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Was hört Ihr gerade so?

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pan narrans:
Gerade wiederholt wiederentdeckt:
Warrior Soul
Ja, das ist aus den späten 80ern, aber leider noch immer aktuell. Manche Dinge ändern sich nie.

Chiarina:
Bei mir läuft gerade Jefferson Airplane.
Wenn ich in den Sechzigern Teen gewesen wäre, wäre ich garantiert in Grace Slick verliebt gewesen.

Stattdessen höre ich heute, 54 Jahre später, White Rabbit, den wahrscheinlich größten Hit der Band, und mache mir ein paar Gedanken. Ich lese diese Lyrics, die Alice im Wunderland als Drogentrip interpretieren und denke unter anderem an Eskapismus-Diskussionen, die auch heute noch geführt werden.

One pill makes you larger
and one pill makes you small
and the ones that mother gives you
don't do anything at all
go ask Alice
when she's ten feet tall

Ich schaue mir ein Gitarrentab für den Song an und verfolge beim Hören die Akkorde mit.
Die Strophen starten in Fis-Dur und besitzen durch eine Wechselbewegung zum darüberliegenden G-Dur ein Art Flamenco-Feeling.
Wenn im Refrain Alice erwähnt wird, wechselt die Musik aber regelmäßig nach A-Dur.
Na, und da liegt vielleicht schon die Interpretation nahe, die eine Tonart als Realität und die andere als Drogenrausch-Traumwelt anzusehen... aber dann kommt die Bridge:

When men on the chessboard get up
and tell you where to go
and you just had some kind of mushroom
and your mind is moving low
go ask Alice,
I think she'll know

Coolerweise ist es hier genau umgekehrt: Der Anfang ist in A-Dur, und wenn Alice erwähnt wird wechselt die Musik nach Fis-Dur.
Was ist hier los? Die eben gerade etablierte Dichotomie "Traum und Realität" löst sich bereits wieder auf. Wo endet das eine und wo beginnt das andere?

Auch Alice kann sich in Carrolls Roman keinen Reim darauf machen. Die letzte Strophe und das anschließende Outro scheinen das auch widerzuspiegeln:

When logic and proportion
have fallen sloppy dead
and the White Knight is talking backwards
and the Red Queen's off with her head
remember what the dormouse said.
Feed your head, feed your head.

Zur Erklärung sei gesagt, dass Alice in der Teegesellschaft von Carrolls Roman ein paarmal versucht den absurden Äußerungen der Gesprächsteilnehmern zu folgen. Die Haselmaus fordert sie aber schließlich auf, den Mund zu halten, wenn es um Dinge geht, die sie nicht versteht. Alice schweigt dann auch wirklich, ist aber gleichzeitig aufgrund der für sie undurchschaubaren Situation so entsetzt, dass sie davon läuft. Bei Jefferson Airplane bleiben Logik und Proportionen ebenfalls undurchschaubar und unkommentierbar... und einem Gast der Teegesellschaft bleibt nichts weiter übrig, als zu essen... so sind die Schlussverse des Songs vielleicht zu verstehen.

In einem Song aber, in dem von Pillen und Pilzen die Rede ist, lässt sich leicht erraten, was da gegessen werden soll. Und logisch: Durch das Rauschmittel und die folgenden Halluzinationen öffnet sich dann wohl der Zugang zu Alice´ Traumwelt. Wichtiger ist für mich aber die Ambiguität: Ich kann am Ende nicht mehr unterscheiden, was für eine Bedeutung A-Dur und was für eine Bedeutung Fis-Dur hat.

Und erst wenn ich das nicht mehr unterscheiden kann, wenn meine Realität zum Traum wird und mein Traum zur Realität... dann bin ich wirklich im Wunderland angekommen.

Jefferson Airplane: White Rabbit

Crimson King:
Gelegentlich habe ich diese Momente, in denen ich feststelle, dass diese absolut großartige Nummer jedes absolut großartigen Interpreten eigentlich von jemand anderem geschrieben und zuerst interpretiert wurde. Das letzte Mal hatte ich einen solchen Moment wohl bei Bowies Wild is the Wind, das eigentlich aus dem Soundtrack des gleichnamigen 1957 gedrehten Filmes stammt. Heute bin ich dann auf die Originalversion von Black Sabbaths epischem Blues The Warning aufmerksam geworden. Hier kommt ein weitere Cover-Effekt hinzu, nämlich der, in dem man feststellt, wie kreativ die Kopie mit dem Original umgeht und in welchem Maße das Original dadurch musikalisch erweitert und aufgewertet wird. Die ursprüngliche Fassung von The Warning stammt von der Aynsley Dunbar Retaliation aus dem Jahr 1968 und ist durchaus gelungen, von der Größe der Sabbath-Version aber meilenweit entfernt. Gerade die drei Instrumentalisten bei Sabbath liefern hier eine absolut herausragende Performance ab und von den sieben zusätzlichen Minuten ist kein Moment auch nur ansatzweise überflüssig.

Black Sabbath - The Warning

6:
בלקן ביט בוקס | ברי סחרוף - לובסטר
hebräische Worldmusik Gruppe ist Balkan Beat Box.

Crimson King:
Die Borderlands-Computerspielreihe ist ja nicht nur bekannt für sein gutes Gameplay, Handsome Jack, einen der besten Schurken, die jemals ein PC-Spiel heimgesucht haben, und Tiny Tina's Assault on Dragon Keep, eines der besten Addons, die jemals für ein PC-Spiel veröffentlicht wurden, sondern auch für eine herausragende Auswahl von Titel- und Abspannsongs (Beste Beispiele: Cage the Elephant - No Rest for the Wicked und The Heavy - Short Change Hero). Als Telltale Games mit Tales of the Borderlands ein Storygame in der Borderlands-Welt herausgebracht hat, wollten sie da natürlich nicht hinterherhinken. Aus der gelungenen Songauswahl ragt allerdings der Track aus dem Abspann, My Silver Lining von First Aid Kit, noch mal heraus. Eigentlich stehe ich ja auf Rock, Metal, Prog und Fusion, weshalb es mich selbst überrascht, wie mich dieser 60s-Retro-Countryfolk anmacht. Absolut grandioser Song!

 First Aid Kit - My Silver Lining

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