Pen & Paper - Rollenspiel > Pen & Paper - Rollenspiel- & Weltenbau
[SF: Redshift] Schiffsdesign und Technologie
Dark_Tigger:
--- Zitat ---Das mit der "Abwehrwolke" müsste man nochmal genauer eruieren. Thermitwolke höre ich zum ersten Mal.
Also: bei 15km/s ist ein Projektil iirc das 25fache seines Eigengewichts in TNT wert. Die Energie verschwindet ja nicht, wenn es auf ein paar Sandkörnchen oder Feuerwerkskracher stößt. Statt zu einer Plasmawolke könnte es genausogut zu einer Plasmalanze werden.
Mir ist ein Vergleich eingefallen: ein Meteoroid ähnlicher Masse, der in die Erdatmosphäre eintritt, braucht mehrere Sekunden zum Verglühen und durchläuft in der Zeit mehrere 100km immer dichter werdender Gasmassen.
--- Ende Zitat ---
Ich glaube das vernichten der Geschosse wäre gar nicht notwendig. Wenn dieser Staub das Geschoss 25 km entfernt vom Ziel trifft, und für eine Abweichung von 0,1 Grad erzeugt kann das immernoch dazu führen das das Ziel gar nicht mehr getroffen wird.
Feuersänger:
So, jetzt zum angekündigten Beitrag zum Thema Treibstoffmanagement der Manövriertriebwerke von Raumschiffen.
Erstmal: wie gesagt hat ein Schiff drei Möglichkeiten, seine Lage oder Position zu ändern:
1. Haupttriebwerk; wie gesagt in der Regel ein D-3He Fusionstriebwerk, das Wasser als Stützmasse verwendet. Wasser schlicht weil es billig ist und eine relativ hohe Dichte aufweist und leicht zu speichern ist (im Ggs zu Wasserstoff).
Der Antriebsstrahl kann im gewissen Rahmen abgelenkt werden und so das Schiff per Schubvektorsteuerung rotieren.
2. Schwungräder, strombetrieben, zur langsamen Änderung der Fluglage ohne Treibstoffverbrauch, wenn man die Zeit dazu hat.
3. Manövriertriebwerke / Thruster, zur relativ schnellen Rotation und Translation.
Und bei diesen Thrustern gibt es nun verschiedene Möglichkeiten, diese zu realisieren:
a) chemische Triebwerke. Vorteile: leicht, billig, robust, hoher Schub. Nachteile: Treibstoff muss separat mitgeführt werden, hoher Treibstoffverbrauch. Bei LH/LOx-Triebwerken wäre es möglich, den Treibstoff ständig aus dem mitgeführten Wasser zu elektrolysieren, man bräuchte dann nur relativ kleine Puffertanks. Was dann freilich bedeutet, dass jeder m/s aus den Thrustern die delta-V des Hauptantriebs stark reduziert.
b) elektrische Triebwerke. Vorteile: man kann Wasser als Treibstoff verwenden, höhere V_e als chemische Antriebe möglich. Nachteile: hoher Strombedarf, was heisst dass man Reaktor Radiatoren auf voller Pulle laufen lassen muss, und dennoch keinen besonders hohen Schub erhalten wird.
c) nuklear, z.B. mini-LANTR. Vorteil: hohe Leistung; Nachteile: zusätzlicher Strahlenschutz erforderlich; benötigt Vorwärmzeit, im Falle von Fusion komplexe, teure Technologie. Insgesamt scheint mir das wenig attraktiv zu sein.
d) chemisch-elektrisch bimodal: Wasser wird zunächst aufgespalten, Wasserstoff ionisiert, dann elektrisch beschleunigt und in der Düse mit Sauerstoff verbrannt. Leistung dürfte vergleichbar mit LANTR sein. Wenn man sich gerade nicht erlauben kann, den Reaktor auf Vollast laufen zu lassen, kann man die Thruster aber immer noch als chemische Triebwerke einsetzen.
Das wäre eigentlich ideal: vergleichsweise sparsam im Verbrauch, guter Schub und flexibel im Einsatz.
Nichtsdestotrotz reden wir hier immer noch von, günstigenfalls, einer v_e von 7,5km/s. Also gerade mal ca. 1% der v_e des Haupttriebwerks. Entsprechend stark zehrt jeder Thruster-Burn an der potentiellen delta-V. (Hab's eben mit dem Spreadsheet ausgerechnet, weil das etwas unintuitiv ist: aber jeder m/s aus solchen Thrustern kostet 60m/s aus dem Haupttriebwerk.)
Eine bessere Lösung fällt mir aber nicht ein.
Feuersänger:
--- Zitat von: Dark_Tigger am 26.03.2013 | 17:46 ---Ich glaube das vernichten der Geschosse wäre gar nicht notwendig. Wenn dieser Staub das Geschoss 25 km entfernt vom Ziel trifft, und für eine Abweichung von 0,1 Grad erzeugt kann das immernoch dazu führen das das Ziel gar nicht mehr getroffen wird.
--- Ende Zitat ---
Wenn die Kampfentfernung von vornherein nur ~100km beträgt, sehe ich nicht, wie in den paar Sekunden eine vom Ziel ausgestoßene Störwolke auch nur annähernd so weit rausdriften kann. (Und wenn die Kampfentfernung viel größer ist, kann das Ziel wiederum bequem ausweichen.)
Achja, noch zu Yerhos Beitrag weiter oben:
--- Zitat ---Problematisch bleibt dann noch die Wärmesignatur, die strahlt leider in alle Richtungen. Aber mal eben ein paar Täuschkörper auszusetzen, die mit ganzer Hingabe soviel infrarotes Licht emittieren wie ein abgeschirmtes Schiff ist nun wirklich kein Problem.
--- Ende Zitat ---
So funktioniert das nicht. Damit kann man vielleicht die winzigen Gehirne heutiger Luft-Luftraketen austricksen, aber sicherlich nicht die Sensorphalanx eines ausgewachsenen Raumschiffs von in 200 Jahren. Und erst recht nicht sämtliche Sensorphalangen eines ganzen Sonnensystems gleichzeitig; siehe oben.
Mal sehen ob wir mit den Täuschkörpern irgendwie auf einen grünen Zweig kommen:
Ein D-3He-Antrieb nach meinem Design strahlt als Verlustleistung etwa zu gleichen Teilen Röntgenstrahlung und Neutronen ab. Das meiste davon entweicht ungehindert in den Weltraum. Der Teil dieser Strahlung, der von den eigenen Strahlenschilden abgefangen wird, wird in Wärmestrahlung umgewandelt (Temperatur der Schutzschilde ca. 2000K). Ein glaubwürdiger Täuschkörper müsste also ein entsprechendes Spektrum dieser Strahlungstypen in den richtigen Frequenzbereichen absondern. Auf große Distanz fällt zwar ein Fehlen der Neutronenstrahlung nicht auf (weil die Neutronen deutlich langsamer sind als Licht), aber Röntgen- und Wärmestrahlung müssen in den richtigen Mischungen vorliegen. Schätzungsweise 5GW Röntgen und 2GW Wärmestrahlung. Ein Täuschkörper, der nur Wärme und kein oder wenig Röntgen abstrahlt, wird vielleicht als chemische Rakete identifiziert, aber nicht als Sternenschiff.
(Heutige Röntgen-Generatoren erzeugen ca 100mal mehr Wärme als Röntgenstrahlung. Dürfte also schwierig bis unmöglich sein, das zu faken.)
Solange die Täuschkörper nur ein _ruhendes_ Schiff imitieren sollen, mit abgeschaltetem Antrieb und im Silent-Running-Modus -- ja, das mag funktionieren. Aber so ganz bin ich vom Nutzen nicht überzeugt, eine sitzende Ente zu simulieren.
Wie gesagt, es kommt auf das Szenario an; Piraterie oder Krieg der Sterne; innerhalb eines Systems oder zwischen zwei Systemen.
Wenn von _irgendwoher_ in größerer Distanz ein Hauptantrieb aufflammt und tagelang auf einen zubeschleunigt, merkt man das schonmal. Anhand des nun bekannten Vektors kann man das Schiff auch dann noch sehr gut weiterhin tracken, wenn es den Antrieb längst abgeschaltet hat. Selbst wenn man mal die Ortung verliert, weiß man ja sehr genau wo man suchen muss. UND vor allem, wenn sich ein Schiff der Ortung entziehen will, kann man sich doch sowieso schon denken, dass die irgendeinen Schindluder vorhaben, und ist erst recht auf dem Quivive.
