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Starship Troopers Ironisch?
Jahleesu:
Genau. Militärdienst bei ST ist ja nicht nur Dienst an der Waffe, sondern alles Mögliche vom Koch über den Wissenschaftler, Lehrer, Piloten, Fahrer, Ärzte, Verwaltung etc. eigentlich so ziemlich alles was man sich vorstellen kann....
KWÜTEG GRÄÜWÖLF:
--- Zitat von: YY am 18.11.2010 | 22:33 ---Gerade das gibts bei ST nicht - auch für den Rollstuhlfahrer wird eine angemessen elende Tätigkeit gefunden, wenn er sich das Wahlrecht verdienen will.
Der einzige medizinische Grund, aus dem man abgelehnt werden kann, ist, dass man mental nicht in der Lage ist, den Diensteid zu verstehen.
--- Ende Zitat ---
Wobei mich am meisten der Gedanke stört "Das Wahlrecht muss man sich verdienen". Wahlrecht bedeutet für mich Mitbestimmung (wenn auch gaaaanz kleine) an der Lenkung des Allgemeinwesens, das wiederum über mein Leben mitbestimmt. Und grundsätzlich sollte jeder das Recht haben, an Entscheidungen, die ihn selber auch betreffen werden, mitzuwirken. Daß nun die Troopers selber eine besondere Last mit ihrem Todesrisiko tragen - nunja... immerhin wird Buenos Aires komplett von den Bugs ausradiert - haben da alle getöteten Zivilisten posthum das Wahlrecht gekriegt?
Jedenfalls überzeugt mich die Idee nicht wirklich, aber bevor ich mich jetzt anhöre wie ein Heinleinbasher: Gut geschrieben hat er's, und in anderen SF- und Fantasyromanen ist mir bedeutend unstimmigerer Blödsinn begegnet ~;P
Edit: Was die Möglichkeit der anderen Berufszweige innerhalb des Militärs angeht - wieso hat ein Koch beim Militär Wahlrecht, aber ein ziviler Koch nicht? Muss der erstere gegen Bug-Ingredienzen kämpfen, bevor er sie grillt? wtf?
YY:
--- Zitat von: Kwuteg Grauwolf am 18.11.2010 | 22:42 ---wieso hat ein Koch beim Militär Wahlrecht, aber ein ziviler Koch nicht?
--- Ende Zitat ---
Weil dem mil. Koch das Leben entsprechend schwer gemacht wird.
Der darf z.B. auf einer Forschungsstation auf dem Pluto kochen ;)
Zur Einschränkung des Wahlrechts:
Dafür gibt es ja mehr als genug Beispiele.
Ob Volljährigkeit, ein gewisses Vermögen, ein bestimmtes Geschlecht - gab oder gibt es alles, und einige Gesellschaften werden/wurden als Demokratien bezeichnet/"anerkannt", obwohl nur ein erstaunlich kleiner Anteil der Bevölkerung tatsächlich wählen darf/durfte.
Dann gibts noch so Geschichten wie Fachkompetenz, Zeitpräferenz uvm., die bislang (historisch) beim Wahlrecht keine allzu große Rolle gespielt haben, deren Einbindung aber durchaus denkbar wäre.
Wenn da Interesse besteht, können wir das Großthema Wahlrecht gerne in einem eigenen Faden weiterführen *anbiet*
Feuersänger:
Also ich sag mal so: ich halte durchaus auch andere Modi als ein allgemeines, nur durch Mindestalter erworbenes Wahlrecht für diskutabel. Das Wahlrecht durch Dienst bei ST hat ja einmal den bereits genannten Effekt: wer mitbestimmen will, muss auch zeigen, dass ihm was daran liegt, und dass er für die Gesellschaft persönliche Opfer zu bringen bereit ist.
Aber eben auch die Kehrseite der Medaille, die ja auch im Buch als so gewollt erläutert wird: Revolution ist unmöglich, denn alle engagierten Charaktere werden ja bereits durch das Wahlrechtssystem absorbiert.
Das erinnert mich ein wenig an so ein Venn-Diagramm von GraphJam, warum Marihuana in den meisten Staaten illegal ist: "People who want to legalize Marijuana" und "People with the drive and ambition to get laws changed" -> keine Schnittmenge.
Wie dem auch sei, wie YY und Su schon sagen, hat bei ST jeder das verfassungsmäßig garantierte Recht, das Wahlrecht zu erwerben. Und sei es als Versuchskaninchen auf einer Forschungsstation auf Pluto.
Wie gesagt, es sind ja auch noch andere Methoden denkbar, um das Wahlrecht selektiver zu gestalten. Solche Mechanismen sollen ja darauf abzielen, unerwünschte Elemente vom Wahlrecht auszuschließen. Denkbar wäre z.B.:
- Intelligenztest. Wer nicht mindestens IQ 100 (110, 120...) hat, darf nicht mitbestimmen, weil er dafür zu dumm ist.
- Status. Wählen darf nur der, dessen Einkommen mindestens dem nationalen Durchschnitt entspricht. Weg mit dem Präkariat von den Urnen. (Dies ist z.B. das Modell der Föderation in den Frontier-Spielen)
Damit will ich nicht gesagt haben, dass ich eine dieser Methoden wünschenswert finde. Sind nur Beispiele.
Boni:
Ich denke, am selektiven Wahlrecht kann man das faschistoide am wenigsten festmachen. Das gab es in den sich entwickelnden Demokratien Europas auch lange (z.B. kein Wahlrecht für Frauen).
Für mich ist eher die Indoktrination der Gesellschaft symptomatisch. Vor allem Geschichte&Moralphilosophie als Schul- und Ausbildungsfach. Das Ganze als höhere moralische Instanz über dem einzelnen, der Tod bei der Verteidigung der Spezies als höchste Auszeichnung, wer nicht erobert wird ausgelöscht. Da liegt für mich der Hund begraben.
Und die subversive Art, in der die Argumente vorgetragen werden, trug sicher dazu bei, Heinlein in ein schlechtes Licht zu rücken. Denn diese Passagen sind nun mal so geschrieben, das man sich denken kann: "Eigentlich haben die ja recht."
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