommt, wenn mehrere Leute es wollen. Es muss also irgendeine Art von Wertmaß oder eine Kompensation geben. Wahrscheinlich würde man sagen, Harry Kim ist bei der Sternenflotte, also ist sein Nutzen und Beitrag höher als der von Joseph oder Robert und deswegen bekommt Harry das Appartement. Das ist alles nicht unproblematisch, aber offenbar hat man auf der Erde einen funktionierenden Weg gefunden.

Übrigens, nur weil die Erde kein Geld nutzt, heißt es nicht, dass die Bevölkerung nicht irgendwelche geldwerten "Krediteinheiten" erwirtschaftet oder besitzt. Im Weltall gibt es andere Zivilisationen, die sehr wohl Geld benutzen. Das sind nicht nur die Ferengi, sondern z.B. auch die Klingonen oder die Cardassianer. Es gibt ja auch zivilen Raumflug und zivile Reisen auf andere Planeten. Da braucht man dann irgendeine Art von Zahlungsmittel. In Quarks Bar kann man ohne Latinum nicht trinken und spielen und da wird sogar einiges repliziert.  Woher hat Commander Riker seinen kleinen Latinumvorrat, um zu zocken? Auch wenn er alles gewonnen hat, er muss ja beim Start irgendeinen geldwerten Einsatz eingebracht haben.

Die Föderation, also auch die Erde, betreibt dazu umfangreichen interstellaren Handel. Auch da muss es etwas geben, um zu bezahlen und dies dann in den "Kredit" auf der Erde umzuwandeln.

Maarzan:
Ich fürchte bei dem Worldbuilding zur Wirtschaft läuft es auf "Storyismus"  hinaus - es gilt, was ein Schreiber gerade braucht mit maximaler einer dünnsten Schicht Erklärung.

General Kong:
Das denke ich auch. Jede Wirtschaft wird bestimmt von einem gewissen Mangel, denn nie ist alles gleichermaßen und gleiichzeitig im Überfluss vorhanden - wenige "freie" Güter wie (auf der Erde) Luft, Sonne, Wind ausgenommen (deshalb bezahlen wir nichts dafür.
Auf einem nicht-terrageformten Mars hätte auch Luft ein Preisschild, auf einer Welt mit Sonnenschein nur an einem Ort auch dieser.

Ohne dass ich Star Trek-Experte wäre (weit davon!) ist die Erde da einfach ein Idyll, wo man gut und gerne lebt und jeder machen kann, was er will und alles im Überfluss vorhanden ist - wahrscheinlich auch Luxusappartments mit Blick auf den Eifelturm, Weinberge und Luxusrestaurants. Und alle arbeiten so vor sich bin, wie sie mögen und mit Lust.

Letzte Haltestelle des wissenschaftlichen Sozialismus ...

Gibt es eingentlich eine Folge, wo es auf der Erde zu politischen Zerwürfnissen oder Krisen kommt, die definitiv nichts mit Borgs o.ä. zu tun haben, sondern innerweltlich? Die gehen doch nur zum Ausspannen da hin, oder?

Eismann:
Ich kann mir vorstellen, dass auf der Erde tatsächlich mehr Landstriche der Natur überlassen sind als früher. Man braucht ja Land- und Forstwirtschaft nicht mehr für die Masse der Produkte.
Gleichzeitig werden Kunst und Kultur in der Föderation sehr wertgeschätzt. Wenn dann ein alter Kauz das "Opfer" auf sich nimmt, seine Zeit mit dem Anbau von Wein zu "verschwenden", und so eine alte Kulturtechnik aufrechterhält, warum nicht? Ansonsten wäre da vermutlich eh nur Buschland.

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