Pen & Paper - Spielsysteme > Savage Worlds

Savage Worlds - Small Talk

<< < (164/1063) > >>

Abd al Rahman:
Mal so nebenbei bemerkt:

Frohe Weihnachten :)

Zornhau:

--- Zitat von: alexandro am 24.12.2010 | 01:41 ---@TAFKAKB: vor 10 Jahren mag das noch gegangen sein, inzwischen sieht die Gesetzeslage deutlich anders aus (was nicht heißt dass es immer noch Dumme gibt, die es für'n Appel und 'nen Ei machen, aber da bekommt man meißt, was man verdient).

--- Ende Zitat ---
Ähm, OHNE die "Dummen, die es für'n Appel und'n Ei machen" gäbe es praktisch KEINE BEZAHLBAREN Übersetzungen von Rollenspielprodukten hierzulande!

Bei 1,55 Euro für angefangene 55 Anschläge würde allein die Übersetzung von BoL 10.290 Euro gekostet haben! Hinzu kämen noch die Illustrationen, Karte, Titelbild, Charakterbogen, Layout usw. - Das Endprodukt wäre dann nicht bei unter 20 Euro, sondern bei ca. 50 Euro oder drüber gelandet! Und das für ein dünnes, kleinformatiges Rollenspielprodukt.

So ein Buch wie die SW-GE wäre kaum unter 90 Euro zu haben!

Wer möchte von den hier Mitlesenden denn solche Preise für Rollenspielprodukte zahlen?

Eben.


Wobei ja Rollenspieler an sich VERWÖHNT sind!

Computerspiele, die auch kaum mehr als 30 Stunden Durchspielzeit hergeben, gehen für 60 Euro über den Tisch. Die 30 Stunden reiße ich in einem Monat locker runter und brauche dann wieder einen neuen Kick, ein neues Spiel. Jeden Monat 60 Euro macht 720 Euro um jedes Wochenende was zum Spielen zu haben. - Verglichen damit ist Rollenspielen wirklich ein PREISWERTES Hobby.

An sich könnten die Rollenspielbücher DEUTLICH MEHR kosten. Würde man hier nicht bei Übersetzern (und Verfassern!) sowie - leider stets schmerzlich an der Qualität spürbar - beim Lektorat sparen, dann müßten die Rollenspielprodukte - egal ob übersetzte oder auf Deutsch erstellte - DEUTLICH TEURER sein!


Aber wenn ich mir anschaue, wie ich mich winde, wenn ein Rollenspiel mehr als die 30 Euro (oder inzwischen 40 Euro), die ich noch "mal so nebenbei" aufbringen könnte kostet, und wenn ich mir den ENORMEN Preisanstieg bei Rollenspielprodukten durch m.E. völlig unnötiges optisches Aufhübschen bei oftmals sprachlich minderer Qualität anschaue, dann frage ich mich, ob nicht mit schlichteren Produkte zu einem EHRLICHEN Preis den Rollenspielschaffenden auch mehr "finanzieller Respekt" gezollt werden könnte.

Eines dürfte aber unbestritten sein: Die obige Entlohnung für Übersetzungsarbeiten bekommt man NICHT im Nischenmarkt Rollenspielprodukte von den dortigen dauernd wegen des knappen Geldes jammernden Verlagen gezahlt.

Man wird in "Naturalien" entlohnt. Meist in Exemplaren des gedruckten Buches.

Selbst als 400-Euro-Jobber wäre man noch zu teuer für einen deutschen Verlag. Zumindest erscheint es mir so, dann für REGELMÄSSIGEN VERDIENST, nicht für ein Taschengeld, geht man lieber zu anderen Verlagen und übersetzt andere Texte. Und auch als Autor hat man mit noch so öden Romanen mehr Chancen regelmäßig etwas zu verdienen als mit dem Schreiben und ENTWICKELN(!) von Rollenspielen.

Da also das gesamte Hobby mehr oder weniger von den SELBSTAUSBEUTERN ohne finanzielle Interessen getragen wird, halte ich den Verweis auf die Entlohnung von professionellen Übersetzern, die von ihrer Tätigkeit LEBEN müssen, für ausgesprochen abwegig.

Zornhau:

--- Zitat von: Abd al Rahman am 24.12.2010 | 02:13 ---Frohe Weihnachten :)

--- Ende Zitat ---
Und es wird, wie es scheint, ein HELLFROSTIGES Weihnachten!

Lichtschwerttänzer:
Winter comes the Frost comes

Timberwere:
TAFKAKB: Deine Kalkulation ist leider völlig illusorisch. Ich weiß nicht genau, aus wievielen Wörtern die Region Guides bestehen, aber man sagt, ein guter Übersetzer kann ca. 5000 Wörter am Tag schaffen, wenn er gut ist und wirklich 8 Stunden am Stück durchklotzt. Realistischer sind eigentlich eher 3000 bis 4000 Wörter, und auch das ist schon ein langer, harter Arbeitstag. Irgendwann spielt die Konzentration einfach nicht mehr mit.)

Und wenn man das nicht beachtet/berücksichtigt, dann kommt ein Gehudel dabei heraus, dass es nicht mehr feierlich ist. Dann hat man nämlich keinerlei Zeit, auch nur eine Sekunde lang darüber nachzudenken, was man tut, dann übersetzt man stumpf am Fließband herunter, und dann wird das Ergebnis geradezu unerträglich grottig.
(Ich habe gerade so einen Fall, wo ich für einen Kunden eine verhunzte - und zwar eindeutig genau aus Husch-husch-eilig-Gründen verhunzte - Übersetzung geradebiegen darf, und es ist nicht lustig. Es ist deutlich schneller und schmerzfreier, es gleich komplett neu zu machen.

Re/ des Preises wurden für PC-Spiele (und das ist schon eine ziemlich niedrige Entlohnung) vor einigen Jahren ca. 5 Cent pro Wort gezahlt. Ich bekomme ständig E-Mails von Agenturen im Ausland, die für billiges Geld Übersetzungen anbieten, und auch da liegen die Wortpreise nicht so sonderlich viel niedriger. Sagen wir 3 bis 4 Cent pro Wort. Aber da muss man dann schon fast anfangen zu schludern, wenn man mit dem, was dabei herauskommt, noch genug Geld für Miete und Brötchen haben will.

Na klar, sagst du, aber ein Student macht das ja um der Liebe willen und nimmt kein Geld dafür.
Mag sein, aber wie Kardohan schon sagte, wir sprechen hier von einer ganzen Menge Seiten. Das macht wirklich niemand aus Liebesdienst.
Dass ich den Artikel übersetze, ist meiner Liebe zur Sache geschuldet, und weil ich es auf meinen wöchentlichen Zugfahrten zum Kunden einschieben kann, ohne dass ich wirklich Zeit für andere, "richtig" bezahlte Aufträge aufgeben muss. Und wenn ein echter Auftrag reinkommt, stelle ich dieses Freizeitprojekt eiskalt zurück, bis das andere fertig ist.

Ich kann es halt nicht ertragen, schlechte Übersetzungen zu sehen. Aber das würde nicht heißen, dass ich jetzt zig Region-Guides (die immerhin verkauft werden, was bei dem "Making of Savage Worlds" definitiv nicht der Fall ist, und was einen großen Unterschied darstellt) ohne Honorar annehme. Da würde ich den Markt kaputtmachen, das tu' ich mir selbst und meinen Kollegen und dem Markt nicht an.

(Die Sache mit dem "begabten Studenten" hatten wir an der Uni übrigens auch häufig - und gerne war das eine Ausrede dafür, völlig professionelle Arbeit ohne Honorar abwickeln zu lassen, sei es mit Übersetzungen oder bei Dolmetschaufträgen. Das ist genau wie bei Praktika in Unternehmen, wenn fertig diplomierte Uniabgänger nur einen Praktikumsplatz statt eines richtigen Jobs bekommen. Gefällt mir nicht und macht mir Bauchschmerzen, Argumente wie "es ist aber eine gute Übung für das spätere Berufsleben" hin oder her. Irgendwann kommt der Punkt, wo man sich für so etwas nicht mehr hergibt.)

Mit dem Arbeitsaufwand für Layout kenne ich mich übrigens deutlich weniger aus, aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das so schnell gehen soll, wie du dir das denkst. Oder wenn, dann mit ähnlichemr Huddel-Schlamp-RisikoGarantie wie oben.

—-

Edit: da ist ja inzwischen schon einiges mehr gesagt worden.

Kurz als Ergänzung nur soviel: Alexandro liegt mit seinen 1,55 pro 55 Anschläge völlig richtig. Das ist der derzeit gängige Preis im "normalen" Segment, den ich auch etwa anbiete.

Für solche Liebesdienste wie RPGs lasse ich mich auf niedrigere Honorare ein, weil es mir einfach eine Herzensangelegenheit ist, dass die gut übersetzt werden. Aber dann weiß der Kunde auch, dass ich mir dafür Zeit lasse, um eben "richtig bezahlte" Aufträge vorzuziehen, wenn sie kommen. Da sitze ich dann an einem "Spielleiten" auch schon mal ein Dreivierteljahr. Aber das wussten beide Seiten vorher, und beide Seiten sind zufrieden.

—-

Noch ein PS: Ich habe mal die Wörter des "Making Of" gezählt. Es sind knapp 12.000 Wörter, wenn ich also wirklich ganze Arbeitstage daran sitzen und nichts anderes machen würde, wäre ich ca. 3 bis 4 Tage beschäftigt. Und das sind 17 sehr großzügig gelayoutete Seiten. Ich nehme an, die Hellfrost Region Guides sind enger beschrieben, d.h. auch wenn es nur 6 Seiten pro Guide sind, würde man doch ca. 2 volle Arbeitstage an einem sitzen. Nur mal so zum Vergleich.

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

[*] Vorherige Sete

Zur normalen Ansicht wechseln