Pen & Paper - Spielsysteme > Pathfinder/3.x/D20
[Offen] D&D und D20 wirklich unterschiedliche Dinge?
Mc666Beth:
Da immer behauptet wird D&D sei nicht D20 habe ich mir Zeit genommen und darüber nachgedacht, ob dies wirklich so ist. Ich persönlich bin da etwas skeptisch aber erstmal gleite ich in ein anderes Genre ab, um besser das erklären zu können was ich denke.
Fangen wir bei den Computerspielen an. Moderne Computerspiele haben eine Engine, welche sich meist aus der Grafikengine, der Ki und der Physik zusammensetzt. Dieses Engines wird stellenweise von Firmen hergestellt und an andere verkauft. Ein Spielentwickler kauft also eine Engine um für sich selbst den Entwicklungsaufwand zu reduzieren.
Manche großen Firmen, wie id (Doom) oder auch Epic (Unreal) bringen ihre neuste Engineversion mit einem Spiel auf den Markt. Dies hat zwei Vorteile. Der erste ist, dass durch den Gewinn schon mal Geld in die Kassen kommt und zweitens man seine Engine dem Publikum in einer breiten Masse vorstellen kann. Für die Firmen welche an dieser Engine interessiert sind ist das fertige Spiel also eine Demo. Aus diesen Engines entstehen meist Spiele die völlig anders sind als die „Demos“ der Entwickler. Es entstehen mit ihnen andere Spielarten und auch das Feeling und der Look wird oft so verändert, dass man nicht sagen kann das ist die Doom-Engine.
Übertragen wir das jetzt auf Rollenspiele und in diesem Fall auf D&D. D&D ist nichts anderes als ein Doom3 oder ein Half-Life 2, eine Demo die zeigt, was dieses System leisten kann und zugleich Werbung ist. D20 ist eine Engine mit der D&D betrieben wird. D20 wird für viele andere Systeme genutzt, welche meist auf den ersten Blick ganz anders aussehen als D&D. Soweit könnte man also sagen, dass D&D und D20 nicht das Selbe sind. Aber wenn man genauer hinschaut ist es doch nicht so. Wir haben bei Rollenspielen ein Problem, dieses ist, dass das gewählte System sehr zu Spielgefühl beiträgt. Dies wird auch gerne „Systeme does matter“. Ich persönlich kann es nur an Cthulhu D20 und World of Warcraft festmachen, aber diese beiden Systeme fühlen sich an wie D&D, riechen wie D&D und schmecken auch so. Dies liegt vor allem an grundsätzlichen Wurfsystem, und anderen Mechanismen wie Klassen und Stufen. Das zweite was gegen ein eigenständiges System spricht ist, dass man zum spielen von D20 in der Regel das Playershandbook von D&D braucht, somit sind D&D und D20 nicht wirklich separiert. Daraus folgt für mich das D&D und D20 nicht unbedingt so unterschiedlich sind wie immer behauptet wird.
Gehen wir aber noch mal zum Thema Computerspiele über. Dort gibt es das was sich Mods nennt. Counterstrike dürfte einer der bekanntesten sein. Diese Mods nutzten modifizieren das originale Spiel soweit, das es etwas anderes ist. Sie laufen meistens nicht ohne das „Hauptspiel“ welches gut in die Abhängigkeit von D&D und D20 passt, da man für die meisten D20-Produkte den Playersguide von D&D braucht. Auch merkt man den Mords meistens am Spielgefühl sehr genau an wo sie herkommen, auch wenn sie gewisse Spielmechaniken ändern oder es auch in eine andere Epoche legen. Teilweise ergänzen sie auch das Hauptspiel um gewisse Optionen oder zusätzliche Kapitel.
Was sagte uns das aber für D&D und D20?
1. D20 ist zu großen Teilen abhängig von D&D (Spielerhandbuch). Es mag ausnahmen geben, wo dies nicht der Fall ist aber es gibt auch mittlerweile Mods für PC-Games, die dank Entwicklerunterstüzung das Hauptspiel nicht mehr wirklich brauchen, dies ist aber die Ausnahme.
2. D20 ergänzt D&D. Viele Spieloptionen (Klassen, Feats, Optionalregeln usw.) welche über das D20-Label auf den Markt kommen sind teils dazugedacht D&D zu ergänzen. Sie
3. Selbst wenn mit D20 etwas sehr fremdartiges zu D&D umgesetzt wird, so merkt man doch noch immer sehr deutlich durch das Feeling woher es kommt und es schmeckt meistens auch nach D&D Stichworte hierzu sind zum Beispiel Cthulhu D20, World of Warcraft RPG, Star Wars D20, Fading Suns D20.
Für mich schließt sich daraus, dass D&D und D20 eigentlich das Selbe sind. D&D war die Demo und ist wohl das was am meisten verbreitet D20 Spiel ist. Auch das die meisten D20 eher Mods zu D&D sind als eigenständige Sachen verdeutlich dies für mich. Ich denke man kann also nicht pauschal sagen D&D und D20 sind zwei völlig verschiedene Dinge sondern eher sehr nah verwandt.
Ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen aber bitte ein paar Dinge beachten: kein Systemkrieg, keine Powergaming-Diskusionen sondern wirklich am Thema bleiben, deshalb steht es in Rollenspieltheorien und nicht in der D&D sparte, da ich mir denke, dass es dort wieder zum Systemkrieg ausartet.
Bitpicker:
Verständnisfrage eines noch nie mit D&D und d20 in Berührung gekommenen Spielers: ist es nicht so, dass es auf der einen Seite (A)D&D,also die D&D-Ausgaben vor d20 gibt, und ein d20 D&D auf der anderen? Dieses letztere D&D ist zwar quasi das Default-d20-Spiel, aber als solches kann es sich m.E. nicht grundlegend von anderen d20-Spielen unterscheiden; aber vielleicht meinen Leute, die den Unterschied beschwören, auch ältere D&D-Versionen.
Robin
Mc666Beth:
Nein es geht darum, das D&D (akrtuelle Version 3.5) bei seinem erscheinen mit Version 3.0 einen D20 Standart gesetzt hat, der es RPG-Autoren erlaubte über die OGL kompatibels Material zu erstellen oder auch Settings. Sie mussten nix für das System bezahlen, durften aber gewisse dinge wie Charaktererschaffung und XP und Stufenaufstiegen nicht in ihren Buch haben, da musste man auf das D&D Spielerhandbuch zurückgreifen. mittlerweile wurden viele System in das D20 System übersetzt.
Einige haben das Spiel mehr oder auch weniger verbogen. Meine These ist auch wenn immer gesagt wird D20 und D&D seinen unterschiedliche Dinge, so ist das nicht richtig.
Selganor [n/a]:
--- Zitat von: Chrischie am 23.02.2006 | 16:11 ---Da immer behauptet wird D&D sei nicht D20 habe ich mir Zeit genommen und darüber nachgedacht, ob dies wirklich so ist.
--- Ende Zitat ---
D&D ist nicht identisch mit dem "d20 System" (das es ja als solches gar nicht gibt)
Hier mal ein paar Fakten:
D&D ist d20 (oder zumindest die Basis fuer das SRD)
d20 Modern ist d20 (oder zumindest die Basis fuer das Modern SRD)
Arcana Unearthed/Evolved ist d20 (Kurzform fuer "ist ein d20 System - egal ob jetzt mit d20 Lizenz oder nicht)
Ist D&D recht aehnlich nur mit modifizierter Magie und KEINEN gemeinsamen Rassen/Klassen (ausser den Menschen) zu D&D.
Kompatibiliaet zu D&D: Sehr hoch, aber in Teilen problematisch in der Umsetzung (da komplett neue Rassen/Klassen die teilweise bestimmte Dinge im Hintergrund benoetigen)
Iron Heroes ist d20
Es ist D&D recht aehnlich, nur ohne Magie (oder mit sehr unzuverlaessiger Magie), anderen Charakterklassen, merh Kampfoptionen und allgemein "faehigeren" Charakteren.
Kompatibiliaet zu D&D: Sehr hoch, bestimmte Situationen (in denen man nur mit Magie weiterkommen kann muessen mit "Tricks" geloest werden)
Jeremiah ist d20
Man spielt Jugendliche in einer beinahe postapokalyptischen Welt in der (vor ca. 15 Jahren) alle Menschen die zu dem Zeitpunkt die Pubertaet schon erreicht haben getoetet wurden.
System ist ziemlich toedlich (alle haben dieselben 25 HP die NIE mehr werden)
Kompatibiliaet zu D&D: So gut wie keine. Bestenfalls ein paar Feats sind portierbar.
Judge Dredd ist d20
Postapokalyptisches Setting in dem die Menschheit in wenigen "Megacities" leben, der Rest ist radioaktiv verstrahlt.
Es gibt 2 Klassen: Judges (nochmal unterteilt in Street Judge und Psi Judge) und Perps ("normale" Leute). Judges sind die Ueberhelden, Perps koennen kaum was.
Kompatibiliaet zu D&D: So gut wie keine (bestenfalls ein paar Feats)
Mutants&Masterminds ist d20
Superhelden unterschiedlichen Powerlevels. Andere Wuerfel als d20 sind "abgeschafft", Hitpoints werden durch einen "Toughness Save" und Wunden ausgetauscht, keine Charakterklassen Pointbuy-System
Kompatibiliaet zu D&D: Wieder bis auf wenige Feats kaum kompatibel.
True20 ist d20
"Einfaches" D&D. 3 Charakterklassen (Kaempfer, Zauberwirker, Skillbegabter), Attribute werden durch Modifier abgeloest, Skilllevel sind "abgeschafft"
Kompatibiliaet zu D&D: Sollte bei gleicher Stufe aehnliche Ergebnisse geben nur sehen die Charaktere extrem anders aus.
Also: Was ist jetzt "d20"?
Dass viele d20-Produkte fuer D&D sind liegt einfach daran dass man mit dem d20-Logo fuer D&D "passende" Produkte herausbringen kann ohne eine teure D&D-Lizenz zahlen zu muessen.
Bitpicker:
@Chrischie: ok, das ist jetzt klarer.
@Selganor: ich glaube nicht, dass es ums Setting geht. Die meisten deiner Unterschiede begründen sich über das Setting. d20 ist sicher kein Setting, aber es ist ein Regelsystem und als solches offensichtlich als Werkzeug, als Engine, wie Chrischie geschrieben hat, gedacht. Ich denke, die Frage ist, ob es dabei so viel Flexibilität bieten kann, dass am Ende etwas stilistisch anderes als D&D herauskommen kann (also vom Spielstil her, nicht vom Setting oder thematischen Genre her). Das ist eine berechtigte Frage: weil d20 mit D&D thematisch verbunden ist, wäre es für mich z.B. grundsätzlich keine Alternative, weil Systeme wie das von D&D (früher) meinem Stil nicht dienlich sind. Wäre es möglich, mit demselben Systembaukasten auch einen völlig anderen Spielstil zu bedienen, gäbe es tatsächlich den Unterschied, nach dem Chrischie sucht.
Robin
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