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Spartacus - Blood and Sand

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Seth:

--- Zitat von: korknadel am 12.08.2011 | 13:45 ---Sorry, dass ich diesen Thread hier hochziehe, aber ich habe eben zur Berieselung während der Mittagspause einen Großteil der ersten Folge dieser Serie gesehen -- und bin fassungslos! Davon wird sogar eine zweite Staffel gedreht!

Hu. Mein Fresse, ich hatte schon lange kein so heftiges Fremdschämerlebnis mehr vor dem Fernseher. Aber bei Amzon votieren Hundertschaften für 5 Sterne. Ich muss echt einen völlig verkorksten Geschmack haben, wenn es mir da die Zehennägel aufrollt, wo so viele jubilieren.

*kopfschüttel*

Mich stört auch gar nicht der Sex. Und mich würde auch nicht die Gewalt stören, wenn auch nur ein Funke Geist dabei wäre.

Ich bin fassungslos. Falls mir irgendjemand erklären kann, was diese Serie soll, wäre ich dankbar, glaube aber nicht, dass ich es je verstehen werde.

Und nochmal sorry fürs Threadnekromantieren, aber ich bin gerade echt in Wallung, und das musste raus.

Uff.

--- Ende Zitat ---

Mal abgesehen von deinem Geschmack (den ich nicht beurteilen kann), war "300" auch ein ziemlicher Erfolg, also wundert mich die positive Resonanz kein Stück.

Ich muss sagen, als ich den Trailer damals gesehen habe, dachte ich genau das Gleiche. Ich hab' mir dann aus Langeweile mal die erste Folge reingezogen und gemerkt, dass bei mir der Serienkniff funktioniert, sprich: ich wollte wissen, wie es weiter geht. Ja, die CGI-Effekte sind erkennbar, das kleine Budget schimmert immer mal wieder durch und der "Style" wird an allen Ecken und Kanten gerne mal übertrieben - das alles aber wird, für mich (!), durch die Figuren und deren Entwicklung wieder aufgearbeitet. Vor Allem im späteren Verlauf entwickelt die Serie einen "Tiefgang", den ich nicht erwartet hätte. Den kann man möglicherweise nicht in Relation zu anderen Serien stellen (wobei es da meiner Meinung nach bedeutend schlechtere gibt) aber er ist vorhanden, zumindest wenn man sich ein wenig auf das Setting einlassen kann.

Erstaunlicherweise entfaltet die Serie ihr Potential nicht bei der Geschichte des Protagonisten (obwohl ich den sympathisch finde), sondern bei Batiatus, dem Inhaber der Gladiatorenschule. Sein Leben, sein Kampf um Anerkennung, seine Art zu Denken und zu Handeln sind so römisch wie es nur geht (und neben ihrer provokanten Art spiegeln die Sexszenen sogar eine gewisse, kulturelle Perspektive römischer Bürger in der Zeit wider) - und wenn man, wie ich, einen gewissen Faible für Rom hat, kann man sich da ziemlich drauf einlassen.

Kurzum: Wenn man das "in your face"-300 ertragen / ignorieren kann (es gibt ohnehin weit weniger Szenen in der Arena, als man denken könnte) und Gefallen an dem Funken "HBO Rome" findet, kann die Serie ziemlich unterhaltsam sein. Vor Allem die kleine Miniserie im Anhang (Gods of the Arena), die sich hauptsächlich mit Batiatus und seinem Werdegang beschäftigt, ist unter Anderem deswegen noch zu empfehlen.

Edit / Nachtrag:
Mir kommt es so vor (kann mich auch irren), dass die meisten, die hier "rezensierten", nicht über die erste Folge hinaus kamen. Natürlich kann man der Serie vorwerfen "wenn die erste Folge mich schon abschreckt, muss ich mir den Rest nicht geben" aber ich denke, da liegt die "Schuld" für den einseitigen Anstrich der Perspektive begraben. Letztlich muss man es auch nicht gucken, aber es wurde ja um Erklärung gebeten.

Grungi:
Alles was Sol Invictus sagt +1!

Bei "Gods of the Arena" liegt der Focus sogar noch stärker auf Batiatus, weshalb ich die 2. Staffel sogar noch besser fand!

korknadel:
Danke für die Ausführungen. Um gerade solche ging es mir.

Das Problem ist, dass ich schon vom Pilot wirklich so heftige Reaktionen bekommen hab. Mich hat schon lange nichts mehr so frustriert, zum Rasen gebracht wie diese gute halbe Stunde Spartacus. Wie soll ich denn da zu dem Punkt gelangen, wo die Serie vielleicht auch mal etwas zeigt, was mich besänftigen würde?

Und es ist nicht die Optik und nicht die Gewalt und auch nicht der Sex, der mich stört. Die Optik finde ich sogar sehr gut. Mich bringt die Leere dahinter zur Raserei! Da ist nichts. Es geht mir beim Gucken wie beim Durchblättern stumpfer Action-Comics. Überall nur dicke Hose um der dicken Hose Willen. Keine Figur, kein Blutstropfen und keine Textzeile, die mich rührt, packt, mitreißt, schockiert, betrübt oder auch nur Interesse weckt. Es ist eine reine Abfolge von: Aha, hier machen sie auf Kriegspathos, hier machen sie auf Intrige, hier machen sie einen auf große Liebe, hier machen sie einen auf Ehre, hier machen sie einen auf starke Männer. Aber an keiner Stelle wird so etwas wirklich gezeigt. Das zermürbt mich nach zwanzig Minuten. Und wenn ich dann sehe, mit welchem Aufwand und welcher (wenn auch zuweilen geschmacksverirrter) Ästhetik diese Leere in Szene gesetzt wird, dann möchte ich vor Fremdscham am liebsten aus der Haut fahren ... oder den Kasten ausschalten, was es mir dann unmöglich macht, die tolle Figur des römischen Sklavenhalters jemals kennenzulernen (ist nicht wahr, ich habe dann noch in den Anfang der zweiten Folge gezappt, weil ich sehen wollte, ob sich das ändert, aber auch da war ich angewidert von dem sinnlosen Protz, mit dem die Hohlheit daherkam).

Vielleicht hatte ich auch nur einen seltsamen Tag. Jedenfalls Danke für die Erläuterung. Ich weiß allerdings nicht, ob ich dem Werk noch einmal eine zweite oder dritte Chance geben kann.

Arbo:
Ach, ich fand die Serie in gewisser Weise ganz OK. Sicherlich war's jetzt kein tiefgründiger sozialmelodramatischer Anspruch, aber vor allem die zwischenmenschlichen Intrigen und Sticheleien ... die haben schon Spaß gemacht.

Was mich etwas irritierte - korrigiert micht, wenn ich falsch liege - war ein etwas prüder Widerspruch zwischen Sex und Gewalt. Klar, was die erotischen Szenen betrifft, da war schon mehr los als im Vormittagsprogram bei "Reich und Schön"; und sicherlich mögen die sich da auch was getraut haben. Aber wenn ich den Vorwurf von "Gewalt-Porno" lese, fällt mir auf, dass der allenfalls von einem "Soft-Porno" begleitet war.

Ansonsten hat mich die vereinzelt deutlich künstliche Atmosphäre gestört.

Insgesamt: Klar, es war nen Gewaltspektakel ... ich habe deshalb auch meine Zweifel, dass die Serie zum gemüglichen Familienabend taugt.  ;) Aber die Serie nur auf Gewalt zu reduzieren, geht m.E. etwas fehl. Denn irgendwie hat sie es bei mir trotzdem geschafft, bei der ganzen Chose am Ball zu bleiben. Und wie geschrieben ... die zwischenmenschlichen Konflikte hielten einen bei der Stange. Das war schon toll.

In dem Sinne stimme ich dem zu, was Sol Invictus schrieb.

Arbo

Seth:

--- Zitat von: korknadel am 13.08.2011 | 07:26 ---Danke für die Ausführungen. Um gerade solche ging es mir.

--- Ende Zitat ---

Bitte :)


--- Zitat ---Vielleicht hatte ich auch nur einen seltsamen Tag. Jedenfalls Danke für die Erläuterung. Ich weiß allerdings nicht, ob ich dem Werk noch einmal eine zweite oder dritte Chance geben kann.

--- Ende Zitat ---

Musst du auch nicht. Wie auch Arbo schon schrieb, die Serie ist OK - auch für mich nichts, was länger im Gedächtnis bleibt. Ich hatte Spaß, sie zu gucken und einige Figuren haben es mir wirklich angetan (wie Batiatus, ich mag aber auch John Hannah einfach und war erstaunt den, nach "Die Mumie", in einer recht ernsten Rolle zu sehen).

Ich kann die Kritik, wie gesagt, auch gut verstehen - wobei ich die Liebesbeziehung zwischen Sura und Spartacus zu Beginn schon relativ plausibel fand (und die es auch war, die mich an der Stange hielt). Wie gesagt, Pomp und Pathos muss man da glaube ich ignorieren oder einfach abkönnen, was sicher nicht so leicht ist, wenn man einen schlechten Tag hat ;)

Allerdings möchte ich nochmal auf "Gods of the Arena" verweisen. Größeres Budget, bessere Kulissen und Kostüme, Fokus auf Batiatus (d. h. mehr "römische Intrige") und, da es die Vorgeschichte in 6 Folgen ist, braucht es kein Vorwissen und ist leicht / schnell verdaut. Wenn man also Interesse daran hat, doch noch mal einen Blick zu wagen, vielleicht besser da.

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