Pen & Paper - Spielsysteme > Pathfinder/3.x/D20
Wer leitet schon gerne D&D 3.x?
Tantalos:
Also ich hatte hinterher eine Gruppe mit Level 14 bei Dnd3.5 und das empfand ich auch als relativ anstrengend in den Kämpfen, weniger wegen des Vorbereitens, als wegen der taktischen Besprechungen die stattfanden und den eigentlichen Kampf sehr verlangsamt ahben. Ob das mit D&D4 besser wird/ist kann ich kaum sagen.
Kinshasa Beatboy:
Ganz kurz zum Thema hohe Stufen:
Je mehr Material zur Verfügung steht bzw. produziert werden muss, desto schlechter können Unterschiede in der Gleichwertigkeit von Spielregeln vermieden werden. Das ist eine Grundregel des Balancing von Spielregeln.
In D&D4 wurde insgesamt mehr Wert auf Balancing gelegt als in den Vorgängereditionen. Eine der angewandten Strategien besteht darin, die insbesondere den Klassen zur Verfügung stehenden Kräfte und Feats zu parallelisieren. Das wird gemacht, um eine quantifizierte Betrachtung des Impacts der Kräfte zu ermöglichen und man kann das schätzen oder auch nicht. Selbstverständlich ist nämlich ein negativer Nebeneffekt dieser Strategie, dass der Entscheidungsfreiraum beim Charakterbauen wie auch während des Spiels dadurch beschnitten (Settembrini würde vermutlich "entwertet" sagen) wird.
Auch bei der 4th Edition gibt es bereits beim FRPG mit Impiltur und Thay zwei Regionalfähigkeiten, die die grundlegende Regelmechanik aushebeln. Und je mehr Kombinationen von Feats, Rassen, Klassen, Powers und Items publiziert wird, desto mehr solcher Dysfunktionalitäten (unter dem Gesichtspunkt des Balancing) wird es geben. Neben der Anzahl der zur Verfügung stehenden Sourcebooks ist ein weiterer Aspekt, der die Kombinationszahl in die Höhe treibt, ganz einfach die Stufe der Charaktere, denn mit zunehmenden Stufen nimmt die Anzahl dieser Kombinationen zu. Und da die Entwicklung der Charaktere nicht linearisiert ist, sondern auch zwischen Klassen bestimmte Kombinationen erlaubt sind, ist ein perfektes Balancing zunehmend schwierig und irgendwann einfach unmöglich.
Diesen Umstand beklagen Jack, Christian und Selganor hier augenscheinlich (und sind sich überdies mit hoher Wahrscheinlichkeit der obigen Ausführungen voll bewusst). Es besteht jedoch für diejenigen, denen ein gelungenes Balancing wichtig ist, die Hoffnung, dass die Zahl der Dysfunktionalitäten bei D&D4 aufgrund des etwas rigideren (manche sagen beschneidenden oder entscheidungsentwertenden) Designs geringer ist. Ich teile diese Hoffnung und hoffe, mit den Ausführungen helfen zu können, das vermeintlich zugrunde liegende Problem etwas greifbarer zu machen.
EDIT: Ganz zu schweigen übrigens davon, dass innerhalb einer Gruppe und besonders vor Kämpfen die Anzahl der Kombinationsmöglichkeiten von Fähigkeiten der verschiedenen Charaktere mit steigender Stufe erheblich (und aufgrund des Designs von 3.x eben stärker als bei 4E) ansteigt. Die Konsequenzen daraus sind dann abermals verschieden und reine Geschmackssache.
EDIT 2: Zum Vergleich ein System mit einem vollkommen anderen Ansatz: Rolemaster. Denen ist ein rigides Balancing weitgehend schnuppe. Rolemaster basiert im Gegensatz zu D&Dx darauf, dass die Charaktere unterschiedliche Sachen können, die sich vergleichbar cool anfühlen, deren Einfluss auf die Spielwelt jedoch ebenso unterschiedlich wie unvergleichbar ist. Das ist in D&D, weitgehend egal welcher Edition, eben absichtsvoll anders. Je wichtiger einem Spieler dieser Aspekt ist, desto stärker werden die Präferenzen für verschiedene Systeme ausfallen. Natürlich gibt es noch diverse weitere Vor- und Nachteile von D&D3.x gegenüber D&D4. Aber da es hier im Thread vor allem um 3.x und die damit verbundenen (Dys-)Funktionalitäten beim Leiten geht, beschränke ich mich einfach mal auf den Punkt des Balancing in Verbindung mit der in höheren Stufen fast exponentiell zunehmenden Kombinationsvielfalt der Charakterfähigkeiten.
Tantalos:
--- Zitat ---Auch bei der 4th Edition gibt es bereits beim FRPG mit Impiltur und Thay zwei Regionalfähigkeiten, die die grundlegende Regelmechanik aushebeln.
--- Ende Zitat ---
Das hört sich für Leute, die das Buch nicht kennen, sehr krass an.
Daher kurz zur Erklärung:
Im Endeffekt dürfen Leute aus den Regionen ihre Start-Hitpoints mit anderen Attributen berechnen, als bei der PHB-Version. Healing Surges werden davon nicht betroffen.
Andere reginale Boni geben beispielsweise neue Sklills zu den Classskills, zusätzlöiche Sprachen, Boni auf Skills und ähnliches, meist in unterschiedlichen Kombinationen.
Ob jetzt erstere so gewaltig die "Mechanik aushebeln" halte ich für eine gewagte These, aber das kann und soll ja jeder selbst entscheiden, allerdings halte ich es gerade in "hohen Stufen", auf die er sich ja bezieht, für völlig irrelevant.
Kinshasa Beatboy:
@ Jack: War nur ein kleines Beispiel. (Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
--- Zitat von: J. Jack Winter am 9.01.2009 | 13:23 ---Das hört sich für Leute, die das Buch nicht kennen, sehr krass an.
Daher kurz zur Erklärung:
Im Endeffekt dürfen Leute aus den Regionen ihre Start-Hitpoints mit anderen Attributen berechnen, als bei der PHB-Version. Healing Surges werden davon nicht betroffen.
Andere reginale Boni geben beispielsweise neue Sklills zu den Classskills, zusätzlöiche Sprachen, Boni auf Skills und ähnliches, meist in unterschiedlichen Kombinationen.
Ob jetzt erstere so gewaltig die "Mechanik aushebeln" halte ich für eine gewagte These, aber das kann und soll ja jeder selbst entscheiden, allerdings halte ich es gerade in "hohen Stufen", auf die er sich ja bezieht, für völlig irrelevant.
--- Ende Zitat ---
Die Mechanik wird ausgehebelt, weil für Professions mit hoher Weisheit oder Intelligenz entweder als Primary oder Secondary Stat die Bedeutung der Con erheblich reduziert wird. Da gerade höhere Werte mehr Punkte kosten und die Attribute viel entscheidender und endgültiger sind als noch in früheren Editionen, ergibt sich daraus ein erheblicher Vorteil gerade in den ersten Stufen. Mit jedem Anstieg relativiert sich dabei also zwar der HP-Vorteil, der Attributsvorteil bleibt jedoch erhalten.
Nehmen wir das Feat "Toughness": es ist weitgehend unbestritten eines der nützlichsten Feats gerade in den ersten Stufen. Eine Herkunft aus Thay entspricht jedoch durch die sehr hohe Intelligenz beispielsweise eines taktischen Warlords oder eines Wizards EDIT: locker fast dem doppelten Effekt. Ein Wizard startet demnach mit über 30 HP, was sonst eigentlich nur einem Defender vergönnt ist, und hat zusätzlich noch ein paar Attributspunkte frei (die er nur der Surges willen in Con belassen kann, aber die er nun auch noch flexibler zuteilen kann).
Ich will aber auch gar nicht bei diesem Beispiel verweilen, sondern eher anhand dieser Nebensächlichkeit klarmachen, dass sich mit einer zunehmenden Optionsvielfalt zwangsläufig auch die Zahl der Exploits erhöht. Im PHB finde ich solche Klopper jedenfalls nicht.
Archoangel:
Ich verstehe nur immer noch nicht, weshalb die 4E angenehmer zu leiten sein soll, als die 3.X ... woran genau macht ihr das fest? Gefühl?
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