Pen & Paper - Rollenspiel > Pen & Paper - Rollenspiel- & Weltenbau
[SF: Redshift] Setting-Hintergrund
Eulenspiegel:
--- Zitat von: Destruktive_Kritik am 17.07.2008 | 14:50 ---Es wird Jux-Siedler geben, die sich neue Planeten nach dem Terraforming besiedeln und in 300 Jahren von Steinzeit bis zum Flugzeug alles durchmachen, weil sie es wollen.
Es ist eine Zeit von Überfluß und nahezu unbegrenzten Möglichkeiten!
--- Ende Zitat ---
Das erinnert mich an das Buch Sternenstaub von Adam Roberts:
Die Menschen sind dank Nanotechnologie unsterblich. Arbeit wird von Maschinen verrichtet, die den Menschen dienen, so dass man eine Arbeitslosigkeit von 100% erreicht hat. (Man lebt aber trotzdem im Überfluss.)
Sterben tun die meisten Leute nach 1.000 bis 10.000 Jahren durch Selbstmord. (Aber solange sind sie jung und genießen das Leben in vollen Zügen.)
Sehr zu empfehlen das Buch. (Naja, bis aufs Ende. Das ist enttäuschend.)
--- Zitat von: Reinecke am 17.07.2008 | 16:26 ---Die Sci-Fi-Diskussionen hier am Board waren immer so von "Zwangsbedingungen" gefüllt, die eigentlich nur Geschmack sind. Steht zu eurem Geschmack und schiebt es nicht auf "Realismus" oder ähnliche Fantasien.
--- Ende Zitat ---
Das sehe ich anders.
Ich mag zum Beispiel extrem gerne Hard-SF. Und das wichtigste an einem guten SF Hintergrund ist für mich, dass sich alles erklären lässt.
Mir ist es egal, ob die Leute nun mit Überlichtantrieben, mit Generationenschiffen, mittels Kryostase oder sonstwie zwischen den Planeten reisen, solange es gut erklärt ist.
Mir ist es egal, ob es Cyberware oder Exoskelette gibt, solange erklärt wird, wie sie funktionieren. (Bzw. wenn es das nicht gibt, warum die Menschheit auf diese Technologie verzichtet.)
Zu erklären, warum etwas so ist, und dass der Autor niederschreibt, was er persönlich für realistisch hält, ist für mich eines der größten Qualitätsmerkmale bei Science-Fiction. (In anderen Genres kann ich darauf verzichten. - Aber bei SF bestehe ich darauf.)
@ Thot
Du nicht. Aber es gibt viele Menschen, die sterben wollen und nicht mehr die physischen Mittel haben.
Wiegesagt: Wir beide sind physisch noch völlig gesund. Wenn wir irgendwann keine Lust mehr aufs leben haben, dann beginnen wir Selbtsmord. Kein Problem für uns.
Das Problem ist: Solange du physisch noch so gesund bist, Selbstmord begehen zu wollen, bist du physisch gesund genug, um das Leben zu genießen.
Den Wunsch nach Selbstmord, bekommen die meisten Leute erst, wenn sie vom hals an abwärts querschnittsgelähmt sind, durch einen Unfall beide Arme verloren haben, sich durch Muskelschwund nicht mehr bewegen können oder andere Krankheiten, die sie ans Bett fesseln, unfähig, vernünftig zu handeln.
Unter solchen Leuten gibt es eine große rate an Leuten, die gerne Selbtsmord begehen würden, es aber nicht können. (Da gab es erst letztens einen Fall, wo eine Rentnerin vors Gericht gegangen ist und versucht hat, vor Gericht zu erstreiten, dass man ihr Sterbehilfe gibt. - Das perfide am deutschen Recht: Selbstmord und Beihilfe zum Selbstmord sind straffrei. Aber Sterbehilfe steht unter Strafe.
reinecke:
--- Zitat von: Eulenspiegel am 17.07.2008 | 17:01 ---Zu erklären, warum etwas so ist, und dass der Autor niederschreibt, was er persönlich für realistisch hält, ist für mich eines der größten Qualitätsmerkmale bei Science-Fiction. (In anderen Genres kann ich darauf verzichten. - Aber bei SF bestehe ich darauf.)
--- Ende Zitat ---
Vielleicht einer der Gründe, warum SF im gegensatz zu fantasy hierzulande nicht so der dauerbrenner ist.
Eulenspiegel:
OK, ich geb's zu. Ich steh (in diesem speziellen Fall) nicht so auf Mainstream.
Aber Mainstream zu sein, ist noch lange kein Qualitätsurteil. Nur weil die Mehrheit etwas nicht mag, heißt das ja noch lange nicht, dass es deswegen schlecht ist.
reinecke:
Sagt ja auch keiner. Nicht ich sage "Hard-SF ist doof", sondern du sagst "anderer SF ist doof".
Aber HARD-SF ist ebenfalls reine Fantasie, nur halt anders aufgezogen als Space Opera. Hier geht es um Geschmack und nicht um "Realismus". Wenn jemand etwas begründet, dann liegt er bei seinem SF trotzdem falsch. All diese Magenschmerzen kann man umgehen, wenn man sagt: "Ich mach's so, weil so mag ich's!" (ganz wertungsfrei!) Ob man das ganze dann "begründet" und mit "Plausibilitätserläuterungen" unterlegt, ist jedem selbst überlassen.
