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[SF: Redshift] Setting-Hintergrund
Chaos:
Ich sehe schon, Piraterie lohnt sich vor allem bei wertvoller Fracht, die nicht allzu viel wiegt. Früher waren das Gold, Edelsteine und Gewürze - und bei dir?
Wie plausibel wäre eigentlich Kidnapping von VIPs als Piratenhandwerk? Die wiegen ja auch nicht sonderlich viel.
Zum Thema "beobachten, wohin das Schiff springt" fällt noch ein, die Komponenten eines Doppel- oder sonstigen Mehrfach-Systems sind ja mitunter recht weit voneinander entfernt (etwa Proxima Centauri von Alpha Centauri a/b so um die 0,15 Lichtjahre), dürften aber so ziemlich den gleichen Vektor haben - und sie sind zumindest so weit auseinander, dass man vom einen Teil den anderen nicht (zeitnah) beobachten kann. Da müsste sich doch irgendetwas mit machen lassen als Pirat, zumindest als einer von vielen Tricks in der Trickkiste.
Wäre es möglich, mit der von dir beschriebenen Raumschiff-Technologie ein Q-Schiff zu bauen, also ein bewaffnetes Schiff, das wie ein unbewaffneter Frachter aussieht? Wenn ja, wäre das sicher ein gutes Piratenschiff, weil Piratenjäger ebenso wie Piratenbeute erst wüssten, dass sie einen Piraten vor sich haben, wenn er zuschlägt. Wahrscheinlich wäre es sogar das einzig sinnvolle Piratenschiff.
Funktionalist:
@Kapern von Innen heraus
Das dürfte der Modus Operandi schlechthin sein:
Ändern des Sprungzieles, Sabotage der Lebenserhaltung, Piraten bieten quasi Hilfe an und kassieren die Ladung.
oder:
Abblasen von Treibstoff, bis das Schiff nur noch ein alternatives Ziel ansteuern kann oder in die Weiten treibt.
Wenn dV100 erreicht werden kann und man zum Sprung 40 benötigt und der Saboteur 65 abbläst, wenn das Schiff gerade bei 30 angekommen ist, dann muss es springen, ist am alternativen Zielort aber fast hilflos und kommt nur ohne Fracht innerhalb der Lebenserhaltungszeitspanne irgendwohin.
So gibt es dann wahrscheinlich berüchtigte Systempaare oder -tripel, die Pirateriedreiecke bilden.
@Sprung
So ein Sprung könnte auch enorme Abwärme produzieren, die dann erstmal abgestrahlt werden muss, sodass nach einem Sprung entweder das Sprungmodul geopfert wird oder eine längere Pause fällig ist.
Das sorgt für verwundbare Momente voller Schwerelosigkeit. (Ich mag meine Morphschiffe. ;D )
Feuersänger:
Welche Fracht: ja, das ist die große Gretchenfrage. Da ist es in der Tat schwierig, überhaupt plausible Gründe zu finden, warum man irgendwas quer durch die Galaxie schippern sollte.
Eventuell Rohstoffe, vor allem bestimmte Metalle und Seltene Erden. Allerdings: selbst wenn sie uns hier auf der Erde irgendwann ausgehen, dürfte allein im Sonnensystem so ziemlich von allem genug da sein; man muss sich halt nur dazu bequemen, in lebensfeindlichen Umgebungen Bergbau zu betreiben.
Vor allem in der Aufbauphase einer Kolonie wird man dort viele Maschinen benötigen. Intelligenterweise würde man aber nicht hundert Bagger(-roboter) nach MacAuliffe IV schippern, sondern eine Baggerfabrik. Was nun ein Pirat mit einer gestohlenen Baggerfabrik anfangen will, steht auf einem anderen Blatt. Vielleicht das gleiche, wie die somalischen Piraten heutzutage: Lösegeld.
Außerdem: Kolonisten. Kolonisten, Kolonisten. Jede Menge davon. Wir haben auf der Erde so irgendwo zwischen 10 und 15 Milliarden Menschen, und besiedeln andere Planeten, um den Bevölkerungsdruck zu reduzieren. Um die Kolonien auf vernünftige Größen zu bringen, muss man quasi über Jahrhunderte fast täglich Siedlerschiffe losschicken, mal grob gesagt. Auch damit können Piraten nicht viel anfangen.
Wenn Raumtransport _wirklich_ billig ist, könnte es auch sein, dass echte, natürliche Nahrungsmittel von den Kolonien zur überbevölkerten Erde zurückgeschickt werden, wo es ansonsten nur noch Hefe und Soylent Grün zu fressen gibt, um all die Milliarden hungriger Mäuler zu stopfen.
Da haben wir aber wieder ein Problem:
- Terraforming, also die Bewohnbarmachung eines unbewohnbaren Planeten, ist unplausibel bzw. würde vermutlich mehr Jahrhunderte in Anspruch nehmen, als ich mein Setting in die Zukunft verlegen will.
