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Enkidi Li Halan (N.A.):
Da ist Furcht. Sie schwimmt wie ein Ertrinkender in den tosenden Wogen des Hasses. Die Furcht versucht, sich an sein Herz zu klammern
Doch die Furcht gleitet ab und versinkt in den Tiefen.

Der Gegner – der Feind – stürzt sich mit aller Macht auf ihn. Er fühlt seine Wut, spürt, wie sie sich mit der eigenen mischt und umso machtvoller wird. Obwohl er instinktiv spürt, wohin der Gegner seinen Schlag führt, überrascht ihn der direkte Angriff.
Kein Spiel mehr. Gut.
Der Feind läßt ihm wenig Möglichkeit auszuweichen, so dreht er den Oberkörper nach hinten weg, um den Arm zu schützen, nimmt dafür den Treffer auf der Brust in Kauf. Der Säbel trifft, schrammt über Schulter und Brust, gleitet seitlich ab, als Enkidi zurückweicht. Der Schmerz treibt ihm in einem grellen Netz die Luft aus den Lungen, krümmt ihn, läßt ihn aufstöhnen. Der Atem brennt in seiner Kehle, als er sich keuchend strafft, um dem Gegner die verdiente Antwort zu geben.

Die Gestalt gerinnt aus einer Wahrnehmung, die trübe und falsch geworden ist. Vladimir. Soviel kann er erkennen. Doch der Körper des Meisters wirkt seltsam verzerrt, fehlproportioniert, größer, breiter, massiger. Enkidi kneift die Augen zusammen, doch das Bild bleibt unscharf. Auf dem Stahl seiner Klinge schimmert Licht, aber sonst ist es dunkel. Etwas ist falsch. Und da ist ein Brennen in seiner Brust, anders als der Schmerz des Hiebes.

Er hebt das Schwert in Richtung des Gegners, zögernd. Nimmt eine Bewegung wahr. Der Feind kommt auf ihn zu?
Genug, sagt Vladimirs Stimme. Du langweilst mich. Entweder du kämpfst und nutzt deine Ressourcen oder ich erlöse dich und überlasse den Hunden was von dir übrig bleibt.

Die Furcht taucht auf und packt zu, reißt ihn hoch aus den Fluten. Sein Herz hämmert, als er begreift und zurückwankt. Sein Rücken prallt gegen etwas, eine andere Gestalt. Ehe er reagieren kann, schließt sich ein Arm wie ein Schraubstock um seine Brust und er hört, wie sich dicht an seinem Ohr Lippen zu einem Grinsen öffnen.

erlaubt mir, diesen kampf zu beenden, sire.

Der Arm legt sich um seine Kehle, drückt zu, erstickt den Schrei, erstickt alles.

Enkidi Li Halan (N.A.):
Eine Bewegung. Der Feind kommt auf ihn zu.
Er blinzelt. Er braucht einen Moment ehe die Realität sich voll entfaltet. Der Säbel des Kossacken fährt donnernd nieder, ein zweiter Schlag, doch er kann ihm gerade noch ausweichen. Setzt ihm seinerseits nach und versetzt ihm einen flinken Hieb mit der flachen Seite der Klinge. Er lacht auf, freut sich daran, wie leicht er die Deckung des Kossacken durchdringen kann. Der Gegner ist wütend, das sieht man in seinem Gesicht.

Ein kaltes Grinsen erscheint auf den Zügen des Li Halan, dann weicht er zurück, bringt Distanz zwischen sich und den Kossacken. Seine Bewegungen haben plötzlich etwas tänzelndes, wiegend, lauernd, wie die einer Viper. Die Aggression, die eben noch den Kampf bestimmte, wird zurückgenommen, blitzt aber immer noch in seinen Augen.
Er mustert den Hauptmann, als müßte er ihn erneut einschätzen, blickt dann zu den beiden anderen Kossacken in den Tiefen des Raumes. Das Grinsen wird breiter.
Er hebt lockend das Schwert und erwartet Ras' Angriff.

The_Kossack:
Drei Treffer, zählt etwas in Ras, etwas, das darauf achtet, daß er aus der Schlacht zurückkommt. Wenn man keinen Schmerz empfindet, ist es zu leicht, zu vergessen, daß das Fleisch Grenzen hat. Die Grenzen lassen sich überschreiten, aber nicht zu lange, nicht zu weit.

Kampfunfähigkeit?

Ras kann nicht zurück, die Wut ist zu stark, greift wie Lava nach dem Innersten, nach den Kraftreserven in seiner Seele, er weiß nicht mehr genau, warum er gegen diesen Mann kämpft, der sich zu schnell bewegt, alles, was er weiß, ist, daß es eine Herausforderung ist, und die hat er nie ausgeschlagen. Die Tänze, die Intrigen, die Mordanschläge, sogar die Orgien unter Adligen haben sein Blut nie so in Wallung gebracht wie ein Duell. Nur hat er jetzt einen besseren Körper zur Verfügung.

<Ja, das hast du nie gekonnt, zu verlieren> hört er eine Stimme aus der Erinnerung. Sie ist nicht einmal spöttisch, nicht von Decados zu Decados gesprochen. Eher resignierend. Familie.

Es gibt keinen Grund zum Verlieren. Es ist nicht Andrei, knurrt es in Ras.

Die spöttische Einladung beruhigt ihn nicht, läßt die Wut erneut aufwallen, und mit dem Aufsteigen der Welle kommt der Ausfallschritt, der ganze Körper spannt sich - ein Stich, der Schwung genug besitzt, um in einen seitlichen hieb umgewandelt zu werden. Alles auf eine Karte.

<Wenn du verstehen könntest, dass du nicht immer siegen musst. Dass du sonst alles verlierst.>

Nacheiko hatte zu viel Zeit bei seiner Mutter verbracht. Zu viel Zeit.

Enkidi Li Halan (N.A.):
Er täuscht ein seitliches Ausweichen vor, tritt aber im letzten Augenblick in den Angriff, reißt sein Schwert empor und fängt die volle Wucht des Säbels mit seiner Klinge auf. Die Waffen verkeilen sich knapp unter der Parierstange. Ein Zittern rollt durch den Schwertarm des Li Halan und das Grinsen macht einen Augenblick dem Schmerz Platz. Er drängt seinen Körper mit aller Macht gegen den des Kossacken, gibt ihm keine Chance, die Waffe frei zu bekommen, keucht, lacht, atmet schnell, und doch scheint der Kampf seine Kräfte nicht zu verzehren.

"Du bist gut, Kossacke, aber nicht gut genug", faucht er höhnisch.

Die Bewegung ist blitzschnell und wäre für jeden außer einem Decados vollkommen überraschend. Für einen Atemzug wird die Kraft, die über die Klinge auf Ras' Schwertarm wirkt, schwächer, als sich das Gewicht des Li Halans leicht verlagert. Seine linke Hand greift hinter sich, taucht auf, wandert in einem Bogen nach oben. Eine Klinge blitzt – scharf, keine Trainingswaffe. Kommt kurz vor Ras' Kehle zum stehen.   

The_Kossack:
Mit gefletschten Zähnen starrt Ras in die Augen so dicht vor ihm, Körper gegen gepanzerten Körper, er weicht nicht zurück, obwohl er weiß, daß eine Drehung und ein Ausweichen zur Seite ihn befreien wird, für einen weiteren Ausfall, einen weiteren Angriff. Aber er will die Entscheidung jetzt erzwingen, das dauert zu lange, seine Ungeduld und seine Wut schreien nach einer Entscheidung, dem Hieb, der die Spannung lösen wird. Er hält den gebundenen Säbel fest, drückt gegen den Druck, gleich gegen gleich, während ein Teil seiner selbst sich fragt, woher der Feind die Kraft geschöpft hat.

Nichts, was der Kirche gefallen kann. Außer den Schwertbrüdern gibt es keine übermenschlichen Kämpfer. Schweißperlen stehen auf seinen Schläfen, der Atem geht schwer - Spannung läuft durch die Kossacken, die zusehen, manchen beschleicht ein seltsames Gefühl dabei, den Kommandanten ohne Helm so aufgebracht zu sehen, das Mienenspiel, den Ärger, den Haß, die Menschlichkeit, vielleicht. Ras spürt die Blicke, aber starrt in die Augen des anderen, der ihn hält, den er hält, Chaos und Ordnung, oder Ordnung und Ordnung, doch von anderer Sorte, im Wesen gleich.

Dann.

Nicht gut genug.

Ras Augen werden schmal, der Haß lodert auf, verdrängt beinahe die Wut. Demütigung, eine Ohrfeige, wo er etwas anderes erwartet hätte. Was? Das Eingeständnis, den seltsamem Moment von Gleichheit?

Du bist ein Narr, hört er eine Stimme, und sie klingt wie Andrei. Haß flackert in seinem Blick, er spannt den Körper wieder, um Enkidi von sich zu schleudern, den verfluchten Kampf endlich zu beenden, jetzt will er Blut. Es geht nicht mehr um den Sieg, jetzt geht es darum, zu zerstören.

Dann - ein Blitzen im Augenwinkel - aber Ras ist gebunden, gefangen im Druck vorwärts, und er spürt die Klinge an der Kehle, die mit Atem bebt, die Muskeln, die sich spannen und hervortreten, Sehnen, das rasend pochende Blut. Er hebt das Kinn, der Kiefer tritt stärker hervor, der Kopf zurückgelehnt, die Augen blitzen unter gesenkten Lidern.

Mein Blut wird ihm ins Gesicht spritzen, wenn er mir die Kehle durchschneidet, durchfährt es Ras, und er wünscht, sein Blut wäre Gift, Säure, könnte mit abertausend Klauen nach den Augen des Li Halan greifen und sie ihm aus dem Schädel reißen. Seine Lippen ziehen sich verächtlich zurück, fast, als wolle er ihn anspucken, und der Haß wandelt sich, zieht sich zurück, wird zu einer schmalen, kalten Klinge. Er hätte den Helm aufbehalten sollen. Was für ein Wahnsinn.

Seine Männer haben die Hände an den Waffen, einer tritt einen Schritt vor. Jevgenij? Ras hebt die Hand, ohne hinzusehen. "Wollen wir sehen...", er atmet schwer, seine Stimme ist rauh, "ob der Li Halan ein Mann ist." Der Blick ist voller Haß und Verachtung. "Woraus bist du gemacht." Fast Frage, fast Herausforderung.

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