Aber zu sagen: "Ich mach's so, weil anders geht gar nicht, ist es völlig unrealistisch, unerklärbar und viel zu abgehoben!" (voll mit wertung!) ist mMn ein verklemmter Ansatz. Und wir hätten alle viel mehr Spaß, wenn man es so hält wie Thot da oben gesagt hat.
Feuersänger:
--- Zitat von: Thot am 17.07.2008 | 16:22 ---Man könnte einen neuen Job ergreifen. Oder durch Sparen Kapitalist werden, die Zeit hat man ja.
--- Ende Zitat ---
Ersteres vielleicht, letzteres sicher nicht, wenn Unsterblichkeit ein allgemein verfügbarer Bonus ist. Sparen, bis man von den Zinsen leben kann, ist ein Konzept, dass nur funktionieren kann, wenn es einer kleinen Minderheit vorbehalten bleibt. Soll ich's im Detail erklären, oder kommst du von selber drauf?
--- Zitat ---Unsterbliche brauchen auch keine Rente, denn Rente ist für Leute, die gesundheitlich nicht mehr in der Lage sind, zu arbeiten.
--- Ende Zitat ---
Ich sag's jetzt noch einmal und dann nicht mehr: die Menschen werden immer noch ticken wie Menschen, und nach einigen Jahrzehnten nicht mehr arbeiten WOLLEN.
Ich hab mal eben ein Experiment gemacht und die Person neben mir interviewt, ohne jede Vorwarnung oder Erklärung, worauf ich hinauswill:
ich: "Stell dir vor, du könntest unsterblich sein..."
sie: rümpft bereits die Nase "...kommt da noch was?"
ich: "du müsstest aber dein ganzes Leben, also unbestimmt lange, auch arbeiten."
sie: "Auf keinen Fall, was hätt ich denn davon?"
ich: "Und du wärst dein ganzes Leben jung und gesund."
sie: "Nützt mir ja auch nichts, wenn alle um mich rum wegsterben."
ich: "Und wenn alle unsterblich wären?"
sie: "Das wird doch langweilig!"
ich: "Du könntest aber immer wieder was neues machen."
sie: "Irgendwann hast doch alles durch. Ich will den Scheiss doch nicht ewig mitmachen."
ich: "Danke, das genügt für's erste."
Dann fiel ihr noch ein, dass man ja dann irgendwann alle Menschen kennen würde, immer die gleichen Gesichter, und stell dir mal das Gedränge vor, die Überbevölkerung, und und und...
--- Zitat ---Oh, keineswegs. Volkswirtschaftlich gesehen ist Tod eine ausgesprochen bescheuerte Idee, weil man die 20-25 Jahre Ausbildungsinvestition ja schon nach 40 Jahren auf den Friedhof trägt.
--- Ende Zitat ---
Aber woher denn. Neue Besen kehren gut. Ohne Generationenwechsel kann es auch keine Paradigmenwechsel geben, und auch keinen nennenswerten Fortschritt. Eine Gesellschaft von Unsterblichen kann sich nicht weiter entwickeln. Wären die Menschen vor 200 Jahren unsterblich geworden, würden wir heute noch mit Dampfloks durch die Gegend tschuckern. Den Grund hast du sogar selber mit dem Auto-Beispiel genannt: warum sollte man etwas erneuern, solange es noch funktioniert?
--- Zitat ---Aber es ist ja Dein Setting, wenn es Dir so gefällt, mach es so! Nur, man braucht sich da nicht hinter angeblichen Unmöglichkeiten zu verstecken, das ist eine Geschmacksentscheidung, keine wissenschaftlich herleitbare "Wahrheit".
--- Ende Zitat ---
Erstens ist die Wahrscheinlichkeit, dass Unsterblichkeit (komplexer Organismen) rein biologisch absolut unmöglich ist, wesentlich größer als die gegenteilige Annahme.
Zweitens gestehe ich durchaus ein, dass es vor allem eine Flavourfrage ist. Es geht wieder um die sog. Ripple Effects -- welche Auswirkungen hat eine beliebige Entscheidung, die ich für mein Setting treffe? Das sind oft die unschönsten Nebenwirkungen, auf die man erstmal gar nicht selber kommt, aber die dann in der Regel unmittelbar nach der endgültigen Festsetzung von den ersten Lesern entdeckt werden. Das ist in etwa so, wie wenn du eine bestimmte Technologie einführst, um bspw. in der Schwerelosigkeit normal aufs Klo gehen zu können, und die gleiche Technologie dazu angewandt werden kann, den ganzen Planeten Erde in einen Haufen graue Matsche zu verwandeln. Nur so zum Beispiel.
--- Zitat von: Eulenspiegel am 17.07.2008 | 16:33 ---@ Feuersänger
Du kannst auch ein Gattaca Setting haben, ohne dass du die Problematik "perfekte Gene vs. natürliche Gene" thematisieren musst:
Die SCs sind halt einfach alles Leute mit perfekten Genen und die Leute mit den natürlichen Genen werden einfach als Lastenträger eingesetzt.
--- Ende Zitat ---
Hihi, da drängt sich mir gleich eine Möglichkeit für die Charaktererschaffung auf.
"Naturgeborener: würfle für jedes der 5 Attribute 1W6 und trage die Ergebnisse von oben nach unten ein.
Maßgeschneiderter: verteile auf deine 5 Attribute nach Belieben 22 Punkte."
Naja, bezüglich der Eugenik denk ich nochmal drüber nach.
Aber ich glaube, was ich auf jeden Fall einführen werde, ist Cybertechnologie so ungefähr wie in Shadowrun.
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln