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[Erzählt mir von...] Ruf des Warlock

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Chobe:
Hmm.. in aller Kürze:

Ich habe es 8 Jahre lang gespielt, als SL, als Spieler, und schließlich haben wir JEDES nahkampforientierte Setting nur noch damit umgesetzt.

Die Charaktere werden schnell SEHR mächtig, das stimmt. Der Heiler wird aber z.B. niemals ein Metzler, der hat wenn ich mich recht erinnere nichtmal einen Angriff! Er wird in seinem Spezialgebiet sehr mächtig, er kann nach und nach nämlich seine Fertigkeiten ohne die anfangs benötigten Heilkräuter und nur durch alleiniges Handauflegen benutzen.

Im Vergleich zu Rolenmaster ist das System VIEL schneller, mit etwas Übung ging reichte es sogar fast an DSA heran.
Kurzes Dialogbeispiel, wie bei uns das in etwa lief:
S1: Angriff! (2W30, Treffer- und Schadenswürfel), Treffer 23
SL: (1W30 zum parieren) pariert, jetzt Dein Gegner: Treffer 12
S1: *würfelt* Aaah, nicht pariert.
SL: *würfelt schonmal den Schaden seiner Waffe* 12 Schadenspunkte
S3: (mit Buch und passender Tabelle) Arm durchbohrt,  S1, Du verlierst 500KAP, 20 VIP... wie hoch ist der KKB?
SL: Mmhh, mit dem Schwert 4
S3: ... und hast eine -6/ -100 er Wunde. Weiter gehts!

Für eine komplette Kampfrunde mit 2 Kontrahenten und Treffern auf beiden Seiten vergingen bei uns höchstens 2 Minuten (Beschreibungen natürlich ausgenommen), und das trotz Detailfülle wie Knochenbrüchen, sofortigen Fähigkeits-Verlusten und weiterblutenden Wunden (um nur ein paar zu nennen).

Zugegeben, es ist außerordentlich tödlich.. wer nicht will, daß der erfahrene Krieger im vollen Plattenharnisch mit Helm, von einem Bauern mit einem Stock durch einen Glückstreffer ein Auge ausgestochen bekommt... sollte es nicht spielen. :)
Ich habe keine Ahnung, wie man auf die Idee kommen kann, es würde Rolemaster in die Tasche stecken, RDW ist eher ein schnelleres Rolemaster Light! Die Waffen haben bei Rolemaster individuelle ganzseitige TabellenBLÄTTTER, bei RDW gibt es je nach Rüstungs- und Waffensorte eine Tabelle. Auch die 30 als kleinste Einheit (Erhöhen, Tabellen-Inhalte, usw.) anstatt der 100 bei Rolemaster macht es wesentlich übersichtlicher.

Ah, man sollte auf jeden Fall Anspielungen und Satire mögen, wer eine gänzlich ernste Fantasywelt erwartet, wirft das Regelwerk gleich aus dem Fenster.
Beispiele: Wer vereinzelte Zaubesprüche wie "Wes Craven's Voodoo", "Venkmans und Spenglers Vertreiben der Geister" oder auch der Bardenmelodie "Joeys Bridge of Death" nicht amüsant oder sogar als störend empfindet (immer mit herrlichen Anekdoten, zB stammt letzterer natürlich von Joey DeMaio persönlich, dem größten Zwergenbarden, der je auf Tanaris seine Stimme erhob), für den ist RDW definitiv NIX.
Wobei imho auch das System allein ohne Setting es schon wert ist.

Ich weiß wirklich nicht, was ich hier so lese. Charaktererschaffung 4-5 Stunden?? Man kann hier gar nicht soviel entscheiden, daß man das so lange rausziehen kann, jedes System mit Punkteverteilung ist prädestiniert, mehr Zeit zu verschlingen. Stufenerhöhung mit Taschenrechner? Ja, wenn man alle Formeln von Hand nochmal nachrechnet, ein kleiner ungerundeter Wert irgendwo notiert, beim Stufenanstieg 0,2 dazu, schauen ob es die Rundungsrenze überschreitet, fertig.

Glgnfz:

--- Zitat von: Chobe am 21.07.2010 | 11:39 ---Wobei imho auch das System allein ohne Setting es schon wert ist.

--- Ende Zitat ---

Ich sehe es fast genau andersrum! Habe tolle Erinnerungen an das Setting, war aber vom System weniger begeistert...

Chobe:
Naja, ich bin wohl ein Oldschool-Spieler.. ;)
Bei RDW ist alles sehr offen, es gibt keine Regeln über irgendwelche Taktik-Manöver, das wird absichtlich offen und in der Hand des SL gelassen (wird ständig im Buch so erwähnt).
Ich mag das bei einem System, ich hab beim Lesen von z.B. Arcane Codex deutlich gemerkt, wie alt RDW mittlerweile ist, aber habe gleichzeitig fast die Krise bekommen, wie MMORPG-mässig die Kampfschulen gestrickt sind und wie jedes Manöver da präzise in Regeln gekleidet ist (teilweise nichtmal wirklich toll oder sinnvoll) - Wunden verursachen, bewusstlos schlagen, lautlos töten...

Das Setting ist schon was besonderes, aber ich habe das geschrieben, weil ich mir gerade da vorstellen kann, daß es nicht besonders viele Geschmäcker trifft.. Fantasy ja, aber enstellte und verzerrte Fantasy? Der blutdürstige Druide sorgte schon sehr oft für ungläubig gehobene Augenbrauen. :)

Pyromancer:

--- Zitat von: Chobe am 21.07.2010 | 11:57 ---Naja, ich bin wohl ein Oldschool-Spieler.. ;)

--- Ende Zitat ---
Das muss sich Glgnfz wohl nicht oft sagen lassen.   ;D

Medivh:
Also schön dann breche ich hier mal ne Lanze für RdW.
Es ist kein Geheimnis, dass ich leidenschaftlicher RdW-Spieler bin. Nach gescheiterten Versuchen mit DSA hat mich letztlich RdW zum Rollenspiel allgemein begeistert, und wenns so wahnsinnig unspielbar wäre wie hier gerne dargestellt wird wäre ich gar nicht so weit gekommen.

Die eine oder andere Ansicht wird hier doch etwas überspitzt vertreten wie ich finde.
Natürlich reicht RdW nicht an die Einfachheit und Klarheit von beispielsweise Warhammer RPG (V2) heran, aber wer verbreitet, die Charaktererstellung wäre komplizierter als bei DSA 4 tut RdW sehr, sehr unrecht.

Grundlegend: Das Spielsystem ist überholt. Keine Frage. Berufe-Systeme sind einfach praktikabler als Charakterklassen-Systeme. Auch das Kampfsystem ist hart und wie bereits teilweise dargestellt "detailliert", was aber nicht mit "unspielbar kompliziert" gleichgesetzt werden kann. Das Kampfsystem mag einen am Anfang auch am Spieltisch erschlagen, wer aber am Ball bleibt mit Sinn und Verstand, der macht das ganze ein paar Mal und dann gehts wie von der Hand. Alternativ kann man auch mit einem Grundstock aus Regeln anfangen (beispielsweise die fortlaufenden Verluste im Kampf erst einmal ignorieren) und darauf nach und nach aufbauen, das kann ich ebenfalls erfahrungsgemäß nur empfehlen.

RdW ist wie jedes andere System. Es hat Stärken und Schwächen. Und eine Fangemeinde.
Durch die Arbeit von ein paar wenigen ist es beispielsweise absolut kein Problem mehr, einen Charakter innerhalb von 10 Minuten zu erstellen, ohne Rechnerei, ohne Werte-Suchen etc. Selbst damit braucht man übrigens nichtmal eine halbe Stunde, geschweige denn 4-5 Stunden. Das ist eine völlig überzogene Darstellung.
Natürlich kann man das sofort als Manko darstellen, wenn ein bestimmter Wert sich durch 4 oder mehr andere Werte errechnet. Andere sagen dazu einfach "Realismus" oder "breit gefächerte Charakterentwicklungsmöglichkeit", nennt es wie ihr wollt.
Natürlich kann man sich darüber beklagen, dass bestimmte Charakterwerte sehr schnell steigen (können) und es daher als Powergamer-Spiel abtun. Andere wissen, dass das auch die Autoren bemerkt haben und korrigierend mit Erweiterungen eingegriffen haben, was bestimmte Kampfwerte angeht. Andere interessiert das aber auch von den Regeln her gar nicht, denn auch ein pazifistischer Heiler mit den höchstmöglichen Kampfwerten ist immer noch ein pazifistischer Heiler, den niemand dazu zwingt, jemanden anzugreifen. Ich muss euch hier ja nicht extra sagen, dass man jedes System kaputtreden kann, wenn man die rollenspielerische Einzelleistung des jeweiligen Spielers bequem ausblendet.
btw., eben jener pazifistische Heiler sollte in kaum einer Gruppe fehlen. Ja, das Kampfsystem kann sehr tödlich sein. Ich weiß zwar nicht, was das Kampfsystem dahingehend von etlichen anderen Kampfsystemen unterscheiden soll, aber RdW ist ja auch kein ausgewiesenes Hack&Slay-System. Tatsächlich sollten Kämpfe eher nicht die Tagesordnung sein. Und wenn mal was passiert: dafür gibts den Heiler (und andere heilbegabte Klassen). Sobald der ein gutes Stück besser geworden ist kann er so ziemlich alles zusammenflicken und auch wiederbeleben (was die Priester übrigens ebenfalls beherrschen). Da kenne ich ganz andere Systeme, in denen ein Vollplatteordenskrieger aber schneller durch Goblin-Glückstreffer gefällt wird als in RdW.


Dann springe ich mal auf den Zug auf und lasse hier auch mal einen "wenn...dann"-Text ab.

Wenn du kein voll ausgestaltetes System und keine bis ins Detail voll ausgestaltete Welt bevorzugst, um eigene System- und Spielideen einzubringen, weil du dich lieber selbst entfaltest als nachzukauen, dann ist RdW genau richtig für dich.
Wenn du beispielsweise das Warhammer-Kampfsystem kennst und gerne ein zwar potentiell tödliches Kampfsystem hast, das aber detaillierter ausgestaltet ist was Waffengattungen und Rüstungsmöglichkeiten angeht, dann ist RdW zu empfehlen.
Wenn du es liebst oder einen Meister hast, der es beherrscht, Regellücken selbst auszufüllen und viel zu improvisieren, dann bietet RdW auch trotz einer gewissen Regelfülle genug Entfaltungsraum.
Wenn du neben den potentiell in jedes Extrem gehenden Charakterklassen auch die üblichen Durchschnittscharaktere oder besondere, weil in anderen Systemen schlicht nicht vorkommenden Charaktere spielen willst, dann hat RdW etliches zu bieten.
Wenn du das Gejammer über unmögliche Formeln und Regeln ignorierst, mit einem PC umgehen kannst und nach kurzer (!) Charaktererstellung und zwei weiteren Mausklicks loslegen willst, dann bietet dir die RdW-Fangemeinde genug Support-Material.


Dass das System von Satire, Sarkasmus und Ironie nur so tropft wurde ja bereits dargestellt und auch für die Namen von etlichen Fähigkeiten und Zaubern haben die Autoren offenbar gar nicht eingesehen, sich werweißwas für ein Zeug aus den Fingern zu ziehen und stattdessen die eine oder andere Anspielung eingebaut.
Bereits das allererste offizielle Abenteuer von RdW zeigt Spielern, dass es hier alles andere als "cheesy" zugeht. Die Welt sollte an und für sich eher als dunkel und gefährlich rüberkommen. Es ist nunmal, wie einer meiner Spieler so treffend sagte, kein Bienchen- und Blümchenrollenspiel, in denen Charaktere in der ersten Stufe bereits strahlende Helden sind.



Gruß,
Medivh

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