Medien & Phantastik > Hören
Was hört Ihr gerade so?
Chiarina:
Ich höre "Doll Parts", ein Song von Courtney Love´s Band "Hole", in dem sie darüber singt, wie unsicher sie in ihren Gefühlen gegenüber ihrem späteren Ehemann Kurt Cobain ist.
Eigentlich besteht der Song nur aus drei halbwegs normalen Akkorden, die sich ständg wiederholen.
Den zweistimmigen Gesang finde ich in seiner schlichten Volksliedhaftigkeit allerdings gelungen - wahrscheinlich lege ich allein deshalb den Song hin und wieder auf.
Und der Text? Dazu kann man stehen, wie man will. Ich finde, man darf auch persönliche Befindlichkeiten in einem Song äußern. Wenn das allerdings ein Song über den Beginn einer Beziehung sein soll und dann entstehen solche Verse... dann frage ich mich irgendwann schon, ob sich da nicht jemand ein bisschen allzu lustvoll im Liebesschmerz suhlt (...und auch das Video finde ich angemessen gruselig... ich kann´s nicht ganz sehen, weil ich sonst Pickel kriege!).
Bereit sein für Intensität ohne durchzudrehen... ist nicht jedem vergönnt.
Hole: Doll Parts
I am doll eyes, doll mouth, doll legs
I am doll arms, big veins, dog bait
Yeah, they really want you
They really want you, they really do
Yeah, they really want you
They really want you, and I do too
I want to be the girl with the most cake
I love him so much, it just turns to hate
I fake it so real I am beyond fake
And someday you will ache like I ache
I am doll parts, bad skin, doll heart
It stands for knife for the rest of my life
Yeah, they really want you
They really want you, they really do
Yeah, they really want you
They really want you, but I do too
I want to be the girl with the most cake
He only loves those things because he loves to see them break
I fake it so real I am beyond fake
And someday you will ache like I ache
6:
Pomplamoose - Harder, Better, Faster, Stronger
Eine schöne, etwas zurückgenommene Version von Daft Punks Lied.
Crimson King:
John Arch - A Twist of Fate
Der Ex-Sänger von Fates Warning hat mal wieder Lust, Musik zu machen, borgt sich ein paar Musiker seiner Ex-Band sowie weitere Kumpels, und haut mal so im Vorbeigehen eine grandiose Progmetal-EP raus. Wird allerdings noch getoppt durch Sympathetic Resonance, ein wenn man so will inoffizielles Fates Warning-Album, das die Band aufnahm, als deren Stammsänger Ray Alder gerade keine Zeit hatte, weshalb man John Arch acquirierte.
Arch ist für mich generell ein Phänomen, weil er meines Erachtens technisch gesehen kein besonders guter Sänger ist. Keine tolle, voluminöse Stimme, kein besonderer Stimmumfang, dafür aber jede Menge Ausdruck und eine melodische Kreativität, die ihresgleichen sucht, machen ihn seit eh und je aus.
Chiarina:
Ich höre das neue Album von Bill Frisell: Valentine.
Es ist ein Trioalbum mit ihm an der Gitarre, Thomas Morgan am Bass und Rudy Royston am Schlagzeug.
Die Musik bewegt sich zwischen nicht-mehr-wirklich-traditionell und fast-schon-free. Sie strahlt Wärme aus und ist ruhig und gelöst, in einigen Stücken entsteht eine fast schon magische Schwerelosigkeit. Erstaunlicherweise sind einige Standards drauf (z. B. der Bacharach-Klassiker "What the World needs now" oder sogar "We shall overcome"), die sich in die Eigenkompositionen Frisells nahtlos einfügen.
Mein Lieblingstrack ist die kürzeste Nummer des Albums, die aus frei einander ablösenden Einzelklängen der Beteiligten besteht. Die einfühlsam ausgewählten Klangfarben, angereichert durch Rückwärtsspulen und ´ne Menge Hall, verstärken den ohnehin schon intensiven Eindruck. Ich bin irritiert, dass Frisell mich als Hörer hier nach nur wenigen Tönen fast auf Knopfdruck in eine andere Welt katapultieren kann. Knapp drei Minuten später bin ich wieder zurück und frage mich verwundert, was das gewesen ist.
Tolle Musik!
Bill Frisell: Hour Glass
Crimson King:
Was kommt dabei heraus, wenn Nick Cave gemeinsam mit Mel Collins die Filmmusik für ein Gemeinschaftsprojekt von David Lynch und Quentin Tarrantino schreibt? In etwa das, was Valentine Six auf ihrem einzigen Album hervorgebracht haben. Der Rauch in der Whiskybar formt sich zu surrealen Mustern, düster-melancholischer Schnoddergesang und Slowcore-Elemente treffen auf explosive Saxophonsoli über krummtaktigem Fusion-Fundament.
Valentine Six ist ein absolut einzigartiges Album gelungen, das leider wohl auch einzigartig bleiben wird. Die wichtigsten Musiker der Band, Parker Noon und Lily Wolfe, wandten sich im Anschluss stärker Slowcore- und Dream Pop-inspirierter Musik zu und entledigten sich aller jazzigen Zutaten, was der Musik nicht gut tat.
The Valentine Six - Blood Orange
und einmal in flott:
The Valentine Six - Ghost Face
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