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Indien-Rollenspiel - Mehr als Taj Mahal, Murgh Biryani und Shahrukh Khan ...

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Jed Clayton:
Update der Woche meinerseits:

Ich habe letzten Donnerstag über einen Indien-Kontakt ein paar total coole indische Comichefte aus den 60er/70er Jahren ausleihen können, auch im Hinblick auf meine weitere Recherche. Quellenmaterial lesen hat schon lange nicht mehr so viel Spaß gemacht.

Heute kam nun meine Buchausgabe des Ramayana, die ich unbedingt noch vor Weihnachten haben wollte. Die wird nun auch in Ruhe gelesen.

Krishna Dharma (Kenneth Anderson). Ramayana: India's Immortal Tale of Adventure, Love, and Wisdom, Retold by Krishna Dharma (Great Classics of India). Badger, CA: Torchlight Publishing, 2004.


Die Ausgabe ist zwar von einem der Harekrishna-Bewegung nahestehenden Autor, aber eine der besseren westlichen Buchausgaben. Mit der Harekrishna (ISKCON) habe ich persönlich nichts zu tun. Bei den Übersetzungen von Hindu-Mythen und ähnlichen Texten muss man heute leider immer vorsichtig sein, was wirklich von einem "neutralen" Akademiker stammt und was aus dem Lager einer bestimmten Sekte. Die Harekrishna und die Bewegung von Sathya Sai Baba sind dort leider besonders oft vertreten. Außerdem ist es wie mit alten Märchen und Sagen: Am besten drei, vier verschiedene Versionen vergleichen!

Jed Clayton:
Eine meiner Überlegungen zu dem "indischen" Setting ist es, unter Umständen eine Form von Punktewährung einzuführen, die spirituelle positive Energie eines Charakters darstellt. Diese Energie kann dann über längere Phasen gespeichert werden, ansteigen, vergrößert werden, oder zum Hervorrufen von bestimmten Wundertaten und ähnlichen Dingen verwendet werden. Sie soll aber nicht einfach gleichbedeutend mit "Magiepunkten" sein. Die spirituelle Energie soll zum Beispiel nicht notwendigerweise angeboren sein. Sie kann längere Zeit auf Null bleiben, man kann sie nicht in Gegenstände ablegen ("Magiepunktspeicher" usw.) oder anderen Leuten weitergeben. Außerdem kann sie nur durch Konzentration auf gute karmische Effekte beziehungsweise Taten erlangt werden.

Die Idee dazu hatte ich daher:
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Tapasya oder Tapas (Sanskrit,n., तपस, tapas, Glut, Hitze) bedeutet Askese, Selbstbeherrschung, Konzentration.

Tapasya oder Tapas ist die Ausübung von physischer und geistiger Strenge und Disziplin um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Der Ausdruck wird gewöhnlich in religiösem oder spirituellem Kontext verwandt. Hierbei werden Wille und Energie konzentriert und genutzt um Körper, Emotion und Verstand zu regulieren und zu wandeln.

In den Religionen des Hinduismus und Buddhismus, bei den Sikhismus und Jainismus praktizieren die Mönche, Gurus und deren Schüler Tapasya als ein Mittel, um ihre Hingabe zu Gott zu stärken und zu läutern oder dem Ziel der spirituellen Befreiung nahe zu kommen. Tapasya auszuüben ist ein besonderes Kennzeichen aller in Indien entstandenen Religionen.
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Dieses "Tapas" hat nun wiederum in den Mythen und Märchen zum Teil recht eigentümliche Auswirkungen. Ich sage nur: "Götter als Zuhälter".  ;D
Es kommt nämlich vor, dass die wichtigen Götter im Himmel mit ansehen, wie bestimmte große Brahmanen und Gurus sich praktisch durch ihre ständigen Kasteiungen und Entsagungen auf das Level von Heiligen steigern, dann auf das Level von Halbgöttern. Darauf beginnen diese Götter, um ihre Posten im Himmel zu fürchten, da das Tapas von Sterblichen so extrem groß wird, dass sie die Grenzen des Weltlichen überschreiten oder auch durch eine Gottheit ab einem bestimmten Punkt nicht mehr zu stoppen oder zu beeindrucken wären. In solchen Fällen greifen bestimmte Götter zu einer Geheimwaffe, nämlich der Apsaras, ganz platt ausgedrückt einer Art Supersexnymphe.  ;) Natürlich wirkt eine solche Apsaras nur auf männliche Charaktere. Ob es ein männliches Pendant dazu gibt, weiß ich noch nicht. Ich zitiere mal kurz (aus einem Wikipedia-Text):

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Unter allen Apsaras, gemäß der Überlieferung bewohnen insgesamt 26 den Himmelspalast, nehmen Rambha, Urvashi, Menaka und Tilottama eine besondere Stellung ein. Diese vier werden von Indra wiederholt zu den Menschen auf der Erde ausgesandt, um Weise, die mit ihrer Enthaltsamkeit und ihrem Streben nach spiritueller Perfektion eine Gefahr für Indras oder anderer Götter Vormachtstellung zu werden drohen, zu verführen und von ihrem Weg abzubringen. Beispielsweise wird im Ramayana die Geschichte erzählt, wie Indra die Apsara Menaka zum Brahmanen Vishvamitra sendet, um diesen von seiner Meditation abzulenken, was ihr auch gelingt.
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Auch das berühmte Sanskrit-Drama Shakuntala schildert am Anfang den Fall eines Asketen, der nach Jahren in der Abgeschiedenheit (und Keuschheit, versteht sich) plötzlich Vater einer Tochter wird. Ihm war nämlich beim Meditieren im Wald eine Apsaras-Nymphe begegnet, die ihn dann mit ihren Reizen doch noch "herumbekommen" hat. Aus solchen Verbindungen zwischen Apsaras und Menschen gehen so gut wie nie normale Kinder hervor. Diese Kinder sind als Erwachsene fast ausnahmslos auch wieder große und vorbildhafte Helden, oder im Falle von Mädchen, wunderschöne perfekte Prinzessinnen, die zu Gemahlinnen von Helden werden.

Wer die besonders vollbusigen, sinnlichen Nymphenskulpturen an Hindutempeln oder entsprechende Figuren von Tempeltänzerinnen, Halbgöttinnen und Göttinnen kennt (Beispielbilder s. unten), kann sich vielleicht in etwa ausmalen, warum es die Apsaras jedes Mal schaffen, die tollsten Asketen etwas weniger asketisch zu machen. Das senkt natürlich das Tapas des Asketen wieder auf ein etwas erträglicheres Niveau. Mit anderen Worten: Sex verbraucht/verdampft einen Teil des angesammelten Tapas und der Asket wird anschließend wieder menschlicher, fehlbarer. In dem Spiel würden also seine Energiepunkte sinken. Natürlich kann er sich bei entsprechender Disziplin auch mit der Zeit erneut "reinigen". Das dauert aber ein bisschen.

Nun ist die Frage, ob ich das in mein Regelwerk einflechten sollte. Würde es sich anbieten, Tapas als "Stat" darzustellen, wie zum Beispiel die Tugenden in Pendragon. Ein Spielwert, auf den man in bestimmten Situationen würfelt?
Oder wäre Tapas vielleicht besser als reines "Magiepunktekonto": Gutes asketisches, selbstloses Verhalten bringt Tapas-Punkte rein. Jedes Mal "Abfallen" vom rechten Weg löscht eine bestimmte Anzahl von Punkten. Das wirkt etwas old-schooliger und mechanischer.
So oder so, ob Fähigkeitswert oder Punktespeicher, könnte man ja festlegen, dass das Wirken von Wundertaten erst ab einem bestimmten Minimum möglich ist (Wundertaten, nicht Zauberei, denn für Hexerei, Volksmagie und Schlangenbeschwörer habe ich bereits eigene Sachen geplant!).
Ob ein Charakter schafft, beispielsweise einer verführerischen Himmelsnymphe zu widerstehen, hinge wohl von einem Wert wie "Meditation" oder "Selbstdisziplin" ab.

Irgendwelche Einfälle dazu?


[gelöscht durch Administrator]

Akeshi:
Bei Ars Magica gibt es einen Asketen als "Heckenzauberer". Der konnte je nachdem wie asketisch sein Lebensstil war einiges machen. Wenn du interesse daran hast könnte ich eventuell einmal nachsehen. Da das aber bei ArM4 war und wir mittlerweile auf ArM5 umgestiegen sin könnte es etwas dauern.

Jed Clayton:

--- Zitat von: Akeshi am 18.12.2009 | 09:38 ---Bei Ars Magica gibt es einen Asketen als "Heckenzauberer". Der konnte je nachdem wie asketisch sein Lebensstil war einiges machen. Wenn du interesse daran hast könnte ich eventuell einmal nachsehen. Da das aber bei ArM4 war und wir mittlerweile auf ArM5 umgestiegen sin könnte es etwas dauern.

--- Ende Zitat ---

Hallo Akeshi,

Ja, das wäre auch nett. Es geht in die gleiche Richtung.
Mit Ars Magica hatte ich noch kaum Berührung. Ich habe nur mal einen Charakter für das Spiel kreiert, ich glaube das war noch ArM3 oder vielleicht ArM4, das weiß ich nicht genau.

In allen anderen Systemen, die ich bisher gespielt habe, wollte nie ein Spieler ausgerechnet einen Asketen spielen. Am ehesten würde mir noch der Archetyp Mönch/Nonne aus Pendragon 4E einfallen, vielleicht der Mystiker aus Hero Wars (der aber auch unter Glorantha-Kennern in dieser Form gar nicht mehr "Kanon" ist).

Jed Clayton:

--- Zitat von: Jed Clayton am 18.12.2009 | 05:02 ---Nun ist die Frage, ob ich das in mein Regelwerk einflechten sollte. Würde es sich anbieten, Tapas als "Stat" darzustellen, wie zum Beispiel die Tugenden in Pendragon. Ein Spielwert, auf den man in bestimmten Situationen würfelt?
Oder wäre Tapas vielleicht besser als reines "Magiepunktekonto": Gutes asketisches, selbstloses Verhalten bringt Tapas-Punkte rein. Jedes Mal "Abfallen" vom rechten Weg löscht eine bestimmte Anzahl von Punkten. Das wirkt etwas old-schooliger und mechanischer.
So oder so, ob Fähigkeitswert oder Punktespeicher, könnte man ja festlegen, dass das Wirken von Wundertaten erst ab einem bestimmten Minimum möglich ist (Wundertaten, nicht Zauberei, denn für Hexerei, Volksmagie und Schlangenbeschwörer habe ich bereits eigene Sachen geplant!).
Ob ein Charakter schafft, beispielsweise einer verführerischen Himmelsnymphe zu widerstehen, hinge wohl von einem Wert wie "Meditation" oder "Selbstdisziplin" ab.

--- Ende Zitat ---

Heute ist mir plötzlich eingefallen, warum es generell anders laufen muss als bei den traditionellen Magie- oder Energiepunkten. Bekanntlich gibt man Magiepunkte wie Geld für irgendetwas aus und regeneriert sie dann auch wieder.

Aber das Tapas muss anders funktionieren. Schließlich verbraucht man für Wundertaten KEINE Punkte aus dem Tapas. Solange das Tapas hoch ist, kann der jeweilige Charakter immer wieder seine "Kunststücke" machen. Nur bestimmte Aktionen, die gegen seine Regeln und seine Gelübde gehen, löschen einen Teil des Tapas weg.

Genau deswegen kann das Tapas schon mal nicht der Spielwert à la Magiepunkte / Astralpunkte / Heldenpunkte / Brownie Points sein! Das ist auch der Grund, weshalb der RuneQuest-Japan-Band (Land of the Samurai, 2007) eigens den Wert "Purity" für Shintopriester eingeführt hat. Das, was ich so vorhabe, entspricht dieser Purity. Sie wird benutzt wie ein Skill, auf den man ab und an würfelt.

In dem Buch gibt es eine Liste von Dingen, mit denen man Purity zerstören kann und daneben eine entsprechende Liste von Dingen, mit denen man seine Purity steigert. Nur dass die Vorstellungen von kultischer Reinheit im Shinto-Glauben wieder andere sind. Für Indien muss ich das natürlich neu schreiben.

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