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RPG-Design - Handwerk oder Genie?

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Gaukelmeister:
Im Nachbarthread über die Design Patterns hat sich eine kleine Diskussion darüber entwickelt, wie man beim Basteln eines Rollenspiels am sinnvollsten verfährt. Dort konzentriert sich die Diskussion eher auf den Sinn oder Unsinn der Design Patterns. Aber im Hintergrund steht mMn die Frage, was man als Möchtegern-Designer berücksichtigen sollte, wenn man ein schickes Rollenspiel entwickeln möchte.

Die zentrale Frage jedenfalls, die sich mir vor diesem Hintergrund stellt, lautet: Lässt sich RPG-Design eher als ein Handwerk verstehen, das man erlernen kann? Gibt es also bestimmte Techniken, Verfahrensweisen, Werkzeuge etc., deren Gebrauch man sich nach und nach aneignen kann und aneignen sollte, wenn man ein Rollenspiel basteln möchte? Oder läuft das Ganze doch eher darauf hinaus, dass man als geborenes Genie intuitiv erfasst, was zu tun ist? In diesem Fall wäre RPG-Design nicht lehr- und lernbar, sondern bliebe denen vorbehalten, die den genialischen Funken in sich spüren.

Ich tendiere, vielleicht wenig überraschend, zur ersten Variante: Das Entwickeln eines Rollenspiels ist zu wesentlichen Teilen ein handwerklicher Prozess. Ein lediglich intuitives Vorgehen führt in der Regel zu Produkten, die hätten besser sein können, wenn man sich über grundlegende Techniken und Werkzeuge klarer gewesen wäre. - Selbstverständlich benötigt man ein gewisses Maß an Kreativität und innovativen Ideen. Aber ganz ehrlich: die meisten von uns haben kaum ein Problem, coole Ideen zu produzieren. Man scheitert eher beim Umsetzen der Idee in ein fertiges Spiel. (Nebenbei bemerkt: Das ist mMn genau das Gleiche im Bereich des Romaneschreibens.)

Wenn das, was ich sage, stimmt, kann man jedem, der aus seiner liebgewonnen Idee tatsächlich ein Spiel basteln möchte, nur raten, sich intensiv mit den Techniken und Werkzeugen auseinander zu setzen, die von Entwicklern eingesetzt werden, die nicht nur Ideen haben, sondern auch Spiele produzieren.

Was sagt ihr: Eher Handwerk oder eher Genie? Kann man RPG-Design lernen? Oder muss man dazu geboren sein? Oder muss man die Frage anders stellen? - Und falls ihr selbst an Rollenspielen bastelt: Wie wichtig sind euch Tipps, Kniffe, Ratschläge, theoretische Überlegungen etc. bei der Arbeit?

Ein:
RPG-Design ist definitiv ein Handwerk. Es besteht aus verschiedenen Techniken, die es zu meistern gilt. Wie bei jedem Handwerk besteht die optimale Herangehensweise aus Anleitung und Selbstausprobieren.

Azzu:
Greg Stolze, den ich als Rollenspielautor sehr schätze, hat in einem Forum mal von sich behauptet, seine Spiele instinktiv zu gestalten, und dass ihn die Design-Theorien (damals war er, wenn ich mich recht erinnere, konkret nach seiner Meinung zum Threefold-Model gefragt worden) eher abschrecken (wobei er anerkennt, dass sie anders arbeitenden Autoren sehr nützlich sein können).

Crimson King:
Ich würde mal behaupten, dass man mit guten Techniken und Verständnis der selben sowie der Abläufe am Spieltisch auf rein handwerklicher Basis sehr solide und robuste Systeme entwickeln kann. Für ein Spiel wie z.B. Polaris gehört aber definitiv mehr dazu.

Was man in jedem Fall benötigt, ist eine Idee. Sonst kommt so etwas raus wie DSA.

der.hobbit:
Es ist ja nicht alles schwarz-weiß. RPG Design ist nicht nur Handwerk und auch nicht nur Genie.

Bei der Entwicklung von RPGs gibt es viele handwerkliche Fähigkeiten, die man mitbringen muss.
Zuvorderst natürlich die Schreiberei. Auch wenn viele das nicht wahrhaben wollen, einen guten Text zu erstellen ist Handwerk. Es gibt Dinge, die sind richtig, es gibt Dinge, die sind falsch, und nur wenn man die richtigen Dinge beherrscht, darf man die falschen gezielt einsetzen. Schreiben ist erlernbares Handwerk.

Dann kommt beim RPG noch die Mechaniken hinzu. Auch das zähle ich noch zum Handwerk: Wer Würfelregeln aufstellt, sollte die Grundregeln der Stochastik kennen. Er sollte viele andere Systeme gelesen haben, um verschiedene Varianten und Spielarten von RPGs zu erfahren. Er sollte - das hat bisher noch niemand gesagt - Rollenspiele wirklich spielen. Das alles ist Lernprozess und Handwerk. Genie muss man dafür noch nicht sein.

Dann haben wir das Setting. Auch hier gilt es, interessante, neue Dinge zu erschaffen. Diesen Bereich sehe ich zu einem guten Teil im Genie-Bereich, aber selbst Kreativität ist lernbar, es gibt Methoden zur Ideenfindung, also versteckt sich auch darin etwas Handwerk. Genauso, wie sich in den oberen beiden Ausführungen Genie versteckt: Ein guter Text ist Handwerk, ein genialer Text ist viel Handwerk und Genie. Eine gute Mechanik ist Handwerk, eine exzellente Mechanik ist viel Handwerk und Genie (bin mal gespannt, wie viele späterhin die obigen Absätze zitieren und sich echauffieren, dass auch Genie dazu gehöre ...)

Schließlich muss das Paket geschnürt werden, gelayoutet, bebildert etc. auch dieser Bereich ist zu einem sehr großen Teil Handwerk und zu einem gewissen Teil Genie.

Handwerk ist dabei aber immer die Grundlage. Wenn ich die brilliantesten Ideen habe, sie aber nicht vernünftig formulieren kann, dann ist das Genie verloren. Wenn ich geniale Visionen habe, aber kein Verständnis für Proportionen, dann werde ich niemals tolle Bilder malen.

Wenn man mich fragt, dann braucht ein hervorragender RPG Designer 80% Handwerk und 20% Genie, dazu 200% Fleiß.

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