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[SF: Redshift] Setting-Hintergrund
Feuersänger:
Allô Allô,
nachdem im Tech-Thread so viel konstruktive Mitarbeit kam, ich den Thread jetzt aber nicht zweckentfremden will, möchte ich hier noch etwas mehr zu dem geplanten Setting erzählen, und einige Meinungen einholen.
Wann und Wo?
Eigentlich war mein Plan, das Setting völlig von der Erde entkoppelt zu halten, und stattdessen als Kernwelt einen Planeten zu verwenden, den ich schonmal für ein Fantasysetting entworfen hatte. Also sozusagen "1000 Jahre später", als bewusste Gegenpol zu den Welten, die sich über 10000 Jahre gar nicht entwickeln. Jetzt bin ich mir da aber nicht mehr so sicher, aus folgenden Gründen:
- auf diesem Planeten stellen freilich Menschen die intelligente Spezies dar. Nun kommen mir da aber Plausibilitätsbedenken, von wegen interstellarer Evolution und so.
- Der Gedanke ist wohl in erster Linie für mich spannend (und evtl. für die, mit denen ich damals das Fantasy gespielt habe, mit denen habe ich aber keinen Kontakt mehr). Ein völlig Unbeteiligter müsste sich erstmal durch die Historie durchlesen und hätte dann immer noch nur eine vage Vorstellung von der Welt.
Daher ziehe ich nun in Erwägung, doch unsere gute alte Erde zu bemühen. Das hätte verschiedene Vorteile, z.B. bekannte Sternensysteme und reichhaltige Mythologien, aus denen man sich bedienen kann. Dann stehen aber auch wichtige Entscheidungen an:
- Entwicklung der Historie ab jetzt: wie entwickelt sich unser Planet? Was wird aus den Nationalstaaten, den Völkern und ihren Sprachen? Welche Kriege werden mit welchen Mitteln geführt? Wann spielt dann das Setting?
Ich will dabei die gängigen Klischees vermeiden, wie: Erde als Utopia à la Star Trek, Erde als unbewohnbare ausgeplünderte Müllhalde, Erde von Konzernen regiert, etc. Das war alles schon so oft da. So oder so muss die gesellschaftliche Entwicklung freilich die interstellare Raumfahrt im gewünschten Ausmaß ermöglichen, sonst gibt es kein Setting. (Vermeiden möchte ich außerdem ständige Referenzen zur Kultur des 20./21. Jahrhunderts...)
Keine Aliens
Was ich auf jeden Fall vermeiden will, sind außerirdische intelligente Spezies, die in einem 15 Milliarden Jahre alten Universum _rein zufällig_ genau jetzt auf einem vergleichbaren Entwicklungsstand wie die Menschheit stehen. Selbst wenn man postuliert, dass nur Sterne der 3. Generation (wie unsere liebe Sonne) höheres Leben ermöglichen, und die Entwicklung mindestens soundsolange dauert, bleibt dennoch ein Zeitfenster von mehreren hundert Millionen Jahren.
Folgerung: man findet vielleicht relativ viele Planeten mit einheimischem Leben, aber nur einen winzigen Bruchteil davon mit "intelligenten Spezies", und davon dann oft auch nur die Überbleibsel, weil sie untergegangen sind (z.B. sich selbst in die Luft gesprengt).
Techlevel
Für alle, die den Techthread nicht durchgelesen haben, hier eine kurze Zusammenfassung: die Technologie ist natürlich fortgeschritten, soll aber nur so wenig "Magie" wie möglich beinhalten.
- FTL (also interstellare Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit) sind natürlich immer reine Magie. Dies geschieht hier mittels einer Art "Tunnel" zwischen den Systemen, deren Ein- und Ausgänge in Form von Sprungpunkten strategisch wichtig sind. FTL-Reisen sind sehr schnell, aber wahre Höllenritte. Während der FTL-Phase kann nicht mit einem Schiff interagiert werden. - Verfügbare Technologien sind z.B. Kernfusion (kalt und heiß), Supraleiter, Nanotechnologie, Cyber- und Biotechnologie, und Umwandlung von Graphit in Diamant im großen Maßstab (Diamanten sind entsprechend nicht sehr teuer, aber vielseitig verwendbar), Synthese von Proteinen. Um nur einige zu nennen.
- absolut off-limits ist der ganze typische Star Trek Hokuspokus wie Subraumfunk, beamen, replizieren, unsichtbarmachen, Schutzschilde, "Kraftfelder" (nach Art der unsichtbaren Türen), physische Hologramme, und was dergleichen Mumpitz mehr ist.
Space Tramps
A und O des Settings sind Sternenschiffe in Privatbesitz. Das ist die primäre Nische für die Protagonisten. Ich weiß, das ist nix neues, aber auch aus gutem Grund: so macht es halt am meisten Spaß. ^^ Die entsprechenden Schiffe sollen entsprechend mit 3-5 Mann Besatzung auskommen (typische Spielrundengröße).
Bleibt noch die Aufgabe, das zu rationalisieren. Das Maximum des technisch machbaren kann nicht ganz billig sein. Wie kommt man also an ein funktionierendes Schiff?
Kredit? Banken geben einem schon heute nur Geld, wenn man ihnen beweisen kann, dass man keines braucht. Vor allem glaube ich nicht, dass Banken für derartig riskante Unternehmen Kohle lockermachen, vor allem wenn sich der Kapitän auch einfach auf Nimmerwiedersehen absetzen kann.
Mir fallen da momentan drei Möglichkeiten ein:
a) staatliche Förderung. Sternfahrer sind das Rückgrat der Exploration und Kolonisation. Also stattet man von Staats wegen Bewerber mit entsprechenden Mitteln aus, die dann bei Gelegenheit zurückgezahlt werden können.
b) Vielleicht funktioniert ja das Wirtschaftssystem in 500 Jahren auch genau andersrum als heute: es gibt keine Zinsen mehr, nur noch Inflation. Dadurch ist es absolut sinnlos, sein Geld zu horten. Jeder Mensch versucht, zu jeder Zeit überschüssiges Geld komplett und restlos loszuwerden - etwa so wie heute öffentliche Einrichtung zum Ende des Budgetzeitraumes. So ist es nicht weiter schwierig, sich aus privaten Händen entsprechende Summen zusammenzuborgen.
c) Veteranenversorgung. Für den harten militärischen Dienst im All wird man schnell zu alt. Piloten und dergleichen können sich nach Ablauf der regulären Dienstzeit, das sind vielleicht so 20-24 Jahre, ihre Altersbezüge auf einmal auszahlen lassen und damit eine zivile Karriere beginnen. (Dann ist man aber eben bei Spielbeginn schon um die 40.)
Ich wollte dann noch was zur Colour schreiben, aber da kommt im Moment nichts Gescheites raus. Ihr seid aber herzlich eingeladen, Vorschläge dazu zu machen, also: wie sieht das Leben allgemein aus, auch das der Durchschnittsbevölkerung?
Danke schonmal vorweg. ^^
Anima:
Zu deinem Wann und Wo habe ich ja schon im anderen Thread geschrieben da du nicht weiter gehen solltest als bis zu dem Zeitpunkt an dem du dir den Alltag einer solchen Gesellschaft nicht mehr vorstellen kannst.
Beim Wo hat die Erde den Vorteil das sie bekannt ist und die Spieler sich viel mehr damit identifizieren werden. Und du hast natürlich auch schon viel vorgegeben. Der Nachteil ist aber eben auch genau der das schon eine Ganze Menge vorgegeben ist.
Aliens können eine Bereicherung sein, ich finde, um mal ein SF Computerspiel als Referenz anzugeben, die Aliens aus Masters of Orion sehr schön, weil sie zu einem guten Teil durchaus sehr nicht menschlich waren. Dazu kommt dann natürlich auch das die meisten Spezies künstlich erschaffen wurden und man damit die Stochastik umgeht.
Keine Aliens zu haben ist aber auch eine gute Idee, die Frage die du dir stellen solltest ist wofür du Aliens brauchen könntest für das du keine Menschen nehmen kannst. Wenn du die Frage nicht beantworten kannst brauchst du auch keine.
Eine Frage hätte ich da aber schon, warum ist eine Utopie alla Star Trek ein Klischee? Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ist es nicht eigentlich eher eine der großen Ausnahmen in der SF? Vor allem in der neueren. Genauso wie dreckige SF, das ist doch eigentlich schon Standard, nur die Bösen können sich saubere Schiffe leisten.
Dabei ist es ziemlich schwer ein Schiff dreckig zu bekommen, da du ja Freefall liest solltest du wissen das der ganze Dreck meist im Lüftungsschacht landet. Aber ich schweife ab.
Ich glaube du kannst ganz richtig damit liegen wenn du davon ausgehst das deine ganze Welt vernetzt ist, jedes Gerät und jede Person. Genauso kann man davon ausgehen das die meisten Leute alles per Computer erledigen. Arbeiten, Einkaufen, dem Kühlschrank sagen was man gerne essen will. Genauso wird es wahrscheinlich einen Gegentrend geben alles möglichst primitiv zu machen, vor allen in der Oberschicht. Da trifft man sich noch zu realen Meetings und schlendert durch Konsumtempel. Und der Anzug ist natürlich nicht von einem Roboter per Cad/Cam gefertigt sondern von einem Schneider von Hand und aus garantiert echter Baumwolle und keinem HighTech Fasern. Persönliche Fahrzeuge werden Seltenheitswert haben, wahrscheinlich gibt es nicht einmal Straßen. Arbeitslosigkeit wird ein riesiges Problem sein und viele Leute werden in die Kolonien wollen weil dort noch Bedarf an einfacher Arbeit herrscht. Wahrscheinlich wird es in den Kolonien sogar so rustikale Dinge wie Pferde geben. Es ist einfach wirtschaftlicher eine Gebärkammer und 1000 Pferdeembryonen zu einem fernen Planeten zu bringen als 100 Autos.
Ich hätte da noch eine Idee für dein Space Tramp Problem. Die Schiffe gehören nicht den Spielern, sondern einem Eigner. Der verlangt von der Crew bestimmte Quoten. Die müssen diese in Eigenregie einbringen. Dabei können das verschiedene Dinge sein, von tatsächlichen Handelsgüttern, bis zur Entdeckung eines neuen kolonisierbaren Planeten.
So hast du auch automatisch ein Spielziel, genug Geld auftreiben damit man das Schiff behält und selber noch etwas daran verdient. Und der SL kann den Eigner natürlich auch ab und zu nutzen um die Spieler in eine bestimmte Richtung zu schicken.
der.hobbit:
Für die Space Tramps: Ob das Schiff dem Eigner oder der Bank (über Kredit) gehört, man könnte sicherstellen, dass sich die Junges melden indem man ihnen zum Beispiel kleine Giftkapseln implantiert (die Bombe ist wieder zu sehr Klischee). Meldet sich der Captain nicht regelmäßig oder erfüllt er seine Quote / Zinszahlung nicht, beginnt für ihn ein Höllentrip.
Das würde die Gefahr des Verschwindens drastisch minimieren, geht aber ein bisschen in die Richtung "böse Konzerne".
Feuersänger:
@hobbit: na, die sozialen Implikationen mal ganz außen vor gelassen, bekommt man in so einer Welt nicht viel geschafft. FTL-Funk gibt es nicht, du liegst also an einer ganz kurzen Leine. Die oben vorgeschlagene Erfüllung der Quote durch Exploration fiele damit komplett weg. Kein Mensch würde sich so einem Risiko aussetzen: bist in einem unerforschten System, gibt es eine kleine Komplikation, Rückweg dauert länger als geplant -- zack, tot. Eine derart produktivitätshemmende Policy wäre zwar typisch für Konzerne, aber genau deswegen glaube ich ja auch nicht, dass diese sich die nächsten 500 Jahre halten können. ;)
--- Zitat ---Keine Aliens zu haben ist aber auch eine gute Idee, die Frage die du dir stellen solltest ist wofür du Aliens brauchen könntest für das du keine Menschen nehmen kannst. Wenn du die Frage nicht beantworten kannst brauchst du auch keine.
--- Ende Zitat ---
Für Aliens im Sinne von ähnlich weit entwickelten Raumfahrern fällt mir jetzt grad keine zwingende Notwendigkeit ein. Genozidale Kriege vielleicht, aber damit öffnet man eine Dose arkturianischer Megawürmer. Für alles andere, inklusive begrenzter Ressourcenkonflikte, kann man auch einfach verschiedene menschliche Faktionen hernehmen. Andere außerirdische Lebensformen wie nichtintelligente oder wenig entwickelte Spezies sind davon nicht unbedingt betroffen.
--- Zitat ---Eine Frage hätte ich da aber schon, warum ist eine Utopie alla Star Trek ein Klischee?
--- Ende Zitat ---
Star Trek hat sich über die Jahrzehnte sein eigenes Klischee geschaffen. Vor allem seit TNG. Durch die zahlreichen Serien und das Extended Universe ist ST so omnipräsent, dass es einfach jeder kennt, und den meisten Menschen beim Stichwort SF als allererstes "Raumschiff Enterprise" einfällt.
Ich blättere sei Tagen durch die "Speculative Fiction Tropes" auf http://tvtropes.org und es gibt kaum einen Tropus, bei dem kein ST-Beispiel angeführt wäre.
--- Zitat ---Dabei ist es ziemlich schwer ein Schiff dreckig zu bekommen, da du ja Freefall liest solltest du wissen das der ganze Dreck meist im Lüftungsschacht landet.
--- Ende Zitat ---
Mit "dreckig" meine ich auch nicht verdreckt, sondern eben nicht so blitzeblank wie in ST. Nicht jeder einzelne Raum mit cremefarbenen Kunststoffpaneelen ausgekleidet, sondern ein paar Rohre an den Wänden, einfache Gitterlaufstege und -plattformen, und womöglich Kabelbäume an der Decke. So in der Art.
--- Zitat ---Arbeitslosigkeit wird ein riesiges Problem sein und viele Leute werden in die Kolonien wollen weil dort noch Bedarf an einfacher Arbeit herrscht.
--- Ende Zitat ---
Da ist erstmal die Frage, wie das Wirtschaftssystem funktioniert, und wie groß die Weltbevölkerung zu Beginn der Kolonisierung ist. Setz eine kleine Pandemie in die Historie ein, oder lass China und Indien einen ABC-Krieg gegeneinander führen - zack, zwei Milliarden weniger. Extrasolare Kolonien werden als Ventil für den Bevölkerungsdruck ein Segen sein. Die Frage ist nur, mit welchem Durchsatz kann man Menschen umsiedeln?
--- Zitat ---Wahrscheinlich wird es in den Kolonien sogar so rustikale Dinge wie Pferde geben. Es ist einfach wirtschaftlicher eine Gebärkammer und 1000 Pferdeembryonen zu einem fernen Planeten zu bringen als 100 Autos.
--- Ende Zitat ---
Ja, das kennen wir ja von Firefly. ^^ Ist auch wirklich sehr sinnvoll. Pferde vermehren sich von alleine und werden mit dem betankt, was aus dem Boden wächst. Dagegen müsste man nicht nur Kraftfahrzeuge, sondern auch den kompletten Treibstoff dazu importieren, solange man keine eigenen Raffinerien und Fabriken hat.
--- Zitat ---Ich hätte da noch eine Idee für dein Space Tramp Problem. Die Schiffe gehören nicht den Spielern, sondern einem Eigner. Der verlangt von der Crew bestimmte Quoten. Die müssen diese in Eigenregie einbringen. Dabei können das verschiedene Dinge sein, von tatsächlichen Handelsgüttern, bis zur Entdeckung eines neuen kolonisierbaren Planeten.
--- Ende Zitat ---
Ja, das wäre auch eine Option. Wo wir gerade dabei sind, wäre auch der Transport von Kolonisten eine Möglichkeit, Quote/Geld zu machen.
Wenn es bis dahin noch Nationalstaaten gibt, wird vermutlich auch jeder seine eigenen Kolonien haben wollen. Diese muss natürlich subventioniert und gepusht werden, will man sich nicht von anderen Staaten den Rang ablaufen lassen. Also werden Staaten daran interessiert sein, mit jedem verfügbaren Transporter Kolonisten zu verschiffen, und dürften sich das auch etwas kosten lassen.
Die "Auswandererschiffe" könnten dabei ähnlich komfortabel sein wie damals ihre Vorgänger zwischen Europa und Amerika: die Passagiere dicht gedrängt, kaum Platz sich zu bewegen, kleine Kojen von nur 1-2m³ pro Person ("Coffin ships"), und eine Überfahrt von mehreren Wochen (Monate wären wieder übertrieben). Kein bequemer Cryoschlaf, höchstens medikamentöse Sedierung und Ernährung aus dem Tropf.
Ein etwas größeres Schiff mit entsprechendem lifesupport-Volumen von 100x10x10m könnte so auf einmal ca. 1.600 Passagiere transportieren (man muss ja etwas Platz für die Gänge etc. rechnen). Gleichzeitig müssen auch ständig Tanker unterwegs sein, um an den Sprungpunkten immer genügend Treibstoff zum Nachtanken zur Verfügung zu haben. Der arme Systemadministrator, der sich um die Logistik kümmern muss. ^^
Boba Fett:
@feuersänger:
Die Technologiestufe klingt mir nach Babylon 5 - wenn man sich die Aliens wegdenkt...
--- Zitat ---c) Veteranenversorgung. Für den harten militärischen Dienst im All wird man schnell zu alt. Piloten und dergleichen können sich nach Ablauf der regulären Dienstzeit, das sind vielleicht so 20-24 Jahre, ihre Altersbezüge auf einmal auszahlen lassen und damit eine zivile Karriere beginnen. (Dann ist man aber eben bei Spielbeginn schon um die 40.)
--- Ende Zitat ---
Klingt nach Traveller, aber das ist ja nichts schlimmes.
Ebenso ist 40 nichts schlimmes (ich bin 39 ;) ) vor allem, weil in Zukunft die Lebenserwartung ja auch steigt.
Ansonsten hast Du wenig über die politischen und ökonomischen Zustände geschrieben.
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