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Rollenspieldoku vom 12.8.08 im ZDF: Wow und Sucht

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Thalamus Grondak:
Jeder von uns ist Schuld, wenn irgendein Idiot sein Kind wegen Wow Verhungern lässt?
Sorry aber das halte ich für ausgemachten Schwachsinn.
Verantwortung für seine Mitmenschen ist wichtig und richtig, aber durch Regulierung einer Freizeitbeschäftigung die zum aller allergrößten Teil nicht zu Schäden oder Verwahrlosung führt, geht es mit der Führsorge etwas zu weit.
Wenn irgendjemand es soweit treibt sein Kind dadurch zu verwahrlosen, dann ist das tragisch, aber WoW wird durch so einen Fall nicht plötzlich gefährlicher, sondern ist noch immer das was es schon immer war.

Ganz anders als Alkohol, der Körperlich wirkt und deshalb eindeutige Folgen hat, ist sowas wie Computerspielen viel zu Individuell als das man da Feste Regeln für finden könnte.
Und den Bürokratieaufwand um dafür zu Sorgen, das alle Potentiellen Suchtspiele eine eingebaute Sperre bekommen, und diese auch vernünftig umgesetzt wird, ist Utopisch im Gegensatz zu Einzellfallprüfungen.

Solche Regulierungen sind genau das Gegenteil dessen was sie Propagieren. Sie verdrängen die Selbstverantwortung und die Verantwortung für seine Mitmenschen durch Starre Regeln, damit jeder Sagen kann "Was soll ich machen da gibts doch Regeln..."

Eltern gucken nichtmehr auf die Reife ihres Kindes um zu sehen ob es Bier trinken und Zigaretten rauchen dürfen soll, sondern Stur auf eine Gesetzliche Vorgabe.
Gäbe es eine Verordnung die aussagt 4 Stunden am Tag Internet ist ok, würden sich gleich eine Menge Eltern "entlastet" fühlen: "Ach ich brauch ja nicht drauf achten, was mein Sohn da treibt. Das macht ja der Staat für mich"

Merlin Emrys:
@ Ein: Im Grunde stimme ich Dir schon zu. Ich sehe nur auch die praktischen Probleme: Über die Frage der Dauer von Raids habe ich mich ja oben schon geäußert. Andererseits kann auch mal jemand seinen Urlaub für Dauerspielen einsetzen wollen, einfach, weil er dann mal Zeit hat zu tun, was er möchte... Da sind so feste Vorgaben, wie sie Dir vorschweben, irgendwie ausgesprochen unflexibel und damit hinderlich. Und - man zahlt ja für die Zeit, die man spielen kann; das heißt, die Kunden würden wohl eine Preissenkung fordern, wenn sie plötzlich nicht mehr den Monat, den sie bezahlt haben, ausschöpfen können.

Blizzard hat übrigens längst eine optionale Spielzeitbegrenzung: Wenn man will, kann man unter "Elterliche Feigabe" die entsprechenden Einstellungen vornehmen. Süchtige Erwachsene werden das natürlich nicht grad nutzen...

Per Gesetz kann man sicher auch über Blizzards eigene Gewinnentscheidungen hinwegsehen, aber ich fürchte, so ganz einfach würde das trotz allem nicht werden.


--- Zitat von: Thalamus Grondak am 13.08.2008 | 21:58 ---Jeder von uns ist Schuld, wenn irgendein Idiot sein Kind wegen Wow Verhungern lässt?
Sorry aber das halte ich für ausgemachten Schwachsinn.
--- Ende Zitat ---
Ich nicht. Es ist eine andere Ethik, die das Individuum nicht absolut setzt, sondern auch die Gemeinschaft mit einbezieht; und so haben es durchaus einige Kulturen gesehen. Sie ist nicht "westlich-modern", aber deswegen noch lange nicht "schwachsinnig".

Thalamus Grondak:

--- Zitat von: Merlin Emrys am 14.08.2008 | 00:21 ---Ich nicht. Es ist eine andere Ethik, die das Individuum nicht absolut setzt, sondern auch die Gemeinschaft mit einbezieht; und so haben es durchaus einige Kulturen gesehen. Sie ist nicht "westlich-modern", aber deswegen noch lange nicht "schwachsinnig".

--- Ende Zitat ---
Drücken wir es anders aus: was ausser phrasen hat es für Auswirkungen das so zu sehen?

Damit meine ich nicht, das die Gesellschaft keine Verantwortung für Geschehnisse in eben dieser Gesellschaft trägt. Aber daraus den schluss zu ziehen, das die ganze Gesellschaft sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen muss, damit jedes Individuum so geschützt vor sich selbst ist wie nur möglich halte ich gelinde gesagt für übertrieben.
Den entscheidenden Unterschied sehe ich eben in den Worten Schuld und Verantwortung.

Joerg.D:
Wer wirklich süchtig ist, wird Mittel und Wege finden die Zeiteingrenzungen zu umgehen, sich notfalls eine zweite Telefonleitung holen um einen anderen Zugangspunkt zu haben und solche Scherze.

Außerdem kann die anfängliche Begeisterung für solche Sachen auch irgendwann wieder abflauen. Ich habe einen Kollegen, der über lange Zeit 10-18 Stunden am Tag in der WOW war und seine Freundin total vernachlässigt hat. Die hat Schluss gemacht und und ist zum Nachbarn gezogen, was sein Spielverhalten nicht geändert hat. Nach 1 1/2 Jahren kam er über ein Gilden Treffen mit einem Bunny zusammen und änderte sich wieder. Kam von ganz alleine wieder an und fragte, ob wir immer noch Donnerstags ein Bier trinken gehen und Samstags zusammen Fußball gucken. Er spielt immer noch regelmäßig, aber legt wieder Wert auf das Treffen mit uns und anderen Kumpels. Intensive Nutzung und Sucht sind zwei verschiedene Paar Schuhe und die Unterscheidung dazwischen sollte man Profis überlassen.

Außerdem macht einen die WoW nicht arm, wie das Zocken an Geldautomaten oder andere Süchte, in die sich Abhängige flüchten.

Thot:

--- Zitat von: Jörg.D am 14.08.2008 | 08:39 ---Wer wirklich süchtig ist, wird Mittel und Wege finden die Zeiteingrenzungen zu umgehen, sich notfalls eine zweite Telefonleitung holen um einen anderen Zugangspunkt zu haben und solche Scherze.[...]

--- Ende Zitat ---

Es geht dabei ja auch um Suchtprävention, nicht um Prävention des Bedienens einer bereits existierenden Sucht.

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