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WoW ab 18?
Wormys_Queue:
--- Zitat von: Lord Verminaard am 3.03.2009 | 10:02 ---Die Logik erschließt sich mir nicht. Wenn die Eltern bei ihren Aufgaben versagen, dann ist das doch kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken, im Gegenteil?! Es ist doch offenkundig, dass viele Eltern heutzutage überfordert oder ggf. nicht mal Willens sind, ihre erzieherischen Aufgaben zu erfüllen. Das ist ein Problem der Allgemeinheit, und zwar ein verdammt großes, und die Allgemeinheit täte gut daran, über Lösungsansätze nachzudenken, statt sich mit Schuldzuweisungen zu begnügen.
--- Ende Zitat ---
Dessen ist sich übrigens auch der so oft kritisierte Prof.Pfeiffer bewusst. Ich hab in anderem Zusammenhang mal in eine seiner Studien reingeschaut, in der es um das Medienverhalten von Schülern und den Auswirkungen auf schulische Leistungen geht. Und dort zumindest weist er ausdrücklich darauf hin, dass Restriktionen nur ein Teil eines Maßnahmenpakets sein können, und dass in diesen Themenkomplex noch ganz andere gesellschaftspolitische Probleme hineinfallen, die man mit Altersbeschränkungen oder gar Indizierung alleine nicht lösen kann.
Dazu möchte ich aber noch kurz etwas sagen:
--- Zitat ---"Ich glaube den Leuten gerne, dass die sich mit ihrer Gilde unheimlich gut verstehen, und dass sie da auch tolle Kontakte knüpfen können und die dann auch vertiefen. Aber trotzdem hat derjenige, der das macht, ganz häufig ein Problem, in 80 Prozent seines sonstigen Alltags. Dass er auf einer Party steht – selbst häufig erlebt – und das einzige Thema, von dem er erzählen kann, sind die Kriegsgeschichten aus „WoW“, die sonst keinen interessieren. Und man steht dann als totaler Freak da, was ein Problem sein kann. Man darf die virtuelle Welt nicht komplett von der realen Welt abkoppeln. Und je stärker das passiert – gerade als Jugendlicher – je eher hat man das Problem, dass man den Anschluss an die gesellschaftlichen Begebenheiten immer mehr verpasst."
--- Ende Zitat ---
ich bin nicht sicher, ob ich das so unterschreiben würde. Meiner Erfahrung nach verlieren die Jugendlichen nicht den Kontakt zur Gesellschaft, weil sie sich so exzessiv mit Computerspielen beschäftigen (das gibt es sicher auch). Der Weg verläuft oft andersherum. Sie flüchten sich in virtuelle Welten, weil sie nicht mit der Gesellschaft klarzukommen gelernt haben. Und in solchen Fällen behandelt ein Verbot bzw. eine Altersbeschränkung nur die Symptome, nicht die Ursache. Immer unter der Annahme, dass die verbote überhaupt was bringen.
Lord Verminaard:
Anekdotisch: Ich bin übrigens überzeugt, dass ich selbst insbesondere 2004-2005 durchaus ein mildes Suchtverhalten an den Tag gelegt habe, was Tanelorn (bzw. damals GroFaFo) und die Forge anging. Gerade die soziale Dynamik ist dabei gar nicht mal so unähnlich dem MMO. Ohne natürlich sicher sein zu können, erscheint es mir nicht fernliegend, dass ich das „gut“ im 2. Staatsexamen aus diesem Grund verpasst habe.
Scorpio:
--- Zitat von: Samael am 2.03.2009 | 20:28 ---Uh, level-headed-reply, Scorpio. Dachte der Pfeiffer wär sowas wie deine Nemesis... ;)
--- Ende Zitat ---
Ist er. Aber mit Argumenten kommt man weiter als mit Populismus... *realität einschalt* Ach... Mist. :P
--- Zitat von: Serafin am 2.03.2009 | 20:43 ---Scorpio, nach welcher medizinischen Definition von Sucht trifft das denn deiner Meinung nach nicht zu?
--- Ende Zitat ---
Ich bin kein Mediziner und stecke da nicht so tief in der Materie. Mein Wissen beruht auf Berichten wie dem und dem sowie mit einer Sozialpädagogin, die ich explizit nach dem Suchtverhalten von WoW gefragt habe. Sie hat auch immer mehr Eltern, die wegen ihrer Kinder vorbeischauen, weil sie diese für WoW-süchtig halten. Sie bestätigte mir, dass es nicht auf die offizielle Definition passt, sie aber die Definition für unzureichend empfindet und bei den Kindern ähnliche Symptome sehen würde, wie bei den Alkoholikern und anderen Süchtigen, mit denen sie zu tun hat.
--- Zitat von: JS am 2.03.2009 | 20:54 ---Nebenbei bemerkt: Daß der Sohn einer Bekannten (wohlsituierte Akademikerin) mit 12 nicht GTA 4 spielen durfte, lag nur daran, daß ich die Mutter mal über dieses Spiel aufgeklärt habe. Sie hat es nämlich einfach so gekauft. Der Sohn haßt mich deswegen noch heute, glaube ich. Aber ich verstehe auch nicht, wie man sich so wenig in die Welt seiner Kinder und in deren Interessen eindenken kann/will. Es sollte Eltern doch interessieren, was ihre Kinder wie, wo, warum und mit wem machen?!?
--- Ende Zitat ---
Das ist ja das Problem, das ich so hasse! Größe USK- und FSK-Logos helfen genau so wenig wie grünes Blut oder entfernte Splatteranimationen, wenn die Kiddies sich die Spieler umbeaufsichtigt aus dem Netz saugen und die Eltern die Altersfreigaben unreflektiert missachten. Es gibt kein Gesetzesdefizit, sondern ein Vollziehungsdefizit der bestehenden Gesetze. Letzten Freitag hatten wir im Jugendtreff beim Brettspielabend einen 13-jährigen, der mir zuerst erzählte, wie cool doch Fallout 3 (USK 18) sei und dann vor 22 Uhr alleine Richtung Kino abzog, um sich noch einen Film mit Freunden abzuziehen. Für mich ein klarer Fall von Versagen auf Seiten der Eltern und nicht ein Problem von Altersfreigaben.
Deswegen lehne ich auch eine USK 18-Freigabe für WoW. Es beseitigt nicht das Problem! Ich habe in meinem Bekanntenkreis mehrere Leute, die extrem in WoW versunken sind und kaum noch für Aktionen außerhalb zu motivieren sind. Die sind alle älter als 18.
--- Zitat von: Wormys_Queue am 3.03.2009 | 10:35 ---Dessen ist sich übrigens auch der so oft kritisierte Prof.Pfeiffer bewusst. Ich hab in anderem Zusammenhang mal in eine seiner Studien reingeschaut, in der es um das Medienverhalten von Schülern und den Auswirkungen auf schulische Leistungen geht. Und dort zumindest weist er ausdrücklich darauf hin, dass Restriktionen nur ein Teil eines Maßnahmenpakets sein können, und dass in diesen Themenkomplex noch ganz andere gesellschaftspolitische Probleme hineinfallen, die man mit Altersbeschränkungen oder gar Indizierung alleine nicht lösen kann.
--- Ende Zitat ---
Och, Herr Pfeiffer ist da durchaus variabel in seinen Forderungen. Das reicht von "Videospiele machen dick, dumm und traurig" über "Videospiele sind der relevanteste Faktor für Schulversagen" bis zu "Videospiele sind ein Element in einem größeren Komplex".
--- Zitat von: Wormys_Queue am 3.03.2009 | 10:35 ---Meiner Erfahrung nach verlieren die Jugendlichen nicht den Kontakt zur Gesellschaft, weil sie sich so exzessiv mit Computerspielen beschäftigen (das gibt es sicher auch). Der Weg verläuft oft andersherum. Sie flüchten sich in virtuelle Welten, weil sie nicht mit der Gesellschaft klarzukommen gelernt haben. Und in solchen Fällen behandelt ein Verbot bzw. eine Altersbeschränkung nur die Symptome, nicht die Ursache. Immer unter der Annahme, dass die verbote überhaupt was bringen.
--- Ende Zitat ---
Das sehe ich ähnlich. Videospiel"sucht" ist ein Symptom eines oder mehrerer sozialer Defizite.
Bluerps:
Weiß eigentlich jemand, was aus einem Kind (d.h. jemand unter 18) wird, dem man das Spiel wegnimmt, nicht wiedergibt und auch jede andere Möglichkeit zum Spielen unterbindet?
Bluerps
JS:
Hm, ich glaube, Herr Pfeiffer erachtet eben Videospiele als eine zentrale Ursache vieler heutiger Probleme gerade junger Menschen, weiß aber auch keinen konkreten Rat dagegen. Es ist ja auch eine sehr individuelle Angelegenheit, die mit allgemeinen Verboten und Erlassen schlecht zu regeln ist. Man stelle sich als Vergleich die Prohibition vor: "Alkohol ist da und beliebt, aber ganz schlecht, daher verbieten wir ihn jetzt" hat bekanntlich nur dem organisierten Verbrechen geholfen.
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