- auf von Haus aus bewohnbaren Planeten mit Sauerstoffatmosphäre etc. wird sich höchstwahrscheinlich bereits Leben entwickelt haben. Dieses Leben wird dann aber garantiert inkompatibel mit unserem sein, also aus für uns unverdaulichen Proteinen etc. bestehen. Das Ganze geht ja schon "bottom up" mit den Bakterien im Boden los, man wird also wahrscheinlich nicht einfach irdischen Weizen dort anbauen können.
- die dort siedelnden Kolonisten wiederum könnte man ja noch mit Biotechnologie an die dortigen Gegebenheiten anpassen. Aber die dortige Nahrung für die ganze Erdbevölkerung verdaulich machen, das geht nicht.
Das alles mal ignoriert:
Luxusgüter. Dieselben Leute, die heute ein Vermögen für irgendwelchen Schund bezahlen, nur weil er knapp und teuer ist, werden das auch in der Zukunft tun. Da muss es dann halt Tau-Ceti-Hummer, Antarischer Wein und arkturianisches Megawasserbüffelsteak sein. Die Leute kaufen a) Nützliches, b) Bequemes, c) Interessantes, d) was den Nachbarn neidisch macht, und dieses d) ist die Marktlücke, in die wir eindringen müssen.
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Weiter:
Kidnapping kompliziert die Lage enorm. Dazu muss man erstmal an das andere Schiff andocken, entern und Gefangene machen. Im Gegensatz dazu können Frachtcontainer einfach so gedumpt werden, wenn der Pirat nur ne glaubwürdige Drohkulisse aufbaut.
Ich sage nicht, dass es nicht geht, aber es ist halt nicht so bequem.
Doppelsysteme sind irrelevant. Es ist unklar, ob sie überhaupt Planeten haben können, aber vor allem kann man getrost davon ausgehen, dass sie keine bewohnbaren Planeten haben werden.
Bewaffnung: die meisten Schiffe werden entweder unbewaffnet oder maximal leicht bewaffnet sein. Mit leicht meine ich: maximal 10 Tonnen von 300 Tonnen Leermasse. Also, ein Geschützturm mit einem Laser oder einer Coilgun könnt schon drin sein. In erster Linie zur Abwehr von Impaktoren, aber wenn sich eine Piratenbedrohung etabliert, werden sich wohl auch die meisten Schiffe bewaffnen.
(Vergleiche Firefly: da sind nichtmilitärische Schiffe unbewaffnet. Es gibt aber auch keine klassischen Piratenaktionen, sondern etwaige Raumräuber verschaffen sich durch Tricks Zugang zu einem anderen Schiff, wie in Out of Gas oder Our Mrs Reynolds gezeigt.)
Der Trick ist jedenfalls: man muss erstmal an schwerere Waffen rankommen. Das können z.B. Bergbau-Laser sein, oder Zündlaser aus antiken Fusionsreaktoren (wobei ich mir nicht sicher bin, ob ich laserinduzierte Fusion überhaupt im Setting haben will). Starke Waffen sind aber auch groß und massiv, und dabei also auch schwer zu verstecken. Einstweilen würde ich mal davon ausgehen, dass der Durchschnittspirat über keine wesentlich stärkeren Waffen verfügt als die leichten Bordwaffen, die auch Frachter haben können.
Funktionalist:
Ich meinte Systeme mit ähnlichen Sprungvektoren, keine Doppelsternsysteme.
Grimnir:
Zur möglichen Fracht: Schon heute haben wir hochgradig komplexe Wirtschaftskreisläufe, bei der der Brand einer 30-Mitarbeiter-Fabrik in Japan, die Kunstharze herstellt, weltweit die Computerchippreise in die Höhe treibt. Extrapoliert man das für zukünftige, noch komplexere Waren, werden Kolonieplaneten Jahrhunderte brauchen, um gleichzeitig autark und technisch der Erde vergleichbar zu sein. Denn das setzt eine Vielfalt an Industrie voraus, für die auf Kolonieplaneten anfangs einfach die Arbeitskräfte fehlen werden. Daher dürfte sich für hinreichend komplexe Waren durchaus ein Transport lohnen.
Zu Doppelsternsystemen: Meines Wissens erachtet man die Entstehung von habitablen Gesteinsplaneten mittlerweile für möglich. Die beiden Sterne müssen sich nur in einem genügend weiten Abstand umkreisen (z.B. zwischen 11 und 37 AU wie bei Alpha Centauri), um stabile Planetenbahnen im jeweils inneren System zu gewährleisten. Gasriesen können sich zwar nicht bilden, aber der jeweils eine Stern kann deren wichtige Rolle (Wasser aus der Oortschen Wolke ins Systeminnere zu schleudern) für den anderen Stern übernehmen. So zumindest der Artikel in der Wikipedia.
Es grüßt
Grimnir
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