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Filme und Serien - Smalltalk
Arlecchino:
--- Zitat von: Menthir am 21.08.2017 | 14:07 ---Nicht nur selbsternannte Historiker. Auch prämierte, mit diversen Preisen ausgezeichnete und für ihre Forschungsmeriten gerühmte Historiker durch die Zeiten. Caesar ist seit jeher eine Person, an der sich die Geister spalten, die aber allzu häufig eben auf ihre Person reduziert wird, ohne sie im historischen Kontext der Spätrepublik zu lesen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn Werke diesen Kontext setzen, sowohl die Pro-Caesar- als auch die Anti-Caesar-Darstellungen einen außerordentlichen Reiz entwickeln. :)
Gerade in diesem Zusammenhang ist im Übrigen die in die Jahre gekommene Lektüre Theodor Mommsens über die Geschichte Roms sehr spannend. Sie ist sowieso gut zu lesen [...]
--- Ende Zitat ---
Achja, Mommsen. Ja, das war sprachlich gut geschrieben und sicher wichtig für die Forschung an sich, aber eben auch hemmungslos unreflektiert und glorifizerend.
Natürlich ist die unkritische Betrachtung eines Cicero genauso unsinnig.
Ich hab wirklich Schwierigkeiten Jemanden als Wissenschaftler oder Historiker ernstzunehmen, der das persönliche Propagandawerk eines Politikers und Despoten, der über sich selbst schreibt, für bahre Münze nimmt. Oder die anekdotische Tratsch- und Klatschquellenlage eines Herodot oder Cassius Dio unhinterfragt reproduziert. Einen ganz großen Teil der Problematik haben wir obendrein bewusstem Revisionismus zu verdanken, der teilweise bis heute anhält. Das machts natürlich nicht einfacher.
--- Zitat ---Diese Darstellungen basieren aber afs alten Werken, Zuschreibungen und Interpretationen. Und wer sich mit der römischen Geschichtsschreibung beschäftigt hat, kennt vielleicht dieses kleine Caveat, das man allen römischen Geschichtswerken (ob zeitgenössisch oder in späterer Überlieferung) anhängen sollte. Sie sind häufig subjektiv wertend, urteilend und moralisierend. Viel unserer Sicht ist auch dadurch geprägt oder viel unser Erkenntnisfähigkeit dadurch vernebelt. :)
--- Ende Zitat ---
"Häufig" ist in dem Kontext meiner Meinung nach noch vollkommen untertrieben. Aber ich will den Thread auch nicht zu weit ablenken. Alles weitere über PM, falls noch Diskussionsbedarf besteht.
Zum Thema "Filme und historische Authentizität" kann man sicher auch noch nen eigenen Thread aufmachen, falls man das möchte. Ich halte die Diskussion größtenteils für müßig.
Pyromancer:
Zum Thema Caesar: Der neue Dan Carlin geht über "De bello Gallico": The Celtic Holocaust
Menthir:
@Arlecchino
Ich glaube, du bist etwas schnell in deinem Urteil gegenüber Mommsen, auch wenn er zu diesen sehr abschließenden Urteilen gegenüber Caesar und Cicero gekommen ist. :)
Aber ein Stück weit ist es vielleicht nur eine verdrehte Form von Gerechtigkeit, die Mommsen dort begegnet. Ist er doch selbst bekannt gewesen als Polemiker und Kritiker, der weder Polemik noch Kritik gegen sich ertrug und für seinen "autokratischer Caesarismus" als Führungsstil in der Wissenschaft bekannt war. :)
Aber ich kann deinen Punkt trotzdem verstehen. Ich finde ihn nur zu absolut. :)
@Pyromancer
Danke für den Tipp. :)
Arlecchino:
--- Zitat von: Menthir am 21.08.2017 | 16:58 ---Aber ich kann deinen Punkt trotzdem verstehen. Ich finde ihn nur zu absolut. :)
--- Ende Zitat ---
Nur noch schnell dazu: absolut ist bei mir nichts. Das ist das Urteil, das sich durch mein bisherigen Kontakt mit Mommsens Werk gebildet hat. Es ist sicher ausgeprägt und klar formuliert, aber es ist alles andere als endgültig.
Nun aber Schluss ;) mehr Film und Serien - Smalltalk!
@Topic
Gestern nach langer Zeit endlich mal in "Alles steht Kopf" reingeguckt. Ziemlich clever und schön gemacht, allerdings hätte ich dabei keine Zwiebeln schneiden sollen.
KWÜTEG GRÄÜWÖLF:
Auch wenns noch OT ist, will ich die Frage nicht unbeantwortet lassen :)
--- Zitat von: Menthir am 21.08.2017 | 14:07 ---Hast du da vielleicht Eindrücke von Historikern / Archäologen / Anthropologen / Kulturwissenschaftlern im Allgemeinen mit mesoamerikanischem Forschungsschwerpunkt? ...
Obzwar ich deine Kritikpunkte verstehen kann, bräuchte ich ggf. - als relativ Unwissender, was Mayakultur angeht - etwas mehr thematisches und inhaltliches Futter, um mir eine Meinung zu machen.
--- Ende Zitat ---
Ich bin auch kein Mesoamerikaspezialist, hatte aber damals auf der Website von Archäologie in Deutschland von Spezialisten so einige Analysen mitgekriegt, die da ziemlich kritisch waren.
Ich versuch mal, noch einige der Kritikpunkte zusammenzukriegen:
Ich erinnere mich daran, dass allein schon der gezeigte Opferritus bei den Mayas völlig unüblich ist, und mehr aztekischen Opferriten ähnelt. Wobei auch da keine armen Sklaven, die man im Dschungel zusammengefischt hat, geopfert wurden, sondern entweder Kriegsgefangene, oder gar Leute aus dem eigenen Volk, die das sogar bereitwillig mitgemacht haben.
Überhaupt Sklaverei - so wie im Film war die bei den Mayas ebenfalls unüblich, da gab es höchstens mal Schuldsklaven, aber kein solches, sehr rämisch anmutendes Sklavenwesen.
Ausrüstung, Bewaffnung und Taktik des Sklavenjägertrupps ist auch reine Fantasie.
Sind jetzt nicht primär Beobachtungen von mir, sondern was ich damals mitgekriegt habe.
Inzwischen hab ich aber (aus anderen Gründen) mal die einschlägigen Bände aus der Reihe Beck'sches Grundwissen gelsen, da bestätigt sich das alles.
So rein als Film fand ich den trotzdem sehr gut, die Verfolgungsjagd in der zweiten Hälfte ist genial, und auch die Massenopferszenen sind grandios gemacht.
Inzwischen denk ich mir, den muss man so ansehen, wie man Ben Hur anguckt ;D
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