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Was hört Ihr gerade so?

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Chiarina:
Ich höre das neueste Album von U-Roy, einem jamaicanischen Toaster der ersten Stunde. Da er inzwischen gestorben ist, wird es wohl sein letztes bleiben. Es besteht aus einigen seiner alten Nummern, die er mit alten Weggefährten, aber auch einigen aktuellen Stars aus der Reggae-Szene zusammen neu aufgenommen hat. Das Ganze ist keine Offenbarung, aber doch etwas mehr als "Alte Säcke dudeln ihre alten Hits um nochmal ein paar Kröten zu machen". Beeindruckend fand ich beispielsweise die Viertelstundenversion von "Every knee shall bow" mit Mick Jones, dem ehemaligen Gitarristen von "The Clash", und Big Youth. Der Song aus zwei Akkorden und einer um sich selbst drehenden Bassfigur entwickelt nach ca. fünf Minuten immer stärkere Dub-Elemente, Toasting ersetzt Singen, neue Bläser-Fill-Ins tauchen auf... er scheint sich aus seiner Form befreien zu wollen. Zwar ist die Echokammer, durch die diese Sounds getrieben wurden nicht ganz so extrem, wie im Original, aber über die gesamte Strecke von 15 Minuten entwickelt diese Version doch eine mächtige Trancewirkung, die mir gut gefallen hat.

U-Roy: Every Knee Shall Bow

xplummerx:
Derzeit Every Time I Die rauf und runter. Eine der wenigen Bands mit nur guten Alben.
Every Time I Die - Map Change
Eine raue Liebeserklärung an Buffalo.

Every Time I Die - Thing With Feathers
Ein ruhiger Abschiedssong für eine verstorbene Schwester.

Dazu die neue Turnstile
Turnstile - Love Connection

die neue Knocked Loose
Knocked Loose - A Tear in the Fabric of Life
der Trend geht zur verfilmten EP

und Eighteen Visions mit einem guten Beitrag zum Umgang mit Nazis
Eighteen Visions - 1996


Coltrane:
Aus aktuellem Anlass. Dass ich das noch erleben darf.
Agent Sasco - Whats the Story
[url]https://www.youtube.com/watch?v=_Sg2TNmim3c [url]

Chiarina:
Ich stelle noch einen letzten Doors-Song hier ein.

"Yes, the river knows" ist ein kleiner Song mit ein paar Überraschungen.

Die lyrics klingen ein wenig, als hätte Morrison Wilhelm Müllers Winterreise ins Englische übersetzt. Sie triefen jedenfalls vor Sprachbildern, der Bach spricht und bietet sich lockend dem Lebens- und Liebesmüden als letzte Ruhestätte an. Der Sänger scheint auch zum nassen Tod bereit zu sein, allerdings hält er sich dann irgendwie doch lieber an "mystic heated wine".

Harmonisch ist der Song superspannend.

Das Intro mit den Lockungen des Baches wird von nur sehr lose miteinander verwandten Akkorden begleitet. Der Bach spricht dem Sänger zärtlich zu, dass seine Umarmungen aber den Tod zur Folge haben, bleibt zunächst unausgesprochen.

Dann folgt der Refrain mit den Worten "free fall flow, river flow..", die vehementeste Passage dieses zurückhaltenden Songs, und eine harmonische Basis (E-Dur) etabliert sich. Es wird auch ein wenig mit einer Akkordfolge gespielt, die als "Lamento-Bass" bekannt ist, etwas spanisch anmutende Klänge zu einem absteigenden Bass, die oft für Klagen und Trauer verwendet werden... hier besitzt die absteigende Linie außerdem noch den Bezug zum Untergang im Bach. Aber die Akkordfolge wird nicht einfach nur übernommen. Die Band kehrt sie auch um, führt sie wieder in die Höhe, umspielt Anfang und Ende mit ein paar Nachbarakkorden... der Bach zeigt seine Macht, aber er scheint sie nicht allzu zielstrebig einzusetzen.

Der Text des B-Teils, der daraufhin folgt, klingt zunächst wie der des Intros, allerdings bleiben die Akkorde vorläufig bei der inzwischen etablierten Tonart. Dann folgt die seltsame Passage "I promised I would drown myself in mystic heated wine" und die Musik reagiert: sie steuert eine andere Tonart an, cis-Moll nämlich, die Paralleltonart von E-Dur, und statt ziellosem Auf und Ab wird eine deutlich hörbare Schlusswendung angepeilt, auf die eine kleine Zäsur folgt. Das ist in meinen Ohren der stärkste Moment des Songs. Ich meine hier ein wenig Ironie zu erkennen. Wer so stark romantische Chiffren bemüht und dann aber singt, statt sich umzubringen gehe er sich lieber besaufen, der wirft der vorangegangenen Schwermut einen schelmischen Blick zu und persifliert deren Tiefsinn.

Ein kleines, apartes Instrumentalduett von Klavier und Gitarre bildet das Zentrum des Liedes und am Ende folgen in umgekehrter Reihenfolge nochmal der B-Teil und der Refrain. Damit hat am Schluss doch der mächtig lockende Bach das letzte Wort. Bleibt er letztlich der Sieger?

Diese gespiegelte Gesamtform kenne ich bereits von "Light my fire". Offenbar ist sie ein beliebtes Ausdrucksmittel der Band gewesen.

Wenn Franz Schubert Psychedelic gemacht hätte, hätte er vielleicht ein wenig wie dieser Song geklungen. Ich finde ihn sehr gelungen.

The Doors: Yes, the river knows

Sidekick-Kai:
Skinless - The Optimist

Laut anschmeißen, wenn die ganze Welt Dir gerade auf den Piss geht!  :headbang: :headbang: :headbang:

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