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Indien-Rollenspiel - Mehr als Taj Mahal, Murgh Biryani und Shahrukh Khan ...

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Jed Clayton:
Diese Woche kam ich, vielleicht auf einer weiteren Etappe in meiner seit Jahrzehnten währenden Indienbegeisterung (ich hatte z.B. an der Uni schon Sanskrit-Kurse und lerne im Moment Hindi), auf die Idee, in den nächsten paar Monaten mal ein Abenteuer im indischen Stil zu versuchen.

Meine erste grobe Vorstellung davon war eben ein mehr oder weniger dem Fantasy-Genre zugehöriges Abenteuer in einem indisch-persisch angehauchten Märchenland, beeinflusst von indischer Folklore, Hindu-Mythen, Tierfabeln wie dem Pancatantra, Sanskrit-Dramen und epischen Familiengeschichten à la Mahâbhârata. Abgesehen von der Kulisse müssten aber auch die Charaktere anders sein, so dass die Spieler mit Charakteren in diese Welt hineinkommen, die Einheimische sind und keine europäischen Touristen.

Ich habe schon unter meinen wahrscheinlichen Mitspielern herumgefragt, in welcher Art von Welt (reales Indien oder nur eine Art indisch beeinflusstes Shangri-La?) sie gern spielen möchten und auch, ob popkulturelle Stereotypen und Versatzstücke in dem Spiel enthalten sein sollten, weil gerade Bollywood-Filme so schwer in Mode sind und mehrere der Spieler in der Runde schon mit Bollywood vertraut sind. Dabei kam schnell heraus, dass an einem Spiel in einer realen historischen Epoche wenig Interesse bestand (so toll die Geschichte Indiens auch ist, hier kennt man fast ausschließlich die englische Kolonialzeit und diese auch nur bruchstückhaft) und dass die meisten Spieler gern etwas Melodramatisches und Filmisches ausprobieren möchten. Also sagte ich: Okay, ich probiere mal, ein orientalisch anmutendes romantisches Märchensetting zu schreiben (ruhig auch mit ein paar westlichen verklärten Orientklischees, schließlich hat niemand nach Political Correctness gefragt) und darin soll man dann auch mit Drama-Elementen wie in den heutigen Bollywood-Filmen spielen können. Ich denke, die realen Spieler am Tisch sollen nicht zu Gesang und Tanz aufgefordert werden, aber es soll Regeln für Gesang und Tanz in der Spielwelt geben. Ich möchte ziemlich nah am Pen & Paper mit Würfeln bleiben.

Nun bin ich zunächst vorsichtig auf der Suche nach Quellen und Präzedenzfällen zum Thema Indien und indienähnliche Welten. Es ist verhältnismäßig wahrscheinlich, dass ich mir dazu auch ein eigenes Regelsystem einfallen lassen werde.

Das einzige konkrete RPG-Buch in dieser Richtung, das ich im Internet gefunden habe, ist ein Buch namens "Sahasra, The Land of 1,000 Cities" von Dog Soul Publishing. Das scheint aber eher ein D&D-Band vor veränderter Kulisse zu sein, wenn ich nach der einzigen Kritik dazu bei RPGNow gehe. Westeuropäisch geprägte Charakterklassen vor exotischer Kulisse reichen mir nicht, also hätte ich an dem Buch verhältnismäßig wenig Spaß.

Für Tipps bin ich wie immer dankbar.

oliof:
Wenn Du keine Angst vor Indiegedöns hast, kannst Du Dir

1001 Nights von Meguey Baker ($11 als PDF)

Mridangam aus Push Vol 1 (ein Artikel über die Idee, dass indische Tempeltänzerinnen Rollenspiele erfunden haben (also eine klassische "What if …"-Geschichte; kostenloses PDF)

anschauen.

Medizinmann:
Dir ist klar,das die Chars,egal in welchem System du das spielst,Skills für Singen und Tanzen brauchen (evtl auch Choreographie ?) denn die Chars werden Singen & Tanzen müssen
Das ist ehernes Gesetz (sowie es immer Gesinnungen bei D&D geben muss) in Bollywood  ;) :D

mit indischem Tanz
Medizinmann

Akeshi:

--- Zitat von: Jed Clayton am 26.11.2009 | 03:14 --- Dabei kam schnell heraus, dass an einem Spiel in einer realen historischen Epoche wenig Interesse bestand (so toll die Geschichte Indiens auch ist, hier kennt man fast ausschließlich die englische Kolonialzeit und diese auch nur bruchstückhaft) und dass die meisten Spieler gern etwas Melodramatisches und Filmisches ausprobieren möchten.
--- Ende Zitat ---

Du könntest es so machen wie bei Qin the Warring states: nimm dir eine interessante historische Epoche und füge mythische/magische Elemente hinzu. Gerade Qin macht es meiner Meinung nach gut vor, indem es dem Sl bzw der Gruppe die Wahl lässt wie viele "unrealistische" Elemente im Setting vorkommen sollen. Dies hätte den Vorteil, dass du relativ viel hochwertiges Material finden (oder ich nehme an wenn du so ein Indien Fan bist teilweise schon haben) wirst.

Jed Clayton:
Von Qin the Warring States habe ich schon viel Gutes gehört. Danke für den Tipp.  :d

Ebenfalls haben mir persönlich gut gefallen, entweder vom Rechercheaufwand oder von der Machart (Stil?) her:

- Sengoku RPG für die Recherche zum "historischen" Japan zwischen 1500 und 1600
- RuneQuest Land of the Samurai für die Recherche zu Japan zwischen etwa 1100 und 1300
- GURPS Arabian Nights:
  sehr interessant für Spielrunden mit Palästen, Harems, fliegenden Teppichen, Djinns und
  bösen Großwesiren, mit Fantasie und Feingefühl vielleicht auch auf das muslimische
  Mogulreich in Indien oder frühere Königreiche zu übertragen (?)
- das Land und der Charaktertypus "Teshnos" aus HeroQuest;
  die Teshnans haben viel von einem ahistorischen Nordindien
- überhaupt nicht historisch und ziemlich abschätzig vom Standpunkt der Political
  Correctness betrachtet, aber vieleicht trotzdem verwendbar: "Vendhya" von Robert E.
  Howards Conan-Welt
- Talislanta: ist zwar überhaupt kein bisschen indisch, hat aber vermummte
  säbelschwingende Krieger, magische Tätowierungen, Traumhändler und zahlreiche
  abgefahrene Charaktere und Monster, die ich noch nirgendwo einbauen konnte

Singen und Tanzen als Skills sind relativ klar. Ich überlege gerade, ob es Sinn machen würde, sie vielleicht doch etwas hervorzuheben, damit sie nicht einfach 2 Fertigkeiten unter vielen bleiben.

Andere lose Schrauben, äähm, ich meine natürlich "lose Ideen", die mir aktuell im Kopf herumschwirren, wären noch:

1. Wiedergabe des Kastensystems in der Charaktergenerierung. Ohne Betonung der Kaste läuft halt wenig im traditionell indischen Denken. Die fünf Grundgruppen in der vedischen Gesellschaft, aus denen sich alle späteren Kasten herausentwickelt haben, wären:

- Bramhanas (Priester und Gelehrte, letztlich alles, was mit Buchwissen zu tun hat)
- Kshatriyas (Krieger beziehungsweise auch der waffentragende Adel)
- Vaishyas (Kaufleute und Handwerker)
- Shudras ("die, die den höheren drei Kasten dienen", also alle Diener und Bauern)
- Kastenlose und Fremde

2. Weg zum Moksha (Befreiung, Erleuchtung, Klarheit, Erkenntnis, Vollkommenheit, usw.) - Ich möchte irgendwas einbauen, durch das der SC quasi "Erkenntnispunkte" oder positive Karmapunkte gewinnen kann, so dass er auf seinem Weg durch die verschiedenen Wiedergeburten der Erleuchtung näher kommt.

3. Irgendetwas mit Kamasutra, tantrischer Zauberei und seltsamem tantrischem Verrenkungs-Sex  ;D Schließlich soll das Spiel ja was Interessantes bieten.

Wie gesagt, das wären so bisher meine losen Ideen.

Natürlich habe ich auch Touristenbücher, Reiseführer und kulturell aufschlussreiche Sachbücher über das echte Indien hier. Außerdem Pancatantra, Ramayana, Mahâbhârata in Auszügen, Bhagavad Gîta, buddhistische Bücher, den Guru Granth Sahib der Sikhs u.a. Ich habe oben absichtlich nur die rollenspielerischen Produkte erwähnt.

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