Pen & Paper - Spielsysteme > Pathfinder/3.x/D20
Was hat euch von 3e abgeschreckt?
Talivar:
Hi,
nachdem ich über zehn Jahre 2nd Edition gespielt habe (als Spieler und SL mit mehreren Kampagnen), waren es vor allem:
-uff, schon wieder ein neues System (nachdem man alle Regelwerke hatte, was ein extremer Geldwert ist und nachdem man sie auch beherrschte :))
- die Frage: warum haben sie einfach nicht die zweite Edition gepatched ? d.h. einfach ein paar Fehler ausgemerzt und die Handbücher und Module nach und nach neu aufgelegt oder im "Dragon Magazine" als monatliches Sepcial zum Herauskopieren oder Herausnehmen vorgestellt. Warum also gleich komplett alles neu ? Selbst das, was gut funktioniert hat. Ein Austausch oder ein Ergänzen von Skills wäre besser gewesen.
Sie hätten z.B. auch einmal ein Handbuch über "NON-WEAPON Proficiencies und Skills aller Handbücher" herausbringen sollen (eine Auflistung aller Fertigkeiten, evtl. getuned mit "moderneren Features"). Damit macht man die Charaktere auch vielseitiger und interessanter.
Die zweite Edition war gut genug, um sie einfach auszubessern, man musste nicht gleich alles über Bord wefen
- der Flair. Vom Spielgefühl schien mir das ältere System zwar mackenhaft aber übersichtlicher und eingängiger
- diverse Einzelregelungen, die ich unnötig kompliziert fand, das alte System war zum Teil schon komplex, aber nicht kompliziert, aber dieser Eindruck ist nur vage, muss ich leider gestehen, da ich nach den ersten Eindrücken (und einem Abenteuer und zwei Char-Bau) davon Abstand nahm. Das heißt, den letzten Punkt hier setze ich für mich und Euch in Klammern
soweit dazu,
grüße und hf (=have fun :)),
Talivar
Skele-Surtur:
--- Zitat von: Talivar am 25.06.2010 | 11:10 ---Hi,
nachdem ich über zehn Jahre 2nd edition gespielt habe (als Spieler und SL mit mehreren Kampagnen), waren es vor allem:
-uff, schon wieder ein neues System
--- Ende Zitat ---
Nach über zehn Jahren schon wieder? Das sind aber auch Entwicklungsgeschwindigkeiten, die einen leicht überfordern können.
~;D
Windjammer:
Ich bin ja ein fanatischer 3.5 Anhänger, so sehr dass ich Pathfinder als übles Machwerk von Inkompetenten abtue die das zugrundeliegende System nicht verstanden haben (Rest siehe "The Gaming Den"), aber ja, es gibt eindeutige "abturnende" Dinge an der 3E.
Zuerst wäre mal da die Ästhetik. Ich mag die bunten Kinderbuchbilder der 4E zwar auch nicht, aber der Dungeon Punk im 3.x PHB ist ja wirklich GRAUSAM. Auch das grafische Motiv der Seitenränder ist einfach nur potthässlich.
Verplante und geplante Charaktere, in Tandem mit Powergaming. Das ist eine Krankheit, die bei der 3.x wirklich nur so um sich gegriffen hat. Ich hab das bei meiner Gruppe ausgehebelt, indem wir uns gefragt haben, ab welcher Stufe für welche Klasse eine gewisse Prestigeklasse oder ein Talent für den jeweiligen SC des Spielers sinnvoll ist. Es geht bei uns nicht darum, ob jemand soviele Ränke etc. in Fertigkeit XY hat bevor er PrC Z nehmen darf - das ist langweiliges Herumgeplane - sondern wir entscheiden einfach, ob er die PrC schon ab Stufe 5 oder erst (viel) später nehmen kann. Dadurch wird das System auch weniger rigide, und die Leute verbringen nicht mehr soviel Zeit mit dem Brüten ihres "Builds" über Excel-Listen.
Der größte Kritikpunkt an der 3.x ist für mich aber die Art, die Regeln darzulegen. Grapple wird gern erwähnt, aber für mich gibt es ärgere Missstände. Die Regeln für das Zerstören von Gegenständen sind im PHB auf drei völlig verschiedene Seiten/Kapitel verteilt, die Fähigkeiten des Klerikers (etwa zu Turn Undead) finden sich im Kampfkapitel und nicht bei der Klasse (auch ohne Seitenverweis), die Fähigkeiten des Wizard sind sowieso querfeldein verteilt. Der Aufbau des PHB und wie man sich einen SC baut wird einem nirgendwo erklärt - ohne D&D for Dummies hätte ich es damals selber nicht geschafft, aber mithilfe erfahrener Spieler geht natürlich auch alles immmer. Ändert nichts daran dass 3.x ein völlig KONFUS präsentiertes und UNNÖTIG einsteigerfeindliches Rollenspiel ist. Das hat sich erst wirklich mit dem Rules Compendium geändert, wo man Regeln ZUSAMMENGEHÖRIG und LESBAR präsentiert hat.
