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[Engel] Langzeitmotivation und Spielerfahrung

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Seth:
Ich grüße erst einmal sporadisch und nach altem, römischen Stil den ganzen Aventin - äh das Forum - bevor ich zum Volk spreche  ;D

Spaß bei Seite. Dies ist mein erstes Thema an meinem ersten Tag als frisch angemeldetes Mitglied dieses Forums. Ich hoffe, dass ich mit meinen unqualifizierten Beiträgen Niemandem schon auf Anhieb auf den Schlips trete und auch keinem der Moderatoren Kopfzerbrechen bereite, da ich dieses Thema womöglich bereits im falschen Forum gepostet habe. Allerdings hab ich auch nach zweimaliger Suche kein Anderes gefunden, indem mir auf Anhieb Engelthemen ins Auge sprangen. Man möge es mir verzeihen, wenn ich Etwas übersehen habe und mein Thema vielleicht aus Güte ins rechte Forum/Licht rücken, danke  ;)

Nun aber zu meiner/n Frage/n:

Als Hinweis, für die, die sich den Spaß nicht verderben wollen: diese Fragen richten sich in erster Linie an Spielleiter oder erfahrene Spieler, die bereits ein wenig vertraut sind mit den Geheimnissen der Welt von Engel. Also

SPOILER-WARNUNG (es gibt mit Sicherheit eine Spoiler-Funktion, wie sie funktioniert werde ich auch noch lernen, das gelobe ich feierlich ;D)

Denen, die das Grundregelwerk aufmerksam gelesen haben wird auffallen, dass Engel im Grunde nicht sind, was sie sind. Und ich denke, dass es zu den spannensten Plots einer Spielrunde gehören kann, die Spielercharaktere diesem Geheimnis auf die Schliche zu kommen. Soweit so gut. Allerdings stellt sich da bei mir die Frage: wie geht es weiter?
Nehmen wir an, wir haben gerade eine erfolgreiche, kleine Chronik hinter uns, die mit der Weihe in Roma AEterna und der Formierung der ersten Schar begann. Im Verlauf lernten die Engel ihre wahre Natur kennen, rebellierten vielleicht und erlebten eine aufregende Geschichte. Die Spieler sind befriedigt, hatten Spaß - alles Bestens. Jetzt kommts: direkt nochmal!
Meine Frage: hat Jemand Erfahrungen damit, wie es sich anspielt diesen Prozess noch einmal zu durchlaufen? Ich kann mir nämlich durchaus vorstellen, dass bereits "wissende" Spieler nicht unbedingt einen Anreiz daran finden, das große Geheimnis ein zweites Mal zu lüften. Andererseits gibt es sicher noch eine ganze Menge anderer Möglichkeiten - bereits "wissende", sprich erfahrene Scharen vielleicht, bereits "gefallene" Engel oder was gänzlich Anderes?
Habt ihr Erfahrungen mit diesem Problem gemacht oder fiel es euch gar nicht schwer eine neue Runde ebenso blutjunger Engel zu beginnen und euch in sie hinein zu versetzen?

Die zweite Frage wäre, wie lange die strenge Ordensaufteilung innerhalb einer Schar fesseln kann. Rein von der trockenen Theorie her, könnte ich mir vorstellen, dass die ewig gleichen Gruppenaufgaben auf Dauer Langeweile oder Routine erzeugen können. Der Gabrielit liebt sein Flammenschwert, reinigt seine Ausrüstung während gerade Nichts zu tun ist und stürzt sich eben auf die Saatkreatur mit voller Wucht, der Raphaelit wartet bis der Kampf kritisch wird und heilt seine Mitstreiter, der Michaelit gibt den Ton an und so weiter. Natürlich war das jetzt nur ein auf Kämpfe bezogenes Beispiel, ich bin mir durchaus bewusst, dass es noch unzählig viele andere Inhalte gibt aber ich denke es sollte klar sein, worauf ich hinaus will. Auf Anhieb sehe ich da nur ein Potential, das wirklich für Abwechslung (nach mehreren Geschichten/Chroniken) sorgt - das freie Rotieren innerhalb der Orden. Das heißt: Jeder probiert einmal einen Anderen aus. Das kann sicher Spaß machen, ist das aber auch die einzige Möglichkeit?
Was für Erfahrungen habt ihr gemacht?

So ich hoffe, dass ich mit meinen Fragen nicht Etwas in den Raum stelle, das schon hundert Mal diskutiert und bereits quer über über den Dorfplatz breitgetreten wurde und danke schon im Voraus für eure Erfahrungsberichte :)

Pyromancer:

--- Zitat von: Seth am 22.12.2009 | 09:28 ---Habt ihr Erfahrungen mit diesem Problem gemacht oder fiel es euch gar nicht schwer eine neue Runde ebenso blutjunger Engel zu beginnen und euch in sie hinein zu versetzen?

--- Ende Zitat ---
Ich persönlich halte diese „naive Engel entdecken das dystere Geheimnis und rebellieren“-Geschichte für nicht sonderlich spannend. Und wenn man gemeinsam mit einem Templer-Trupp versucht, das Vorrücken der Traumsaat zumindest noch so lange aufzuhalten, bis der Strom von Zivilisten in Sicherheit ist, dann hat man für irgendwelche Selbstzweifel und Emo-Geschichten überhaupt keine Zeit.
Klar, früher oder später zweifelt jeder mal an der Kirche oder zumindest an einigen ihrer Vertretern, aber das am Engel-Ursprung festzumachen, das ist in meinen Augen schon dünn. Das kriegt man alles theologisch wegerklärt.


--- Zitat ---Die zweite Frage wäre, wie lange die strenge Ordensaufteilung innerhalb einer Schar fesseln kann. Rein von der trockenen Theorie her, könnte ich mir vorstellen, dass die ewig gleichen Gruppenaufgaben auf Dauer Langeweile oder Routine erzeugen können. Der Gabrielit liebt sein Flammenschwert, reinigt seine Ausrüstung während gerade Nichts zu tun ist und stürzt sich eben auf die Saatkreatur mit voller Wucht, der Raphaelit wartet bis der Kampf kritisch wird und heilt seine Mitstreiter, der Michaelit gibt den Ton an und so weiter. Natürlich war das jetzt nur ein auf Kämpfe bezogenes Beispiel, ich bin mir durchaus bewusst, dass es noch unzählig viele andere Inhalte gibt aber ich denke es sollte klar sein, worauf ich hinaus will.

--- Ende Zitat ---
Ich hatte mal das Vergnügen, in eine Engel-Runde einzusteigen, denen aus beruflichen Gründen ihr Michaelit verlustig gegangen war. Das war ein riesen Spaß, weil mein „neuer“ Michaelit einen völlig anderen Führunsstil hatte, und völlig andere Vorgehensweisen. Da musste sich die Schar erst einmal dran gewöhnen. Auch die anderen Orden haben ein sehr breites Interpretationsspektrum, da braucht man sich nur mal die Beispiel-Charaktere in den Ordensbüchern anzuschauen. Von daher: Langeweile kommt da wohl keine auf.

oliof:
Ich würde im zweiten Anlauf den Entdeckungsteil einfach überspringen und die Spieler fragen, was ihre Schar dann machen will. Die Kirche unterwandern? Trotzdem weitermachen? Einen eigenen Laden aufmachen? Etc.pp.

Oder eben eine Schar, die ganz naiv nie dahinter kommt, was das große Geheimnis ist, und ein bißchen Engel so spielen, wie es einem zunächst verkauft wird.

Seth:
Erstmal danke für die schnellen und hilfreichen Antworten!


--- Zitat von: Pyromancer am 22.12.2009 | 09:59 ---Ich persönlich halte diese „naive Engel entdecken das dystere Geheimnis und rebellieren“-Geschichte für nicht sonderlich spannend. Und wenn man gemeinsam mit einem Templer-Trupp versucht, das Vorrücken der Traumsaat zumindest noch so lange aufzuhalten, bis der Strom von Zivilisten in Sicherheit ist, dann hat man für irgendwelche Selbstzweifel und Emo-Geschichten überhaupt keine Zeit.
Klar, früher oder später zweifelt jeder mal an der Kirche oder zumindest an einigen ihrer Vertretern, aber das am Engel-Ursprung festzumachen, das ist in meinen Augen schon dünn. Das kriegt man alles theologisch wegerklärt.

--- Ende Zitat ---

Würdest du also behaupten, dass der Hintergrund im Grunde keine Rolle spielt? Gerade für eine Einsteigerrunde habe ich mir vorgestellt, dass die Entdeckung so schwerwiegender Dinge durchaus ein Spielziel sein kann. Zumindest in der Art, dass es als Auslöser für Etwas herhält und sei es nur ein neues Selbstverständnis. Es ist ja nicht gesagt, dass "aufgeklärte" Engel automatisch die Abkehr wählen. Vielleicht entscheiden sie sich für das eigene Joch um der größeren Sache Willen?
Ich würde im Grunde soweit gehen, jedem unaufgeklärten Engel eine gewisse Naivität zu unterstellen, ganz gleich wie viele Schergen der Traumsaat er gerade zusammen mit Templern davon abgehalten hat die arme Dorfbevölkerung zu schützen. Es sei denn man rationalisiert den Hintergrund gänzlich weg oder ändert ihn sogar in eigener Weise ab.


--- Zitat ---Ich hatte mal das Vergnügen, in eine Engel-Runde einzusteigen, denen aus beruflichen Gründen ihr Michaelit verlustig gegangen war. Das war ein riesen Spaß, weil mein „neuer“ Michaelit einen völlig anderen Führunsstil hatte, und völlig andere Vorgehensweisen. Da musste sich die Schar erst einmal dran gewöhnen. Auch die anderen Orden haben ein sehr breites Interpretationsspektrum, da braucht man sich nur mal die Beispiel-Charaktere in den Ordensbüchern anzuschauen. Von daher: Langeweile kommt da wohl keine auf.

--- Ende Zitat ---

Gut, mir ist bekannt, dass es sicher hundert verschiedene Auslegungen der Art und Weise gibt, wie Vertreter der jeweiligen Orden sich verhalten etc. - allerdings ist das nicht mein Punkt. Wenn ich den falsch oder schlecht dargelegt habe, tut mir das leid. Es geht mir eher darum, dass - ganz gleich wie sehr sich die persönliche Einstellung des einen Michaeliten vom Anderen unterscheidet - er immer noch Michaelit bleibt. Das heißt er nimmt immer noch die Führungsposition in einer militärischen Einheit ein. Er ist immer der Commander, wenn man so will. Meine Frage war - oder sollte gewesen sein -, ob diese Tatsache, die feste Rollenzuweisung der Gruppenaufgaben innerhalb der Schar, auf lange Sicht zu Ermüdung führen können. Oder kann man deine Antwort darauf beziehen, indem du sagst, dass die unterschiedliche Auslegung des Wesens eines Engels gleichzeitig dazu führt, dass sich diese Rollenverteilungen nie gleich anfühlen?

@oliof

--- Zitat ---Ich würde im zweiten Anlauf den Entdeckungsteil einfach überspringen und die Spieler fragen, was ihre Schar dann machen will. Die Kirche unterwandern? Trotzdem weitermachen? Einen eigenen Laden aufmachen? Etc.pp.

Oder eben eine Schar, die ganz naiv nie dahinter kommt, was das große Geheimnis ist, und ein bißchen Engel so spielen, wie es einem zunächst verkauft wird.

--- Ende Zitat ---

Ersteres habe ich mir eben gedacht, bei Letzterem habe ich eine Frage - kann man da aus Erfahrung sprechen, ob es für "bereits aufgeklärte" Spieler nicht irgendwann langweilig wird, Charaktere zu spielen den denen ihre wahre Natur im Grunde nicht bekannt ist? Können Spieler, aus Erfahrung gesprochen, sich so gut in eine Rolle einführen, dass sie ignorieren können, wie naiv und "verblendet" ihre Charaktere im Grunde sind?

Ich habe in einigen anderen Diskussionen bereits gelesen, dass es für Spielleiter oft bereits ein Ärgernis ist, wenn sich Spieler von ihrem grundsätzlichen Misstrauen gegenüber der Institution Kirche nicht lösen können und so schon zu rebellieren beginnen, ohne das sich für sie ein konkreter Grund im Spiel darstellt. Wenn das schon der Fall ist, wie schwer ist es dann erst einen so großen Hintergrund aus zu blenden und die "Naiven" zu spielen?

oliof:
Das kommt auf Deine Gruppe an. Wäre ich SL, würde ich die verschiedenen Alternativen anbieten und die Spieler dürften sich das aussuchen.

Engel bietet doch aber jenseits der Kirchen-Verschwörung noch einen Haufen anderer Geheimnisse, auf die man aufbauen kann. Die sollten doch genug Spielinhalte bieten.

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