Pen & Paper - Spielsysteme > Pathfinder/3.x/D20
[Überzeugt mich von] Eberron
Visionär:
Erstmal vorweg:
Es gibt soviele Rollenspielsettings und -systeme auf dem Markt, so dass keines mehr Einzigartig ist. Doch Einzigartigkeit ist auch garnicht verlangt, damit ein Setting gut und spielbar ist. Alle neues Settings sind Mischungen von Elementen anderer Settings, somit kann man sie auch übertragen, wenn man sich denn die Arbeit machen will. (Wer dieses Punkt diskutieren will, eröffne einen eigenen Thread.) Weiterhin kann man sich auch alles selbst aus denken, oder es mit System X oder Y machen, wahr. Dennoch beraubt es Settings und Systeme auch neue Settings, die das Rad nicht neu erfinden, nicht ihrer Daseinsberechtigung. Einige Leute haben nicht die Zeit und Energie etwas eigenes zu schaffen. Sie wollen spielen.
Und jetzt überzeuge ich dich von Eberron:
Eberron ist D&D, wenn dir D&D nicht gefällt, dann wird dir Eberron wohl auch nicht gefallen. Aber Eberron ist D&D, wie es sein sollte, nicht so langweilig und starr wie in anderen Settings.
Die Gesinnungen sind aufgeweicht, was eine ganze Plethora grauer Charaktere erlaubt und die Stereotypen D&Ds beseitigt. Der Kleriker der Silber Flamme (Religion, die dem Guten verschrieben ist) ist in Wahrheit ein korruptes Schwein, das kleine Ministranten verführt. Der fiese Karnathische Korporal, der seine Untoten Legionen kommandiert, hat ein Herz für kleine Kinder und rettet das Leben eines Breländischen Mädchens.
Die Welt steckt voller Abenteuer. Das Kampagnenbuch ist lebendig geschrieben, es gibt viele spannende Orte, an denen die Möglichkeit für Intrigen, Geheimnisse oder spannende Abenteuer sitzen. Keine Wertewüsten wie in den Forgotten Realms Büchern, sondern echte Inspirationen.
Keine Patchworkkarte sondern eine kohärente Historie und Geographie. Eberron ist aus einem Guß gemacht. Die Geschichte steht, alle Länder und Kontinente sind mindestens Ansatzweise beschrieben und stehen im Verhältnis zueinander. Keine nachträglichen Veränderungen oder Länder, bei denen mann fragt: "Kann das sein?". Man hat das Gefühl, die Welt ist in sich stimmig.
Fantasy, Noir und Pulp - Eberron erlaubt nicht nur die klassische DungeonCrawl - Fantasy. Es nimmt auch Elemente aus Noir - Romanen (Gangster - Filme) oder es unterstützt Geschichten aus dem Pulp - Genre. Geht und erforscht die unbekannte Insel des Schreckens vor der Küste Riedras für die Morgrave Universität.
Interessante Organisationen: Begleite die Kirche der Silbernen Flamme auf ihrem Kreuzzug. Bekämpfe die Terroristen der Smaragdklaue. Verhindere die Agenda des Herrn der Klingen. Was wollen die Herren des Staubs? Wer ist das Träumende Dunkle? Schließ dich Haus Lyrandar an, und erobere die Lüfte, oder stelle dich in den Dienst der Zitadelle, um dem König zu dienen!
Magie, geschickt genutzt! Magie ist als Thema in Eberron sehr präsent. Zumindest Magie der niedrigen Grade beherrschen viele Leute, vor allem die Magewrights, magische Handwerker, die der Mittel- und Oberschicht ein angenehmes Leben bescheren. Warum sich das Leben nicht mit Tensers schwebender Scheibe vereinfachen? Warum Botschaften nicht einfach per Zauberei verschicken?
Hier gibt es wohl die größten Bedenken seitens Kritiker: Aber man sei beruhigt. Niedrigstufige Magie erleichtert das Leben nur, es stiehlt den SCs keine Abenteuer. Die richtig starke Magie und Leute, die diese wirken können, kann man in Eberron hingegen an einer Hand abzählen... Im Gegensatz zu den FR, wo überall ein Erzmagier Stufe 20+ sitzt.
Schöne neue Rassen:
Der Warforged - Erschaffen für den Krieg und doch im Besitz einer Seele. Geplagt von Existenzfragen und Konflikten in den Wirren des Friedens.
Das Wechselbalg - Meister der verschiedenen Formen, der perfekte Spion. Und doch ist er nirgends richtig akzeptiert.
Der Shifter - Abkömmlinge der Lykanthropen, fähig tierische Kräfte in sich zu wecken.
Kalashtar - Menschen, die einen fremden Symbionten aufgenommen haben. Meister psionischer Künste und Vertriebene aus dem eigenen Land.
