Medien & Phantastik > Lesen
Was lest ihr gerade?
Belfionn:
Gerade The Philosopher's Flight von Tom Miller. Fantasy in unverbrauchtem Setting (USA des frühen 20. Jahrhunderts). Flotte Handlung, ein sympathischer Erzähler, coole Ideen und eine angenehm lockere Sprache, aber auch ernste Themen wie Widerstand gegen Ausgrenzung. Leichte Harry Potter Vibes. Bisher bin ich sehr angetan.
Grey:
Dead Space von Kali Wallace. Ein SciFi-Thriller auf einem abgelegenen Bergwerksasteroiden.
Was soll ich sagen ...? Der Kriminalfall ist gerade eben interessant genug, um mich trotz der Charaktere und des Schreibstils bei der Stange zu halten. Schon wieder eine kaputte, traumatisierte Ermittlerin (die in diesem Fall nach einem Terrorakt zur Hälfte aus Prothesen besteht, sprich: ein Quasi-Cyborg). Schon wieder ein Haufen schweigsamer, düsterer Nebenfiguren, die für ihren Job offenbar nicht nur ihre Seele, sondern auch jeden Funken Humor oder gute Laune eintauschen mussten. Und alle Naselang löst irgendein Detail in der Umgebung bei der Protagonistin eine Erinnerung aus, die in seitenweise innerem Monolog ausartet, um mir als Leser in tolkieneskem Detailreichtum den Weltenbau ins Gesicht zu reiben. (Keine Übertreibung. Als ihr z.B. ein anderer Ermittler vorgestellt wird, folgen vier(!) Seiten innerer Monolog über dessen sozialen Hintergrund und die gesellschaftlichen Verhältnisse auf dem Mars.)
Ich lese eigentlich nur weiter, weil (a) meine Neugier getriggert ist, was hinter dem Mordfall und den Sabotageakten auf dem Asteroiden steckt, (b) ich die Hoffnung nicht ganz aufgebe, dass die Protagonistin irgendwann doch noch eine andere Emotion als Verbitterung zeigt und (c) der ganze Sums immer noch lesenswerter ist als 95% aller SciFi, die mir dieses Jahrtausend bislang angetan hat. (Die restlichen 5% waren von Andy Weir und Andreas Suchanek.)
Gotham Rundschau:
Fritz Leiber - The First Book Of Lankhmar
(Sammelband der Reihe „Fantasy Masterworks“, enthält die Bände „Swords And Deviltry“, „Swords Against Death“, „Swords In The Mist“ und „Swords Against Wizardry“)
Was soll ich sagen, nach 4 Jahrzehnten D&D Fanboy-Dasein kämpfe ich mich durch die Empfehlungen des guten, alten Appendix N - was Fritz Leiber hier abliefert, ist Fantasy-Hausmannskost, aber auf hohem Niveau. Sprachlich fein, ironisch gespickt und mit zwei wunderbaren Antihelden, die sich durch allerlei (Un-)Abenteuer kämpfen, quälen oder einfach nur verdammtes Glück haben.
Muss man lieben. Unbedingt auf Englisch lesen!
Grey:
@Gotham Rundschau: Danke für den Tipp! :) Nach einer anständigen Anthologie zu Fafhrd und dem Mausling suche ich schon seit einer Weile.
Swanosaurus:
Barbara Hambly: Dragonsbane
Fantasy aus der "Epigonenzeit" von 1985, aber Menschenskind, ich finde das bisher richtig gut! Die konnten damals eben auch schon Dekonstruktion, untypische Figuren (zum Beispiel pragmatische Bücherwürmer aus der Provinz, die sich über Schweinezucht unterhalten und auch mal mit viel guter Planung und Pragmatik mit Mühe und Not einen Drachen totbekommen haben - was ne Kombination!), Feminismus ... und zwar so was von. Was ich bisher gelesen habe, hätte auch gut vierzig Jahre später so geschrieben worden sein können und würde als moderne Fantasy gefeiert.
Setting gefällt mri auch, vergammelt-mittelalterlich mit einem Hauch Postapokalypse. Könnte mir vorstellen, dass da in Sachen Mythologie noch eine ordentliche Kelle Epic Fantasy (oder gar Science Fantasy?) kommt, ist auch nur der Auftakt einer vierbändigen Reihe. Bisher würde ich sagen: Super Setting für Against the Darkmaster, einschließlich "Kämpfe sind kurz und fies, gut vorbereitet sein rules, Waffenlänge matters!"
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