Medien & Phantastik > Hören
Was hört Ihr gerade so?
Chiarina:
Ich habe mir vor kurzem die 40-Jahre-Jubiläumsausgabe von Cultures Two Sevens Clash zugelegt. Das Album selbst ist ein allgemein geschätztes Reggaeschatzkästlein. Die Jubiläumsausgabe bietet auf einer zweiten CD ein paar Remixes, aber auch ein paar neu ausgegrabene, bisher unveröffentlichte Songs (...glaube ich zumindest). Der hier (mit ´ner netten, etwas vorwitzig abgemischten Cowbell...) hat mir gut gefallen:
Culture: Informer
Lyonesse:
Ivor Novello - Waltz of my Heart
Ivor Novello - The Land of Might-Have-Been (gesungen von Jeremy Northam aus dem Film Gosford Park)
psycho-dad:
FalKKonE - Knight Rider Theme (Symphonic Metal Cover)
Wunderbar eingängige Synths und schön scheppernde Schrammelgitarre :d
Crimson King:
Der Musiker, der bei meinem sommerlichen Exkurs in den Jazz am meisten Eindruck hinterlassen hat, ist King Shabaka Hutchings. Ich finde im Grunde alle drei Hauptprojekte von ihm großartig, Sons of Kemet, The Comet is Coming und Shabaka And The Ancestors. Toll ist auch, dass die drei Projekte trotz ihrer Unterschiedlichkeit auf einen Nenner zu bringen sind. Es handelt sich hier um größtenteils angenehm chilligen Postjazz mit unterschiedlichen Facetten, oft gewürzt mit unterschiedlichen Gastmusikern sowohl an Instrumenten als auch am Mikrophon, der sowohl zum entspannten Mit- als auch zum konzentrierten Zuhören einlädt.
Aktuell sind gerade die Sons of Kemet dran, eine Combo, in der neben Hutchings' Saxophon zwei Drummer und ein Tubist spielen, und ich verlinke mal dieses Video von https://www.youtube.com/watch?v=wmN3vFIukk4, das zeigt, dass dieser Jazz durchaus tanzbar ist.
Chiarina:
Ich höre das „Steve Lehman Octet“ mit seinem Album „Mise en Abîme“ von 2014. Lehamn wird oft mit dem Begriff „spectral“ zusammen genannt, ein Zeichen dafür, dass er in seiner Musik und auf seinem Altsaxophon nach neuen Klängen sucht, die unser herkömmliches Tonsystem aus 12 Halbtönen hinter sich lassen. Neue Griffe, Überblastechniken und ähnliches führen hier also zu Tönen, die unser Ohr nicht mehr eindeutig einordnen kann.
Auf „Mise en Abîme“ spielen 5 Bläser, darunter auch eine Tuba, außerdem wird in der Rhythmusgruppe das übliche Klavier durch ein Vibraphon ersetzt. Im Netz gibt es leider nur zwei Stücke von dem Album, immerhin aber „Chimera/Luchini“. Hier reichert Lehman die Klänge seines Ensembles mit halligen Elektronikklängen, erzeugt eine Art Klangfarbenmelodie und verschafft so seinem Vibraphonspieler Chris Dingmann ein interessantes Backing für ein spektakuläres Solo. Danach geht der Track „Chimera“ ganz allmählich und fließend in den Track „Luchini“ über (etwa ab 4:35), ein Cover eines Old School HipHop Tracks von Camp Lo. Was geschieht, wenn moderne Jazzer HipHop covern finde ich ja superspannend. Ich empfehle direkt nach dem Stück das Original zu hören.
Lehmans Musik auf diesem Album ist immer wieder neu und spannend und besitzt trotzdem eine über alle Tracks hinweg hörbare, unverwechselbare Qualität.
Richtig gute Musik, wie ich finde.
Steve Lehman Octet: Chimera/Luchini
Camp Lo: Luchini AKA This Is It
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