Wer klassische Fantasy mag, der kann andere Settings finden und der wird auch an Eberron zu mäkeln haben. Aber mal ehrlich: Wenn ich Orangensaft mit Bier vergleiche, dann kann ich Letzterem nicht den Vorwurf machen, es sei Alkohol drin, wenn ich Alkohol nicht mag. Wer nicht nach links und rechts schauen kann und will, der bleibt bitte bei seinem Kram. Wer lange Fantasy gespielt hat, immer D&D will, aber einen frischen Wind reinbringen möchte, der greife zu Eberron.
Teclador:
Gut damit erledigt sich mein Post. SdÄ bringt die Sache recht gut auf den Punkt.
K!aus:
Na dann werde ich mich hier einmal zu Wort melden und wenn es nur deshalb ist um mich vor Selganor zu rechtfertigen :D Nicht dass ich dir etwas übel nehmen würde, aber ich war damals selbst recht müde, recht unvorbereitet und hatte von dem Setting noch nicht allzuviel Ahnung. Von daher glaube ich dir ohne weiteres, dass es nicht wirklich anders war als sonst.
So, das wäre erledigt ;)
Und nun zum offiziellen Teil: Bevor ich anfange stellt sich natürlich die Frage ob du überzeugt werden kannst. Wie schon andere bemerkt haben, ist ein Kampagnen-Set sicherlich auch eine sehr persönliche Geschmackssache. Mit anderen Worte es kann durchaus passieren, dass meine weitere Beschreibung dich eher abtörnt, als dass dir das Setting zusprechen wird.
Jetzt aber was mir daran so gut gefällt.
Ich fang einfach mal damit an, dass das Setting durchweg etwas düsterer gehalten ist. Es hat gerade ein 102jähriger Krieg gewütet, der vor vier Jahren beendet wurde. Vor 2 Jahren bekamen die Warforgeds offiziell ihre lebende Existenz zugesprochen und momenten befindet sich alles im Wiederaufbau. Die Stimmung ist gedrückt, da viele noch im Schock sind, überall Denk- oder Mahnmäler an die Gefallenen erinnern, viele in Angst leben, dass durchaus wieder ein Krieg ausbrechen könnte und manche das Ende des Krieges noch gar nicht wahr haben (können). Magie ist mächtig und durch die Drachenzeichen DER Motor der Wirtschaft, Psi ist bekannt, kommt jedoch nicht recht an die Öffentlichkeit, da die Kalashtar und Inspired sich in den Schatten aufhalten. Für die Religion ist eine monotheistische und eine polytheistische Kirche vorhanden. Die erste - die Silberne Flamme - eine sehr radikale Kirche und an manchen Orten sogar durch und durch von Korruption durchdrungen. Die andere Kirche - die Obersten Heerscharen - ist da etwas liberaler.
So, als grober Abriss bewgen sich die Charaktere darin.
Was mir nun als Richtlinen sehr gefällt, ist dass mit gängigen Klischees wie z.B. Gut und Böse oder Drachen aufgeräumt wird. Nach meiner bisherigen Erfahrung leite ich es (das ist MEINE persönliche Sichtweise) als eine Mischung aus SR und Vampire. Die Charaktere bekommen teilweise dubiose Aufträge und auf der niedrigen Stufe sind sie noch dankbar für das verdiente Geld. Sie legen sich mit korrupten Kirchenanhängern an und haben mittlerweile einen Vampiren als Verbündeten.
Sehr gut finde ich also das Spiel in dem Graubereich zwischen Gut und Böse. Gibt es Freundschaft oder nur Zweckbündnise? Wie sieht es mit der Moral aus? Können die Charaktere wirklich die Frau auf den Scheiterhaufen wandern lassen, nur weil der Priester sie für Bessesen erklärt - oder will er damit seine Spure an ihr verwischen, dass er nicht keusch war. Und der Warforged? Was tut er nun, nachdem ihm der Sinn seiner Existenz - der Krieg genommen wurde. Was ist Sinn?
Ich bin dankbar für meine Spieler, auf dass wir solche Momente der Moral und der Philosphie erleben dürfen. Von daher bin ich der Meinung, dass Eberron ein unglaubliches Potenzial hat. Ganz untypisch für das gängige Klischee von DnD - hack and slay. Oder zu deusch: DnD = Druff und Dewetter.
Hier versuche ich die aktuelle Geschichte niederzuschreiben. Ist natürlich nicht ganz ausführlich, da ich etwas hinterherhinke.
Hope that helps.
Cheers, Evil DM
P.S.: Was ist eigentlich mit SdÄ - unserem Eberron Experten los?
Edit: Okay, er ist doch da. ::)
Selganor [n/a]:
Sicher ist nicht 100%ig gesagt ob man eine bestimmte Person (oder den Fragesteller) so von einem Setting ueberzeugen kann, aber durch derart klare Ansagen faellt es einfacher sich eine Meinung zu bilden als in "normalen" Threads in denen "Fanargumente" wie "geniales Setting", "Spitzenklasse" o.ae. drin sind.
Vash the stampede:
Jetzt mal eine Frage vom Rand: Lohnt es sich das Setting anzuschauen, auch wenn man es nicht mit den D&D-Regeln spielen wollte?
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