Medien & Phantastik > Hören
Warum hören so viele Rollenspieler Metal?
Plansch-Ente:
Es sind eben sehrwohl klassische Kompositionsmuster zu hören! DARUM ging es...
Tequila:
--- Zitat von: Stormbringer am 24.01.2008 | 14:12 ---Auf einem Klassik- oder Jazzkonzert dürften IQ und Bildungsniveau in Schnitt tatsächlich höher sein.
--- Ende Zitat ---
Bildungsniveauu vielleicht, Gehaltsniveau bestimmt, IQ wäre ich mir nicht so sicher...
Rasumichin:
--- Zitat von: Turning Wheel am 24.01.2008 | 14:21 ---Was mir persönlich auffällt, ist dass ich besonders wenige Jazz-, Punk- und Klassik-Hörer kenne, die Rollenspieler sind.
--- Ende Zitat ---
Ich habe schon in Gruppen gespielt, die neben dem einzigen rollenspielenden Metaller in meinem persönlichen Bekanntenkreis ausschließlich aus Punk- und Klassikhörern bestanden.
Gut, ich habe auch generell einen stark Punk- und Ska/Rocksteady-affinen Freundeskreis, das mag das erklären.
Andererseits kenne ich haufenweise Metaller unter denen sich, wie gesagt, nur ein einizger (Ex-)RPGler befindet.
Jazzer kenne ich nur wenige, aber die haben auch alle keine Zeit für RPGs, weil sie nur mit Mucke machen, aufnehmen oder im Proberaum Bier trinken beschäftigt sind, wenn sie nicht Musik studieren.
Persönlich habe ich mit Metal jenseits von alten Metallica- oder manchmal Motörhead-Alben nichts am Hut und ziehe Punk, Ska, Indie und HipHop vor, mit eklektischen, wenn auch sehr selektiven Ausflügen in andere Genres.
Preacher:
--- Zitat von: ChaosAptom am 24.01.2008 | 14:25 ---Woher weisst du, dass die Schnittmenge nicht genauso gross ist?
--- Ende Zitat ---
Das ist eine reine Spekulation, eine gefühlsmäßige Abschätzung auf der Basis der Rollenspieler die ich kenne und ihres Musikgeschmacks.
Und offensichtlich sieht das zumindest der Threadersteller ähnlich.
Wenn Du da andere Erfahrungen hast, dann glaub ich dir das gerne.
Am liebsten wäre es mir aber, wenn da jemand mit belastbaren Zahlen ankäme, damit man da nicht weiter spekulieren muss.
--- Zitat von: Noir am 24.01.2008 | 14:30 ---Es sind eben sehrwohl klassische Kompositionsmuster zu hören! DARUM ging es...
--- Ende Zitat ---
Welche? Und wo?
Und nochmal. Die Abwesenheit solcher Muster macht die Mucke ja nicht schlechter. Meshuggah zum Beispiel sind ganz grandios, aber die zeigen der Harmonielehre zum Beispiel ganz bewusst und mit Absicht den Finger. Und Napalm Death setzen nun auch nicht gerade auf Konsonanz. Die Stärken dieser Musik liegen an anderen Stellen und gerade Stücke von Death oder Morbid Angel sind ausgesprochen anspruchsvoll.
Minne:
Ich versuch mich mal als Hobbysoziologe : Rollenspieler neigen (Achtung, nur eine Tendenz!) dazu Leute zu sein, die ihrer eigenen mittelständischen Lebenswelt, welche in der Regel wenig spannend und wirtschaftlich weitgehend gesichert, sowie häufig mit einer langweiligen oder nicht als sinnvoll empfundenen Tätigkeit (Schule, BWL-Studium, wassweisich) verbunden ist, eine bonbonbunte oder aufregend düstere Phantasiewelt entgegenzusetzen in die man sich kollektiv hineinversetzt. Ich glaub man kann sagen, dass das sowas wie ein Versuch ist die Entfremdung die die Menschen in unserer Gesellschaft erfahren in der kleineren sozialen Basis zu überwinden und ein als farblos oder sinnlos empfundenes Leben mit "Magie" zu füllen. Dem Nihilismus und Funktionalismus der Gegenwart werden so Pseudowerte wie "authenzität", "phantasie", "heldentum" oder sowas entgegengesetzt.(Wobei man erstaunlich viel von der oft als feindlich betrachteten Außenwelt in das Spiel hineinträgt, wenn ich mir mal die DSA-Bürokratie anschaut, aber das nur am Rande. Und auch ein teilweise schon wieder sehr ambivalentes Verhältnis zu den eben von mir Aufgezählten Werte hat, ohne dass man deren Faszination überwinden könnte) Im Grunde ist das ein ziemlich romantischer Moment, diese Sehnsucht nach dem fernen Aventurien, das man ja doch nie *wirklich* betreten kann, der oberflächliche Rückgriff auf alles was irgendwie mystisch und geheimnisvoll ausschaut - als Gegenwelt zur eigenen Wirklichkeit. Naja, und warum jetzt Metal? Weil Metal, also speziell klassischer Metal, Hard Rock, Powermetal das genauso auch tut. Mystik, Geheimnis, Gewalt die man aus eigener Erfahrung meist kaum kennt, Pathos und Kitsch. Klassisches Rollenspiel und Powermetal - das passt wie die Faust aufs Auge. Im übrigen glaube ich kaum, dass Rollenspieler überdurchschnittlich intelligent sind. Gut, vielleicht am Bundesdurchschnitt, aber Rollenspieler entstammen ja auch in aller Regel dem bildungsbürgerlichen Mittelstand, welcher ja allgemein besser ausgebildet ist als die prekären Schichten. Mehr ist da aber imho nicht dran.
Bevor mich jetzt jemand wegen dieser eher negativen Einschätzung angreift : Da ist auch viel selbstkritik mit drin. :P
Ach jetzt kommen die ganzen Metaljünger die sich selbst beweihreuchern wie anspruchsvoll Metal doch sei. (jaaa, komm, erzählt mir nix, ich hab selbst hunderte Metalalben auf Platte, ich kenn die ganze Palette und hab Haare bis über die Schultern) Ich sag euch was : Ein guter Metalsong besteht aus 2-3 eingängigen Riffs, vier-fünf Sekunden Solo und zwei Drumpatterns mit nem gelegentlichen Fill-In. Klassische Kompositionsmuster? Strophe, Refrain, Solo? Ab und zu ne klassische Kadenz? Wie aufregend! Vieles was am Metal toll ist kam doch erst aus dem Blues und das ist gut so. Man kann sich natürlich auch Malmsteem oder so Shizzle reintun, aber mal ganz ehrlich, welche große Masse der ach so kultivierten Metal-Hörer tut das schon? Und wenn es mir von vornerein um anspruchsvolle Kompositionen geht, warum nicht gleich Bach, Schostakowitsch oder Mahler?
Das ist was, was ich an der Metalszene nicht mag, diese Leute die meinen ihre Musik müsse den Kriterien irgendwelcher literatursammelnder Bildungsbürger oder Musikdozenten aus der Akademie genügen, dabei ist die Kultur für diese Leute doch in erster linie eins : Statussymbol.
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