Was den letzten Punkt betrifft, hat die 4E beiweiten nicht alles gelernt (Aufbau des PHB ist völlig widersinnig, weil zu nah an 3.x angelehnt - hier erhoffe ich mir deutliche Besserung durch den bald erscheinenden 4E Rules Compendium), aber schon einiges. Wenn ich einen Wizard oder Cleric spielen will, bekomme ich in einem Kapitel alle Informationen schön präsentiert. Auch die Erweiterungsbücher sind VIEL übersichtlicher aufgebaut als zu 3.x Zeiten. Um ehrlich zu sein habe ich nur mit dem Arbeiten mit 4E-Splats gelernt, mit 3.x Splats effektiv umzugehen - weil eben erstere einleuchtender strukturiert sind.
Tja, und das ändert trotzdem nichts daran, dass die 3.x mein absolutes Lieblingssystem ist. Ich habe eine Bibliothek an über 3 Laufmetern Material zu diesem System, und für jeden Scheiß egal welchen kann ich WENN ICH WILL auf eine in der Regel hervorragende Quelle zurückgreifen. Meine Spieler wollen eine Ballista einsetzen? Super, hier ist Heroes of Battle. Jemand möchte einen Dämonen häuten und sich daraus eine Rüstung machen? Super, hier ist Complete Arcane. Und so weiter. In der 4E ist das grundlegend anders. Da wird entweder VÖLLIG ins Blaue improvisiert - hmmm, Ballista macht eben Schaden so-und-so laut Tabelle S.42 - oder man greift effektiv immer nur auf dieselben Optionen zurück und re-skinned diese. In beiden Fällen spielt man am Tisch mit effektiv wenigeren Optionen. Dadurch wird das Spiel in der 4E vorhersebarer, gerade für den SL managebarer, aber diese skurrilen Kombos, an die wir uns bei der 3.x noch Jahre später erinnern, die sind damit natürlich aus der Welt.
Letztlich "turnt" mich keines der Systeme ab (außer Pathfinder, dieser elende Abklatsch ;) ), man sollte einfach wissen, was man gerne spielt und warum, und sich dann das jeweilige System wählen.
killedcat:
Ich mochte manches an D&D 3.X. Aber letztendlich haben mich diese Punkte abgeschreckt:
- D20 wurde zu aufgebläht. Zu viele Regeln. Viel zu viele Regeln.
- Attacks of Opportunity. Wer hat diesen Mist verbrochen?! Ich kann eine AoO nutzen, was wiederum eine AoO auslösen kann, was wiederum eine AoO auslösen kann... etc. pp.
- Hang zu Miniaturen, welche ich ablehne. Es geht zwar auch ohne, dank AoO und ähnlichem Gedöns (was wiederum z.B. in vielen Feats verankert und daher schwer rauszupatchen ist) ist das aber nicht ganz leicht.
- starkes Powergefälle, wenn manche Spieler effektiv powergamen und andere nicht (nicht geeignet für Gelegenheitsspieler)
Feuersänger:
Bei mir ist es auch so, dass ich 3E am Anfang total toll fand, und dann mit der Zeit immer unzufriedener wurde.
Einige meiner Hauptkritikpunkte:
- Splat-Inflation. Wenn man nur mit Core-Material spielt, ist es okay, aber mit Splats kommen unüberschaubar viele Feats, PrCs etc. ins Spiel. Das sorgt dann für absurde, aber dem Buchstaben nach legale Kombinationen wie der "Locate City Bomb".
- Magic Item Dependency. D&D-Charaktere hoher Stufen sind keine Helden, sondern Tragevorrichtungen für magische Gegenstände. Nimm einem Level 20 Fighter seinen magischen Krempel ab und sieh zu, wie er mit seiner lausigen AC21 gegen den nächsten CR12 Mob abstinkt (gegen den er im Siegfall nichtmal XP bekäme).
- damit einhergehend: der SL kann die Charakterprogression jederzeit sprengen, indem er den empfohlenen Reichtum nach Level ignoriert.
- "balancing" der Arkanen Caster über die Zeitachse: am Anfang können sie nichts, später rocken sie alles alleine weg. Es gibt kaum einen Punkt, an dem Arkane den Nichtarkanen gleicher Stufe einfach ebenbürtig sind.
- wahnsinnig umständliches rumgerechne im Kampf, da sich die Kampfwerte fast jede Runde ändern, je nachdem ob gerade ein Bull's Strength aktiv ist, Aid oder Bless gecastet wurde, und so weiter. Selbst mit Extra-Kampfbogen mit Effektmatrix ist es noch langwierig.
Und:
Das Charakterbasteln und -planen macht mir zwar durchaus Spaß. Aber die Schere zwischen Brezelspieler und Bastler geht einfach zu extrem auseinander.
Ich habe es in unserer letzten D&D-Runde dann so ausgedrückt: vor D&D habe ich keinen Respekt, daher ich werde das System ausnutzen bis zum Gehtnichtmehr. In der Konsequenz war mein Level 12 Cleric der Charakter mit dem höchsten Angriffsbonus, dem besten Schaden, der höchsten AC, den besten Rettungswürfen usw., dagegen konnte keine Kämpferklasse anstinken - UND dazu hatte ich noch die ganzen Problemlösezauber, die halt jeder Kleriker so hat.
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln