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SciFi-Klassiker
6:
@Feuersänger:
Versuch aber die Bücher im Original zu lesen. Die Übersetzungen gerade der Klassiker sind teilweise haarsträubend bis total sinnentstellend.
Feuersänger:
Ja, klar. Ich hab bis jetzt auch alles auf Englisch besorgt.
Ich find's zwar ein bißchen albern, dass die da also noch in was weiß ich wievielen Jahrhunderten in imperialen Einheiten rechnen sollen, also Fuß, Meilen, Pfund usw; da haben m.E. die Autoren nicht richtig mitgedacht. (An einer Stelle sagt ein Protagonist sogar "Und dann habe ich mich verrechnet, weil ich vergessen hatte, mit 5280 zu multiplizieren" oder so in der Art.)
Achja, noch ein Lesetip in den Raum geworfen:
Karin Boye: Kallocain, 1940
Dystopie in der Art von 1984, war allerdings schon ein paar Jahre eher da.
Ist im Original Schwedisch, und ich weiß nicht, ob die deutsche Übersetzung was taugt.
Und noch ein Jugendbuch:
Robert Westall: Futuretrack 5 (dt. "Ein Leben mit Laura")
Auch eine sehr drollige Zukunftsvision, iirc aus den 70ern. Spielt in England um das Jahr 2000. Die Gesellschaft ist eingeteilt in "Ests" (Establishment, leben im Luxus ohne zu arbeiten), "Unnems" (Unemployed, leben in abgeriegelten Städten und müssen sich irgendwie über Wasser halten), "Techs" (Techniker, halten den ganzen Laden am Laufen), sowie der agrarischen Landbevölkerung. Gesteuert wird das Ganze von einer KI namens Laura. Der Held des Buches ist ein Est-Sprössling, der bei seinen Abschlussprüfungen zu gut abgeschnitten hat und deswegen kein Est werden darf, sondern als Tech verpflichtet wird und in Kontakt mit Laura kommt, daher der deutsche Titel.
Das Buch hat mir gefallen, weil es ziemlich gehaltvoll ist, ich habe es mehrmals gelesen und erst als Erwachsener so richtig verstanden, worum es eigentlich geht. Also Lesetip, trotz der beknackten Titel. ;)
edit:
Grad mit Starship Troopers fertig geworden. Ziemlich unvermittelt, offenes Ende. Dabei wurde es gerade erst richtig interessant.
Feuersänger:
Ich lese gerade "Starman Jones", wiederum von Heinlein.
Das ist gleich vom Start weg der absolute Overkill an Anachronismen - und ich bin zu blöd um zu erkennen, ob der Autor das mit Absicht gemacht hat oder einfach nicht nachgedacht.
Also... dass die Menscheit in einem "Imperium" organisiert ist, schön und gut. Dass die "interessanten" Berufe in Gilden organisiert sind, die eifersüchtig über ihre Privilegien wachen, das ist ja auch ein recht gebräuchlicher SF-Tropus.
Aber dass der einzige technische Fortschritt seit ~500 Jahren ausschließlich in Sachen Antriebskonzepte von Lastwagen, Zügen und Raumschiffen zu finden ist, das finde ich schon ziemlich starken Tobak.
Da rauschen besagte Lastwagen ohne Räder, aber auf Repulsorfeldern mit 200 Meilen (!) pro Stunde über die Prärie -- vorbei an kleinen Bauernhöfen, deren Farmer sich fürs Bestellen seiner Felder den Muli vom Nachbarn leihen muss, wenn er selber keinen hat.
Da werden interstellare Raumschiffe nicht mehr von zu der Zeit völlig veralteten Masse-Konversionsreaktoren mit mehreren G Beschleunigung angetrieben, sondern von wundersamen "Impeller Fields", die zum Beispiel so ein Raumschiff binnen Sekunden vom Erdboden ins Weltall bringen, ohne dass man an Bord überhaupt etwas davon merkt, um an eine zig Lichtjahre entfernte Kolonie eine Ladung... Pferde zu liefern, die dort als Ackergäule benötigt werden, weil die Bauern mit den dort heimischen Echsen nicht zufrieden sind. Kein Scheiss!
Der Kurs für diese Superraumschiffe wird übrigens, man höre und staune, von einem Bordcomputer berechnet -- der seine Eingaben allerdings ausschließlich in Binärcode annimmt, und der Computermann muss die benötigten Zahlen anhand von Tabellen in dicken Büchern konvertieren, ehe er sie mit den 2 Knöpfen "1" und "0" in den Rechner eingeben kann.
Wirklich, dieses Buch stellt alles in den Schatten, was mir bisher an Zeerust über den Weg gelaufen ist. o.O
Bluerps:
Klingt aber nach Absicht, was die Ackerviecher angeht.
Bluerps
YY:
Gerade mit den Pferden erinnere ich mich an einen Text(abschnitt), der erklärt, dass die eben keine hochtechnisierte Infrastruktur und keine aufwendig herzustellenden Kraftstoffe brauchen und noch dazu von ganz allein mehr werden - also für eine Kolonie mit elend langen Nachschubwegen u.U. sinnvoller sind als High-Tech-Maschinerie. Zumindest so lange, bis eine gescheite industrielle Basis vorhanden ist.
Ich meine, das wäre auch von Heinlein gewesen...
Noch zwei Anmerkungen:
1. Zeerust ist nicht das Selbe wie Anachronismen oder Tech-Level-Diskrepanzen.
2.
--- Zitat von: Feuersänger am 12.06.2010 | 02:24 ---Aber dass der einzige technische Fortschritt seit ~500 Jahren ausschließlich in Sachen Antriebskonzepte von Lastwagen, Zügen und Raumschiffen zu finden ist, das finde ich schon ziemlich starken Tobak.
--- Ende Zitat ---
SF insbesondere aus dieser Zeit postuliert sehr oft nur die Technologien, die sie zum Erzählen der jeweiligen Geschichte braucht.
Für die Geschichte irrelevante neue Technologien werden dann eben gar nicht erwähnt oder nur ganz am Rande beschrieben.
Das teils krampfhafte Einstreuen von "abgespaceter" Alltagstechnologie inklusive detaillierter Herleitung und Beschreibung ist eine relativ neue Erscheinung und nicht immer etwas Gutes (unter Anderem, weil das sehr viel schneller Zeerust ansetzt als Auslassungen oder schwammige/grobkörnige Beschreibungen).
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