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Neue Fantasyromane völliger Bullshit?

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Zornhau:
Ich lese natürlich gerne wieder und wieder die "Guten Alten (tm)" - insbesondere im Sword&Sorcery-Genre.

An neuerer Fantasy wußte mich bislang einzig "Codex Alera" von Butcher zu begeistern.

Jedoch sollte man, finde ich, Fantasy ein wenig auf "phantastische Literatur" ausdehen, und da findet sich in den Uhtred-Romanen von Cornwell sehr viel "nicht ganz so historisch akkurate" Historien-Fantasy rund um den Befreiungskampf der Sachsen unter Alfred gegen die Wikinger. Diese Romane, deren erste "The Last Kingdom" ist, sind SPANNEND geschrieben, aus der Sicht von Uhtred, einem Erben eines Ealdorman aus Northumbria, der von Wikingern als Kind gefangen genommen wurde, dort "adoptiert" wurde und die Kämpfe von beiden Seiten kennt. Die Romane drehen sich um die stetig wandelnden, stets hinterfragten Loyalitäten Uhtreds, der in seinem Wesen nach mehr Wikinger ist, als Angel-Sachse, der sich aber letztlich - widerwillig - dem "Betbruder" Alfred (später "der Große" genannt) anschließt. - Cornwell kennt man ja von seinen Sharpe-Romanen der napoleonischen Kriege, er hat aber auch andere Epochen unterhaltsam und "größtenteils historisch stimmig" aufbereitet. Seine Stärke liegt eindeutig in den markanten Charakteren, deren inneren und äußeren Kämpfen - und in der ENORMEN BRUTALITÄT, mit der die Kämpfe dort geschildert werden. - Wer einen schwachen Magen hat und eine lebhafte Vorstellungskraft, der sollte solche Romane besser nicht lesen. Andererseits: wo gehobelt wird, fallen Späne. Romane um Krieg, Politik, Religion, Loyalität, Liebe, Freundschaft, Haß, usw. drehen sich um Themen, bei denen es hart zur Sache gehen kann.

Also "statt" Fantasy, kann ich solche historisch-orientierten Romane sehr empfehlen. - Allemal anregendere Lektüre als den nächsten Tolkien-Klon zu lesen.

Bluerps:

--- Zitat von: Teylen am 28.01.2010 | 13:42 ---Wuerde Neil Gaimens Stardust noch unter klassische Fantasy fallen?
Ansonsten ist er auch fuer Urban Fantasy ueber American Gods & Co. eine gute Referenz.

--- Ende Zitat ---
Stimmt, Gaiman taugt auch. Ich würde mir da auch nicht soviele Gedanken über irgendwelche sub-Genres machen, weils alles Fantasy/Sci-Fi ist und man überall gutes und schlechtes findet.


Bluerps

Lyonesse:
Die besten klassischen Fantasyromane, die ich je gelesen habe sind: Herrscher von Lyonesse, Die grüne Perle und Madouc - auch bekannt als der Lyonesse-Zyklus von Jack Vance, der sich, äußerst verkürzt zusammengefasst, mit dem Kampf um die Hochkönigswürde auf den älteren Inseln beschäftigt. Empfehlenswert vom gleichen Autor, wenn auch gänzlich anders, sind auch noch 'Die Augen der Überwelt' und 'Cugel der Schlaue', worin die Abenteuer eines miesen, jedoch brillanten Schuftes niedergeschrieben wurden.

Empfehlen aus jüngster Zeit kann ich auch noch den britischen Autor Tim Stretton, der ebenfalls anspruchsvolle Fantasy und SF schreibt und mit 'Dragonchaser' und 'The Dog of the North' zwei wirklich hervorragende Fantasy-Romane (die nicht zusammenhängen) verfasst hat. Zu 'The Dog of the North hier die Rezension aus dem US Publishers' Weekly (bekannt für seine meist recht ungnädigen Kritiken):

Debut author Stretton skillfully chronicles court intrigue in rival city-states in this unique fantasy tale. Arren is a young boy taken from poverty and brought into the Lord of Croad's household. Beauceron, the Dog of the North, is a vassal of the Snow King of Mettingloom and obsessive in his desire to capture the city of Croad. Each plot line moves adroitly through themes of love and revenge toward a surprising climax. Stretton adeptly uses courtly, carefully structured discourse and Italianate names and places to evoke an almost Shakespearean atmosphere, providing hints to Beauceron's identity but never giving too much away. This cleverly plotted fantasy mystery is full of intelligent dialogue, enthralling characters, and dramatic world-building that will hold readers' attention to the last page.

'Dragonchaser' wird gerade von Andreas Irle übersetzt und soll wohl noch in diesem Jahr auf deutsch erscheinen.

Ansonsten ist es logisch, daß mehr Schund als gute Sachen angeboten werden, das ist in anderen Medien ja auch nicht viel anders; allerdings scheinen die Genres Fantasy und Science fiction - mein Eindruck - den Schund fast schon magisch anzuziehen.  

Timberwere:
Da erwähne ich doch auch gerne und mit Begeisterung noch einmal Susanna Clarkes "Jonathan Strange & Mr. Norrell". Das ist neu und alles andere als den gängigen Konventionen folgend - auch wenn man ein Freund des dort angeschlagenen gemächlichen Erzählstils sein muss. Ich bin es. Und bin noch immer hin und weg.

Woodman:

--- Zitat ---Wer auf eine etwas undurchsichtige, recht bunte Welt Welt steht, und z.B. die dystere Version der Feen/Magi mag, könnte bei Christoph Marzi fündig werden.
--- Ende Zitat ---
Neben der erwähnte Metropolen Reihe hat der auch noch Malfuria geschrieben, richtet sich meiner Meinung nach auf an etwas jüngeres Publikum, ist aber ähnlich in einer sehr verzerrten Vergangenheit unserer Welt angesiedelt, in der die "normale" Welt, die für uneingeweihte in der Metropolen Reihe ja existiert, völlig fehlt.

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