Medien & Phantastik > Hören
Was hört Ihr gerade so?
Chiarina:
Und nochmal Elektro. LCD Soundsystem hat 2017 sein viertes Album herausgebracht. Die dritte Single hieß „Tonite“ und hat ironischerweise einen Grammy in der Sparte „Bester Dancetrack“ gewonnen.
Ironisch ist das deshalb, weil der Song die Verwendung von sinnentleerten Worthülsen und den Hedonismus des Augenblicks zur Diskussion stellt: Dinge, die ja gerade in der Dancemusik typisch sind. Im weiteren Verlauf wird die Problematik dann auch noch erweitert: Es geht nicht mehr um den Song, es geht um die Hohlheit des Lebens an sich, um den Geheimnisverlust durch das Internet, um dem kaum zu entrinnenden Konsumzwang, um die Schwierigkeiten der Identitätssuche in der modernen Zeit, um das, was bleibt, wenn jemand älter wird, und um das Fehlen positiver Visionen. Die lyrics haben es in sich. Sie sind nicht typisch für Dancetracks, sie reflektieren vielmehr den typischen Dancetrack auf kritische Art und Weise und denken ihn weiter.
Und die Musik? Sie besteht aus einer einzigen Idee, einem blubbernden Elektro-Beat, der über zwei wechselnden Basstönen permanent das gesamte Stück über erklingt. Dazu kommen immer mal wieder ein paar Keyboardakkorde, eine catchy, synkopische Abwärtsbewegung für den Titel („tonite, tonite, tonite, tonite, tonite“) und ein paar synthetische Zischlaute. Dazu spricht und trällert Sänger James Murphy unaufgeregt, aber bestimmt. Was da über dem ostinaten Bass geschieht, bedient sich zwar der Ingredienzen der Tanzmusik, es ist aber wenig strukturiert. Der Refrain verliert sich irgendwann, einmal nehmen die Zischgeräusche zu, dann wieder geschieht eine Weile fast nichts… Die Struktur des Tracks scheint ein wenig beliebig zu sein, vielleicht spiegelt das ganz gut wider, was im Text über die Inhalte erzählt wird, die unser Leben bestimmen. Vieles ist austauschbar und oberflächlich.
Das Video dazu schätze ich sehr. Die Band sitzt auf einer übergroßen, sich drehenden Vinylscheibe, die selbstverständlich sofort „Disco“ signalisiert. James Murphy aber läuft gegen die Drehrichtung und tritt damit auf der Stelle, die Bandmitglieder bedienen ihre Instrumente. Ansonsten aber fehlt alles, was Dancemusic ausmacht. Keine Extase, niemand tanzt! Im Gegenteil: Viele sitzen in ihren Pausen auf dem Boden, die Keyboarderin nimmt sogar ein Buch und liest, wenn sie nichts zu tun hat! Unglaublich! Die hier vorgeführte Musikroutine will gar nicht den Anschein machen, sie verführe zu Grenzüberschreitungen. Es ist unser Alltag, der hier vorgeführt wird, voller cooler Elemente, die aber beliebig geworden sind und daher ihre Wirkungen größtenteils eingebüßt haben.
Trauriger Song. Merk-würdiger Song.
LCD Soundsystem: Tonite
The_Nathan_Grey:
Diese drei Lieder (bzw. Videos) laufen bei mir momentan hoch und runter, da ich eigentlich immer gute Laune bekomme wenn ich sie höre (bzw. sehe).
Hypa Hypa - Eskimo Callboy
We got the moves - Eskimo Callboy
MC Thunder II (Dancing like a Ninja) - Eskimo Callboy
Shihan:
Daumen hoch für EC! :d
Chiarina:
Bei der ganzen Genderdebatte wundert mich eigentlich, warum es noch kein Amanda Lear Revival gibt (...oder gibt es eins, ich weiß nur nichts davon?).
Sorgen machen braucht sich aber niemand, denn wie heißt es so schön: "Sphinxes never die".
Amanda Lear: The Sphinx
6:
--- Zitat von: The_Nathan_Grey am 3.11.2021 | 10:04 ---Diese drei Lieder (bzw. Videos) laufen bei mir momentan hoch und runter, da ich eigentlich immer gute Laune bekomme wenn ich sie höre (bzw. sehe).
Hypa Hypa - Eskimo Callboy
We got the moves - Eskimo Callboy
MC Thunder II (Dancing like a Ninja) - Eskimo Callboy
--- Ende Zitat ---
Ich WILL! die! beim! ESC! für! Deutschland!!!
btw.
Kalle Koschinsky feat. Eskimo Callboy - Castrop X Spandau
Youtube, Instagram und Tiktok müssten raus, aber ansonsten wäre das vollkommen ESC-Regelkonform. :D
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln