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Was hört Ihr gerade so?
Crimson King:
Im Dezember 2017 verstarb Warrel Dane, Sänger der Powermetaller von Sanctuary und der Neo-Thrash Band Nevermore, leider viel zu früh während der Arbeiten an seinem zweiten Soloalbum. Da die Hälfte des Albums bereits weitgehend fertig war, wurde Shadow Works 2018 in einer entsprechend verkürzten Fassung veröffentlicht. Warrel Dane war auch als Mittfünfziger stimmlich noch voll im Saft, seine Stimme bekam mit den Jahren reichlich Edge und tiefer, was hervorragend zur düsteren, gothic-inspirierten Stimmung der Musik passt, die aber auch schon einen Großteil des Nevermore-Materials, spätesens ab Dreaming Neon Black, sowie das letzte Sanctuary-Album und sein erstes Soloalbum geprägt hat. Waren es auf Praises to the War Machine noch die Sisters of Mercy, denen per Lucretia My Reflection-Cover gehuldigt wurde, sind dieses Mal The Cure mit The Hanging Garden fällig. Typisch für das Album sind allerdings die eher an Nevermore als an Sanctuary erinnernden brettharten, schnellen und vertrackten Stücke wie Disconnection System.
Insgesamt ist das Album ein gelungenes Andenken an einen der besten Metal-Sänger. Rest In Peace.
Warrel Dane - Disconnection System
Chiarina:
Ich höre gerade Barrington Levy, einer der Urväter des Dancehall Reggae.
Seine berühmteste Nummer ist wohl "Here I Come". Der Song handelt von einer jungen Mutter, die den Vater ihres Kindes auffordert, sich um seinen Sohn zu kümmern, damit sie sich mal wieder vergnügen kann. "Broader than Broadway" ist ein Slangausdruck, mit dem wiedergegeben wird, wie die Frau ihre Lust auf Sex zum Ausdruck bringt.
Ich mag ganz gern, wie die Keyboard-Akkorde ihre Position im Takt wechseln. Mal sind sie marschähnlich auf dem Beat, dann wieder wechseln sie auf die reggaetypische Off-Position. Was sich fast wie ein Fehler anhört, ist eine simple, aber wirkungsvolle Variantenbildung. Ich assoziiere damit den Wechsel vom Befehlston (der Vater möge seinen Pflichten nachkommen...) zum geäußerten Bedürfnis nach Vergnügen (...damit die Dame auch mal ein wenig Spaß haben kann).
Barrington Levy: Here I Come
Crimson King:
Metal Church - Damned If You Do
Mit Mike Howe von Metal Church segnete ein zweiter herausragender Metal-Sänger vor relativ kurzer Zeit das Zeitliche. Wie Warrel Dane wurde er nur 56 Jahre alt, im Gegensatz zu Dane, der wohl seinem ungesunden Lebensstil Tribut zollen musste, war es bei Howe die eigene Entscheidung. In seinem Fall lauter der Name des Schwanengesangs Damned If You Do und wurde im Gegensatz zu Shadow Works noch zu Lebzeiten veröffentlicht.
Wie schon auf dem Vorgänger XI schließen Metal Church nach einer Reihe sehr lauer Alben stilistisch wieder an die frühen 90er an, als die Band noch zur Spitzenklasse gehörte. Man bewegt sich nahe an den damals mit Mike Howe aufgenommenen Alben The Human Factor und Hanging in the Balance. Die Kritiken der beiden neuen Alben sind aber tatsächlich durchmischt und die Alben gelten als schwächer als die beiden Vorbilder aus den 90ern. Ich erkläre mir das ein Stück weit durch Verklärung, denn die genannten Klassiker sind aus meiner Sicht bereits alles andere als herausragend und werden genauso wie die beiden neuen Scheiben vor allem durch Mike Howe getragen. Stücke auf dem Level von Beyond the Black, Gods of Wrath, Watch the Children Pray oder Badlands findet man auf allen Howe-Scheiben außer Blessing in Disguise meines Erachtens nicht. Nichtsdestotrotz sind sowohl XI als auch Damned If You Do gut hörbar und Howe klang auch als Mittfünfziger noch wie 25 Jahre früher.
Chiarina:
Was macht man als Rocker, wenn man am Klavier sitzt? Einfach mal aufstehen (1:00).
Jerry Lee Lewis war schon ganz schön Maniac... und irgendwie auch Punk.
Jerry Lee Lewis: Great Balls Of Fire
Crimson King:
Ausgelöst durch die DnD 5-Runde auf dem Treffen bin ich gerade auf dem Classic Metal-Trip. Und der fühlt sich gut an. Aktuell läuft das 2019er Album von Cirith Ungol - Forever Black. Cirith Ungol sind definitiv eine spezielle Sache. Das Riffing ist vielfach herausragend, der knackige Basssound und die Drums sorgen für einen tollen Groove, aber der Sänger schreckt viele ab. Tim Baker war eine der Inspirationen für die Death Metal-Screams, die Ende der 80er aufkamen. Anfang der 80er war die Band damit allerdings weitab vom Mainstream und es benötigte schon ein Schönhören. Letzten Endes liefert die Band auch auf jedem Album lediglich 3 bis 4 richtig starke Nummern unter der Prämisse, dass man mit Bakers Stimme klar kommt, und ansonsten viel Leerlauf. Ausnahme ist meines Erachtens das Debut von 1980, das stark auf Radiotauglichkeit getrimmt wurde, soundtechnisch total nach 70er Hardrock klingt und lediglich zwei starke Nummern hat, die direkt am Anfang platziert wurden. Der Titeltrack Frost And Fire hat es aber in sich und ist bis heute mein Favorit von Cirith Ungol.
Die Band löste sich nach mäßigem kommerziellem Erfolg Anfang der 90er auf. Umso erstaunter war ich, als ich mitbekam, dass die Jungs, inzwischen zu Mittsechzigern gereift, 2020 ein neues Album raus gebracht haben und faktisch da anschließen, wo sie 1992 aufgehört haben. Selbst Tim Baker hat kaum nachgelassen und klingt immer noch wie eine Todesfee mit Halsschmerzen. Leider gilt auch hier, das nicht das gesamte Album hochklassig ist, nur fehlen freundlicherweise die totalen Rohrkrepierer. Meine Vermutung: nachdem die Band auseinandergegangen ist und jeder so sein Ding gemacht hat, sind sie jetzt alle im Rentenalter und haben zu viel Zeit. Da fragt einer die anderen "Und, woll'n wir noch mal?" und alle springen auf. Coole Sache.
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