Wenn dagegen die Fetzen schon fliegen, und die Täuschkörper nur die gegnerische Zielerfassung durcheinanderbringen sollen... kann je nach Distanz und Waffensystem vielleicht funktionieren. Ist aber sicher sehr situationsabhängig.
Yerho:
Vorweg, ich möchte das nicht ausufern lassen - wenn Dir meine Einwände nicht helfen, sondern eher alles durcheinander bringen, lasse ich diese Aspekte gerne ruhen und wir konzentrieren uns wieder auf von Dir konkret formulierte Probleme. In diesem Fall den Inhalt des Spoilers bitte ignorieren. :)
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
--- Zitat von: Feuersänger am 26.03.2013 | 16:56 ---zu Coilguns: 10.000km sind natürlich viel, viel zu weit. Die typische gewünschte Kampfentfernung dürfte eher so bei 3-10 Sekunden Flugzeit liegen. Also bei den obigen Parametern in der Größenordnung von 100km.
--- Ende Zitat ---
Das ist die ungefähre Angriffsentfernung von See/Luft-See-Raketen ab Mitte des letzten Jahrhunderts.
Ein heutiger Marschflugkörper wiegt rund 1.500 Kg (davon entfällt rund ein Drittel auf den Gefechtskopf), muss allerdings auch Brennstoff enthalten, um innerhalb der Erdatmosphäre auf Marschgeschwindigkeit zu kommen; was man also im All massiv reduzieren und entweder dem Gefechtskopf zuschlagen oder für andere Schweinereien (im nächsten Absatz mehr dazu) nutzen kann. Die Marschgeschwindigkeit wird dank explosionsartig gezündeter Erststufe (Booster) sehr schnell erreicht (im Vakuum noch schneller) und liegt ca. 240 m/s - langsam im Vergleich zum Coilgun-Wuchtgeschoss, aber eine Kampfentfernung von nur 100 Kilometern ist trotzdem in unter sieben Minuten überbrückt. Eine geringere Trefferchance gibt es durch nicht, denn wie bereits erläutert komm das feindliche Schiff in sieben Minuten nicht sehr weit und der Marschflugkörper kann seinen Zielkurs anpassen.
Nun sollte man meinen, dass sieben Minuten dicke reichen, um die Lenkwaffe herunterzuholen. Dafür muss man sie aber erst einmal in eine saubere Zielerfassung bekommen, was ziemlich schwer ist, denn das ohnehin schon schwache Infrarot-Profil geht überwiegend nach hinten und Radar ist eine unsichere Sache, weil es bereits seit den frühen 80ern des letzten Jahrhunderts eine ausgearbeitete Doktrin gibt, zum einen mehrere Lenkwaffen gleichzeitig auf beweglich und wehrhafte Ziele anzusetzen und pro Gruppe wenigstens einen Flugkörper nicht mit einem Gefechts, sondern mit einem Radar-Störkopf zu bestücken, der einen dichten Störvorhang erzeugt. Man weiß dann zwar, dass etwas kommt, aber man kann die Ziele schlecht isolieren, also auch nur schlecht anvisieren. Bei einem 500 Kg Gefechtskopf muss nur eine einzige Lenkwaffe treffen oder sogar nur nahe genug am Ziel detonieren.
Selbst mehrere 4mm-Löcher abseits vitaler Systeme stören ein Raumschiff nicht sonderlich, zumal man dort ohnehin automatische Reparaturmaßnahmen und Reaktionspläne für Einschläge von Mikrometeoriten vorhalten muss. Auch der Brandschaden ist gering, denn 6 Gramm gleichwelchen Materials liefern nicht viel Zunder und wenn der Raumkrieger auch nur ein bißchen Überlebenswillen hat, wird das Schiff ohnehin bei Aussicht auf Kampfhandlungen evakuiert (hier: atmosphärelos gemacht), weil das nicht nur Dekompression- und Brandschäden verringert, sondern das Schiff auch beweglicher macht. Als Abwehrwaffe feindlicher Anti-Schiffswaffen ist die Coilgun also spitze, nur taugt sie imho kaum als Offensivwaffe.
--- Zitat ---Ich habe auch mit den Coilgun-Parametern nochmal rumgbastelt. Verlängert man das Rohr auf 5 Meter, kommt ein 6g-Kupferprojektil auf 18,5km/s. Ein formgleiches Projektil aus Uran wäre etwa doppelt so schwer und würde auf 12,8km/s beschleunigt. Ist jetzt auch nicht unbrauchbar langsam.
--- Ende Zitat ---
Nur: Je schneller bzw. schwerer das Projektil ist, desto sauberer ist das Loch, wenn es trifft. Nur können kleine, saubere Löcher gar nicht gewollt sein. Nehmen wir mal an, so ein Ding durchschlägt (zumindest das ist sicher) die Panzerung und perforiert ein Starkstromkabel oder eine Schaltplatine ... Im ersteren Fall passiert gar nichts, wenn die Isolierung vorschriftsmäßig ist und im zweiten Fall muss man schon verdammt Glück haben, dass es wirklich eine nicht redundante Schaltung zersägt.
Zum Vergleich: Eine heutige Maschinenkanone feuert um die 1.000 Schuss pro Minute, welche die Kampfentfernung von 100 Km in unter anderthalb Minuten überbrücken. Der Geschossdurchmesser ist größer, man kann gemeine Projektile (Uran, Wolfram, Explosivgeschosse ...) verwenden und was davon durchkommt, produziert ernsthafte Schäden. Das Ganze kostet weniger Energie, funktioniert provisorisch auch noch bei durchtrennten Energie- oder Kühlleitungen und sieht außerdem noch viel martialischer aus, wie es sich für anständige Yessirs und gefährliche Raumpiraten gehört.
--- Zitat ---Darum die Beschränkung der Baugröße und somit Wellenlänge (sichtbares Licht) und Aperturgröße. Die effektive Reichweite als Raumkampfwaffe soll so gering sein, dass ein Gegner mit Coilgun durchaus gefährlich ist.
--- Ende Zitat ---
Wenn der Preis dafür eine komplett hergeholte Kampfentfernung ist, würde ich das zumindest noch einmal in einer ruhigen Minute überdenken. Wenn ich heute (!) in einer planetaren Atmosphäre (!!) meine Gegner aus 2.500 km (!!!) Entfernung und notfalls auch ohne direkte Linie zum Ziel (!!!!) angreifen kann, warum sollte ich dann ausgerechnet im Weltraum auf Spuckweite gehen?
--- Zitat ---Radarschluckende Beschichtungen hin oder her: Stealth- und Ortungstechnologie entwickeln sich bisher gleichmäßig, und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sich daran etwas ändern wird. Mit heutigen Stealth-Fliegern kann man auch nur rückständige Technologie narren. Wer halbwegs moderne Luftabwehr besitzt, schießt auch Nighthawks ab.
--- Ende Zitat ---
Das ist nicht korrekt. Heutige Ortungsmaßnahmen unterscheiden sich von den ersten lediglich im Feinschliff, beispielsweise ermöglichen bessere Elektronik beim Radar höhere Impulsfrequenzen und eine bessere Auswertung rückkehrender Impulse. Trotzdem werden nach wie vor ganz schnöde Funkwellen ausgesandt wie anno Adolf. Hingegen hat sich der Ortungsschutz grundsätzlich weiterentwickelt, sogar trotz des Umstandes, das nach Ende des Kalten Krieges die entsprechenden Forschungsbudgets auf ein 1/15 gekürzt wurden, weil - wie Du ganz richtig schreibst - bei asymmetrischer Kriegsführung Wichtigeres gibt. Über die Budgets derer, die derzeit auf der schwachen Seite des asymmetrischen Konflikts stehen und die den Nachteil ausgleichen wollen, kann man nur spekulieren, aber eins ist klar: Wenn die Konflikte wieder symmetrisch werden sollten, wird auch wieder mehr in diesem Bereich gebuttert.
