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Was hört Ihr gerade so?

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Chiarina:
Ich habe noch ein altes KRS One Album von 1995 hervorgekramt und nach langer Zeit mal wieder über den ein oder anderen Track gestaunt. Besonders über "Hold". Erzählt wird eine Story von Geldproblemen, Raubmord, Knast und Elend. Am Ende folgt als Message so eine Art Aufruf zur Askese:

Your addiction to your needs and your wants
Is what causes problems in your life
Make sure you got what you need
Put at a safe distance all the things that you want
It's wants that get you into trouble

Die Musik dazu ist ein schleppend langsamer Beat mit düsterem Minimalbass, schrägem Klavier-Loop und komischen Ploppgeräuschen. Ziemlich crazy und groovy zugleich. Ich liebe diesen Track!

KRS One: Hold

Crimson King:
Rund um die englische Stadt Canterbury entstand Ende der 60er Jahre zunächst stark vom gängigen Psychedelic Rock, später von Jazz Fusion inspirierte Spielform des Art Rock, die im Verleich zum Anfang der 70er üblichen Progressive Rock leider nur ein Schattendasein fristete. Entstanden ist die Szene aus einer Band namens Wilde Flowers, die sich 1968 auflösten, wobei die Musiker sich auf zwei neue Bands aufteilten, die auch als die bekanntesten Vertreter des Canterbury Sounds angesehen werden können: die stärker im Psychedelic Rock verhafteten Caravan und die Soft Machine, die ab 1970 immer stärker von Jazz und Jazz Fusion beeinflusst wurde und generell ein großes Maß an Experimentierfreudigkeit aufwies. Daneben bildeten sich aus dem zu großen Teilen gleichen Kern an Musikern eine Vielzahl kurzlebiger Formationen und mit den Avantgarde Space Rockern von Gong und der Begründern der Rock in Opposition-Szene Henry Cow, einer kommerziell erwartbar wenig erfolgreichen, aber sehr einflussreichen Avantgarderock Band.

Ich hatte mich der Canterbury-Szene bereits Anfang der 2000er mal gewidmet, ohne damals wirklichen Zugang zu bekommen. Lediglich die vergleichsweise eingängigen Caravan und Gong sowie die Kooperationsalben von Henry Cow mit der deutsch-englischen Avantgarde-Pop-Band Slapp Happy sind bei mir hängen geblieben. Jetzt habe ich beschlossen, mich noch mal dem Canterbury Sound zu widmen. Ggf. erfasst mein über die Jahre gereiftes und gehärtetes Gehör das Material heute besser.

Ich starte zum Einstieg trotzdem mit dem unbetitelten Debutalbum von Caravan aus dem Jahre 1968, das vergleichsweise komplexen und verspielten, aber nicht völlig unüblichen Psychedelic Rock bietet, ruhiger und deutlich weniger gitarrenlastig als Beatles & Co, aber deshalb nicht weniger interessant.

Chiarina:
Ich höre mal wieder Coltrane, und zwar das vor drei Jahren erstmalig veröffentlichte lost album "Both Directions At Once" mit ein paar schönen Aufnahmen. Die Nummer "One Up, One Down" gab´s bisher nur als Live-Bootleg, jetzt ist auf diesem Album erfreulicherweise auch eine Studioversion des Stücks zu hören.

Das Thema besteht im Wesentlichen aus einem fanfarenartigen Eingangsruf, der aber immer wieder auf unterschiedliche Art und Weise unterbrochen wird. Manchmal schiebt Coltrane ein paar improvisierte Phrasen dazwischen, manchmal liefert er sich an diesen Stellen ein Call and Response Spielchen mit seinem Schlagzeuger Elvin Jones. Dieses Call and Response Spielchen verselbständigt sich aber im weiteren Verlauf der Aufnahme und gewinnt zunehmend an Bedeutung. Coltranes Solo aus atemlos aufeinander folgenden kleinen Fragmenten ist direkt aus dem Thema entwickelt und schließt sich fast unmerklich an. Elvin Jones begleitet dicht und intensiv. Es folgt McCoy Tyners Klaviersolo, das Coltranes Ideen aufgreift. Schließlich folgt ein Basssolo von Jimmy Garrisson, dessen Walking Bass sich mit flotten Pendelbewegungen abwechselt und schließlich zurück zum Thema führt.

Verblüffend ist, wie flexibel hier die Rollen der Musiker und die Funktionen der Abschnitte gehandhabt werden. Schon im Thema wird improvisiert, Coltranes Solo klingt zunächst sehr nach dem Thema, später übernimmt mitten in Coltranes Solo phasenweise Elvin Jones die Rolle des Solisten, McCoy Tyners Solo klingt ähnlich wie Coltranes Solo und endet mit demselben Call and Repsonse Spielchen, mit dem auch Coltranes Solo endete. Am Schluss hat sich sogar das Thema selbst in dieses Call and Response Spiel verwandelt. Alles ergibt sich aus allem, dreht sich im Kreis (passend zum Titel "One Up, One Down") und verändert sich kaleidoskopartig - was aber durchgehend zu hören ist, ist der unglaubliche Drive, mit dem hier musiziert wird. Schönes Stück!

John Coltrane Quartet: One Up, One Down

Crimson King:
Caravan - In the Land of Grey and Pink

Seite 1 des Albums bietet den für Caravan typisch, sehr hochklassigen proggigen Psychedelic, ruhig, lyrisch, melancholisch, melodisch. Stellvertretend dafür sei Winter Wine genannt, das sanft vor sich hin fließt und vorhandene Komplexität und Taktwechsel geschickt hinter der wundervollen Melodie verbirgt. Das klingt stark nach den frühen Camel, aber in Wirklichkeit verhält es sich natürlich anders herum, da die wesentlich bekannteren Camel erst später gegründet wurden. Seite 2 besteht aus einem langen, improvisationslastigen Epic, das sich gewaschen hat. In the Land of Grey and Pink ist einfach großartig, der Höhepunkt im Schaffen von Caravan, eines der besten Canterbury-Alben überhaupt und in meiner Sammlung definitiv eine der unterhörtesten Scheiben.

Sidekick-Kai:
Jogger - Nephicide

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