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Wie müsste StarTrek (ganz allgemein) aussehen, um zu begeistern?

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Feuersänger:
Okay, ein paar Beispiele für... fragwürdige Praktiken der Föderation:

- wie ST: Insurrection zeigt, hält die Föderation alle Sonnensysteme innerhalb ihrer "Grenzen" für ihr _Eigentum_, egal ob sie besiedelt sind, und was deren Einwohner davon halten, und auch dann, wenn sie (die Fed) diese Systeme niemals erforscht oder ausgekundschaftet hat. Das erinnert an die Landnahme der Europäer in Amerika.
Ein System wird wohlgemerkt nicht automatisch _Mitglied_ der Föderation, dazu muss es erst Anträge stellen und Aufnahmeprozesse durchlaufen. Aber _Eigentum_ kann einseitig von der Föderation erklärt werden.

Darüber hinaus gibt es noch den Maquis, der ja aus einer ähnlichen Situation heraus entstanden ist wie hier beschrieben: die Föderation hat anderer Leute Heimat an die Cardassianer verschachert, ohne die Betroffenen nach ihrer Meinung zu fragen. Das ist nicht ohne Präzedenz (siehe deutsche Ostgebiete) aber hat mit Demokratie und Freiheit trotzdem nichts zu tun.

- extremer Einfluss des Militärs: es wird ja kaum zwischen "Föderation" und "Sternenflotte" unterschieden, die Begriffe sind quasi austauschbar. Militärische Posten sind extrem prestigeträchtig. Vergleiche mal: wieviele Kapitäne zur See kennst du IRL? Sind überhaupt welche allgemein bekannt? Und im Gegensatz dazu ist Cpt. Picard in der Fed bekannt wie ein bunter Hund, selbst unter Zivilisten. Der größte Knaller in diesem Bereich ist aber, dass sich in der Föderation Zivilisten militärischen Gerichten zu unterwerfen haben. Dr Bashirs Eltern beispielsweise empfingen ihr Urteil in dieser Genetik-Sache von einem Richter in Sternenflotten-Uniform. So etwas gibt es in unserer Zeit nur in totalitären Regimes wie der VR China oder irgendwelchen Bananenstaaten.

pharyon:

--- Zitat von: Eulenspiegel am 29.10.2008 | 14:02 ---(Später treten auch die Klingonen der Förderation bei, ohne sich jedoch kulturell zu verändern oder der Förderation Einfluss auf die Innenpolitik zu gewähren.)

--- Ende Zitat ---
Öhm, hab ich was verpasst? Wenn ja: Wo?

@ Föderationstotalitarismus:
In den Serien gibts häufiger solche "Schnitzer", die mMn unbedacht ausgestrahlt wurden und damit zum offiziellen Kanon gehören. Natürlich können da einige Aspekte unter "gut gemeint" fallen. Was aber immer noch einen gewaltigen Unterschied zu "gut gemacht" bedeutet. Um solche Einflüsse diktatorischer Regimes in diesem eher föderal-demokratischem System endlich operativ entfernen zu können, böte sich ein Bürgerkrieg mit anschließender Grundreform (im Sinne der grundlegenden Werte und DirektivenTM.
Imho sind diese "Schnitzer" nicht beabsichtigt gewesen und sollten nach Möglichkeit "im Setting" gelöst werden.

Soviel dazu.
p^^

Eulenspiegel:
@ Feuersänger
1) Die Abgabe des Planeten an die Cardassianer war sogar sehr demokratisch:
Der Förderationsrat hat darüber abgestimmt. (Jeder Planet hat im Rat eine Stimme.) Und die Mehrheit des Rates hat dafür gestimmt, den Planeten abzugeben.
Es wäre undemokratisch, den Mehrheitsbeschluss der Legislative zu missachten. Aber den Mehrheitsbeschluss der Legislative zu befolgen, ist demokratisch.