Ferner unterschlägst Du Du die von mir erwähnte Kombination aus passiven und aktiven Maßnahmen. Wenn das IR- und Radarprofil gering gehalten werden, verschwinden diese bereits in natürlichen Emissionen sehr gut, sind hinter Störvorhängen sehr schlecht zu isolieren und von Täuschkörpern nur durch langwierigeres Vergleichsortung zu unterscheiden - diese Zeit hat man womöglich nicht, was auch für die zwar annähernd täuschungssichere, aber noch trägere gravimetrische Ortung gilt.
Natürlich ist keine Tarnung perfekt, sonst wäre man ja schnell bei Uber-Waffen. Die Aussage "Im Weltraum gibt's kein Stealth, weil isso!" stimmt jedoch schlicht und ergreifend nicht.
--- Zitat ---Das mit der "Abwehrwolke" müsste man nochmal genauer eruieren. Thermitwolke höre ich zum ersten Mal.
Also: bei 15km/s ist ein Projektil iirc das 25fache seines Eigengewichts in TNT wert.
--- Ende Zitat ---
Das entsprächt ungefähr anderthalb Kilogramm TNT, was im Kampf Schiff-zu-Schiff verschwindend wenig ist. Zum Vergleich: Der Gefechtskopf eines Tomahawk-Marschflugkörper trägt knapp 450 Kilogramm TNT, also mal eben das 300fache.
Mit Thermit funktioniert das übrigens nicht, weil die Komponenten (Granulat) in so einer Wolke zu weit gestreut sind um vom Geschoss gezündet zu werden, was vermutlich schon aufgrund der nötigen Zündenergie nicht klappen dürfte. Bei Nanothermit ist die Zündfreudigkeit zigfach höher und die Dichte der kleinen Komponenten ist zigfach höher. Außerdem sind Nanoteilchen sehr leicht, eine Kollision verwandelt also das Projektil nicht in Plasma; es wird vielmehr verbrannt. Die Temperatur der weiter fliegenden heißen Teilchen entspricht der des Thermits, nicht der bei Plasma möglichen.
Das Ganze funktioniert übrigens nicht in einer Atmosphäre, da würde sich die Wolke zu schnell auflösen. Und natürlich kann man immer noch Projektile verwenden, die durch Thermit nicht zu Schlacke verbrannt werden. Nur ist das ganze akademisch, da man diese Abwehr - siehe oben - gar nicht zwingend bräuchte.
--- Zitat ---Was das Zielen auf bestimmte Module angeht: das kann man auch getrost vergessen. Auf 100km Entfernung triffst du höchstens aus purem Zufall eine Coilgun, deren Rohr 3 bis 5 Meter lang und ist und vielleicht 20cm im Durchmesser hat. Da wird man eher die Radiatoren aufs Korn nehmen, sofern diese nicht eingezogen sind. Zumal nichts dagegen spricht, die Coilgun selber auch noch zu panzern.
--- Ende Zitat ---
Unabhängig davon, wie das Schiff im Detail konstruiert ist, die Energie und Kühlflüssigkeitsleitungen zu den Waffensystem müssen den gesamten Querschnitt durchlaufen. Wird eine Hauptader beschädigt, betrifft das alle Systeme, die an derselben hängen.
--- Zitat ---Davon abgesehen: verstecken müsste man sich ja in erster Linie als Eindringling in einem fremden Gebiet. In diesem fremden Gebiet aber kann und wird der Eigentümer desselben _überall_ passive Sensoren platziert haben. Es ist also vollkommen wurscht, ob ein heimlicher Angreifer seine Emissionen von seinem einen aktuellen Ziel weggedreht hat, sofern wir hier von Piraten in einem zivilisierten System reden oder von einem Konflikt zwischen zwei Staaten oder ähnlichem.
--- Ende Zitat ---
Ja, in diesem Fall ist Tarnung auf strategischer Ebene nicht mehr möglich - auf taktischer Ebene jedoch immer noch, denn die passiven Sensoren müssen ja irgendwie melden, was sie aufgefangen haben. Stationäre Sensorbojen abzuschießen ist kein Kunststück und man verliert dabei auch nichts, weil man ja ohnehin bemerkt wurde. Aber wenn die Reaktion erfolgt, hat das Sensornetz Lücken und wer sagt denn, dass man nicht auch als Eindringling Sensorketten auslegt?
Zusätzlich ermöglicht es auch taktische Möglichkeiten, wenn man ins Hornissennest gestochen hat, denn die Verteidiger müssen reagieren, also zum Einfallpunkt beschleunigen, wo der Angreifer inzwischen in Lauerstellung gegangen ist und schon mal eine Feuerleitlösung berechnet. Da kann man den Verteidigern schon mal ein paar Schiffe abknabbern, bevor man selbst beschossen wird. Natürlich nicht, wenn man netterweise wartet, bis dieser auf 100 Km herangerückt ist. ;)
--- Zitat ---Wenn es um die Invasion eines Systems geht, ist die ganze Stealthgeschichte sowieso hinfällig, eben wegen der Chokepoint-Geschichte. Man weiß wo ein potentieller Gegner ankommen wird, und wenn man schon von vornherein weiß wo man suchen muss, findet man auch.
--- Ende Zitat ---
Darum geht es doch die ganze Zeit: Die eigene Präsenz komplett zu verschleiern ist nur in sehr selektiven Szenarien möglich. Den Gegner über die eigene Position hinlänglich im Unklaren zu lassen ist jedoch fast immer möglich, wenn man nicht gerade in einem lückenlos überwachten Bereich operiert, in dem Sensordaten aus allen Richtungen verarbeitet werden.
Feuersänger:
In gewissem Sinn ist der Diskurs über Stealth und Gefechtsführung wie gesagt akademisch, da der Kampf von Schiff zu Schiff zum Zeitpunkt 0 noch sehr die Ausnahme darstellen soll. Aber man kann sich ja schonmal Gedanken darüber machen, wie dann später die Unabhängigkeitskriege aussehen könnten.
--- Zitat von: Fantomas am 26.03.2013 | 20:08 ---Das ist die ungefähre Angriffsentfernung von See/Luft-See-Raketen ab Mitte des letzten Jahrhunderts.
Ein heutiger Marschflugkörper wiegt rund 1.500 Kg (davon entfällt rund ein Drittel auf den Gefechtskopf)
--- Ende Zitat ---
Wir reden ja auch hier momentan nicht von Raketen, sondern von leichter Defensivbewaffnung, deren Kampfentfernung heutzutage bei ungefähr 3km liegt.
Auch sind ja die Sternenschiffe relativ leicht gebaut, mit ca. 300 Tonnen Leergewicht (inklusive Bewaffnung). Das ist gerade mal die Größenordnung eines S-Boots. Im Falle eines Frachters kommen da in der Regel 700 Tonnen Fracht und 2000 Tonnen Treibstoff hinzu.
Ein Grund für die leichte Bewaffnung ist natürlich, dass die Schiffe sich selbst finanzieren müssen, und jede Tonne mehr an Waffen oder Panzerung eine Tonne weniger Nutzlast bedeutet.
Selbst Piraten (so es sie gibt) werden nicht so immens stärker bewaffnet sein, wenn ihr Plan vorsieht, nach vollbrachter Untat mit ihrer Beute in ein anderes System zu springen. Außer freilich, sie arbeiten im Gespann, und haben ein schwerer bewaffnetes Kampfschiff und einen Frachter für die Beute... ja das klingt eigentlich sinnvoll.
Bleibt aber wie gesagt der Umstand, dass b.a.w. keine wirklich schweren Waffen hergestellt werden. Die ersten Lenkraketen im I-War werden selbstgebastelt sein müssen. ;)
Wenn mal irgendwann Schiffe als reine Kampfschiffe ausgerüstet werden, wäre darum allein aus diesem Grund der Angreifer stark im Nachteil: lokale Verteidigungsschiffe können so groß gebaut werden, wie man es sich leisten kann, während die Invasorenschiffe ja relativ kompakt sein müssen. Aber bis dahin ist sowieso noch eine lange Frist.
--- Zitat ---Als Abwehrwaffe feindlicher Anti-Schiffswaffen ist die Coilgun also spitze, nur taugt sie imho kaum als Offensivwaffe.
--- Ende Zitat ---
So ist das ja auch gewollt.
--- Zitat ---Wenn der Preis dafür eine komplett hergeholte Kampfentfernung ist, würde ich das zumindest noch einmal in einer ruhigen Minute überdenken. Wenn ich heute (!) in einer planetaren Atmosphäre (!!) meine Gegner aus 2.500 km (!!!) Entfernung und notfalls auch ohne direkte Linie zum Ziel (!!!!) angreifen kann, warum sollte ich dann ausgerechnet im Weltraum auf Spuckweite gehen?
--- Ende Zitat ---
Weil DU eben nicht auf 2500km kämpfen kannst, genausowenig wie der Brummilenker von der nächsten Straßenecke und auch nicht der Polizeiwachtmeister in seinem Streifenwagen oder der Bauarbeiter mit seinem Presslufthammer. Multi-Megawattlaser werden _gebaut_ als Werkzeuge für den Asteroidenbergbau, nicht als raumschiffgrillende Todesstrahlen.
--- Zitat ---Das ist nicht korrekt. Heutige Ortungsmaßnahmen unterscheiden sich von den ersten lediglich im Feinschliff, beispielsweise ermöglichen bessere Elektronik beim Radar höhere Impulsfrequenzen und eine bessere Auswertung rückkehrender Impulse.
--- Ende Zitat ---
Inzwischen sind wir hier schon soweit, dass an _Passiv-Radaren_ entwickelt wird, die nicht mehr die Reflexionen der eigenen Strahlen messen, sondern die Anomalien im Strahlenrauschen der Atmosphäre.
--- Zitat ---Das entsprächt ungefähr anderthalb Kilogramm TNT, was im Kampf Schiff-zu-Schiff verschwindend wenig ist. Zum Vergleich: Der Gefechtskopf eines Tomahawk-Marschflugkörper trägt knapp 450 Kilogramm TNT, also mal eben das 300fache.
--- Ende Zitat ---
Und platzt wie ein Ei in der Mikrowelle, wenn die Abwehrgeschütze auf zig km Entfernung das TNT hochjagen.
(Noch sinnloser wäre eine Atombombe: die explodiert nichtmal sympathetisch, wenn sie getroffen wird, sondern ist einfach kaputt.)
--- Zitat ---wer sagt denn, dass man nicht auch als Eindringling Sensorketten auslegt?
--- Ende Zitat ---
Sich erstmal entsprechend breit gefächert im System zu verteilen, würde bereits Wochen oder Monate dauern. Ebenso, wie die Sensorphalangen mehrere Flugwochen (aber nur wenige Lichtminuten) vom Jumppoint entfernt sein können.
--- Zitat ---Zusätzlich ermöglicht es auch taktische Möglichkeiten, wenn man ins Hornissennest gestochen hat, denn die Verteidiger müssen reagieren, also zum Einfallpunkt beschleunigen, wo der Angreifer inzwischen in Lauerstellung gegangen ist und schon mal eine Feuerleitlösung berechnet. Da kann man den Verteidigern schon mal ein paar Schiffe abknabbern, bevor man selbst beschossen wird. Natürlich nicht, wenn man netterweise wartet, bis dieser auf 100 Km herangerückt ist. ;)
--- Ende Zitat ---
Kommt drauf an, mit welchen Waffen man da zu kämpfen gedenkt. Wir haben ja erstmal den Punkt mit der Orbitalmechanik: wer neu im System ankommt, befindet sich in keiner Umlaufbahn, sondern fällt erstmal auf die Sonne zu. (Allein die Sonneneinstrahlung auf die Schiffe am Sprungpunkt hat schon wieder eigene Implikationen; Wärmemanagement und so.) Von dieser Position aus auf größere Distanz anrückende Verteidiger zu beschießen, kann man mit chemischen Raketen schonmal vergessen, weil die nicht die notwendige delta-V dafür aufbringen können. Und fusionsgetriebene Raketen wären wieder ein bißchen teuer in der Anschaffung.
Wer den Jumppoint halten will, muss entweder permanent die Fallbeschleunigung der Sonne ausgleichen (selbst wenn das nur ein paar cm/s² sind, summiert sich das über die Wochen schon auf), oder in einen engen Orbit um die Sonne einschwenken. Könnte lustig werden.
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln