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[Film] Kick-Ass
Holothuroid:
--- Zitat von: Callisto am 25.04.2010 | 02:08 ---Kick Ass - Review auf TGWTG.com
--- Ende Zitat ---
Hab ich mir jetzt mal angesehen. Er bringt eine interessante Analyse, wenn auch verpackt in zu viel Gebrabbel:
Die Hauptfiguren werden als Helden dargestellt und bringen entspannt einen ganzen Haufen Leute um. Dem Zuschauer wird vermittelt, es sei gut, dass sie das tun.
Dem würd ich mich vorbehaltlos anschließen. Mein spontaner Eindruck, ohne den sofort in Worte fassen zu können war: "Eigentlich sollte hier jetzt der moralische Zeigefinger gekommen sein." Denn es ist falsch, was da passiert.
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Stichwort: Kindersoldaten
Der Kritiker bringt dann an, dass diese positive Darstellung von Abscheulichkeiten schlecht sei. Es würde die Leute verdummen.
Nur scheint es mir, ausgehend von Gesprächen, die ich über den Film geführt habe, so zu sein, dass allen instinktiv klar ist, dass da irgendwas nicht in Ordnung ist. Und ist das nicht eigentlich gut? Ist es nicht wünschenswert, wenn man über die Aufmachung nachdenken muss?
Man kann sich jetzt natürlich wie der Kollege auf den Standpunkt stellen, dass die Welt dumm sei und durch den Film noch dümmer werde, aber je länger ich mit der genannten Erkenntnis nun darüber nachdenke, desto besser gefällt er mir, eben weil man erst über den "Fehler" nachdenken muss.
alexandro:
Hab ihn jetzt auch gesehen, nicht der Rede wert.
Die Action-Einlagen gegen Ende sind ganz unterhaltsam und führten zu Gegröhle im Saal (soviel zur Auseinandersetzung mit der moralischen Dimension...), aber das ändert nichts daran dass die Figuren blass und unattraktiv bleiben.
Vielleicht ein Film den man sich auf DVD ausleihen und sich bei stetig steigenden Alkoholkonsum reinziehen kann...
Zornhau:
Ich habe mir diesen Film jetzt binnen zweier Tage DREIMAL angesehen.
Ja, SO GUT ist der!
Man versteht sofort die Nöte und Sorgen der Hauptfigur, man kann sich einfühlen, und man MÖCHTE, daß es den Schurken ordentlich heimgezahlt wird.
Und wenn es dann in der Hit-Girl-zerlegt-die-Dealer-Szene nicht mehr nur lustige Gewaltanwendung ohne Tote gibt, sondern es wirklich an die Nieren (und alle anderen inneren Organe) geht, da ist man schon DRIN in einem Film über eigentlich ganz sympathische Leute, deren Gefühle man nachvollziehen kann, die aber alle WAHNSINNIGER sind als die gesamten Knallchargen des Gotham City Asylums!
Ausgesprochen geschickt eingefädelt hängt man am Haken der Sympathie und der Gefälligkeit der Inszenierung, und obschon die Gewaltdarstellung noch halbwegs appetitlich ist und natürlich völlig jeglicher Plausibilität widerspricht, ist es einfach ein GENUSS die Akteure, für die man ja inzwischen etwas empfindet, in Aktion zu sehen.
Auch die Schurken sind als lebendige, mit überzeugenden Gefühlen dargestellte Persönlichkeiten so gut gezeichnet, daß man jeden einzelnen Verlust bedauert (siehe der Wachmann in "Verkleidung" als Türsteher - einfach nur gut und schade um ihn zugleich). - So SOLL es auch sein!
In Matrix werden Unschuldige und Unwissende von den "Helden" ja dutzendweise umgelegt und jeder verliert sich in einer reinen Stil-Orgie und vergißt, daß die Menschen außerhalb der Matrix dadurch ebenfalls sterben.
Hier erwischt es fast nur die Schurken und - als böse Szene - Kollateralschadensträger.
Das ist schon interessant, weil man es den Schurken einerseits gönnt, andererseits die kalte EFFIZIENZ des Tötens der HELDEN schon wieder für innere Distanzierungswünsche sorgt.
Man bekommt somit ein lecker verpacktes, aber inhaltlich einfach nur WAHNSINNIGES Handlungsgebilde geboten, daß einen solche flachen und öden Superheldenfilme wie Iron Man, X-Men, usw. einfach nur VERGESSEN läßt.
Statt mit dem erhobenen, belehrenden Zeigefinger über Gewalt etc. zu dozieren, wird hier in einer so GEISTESGESTÖRTEN NATÜRLICHKEIT mit Gewalt umgegangen, daß es einen schaudern macht. Und man kommt immer wieder auf das (vermeintlich) "sichere Terrain" der Teeny-Komödie zurück. Das gibt eine Atempause bis zur nächsten inneren Zerreißprobe. Geschickt gemacht.
Grundprinzip im Film: Gewalt ist mit ALLEN Konsequenzen ERLAUBT, wenn es die BÖSEN trifft.
Das war in Amerika schon immer so, und dieser Film zeigt nichts anderes.
Wichtig finde ich hierbei aber, daß trotz aller Gewaltinszenierung in diesem Film die Gewalt sogar noch am Schluß NICHT SELBSTZWECK ist. Darin unterscheidet sich Kick Ass wohltuend von anderen Filmen des Superhelden-Genres und generell von aktuellen Actionfilmen.
Bei Kick-Ass bekommt man zwar gestörte, aber dennoch MENSCHEN auf allen Seiten der dortigen Handlungsstränge geboten. - Das ist mehr als man über die meisten aktuellen Action-Filme sagen kann.
Ich hatte nur noch bei "Mann beißt Hund" einen schauerlicheren Zwang den Film bis zum Ende zu sehen gespürt. Kick Ass macht VERDAMMT VIEL RICHTIG GUT.
Meine Empfehlung.
Alice Crocodile Coltrane:
--- Zitat von: Zornhau am 10.05.2010 | 03:57 ---Statt mit dem erhobenen, belehrenden Zeigefinger über Gewalt etc. zu dozieren, wird hier in einer so GEISTESGESTÖRTEN NATÜRLICHKEIT mit Gewalt umgegangen, daß es einen schaudern macht. Und man kommt immer wieder auf das (vermeintlich) "sichere Terrain" der Teeny-Komödie zurück. Das gibt eine Atempause bis zur nächsten inneren Zerreißprobe. Geschickt gemacht.
--- Ende Zitat ---
So kann man ihn natürlich auch betrachten :D
Obwohl ich mir jetzt nicht so zerrissen vorkam.
Aber geistesgestörte Natürlichkeit trifft es schon nicht schlecht.
Callisto:
Wenn in diesem Zusammenhang Mann beisst Hund erwähnt wird, ist das eine echte Empfehlung. Jetzt bin ich überzeugt, dass ich den Film schauen muss !
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