Aber vielleicht sollte man noch etwas ausholen und den Hintergrund klären, wieso die Förderation überhaupt einen ihrer Planeten abgegeben hat:
Die Cardassianer und die Förderation befanden sich im Krieg und es gab auf beiden Seiten bereits Tausende von Toten. (Und es sah so aus, als ob die Cardassianer militärisch überlegen waren.)
Die Cardassianer waren nur unter der Bedingung bereit, Frieden zu schließen, wenn sie im Gegenzug einige Sonnensystem erhalten.
Die Förderation hatte nun drei Möglichkeiten:
1) Sie führte diesen Krieg fort und verheizte weitere Soldaten im Krieg. (Und diese Option konnte sie nicht ewig aufrechterhalten: Das cardassianische Imperium war nunmal stärker als die Förderation. Mit jedem Jahr, den der Krieg anhielt, verschlechterte sich die Verhandlungsbasis der Förderation. Und mit jedem Jahr, den der Krieg anhielt, verlangten die Cardassianer mehr, um einen Friedensvertrag zu akzeptieren.)
2) Sie kapitulierten bedingungslos. (Das würde aber das Ende der gesamten Förderation bedeuten und die gesamte Förderation wäre dem cardassianischen Imperium einverleibt worden.)
3) Sie kapitulieren unter Bedingungen. (Und um das Gesicht zu wahren, nennt man das ganze nicht Kapitulation, sondern Friedensvertrag.)

Die Förderation war nicht in der Lage, irgendwelche Bedingungen zu stellen. Sie konnte nur versuchen, so schnell wie möglich den Krieg zu beenden. (Und dabei waren ihre Diplomaten sehr erfolgreich: Hätten die Cardassianer gewusst, wie schlecht es um die Förderation stand, hätten sie die Hälfte der Förderation als Friedensangebot verlangt.)

Wenn du der Förderation also in diesem Zusammenhang etwas vorwerfen kannst, dann ist es Kriegsmüdigkeit und mangelnder Durchaltewillen. (Inwiefern das negativ oder positiv ist, kann jeder selber entscheiden.)

2) Zu ST Insurrection:
Bewohnte Planeten unterliegen der 1. Direktive. Das heißt, die Förderation darf dort nicht eingreifen und etwas verändern.
In diesem Film hatte die Förderation auch nicht den Planeten unterworfen, sondern nur eine Forschungsstation auf dem Planeten unterhalten. Die Forschungsstation war aber so angelegt, dass die Ureinwohner in keinster Weise beeinflusst wurden.

Spoiler zum Film Insurrection:
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Im Film geht es ja darum, dass die eine Alien-Rasse, die Förderation betrügt und gegen die 1. Direktive handelt. (Das heißt, die Förderation hat nur Erlaubnis erteilt, die Ureinwohner passiv zu beobachten. Aber diese Alien-Rasse entführt heimlich und ohne Wissend er Förderation Ur-Einwohner.)
Außerdem stellt sich ja heraus, dass diese Alien-Rasse ja auch vom gleichen Planeten abstammt.

Die Kämpfe, die auf dem Planeten ausbrechen, handeln also nicht von "Förderation vs. Ur-Einwohner", sondern es gilt im Prinzip "Ureinwohner A vs. Ureinwohner B". (Wobei Ureinwohner A halt über Raumfahrttechnologie verfügt und Ureinwohner B technologisch wesentlich primitiver ist.)
Und die Förderation muss sich jetzt halt entscheiden:
- Entweder sie hält sich an die 1. Direktive und mischt sich in diesen Streit nicht ein. (Da ja beide Kriegsparteien auf dem Planeten beheimatet sind und es sozusagen nur ein interner Streit ist, würde ein eingreifend er Förderation die 1. Direktive verletzen.)
- Oder sie missachten die 1. Direktive und ergreifen für eine der beiden Seiten Partei.

Die Förderation entschließt sich letztendlich, die 1. Direktive zu missachten und Partei für die friedliebenden und naturnahen Ba'ku zu ergreifen.
Das ist eine Handlung, die ich voll und ganz nachvollziehen kann und gutheiße.
3) Du darfst nicht den Fehler machen und Sternenflotte mit Militär gleichsetzen.
Wenn, dann ist die Sternenflotte eher eine Mischung aus NASA und Sicherheitsdienst/Polizei.

Ja, es stimmt, dass es in der Förderation keinen Unerschied zwischen Polizei und Militär gibt. - Beides ist "Sicherheitsdienst".

Das sehe ich allerdings weder negativ noch als totalitär.

Hier in Deutschland gibt es ja vor allem die Trennung zwischen Polizei und Militär, weil man glaubt, so die Gefahr eines Militärputsches zu verringern. (Was ich persönlich bezweifle, aber das wird OT.)
Zumindest im StarTrek Universum ist es aber so, dass man Polizei und Militär zusammenlegen kann, ohne dass es zu einem Putsch kommt.

4) zu den Uniformen der Richter:
Heutzutage tragen Richter ja schwarze Roben mit weißen Perücken, Polizei trägt grün oder blau (je nachdem, in welchem Bundesland man sich befindet) und Militär trägt entweder DonaldDuck oder Flecktarn.

In ST ist es wohl so, dass es einheitliche Uniformen für alles gibt.

Aber das ist wohl eher eine modische Entscheidung und weniger eine politische Entscheidung. (Der Richter würde nicht anders entscheiden, wenn er seine Uniform ausziehen und eine schwarze Uniform mit Perrücke anziehen müsste.)

5) Fokus auf die Sternenflotte:
Das liegt wohl daran, dass es in den Filmen um Mitglieder der Sternenflotte geht.
Wenn man einen Film über einen deutschen Hauptmann drehen würde, dann würden auch hauptsächlich Soldaten da drinnen vorkommen und ein Großteil des Filmes würde in der Kaserne spielen.

Wenn man jetzt einen Film über einen deutschen Kapitän zur See drehen würde, dann würde auch fast der gesamte Film auf einem Militärschiff oder im Militärhafen spielen und man würde kaum Zivilisten sehen.

Ein unbedarfter Beobachter könnte das jetzt zur Annahme verleiten, dass die Begriffe Deutschland und Bundeswehr austauschbar wären.
Das ist aber falsch. Dieser Eindruck entsteht nur durch den Fokus des Films.

6) Prestigeträchtigkeit von Offizieren:
Wir hier in Deutschland haben das Glück, dass wir seit 60 Jahren keinen Krieg mehr auf deutschem Gebiet hatten. Und auch bei den ganzen Nahostkonflikten haben sich kaum Kriegshelden etabliert.

Jean Luc Picard ist ja nicht berühmt geworden, weil er ein Captain ist, sondern er ist berühmt geworden, weil er ein paar erfolgreiche Schlachten gegen die Borg geschlagen hat. (Ein Gegner, der vor Picard als unbesiegbar galt.)
Diese Borgschlacht hat ihn zum Kriegshelden gemacht.
Und dadurch ist er berühmt geworden. (Wenn du einen gewöhnlichen Captain der Sternenflotte nimmst oder einen gewöhnlichen Admiral, so wird er kaum Bekanntheit haben.)

Dazu muss man bedenken, dass wir Deutsche (wohl wegen unserer Vergangenheit) ein ziemlich distanziertes Verhältnis zum Militär haben und es bei uns schon fast als peinlich gilt, Militärangehöriger zu sein.
Unsere europäischen Nachbarn sind dort viel offenherziger. (Und wenn wir auf die andere Seite des Teiches schauen, stellen wir fest, dass ein Kriegsheld sogar Präsidentschaftskandidat wird. - Durchaus eine Sache, die ich im StarTrek Universum auch Picard zutrauen würde.)

@ Pharyon
Ein Blick in Wikipedia sagt mir, dass es die Episode Azati Prime war, in der die Klingonen beitreten. (Da ich selber diese Episode nie gesehen habe, kann ich dazu auch wenig sagen.)

Feuersänger:
Ich konzentriere mich jetzt mal auf Insurrection. Und da reden wir wohl gerade aneinander vorbei. Zur Verdeutlichung zitiere ich mal direkt aus dem Film (Hervorhebungen von mir):

Admiral: "The So'na have developed a procedure to collect the metaphasic particles from the planet's rings." 
Picard: "A planet in Federation space."
Admiral "That's right. We have the planet, they have the technology. A technology we can't duplicate."
...
"With metaphasics, life spans will be doubled. An entire new medical science will evolve."
...
Picard:"There are metaphasic particles all over the Briar Patch. Why does it have to be this one planet?"
Admiral: "It's the concentration in the rings that makes the whole damned thing work. Don't ask me to explain it- I only know they inject something into the rings that starts a thermolitic reaction. When it's over, the planet will be uninhabitable for generations."

Es geht hier nicht um Forschungsstationen und Analsonden. Es geht darum, dass ein ganzer Planet unbewohnbar gemacht werden sollte, und die Ureinwohner (Baku) ohne jedes Mitspracherecht auf einen anderen Planeten umgesiedelt werden sollten. Das war auch nicht die Entscheidung eines einzelnen Admirals, sondern von höchster legislativer Ebene abgesegnet, sprich, dem Föderationsrat.
Ungefähr so haben sich die europäischen Kolonialmächte in Nordamerika verhalten: "Entdecker" setzt seinen Fuß auf einen Strand, und beansprucht das ganze Land für die spanische oder sonstige Krone. Trifft man dann blöderweise doch auch Einheimische, werden diese eben entfernt, so oder so.
Dennoch ist wie gesagt der in Besitz genommene Planet nicht automatisch Föderationsmitglied, sondern muss dieses Privileg erst beantragen. Er ist also der gesamten Willkür der Föderation ausgesetzt, ohne irgendwie repräsentiert zu werden.

Dann zu ein paar anderen Punkten:

--- Zitat ---4) zu den Uniformen der Richter:
Heutzutage tragen Richter ja schwarze Roben mit weißen Perücken, Polizei trägt grün oder blau (je nachdem, in welchem Bundesland man sich befindet) und Militär trägt entweder DonaldDuck oder Flecktarn.
--- Ende Zitat ---

Sorry, das lasse ich nicht gelten. Das war ja wohl eine Sternenflottenuniform mit Rangabzeichen und SF-Kommunikator. Das hat nichts mit Mode zu tun. Es wäre in Europa und Nordamerika und vielen anderen Staaten undenkbar, dass sich Zivilisten vor einem Oberstleutnant als Richter verantworten müssen.

Das ist ein Beispiel für den Kasus Knackus an der Bedeutung des Militärs, pardon, der Sternenflotte. Ansonsten haben wir auch sonst in den höchsten Föderationsgremien Sternenflottenoffiziere sitzen. Und zwar im aktiven Dienst, keine Ausgeschiedenen wie diverse US-Politiker (Colin Powell, RETIRED General. John McCain, RETIRED Captain.) Die würden niemals zu öffentlichen Auftritten in Uniform erscheinen, auch wenn sie natürlich mit ihrem Veteranenpfund wuchern.

Holothuroid:

--- Zitat von: Eulenspiegel am 29.10.2008 | 15:51 ---Der Förderationsrat hat darüber abgestimmt. (Jeder Planet hat im Rat eine Stimme.) Und die Mehrheit des Rates hat dafür gestimmt, den Planeten abzugeben.
--- Ende Zitat ---

Das der Rat abgestimmt hat, ist bestimmt richtig. Wie sich der zusammensetzt wissen wir allerdings nicht, also ob etwa bevölkerungsreiche Planeten mehr Stimmen bekommen. (Sisko benutzt in einer Folge den Plural, wenn über Bajors Repräsentanten redet.)


--- Zitat ---Die Cardassianer und die Förderation befanden sich im Krieg und es gab auf beiden Seiten bereits Tausende von Toten.
--- Ende Zitat ---

Quelle für die Totenzahl?


--- Zitat ---(Und es sah so aus, als ob die Cardassianer militärisch überlegen waren.)
--- Ende Zitat ---

Quelle?


--- Zitat ---Die Cardassianer waren nur unter der Bedingung bereit, Frieden zu schließen, wenn sie im Gegenzug einige Sonnensystem erhalten.
--- Ende Zitat ---

Quelle?


Tatsächlich ist es so, dass der besagte Vertrag aus den 2370ern stammt, der Krieg aber schon zehn Jahre zuvor vorbei war. (Man beachte, dass O'Brien an der Front war, der Krieg aber bei Beginn von TNG schon vorbei.)

Es ist auch nicht so, dass die Föderation einseitig Planeten aufgegeben hat, sondern sie hat im Gegenzug Planeten von den Cardassianern erhalten. Wir können wohl annehmen, dass die Föderation weniger bekommen als gegeben hat. (z.B.: Journey's End)

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