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Enkidi Li Halan (N.A.):
Der Li Halan.
Ein kurzes Zucken um die Mundwinkel, ein Beben der Nasenflügel, der Atem eine Spur zu scharf eingesogen.
Der Kossacke weiß nicht, wie sehr er ihn beleidigt und für einen kurzen Moment gefällt ihm die Vorstellung, wie die Klinge seines Dolches die Muskeln und Sehnen des bebenden Halses bis zu den Knochen hinab durchtrennt.
Er liebt es, auf diese Art zu töten.
Aber da sind noch die beiden anderen, und er hat zu lange auf diesen Moment gewartet, um ihn wie ein Narr wegzuwerfen.
Er kann sich Stolz nicht leisten, und letztendlich ist es die Ehre des Li Halan, die auf dem Spiel steht.
Bedeutungslos.
Er hat eine Rolle zu spielen.
Seine Augen werden schmal, die Lippen formen Worte, die dem Hauptmann kühl entgegenwehen.
"Ich töte nicht den Besitz eines Grafen, dessen Gast ich bin."
Er lächelt dünn und senkt den Dolch, tritt in der gleichen Bewegung zwei Schritte zurück. Sein Blick liegt lauernd auf dem Hauptmann, registriert aus den Augenwinkeln jede Bewegung der beiden anderen Kossacken.
"Ihr habt mir vorzüglich gedient, Hauptmann. Das war eine aufschlussreiche Lektion." Etwas blitz spöttisch in seinen Augen.
"Ihr dürft Euch entfernen", sagt er mit einer Stimme, als würde der Trainingsraum ihm gehören.
Als wäre er die Authorität, der sich Ras beugen müßte.
The_Kossack:
Und noch mehr als das. Die Beleidigung. Ihn zu behandeln wie einen Soldaten? Einen gewöhnlichen Mann, der seine erbärmliche Lehmhütte nur verlassen hat, um seinem Herrn auf einem Schlachtfeld zu dienen.
Besitz. Ein Sklave. Er spielt das Spiel mit Andrei, ja, Unterwerfung, ja, absoluter Gehorsam, der von Liebe nicht zu unterscheiden ist. Für Andrei macht er sich zum Sklaven. Für Andrei ist er das und mehr, oder weniger, ganz wie es dem Grafen gefällt. Das aber ist ein Spiel zwischen ihnen, etwas, das den Schmerz besiegt hat, damals, einen Platz hat er bekommen dadurch, und er war dankbar dafür, daß Andrei den Schmerz weggenommen hat. Ein Schmerz, dem zu entgehen sich Herzöge versklavt hätten.
Aber. Das Spiel ist zwischen ihm und Andrei.
Nicht.
Mit.
Dem Li Halan.
Ras fletscht die Zähne in einer Grimasse, die die Kossacken beben lassen, das starre Gesicht ist wie im Wundstarrkrampf verzerrt, jetzt, ein Alptraumgeschöpf mit blitzenden, blutgierigen Augen. Er trägt einen Titel, er ist ein Offizier, der Li Halan weiß das. Er will nachsetzen und ihn töten, entgültig, aber er war Kossacke, der Adlige gewinnt die Oberhand mit knaopper Not, hinter der haßverzerrten Fratze. Er wendet sich zur Seite, ruckartig, als habe er eine Ohrfeige erhalten - während seine Finger einen Handschuh von den Fingern zupfen. Also gut, reißen.
Er dreht sich wieder zu, das Gesicht glüht noch immer vor Haß, ist aber nicht mehr ganz so entstellt - er schleudert Enkidi den Handschuh vor die Füße. "Ich fordere Euch. Wählt die Waffe und dein Zeitpunkt."
Enkidi Li Halan (N.A.):
Ein Duell?
Mit ihm?
Das war lächerlich.
Er hatte Kossacken immer wie Hunde behandelt, denn das waren sie, Hunde des Krieges. Zu grob als dass sie die Feinheiten eines Kampfes unter Adligen schätzen könnten. Gut zum Training vielleicht, und unverzichtbar auf dem Schlachtfeld.
Aber ein Duell?
Er starrt in die grünen Augen, in denen der Haß und der Wunsch zu töten brennt. Neigt leicht den Kopf zur Seite und begreift, dass er ihn tatsächlich beleidigt hat. Sein Name.... Ras Chandra Decados. Es dauert etwas, bis er den Gedanken zuordnen kann.
Dann – die Erinnerung an ein Gespräch. Ja, richtig. Graf Mandin.
Was für eine seelenvolle Kreatur. Seine Art zu kämpfen, feiner, gebildeter, eleganter.
Etwas wehrt sich dagegen, die Erinnerung freizugeben, aber er ist stärker, nimmt sie sich, denn er braucht sie. Um den Gegner richtig einzuschätzen. Der Hauptmann ist von Adel. Und Edenya hat nicht alles ausgelöscht, was das bedeutet.
Für einen Augenblick ist er versucht, nach dem Geist des Kossacken zu greifen. Menschen.... ließen sich so viel leichter einschätzen.
Aber dafür war später noch Zeit.
Zeit.
Ja, er hat Zeit. Der letzte Widerstand tief in seinem Inneren ist erstickt und es herrscht Stille. Nur das Rauschen seines Blutes.
Er prägt sich das Gesicht, die hasserfüllte Fratze, die vor ihm lauert, ein und weiß, dass der Hauptmann ihm helfen wird, sein Ziel zu erreichen.
gute wahl, enkidi, wispert er in die Dunkelheit.
Seine Züge straffen sich, werden kühl und emotionslos wie seine Stimme.
"Wie ihr wünscht, Hauptmann Chandra.
Schwert.
Mitternacht."
Ein Lächeln, und er blickt zu dem Banner der Mantis, das sich samten an die Wand des Raumes schmiegt.
"Gleicher Ort?"
The_Kossack:
Ras Chandra ringt um Fassung, ringt darum, die Würde zu behalten, die er für sich fordert. Er ist kein Tier, wenn die Leidenschaft jetzt auch rast. Sie rast wie schon lange nicht mehr. Aber der Preis.
Er tritt zurück, gemessen, schneidig, wie bei der Parade, wenn er dem Oberst Bericht erstattet hat, oder dem Jakovianer. Der Li Halan ist ihm zu ruhig, zu kalt, etwas daran gefällt ihm nicht, aber er kann es nicht einordnen, weiß nicht, was es bedeutet. Will es nicht wissen.
Zwei Männer, ein Duell. Enkidi mag die Regeln bestimmen - die Waffe, die Dauer des Kampfes, sogar, ob sie gerüstet sein werden oder nicht. Ob sie Schilde tragen werden, oder dem Stahl entgegentreten werden wie Hazat es tun.
Er strafft sich, spürt den Zorn rasen und kreischen wie eine severische Furie, ein Beben geht durch seinen Körper, als er wieder den Instinkt niederkämpft, Enkidi hier und jetzt anzufallen.
Duell. Es gibt Vorbereitungen zu treffen, der Sekundant muß gewählt werden, Andrei muß es erfahren, er muß den Attentäter fangen, bevor das geschieht, und er muß seine Angelegenheiten regeln. Nur für den Fall, daß Enkidi ihn tötet. Aber was gibt es schon für Angelegenheiten, wenn es keine Linie mehr gibt, um die man sich zu kümmern hat; es bleibt nichts übrig bis auf die Treue zum Lehnsherrn.
"Mitternacht, an diesem Ort", sagt er, die Stimme etwas gepreßt, weil die Wut bis zu seiner Kehle hoch tobt. "Ich werde meinen Sekundanten schicken, um die Regeln festzulegen."
Sei kein Narr, Ras, sagt da wieder die Stimme, die klingt wie Andrei. Die Regeln wurden bereits gebrochen, wieder und wieder. Das ist kein höfisches Duell. Du willst ihn töten. Dann tue es.
Ras schiebt den Säbel zurück an seinen Platz, sieht jetzt zur Seite, wo Jevgenii und Boris und noch einige andere Kossacken stehen, die mit dem plötzlichen Wandel ihres Kommandanten nichts anfangen können - zu plötzlich, zu stark, sie würden murmeln, aber sie tun es nicht, das wird später geschehen, wenn er nicht in der Nähe ist. Ihnen ist er so verpflichtet wie Andrei. Er führt sie, er ist das Vorbild, er muß alles das sein, wonach sie streben. Immerhin steht er bei ihnen im Kampf, führt von vorn, nicht von einem Feldherrenhügel. Sie kennen die Regeln eines Duells unter Adligen nicht, und Ras spürt, wie sein Atem jetzt leichter geht, wie der Haß sich in die Fasern seines Körpers zurückzieht, langsam, wie warnend, ihn nicht zu vergessen.
Wann hat er sich das letzte Mal so lebendig gefühlt? In Andreis Armen. Haß, Begehren und Zerstörungslust sind alles, was von ihm geblieben ist. Sein Blick folgt kurz Enkidis zum Mantisbanner, sieht seine Herrin dort, Grün auf Schwarz.
Dann wieder zu dem Li Halan, der alles das in Frage gestellt hat.
"Ich warte auf Euch."
Enkidi Li Halan (N.A.):
"Tut das." Er muss sich zügeln, damit die Worte nicht so höhnisch klingen, wie sie gemeint sind.
Der Kossacke brennt, die Hitze seines Zorns wogt ihm spürbar entgegen, brandet gegen seine Haut und lässt ihn zittern vor Erregung. Die Entscheidung muss warten, aber dieses Feuer wird auch in ein paar Stunden noch heiß genug sein.
Er verlässt den Kampfplatz, erinnert sich aber gerade noch rechtzeitig eines kleinen Details, dass er dem Hauptmann nach allen Regeln der Kunst schuldig ist. Eine Verbeugung. Knapp und wohl bemessen.
Dann wendet er dem Hauptmann den Rücken zu. Fast hofft er, dass der Decados seine Chance nutzt. Doch der Augenblick verstreicht.
Der Li Halan wirft das Übungsschwert achtlos zu Boden, greift nach dem eigenen Waffengurt und legt ihn an.
Ohne ein weiteres Wort verlässt er den Raum.
Vom Decados-Sektor strebt er in Richtung seiner Quartiere – ohne große Eile, aber wachsam. Ein Teil seiner Aufmerksamkeit suchts stets nach jemand der ihm folgen könnte. Der in den Schatten lauert oder eine verborgene Waffe trägt. Ein Instinkt, den er niemals ablegen wird, und besonders nicht jetzt.
Er ist alleine hier, ohne Verbündete. Sein Einfluss ist in den endlosen Fernen, die zwischen Planetensystemen liegen, verweht wie Staub. Niemand, dem er vertauen könnte. Abgeschnitten von allem woraus er seine Macht zieht, wegen dem verfluchten Li Halan.
Seine Lippen schürzen sich verächtlich, und er fegt den Gedanken ärgerlich beiseite.
Biegt in einen Gang der Station ab und sieht sich selbst in einem Spiegel, den irgendein Architekt hier anbringen ließ, um die Illusion eines weiten Raumes in der Enge der Station zu erschaffen. Goldumrandeter Prunk, um dem Anspruch der Adligen an eine wohnliche Umgebung zu genügen.
Seine Kiefer mahlen aufeinander, als er sich sieht. Schwarz, weiß, rot. Die Farben der Li Halan. Das Gesicht ist schmaler geworden, dunkle Schatten liegen unter den Augen. Langes Haar. Er schnaubt und blickt in seine schwarzen Augen, ja, unverändert dieses Mal.
Die ganze Gestalt ist eine Beleidigung und er dreht sich weg, hastet mit einem Mal den Gang hinunter.
Er hat einiges zu erledigen.
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