Medien & Phantastik > Lesen
Was lest ihr gerade?
Kurna:
--- Zitat von: JS am 3.05.2026 | 17:41 ---Weil es den Karneval jeden Monat gab? Letzlich soll hier ja ein ganz bestimmter, monatlich wiederkehrender Tag gemeint sein, ein fixes Datum, nicht irgendein Feiertag wie Ostersonntag. Ein Römer hätte damit damals so viel anfangen können wie wir, wenn man uns sagte: Komm nächstes Jahr am 15. oder komm nächsten Monat am Sonntag. Wann war der Anschlag auf Caesar geplant? An den Iden von Rom. Das ergibt einfach keinen Sinn. Wilder wußte das, doch bei dem modernen Autor bezweifele ich das, es sei denn, er setzt dieses Wissen schon mit dem Titel allgemein voraus. Möchlich, aber najaaaa ...
--- Ende Zitat ---
Du siehst das nur als Datumsangabe. Der Karneval in Venedig ist nicht nur ein Zeitraum, sondern auch der Karneval, wie er in Venedig gefeiert wird. Man könnte also mit die Iden von Rom unterstreichen, was während der Iden in Rom passierte. Setzt heutzutage aber vermutlich wohl voraus, dass man versteht, was die Iden sind.
Edit: Sehe gerade deinen letzten Post, der das zumindest zum Teil vorwegnimmt.
JS:
--- Zitat von: Kurna am 3.05.2026 | 17:54 ---Setzt heutzutage aber vermutlich wohl voraus, dass man versteht, was die Iden sind.
--- Ende Zitat ---
Wobei das gerade für deinen Vergleich mit dem Karneval gilt. ;)
Die Iden des März 44 v. sind berühmt; angeblich wurde Caesar an diesem Tag ermordet. Die Iden waren monatliche Feiertage, sowas wie Sonntage meinetwegen, weshalb es unsinnig ist, "Die Iden von Rom" zu benutzen, FALLS damit ein genaues Anschlagsdatum beschrieben werden soll und es um diesen März geht. Das wäre wie "Die Sonntage von Hamburg" oder eben "Der 15. oder 13. von Hamburg". Falls es in dem Buch allerdings darum geht, daß Caesar z.B. wegen des sakralen Bezugs auf jeden Fall an den Iden eines Monats ermordet werden sollte, würde der Titel passen. Aber auch nur dann.
Klappentext: "Doch an den Iden des März, als Caesar sterben soll, trifft Brutus eine Entscheidung, die nicht nur sein Leben verändert, sondern auch den Lauf der Geschichte, wie wir sie kennen ..."
Somit ist der Titel zumindest unglücklich gewählt. ABER: Der Autor weiß, daß es die Iden des März sind, somit ist er vom Verdacht der Unwissenheit befreit. Vielleicht hat sich da ein semikluger Verlagskopf eingeschaltet und den Titel verlangt, weil er an das berühmte Vorbild von Wilder angelehnt ist. Möglich. Verlagsautoren haben da nicht immer eine freie Hand.
JS:
Hm, es wäre spannend, mal vom Autor zu erfahren, wie es zu diesem Titel gekommen ist. Meiner Erfahrung nach geben sich Autoren historischer Romane oftmals sehr viel Mühe bei der Recherche, um Wutausbrüche im Publikum zu vermeiden.
:think:
Kurna:
--- Zitat von: JS am 3.05.2026 | 18:07 ---Wobei das gerade für deinen Vergleich mit dem Karneval gilt. ;)
Die Iden des März 44 v. sind berühmt; angeblich wurde Caesar an diesem Tag ermordet. Die Iden waren monatliche Feiertage, sowas wie Sonntage meinetwegen, weshalb es unsinnig ist, "Die Iden von Rom" zu benutzen, FALLS damit ein genaues Anschlagsdatum beschrieben werden soll und es um diesen März geht. Das wäre wie "Die Sonntage von Hamburg" oder eben "Der 15. oder 13. von Hamburg". Falls es in dem Buch allerdings darum geht, daß Caesar z.B. wegen des sakralen Bezugs auf jeden Fall an den Iden eines Monats ermordet werden sollte, würde der Titel passen. Aber auch nur dann.
--- Ende Zitat ---
Die Iden wurden aber im ganzen Reich gefeiert, nicht nur in der Hauptstadt (und unter leicht anderem Namen übrigens auch schon in etruskischen Städten vor ihrer Eroberung). Deswegen kann es Sinn machen, von den Iden von Rom zu sprechen, als den Feiertagen, wie sie in der Stadt Rom gefeiert werden (im Gegensatz zu anderen Orten). Das meinte ich mit dem Vergleich "Karneval von Venedig". Da geht es ja auch nicht nur um den Zeitraum, sondern darum, wie der Karneval in Venedig gefeiert wird (im Gegensatz zum Karneval von Köln oder dem Karneval in Brasilien).
Aber ich kenne das besprochene Buch auch nicht, weiß daher nicht, inwieweit es Sinn macht. Ist das ein deutsches Buch oder eine Übersetzung?
JS:
Deutsch.
"Michael Peinkofer, Jahrgang 1969, studierte in München Germanistik, Geschichte und Kommunikationswissenschaft."
Der Autor ist demnach auch ein ausgebildeter Fachmann in diesen Bereichen. Das macht den Titel für mich noch seltsamer. Vielleicht schreibe ich ihm mal.
Ich habe den Eindruck, daß du mit dem römischen Kalenderprotokoll nicht gut vertraut bist. Ist nicht wild, aber die Erklärungsversuche entsprechen nicht dem, was man damals mit Iden, Kalenden, feriae, dies fasti e nefasti usw. verband.
:think:
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln