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Sucker Punch

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Jed Clayton:

--- Zitat von: Robert am  8.11.2010 | 22:11 ---
Ich lass mich überraschen, Ersteindrücke: Doppeldecker, Drache, Battlemech, Gun Bunnies und Railgun-Samurai :d

--- Ende Zitat ---

Nun ja, das dachte ich ja zunächst auch. Aber genau diese Dinge sind eben nur Kostümierung, äußerliche Zierde und viel fauler Zauber. Da die Welt mit den Gun Bunnies und Monstern etc. pp. niemals wirklich "real" ist, noch nicht mal als Parallel- oder Alternativwelt (wie Oz, Narnia), hat sie auf die Story auch keinen wirklichen Einfluss. Es ist alles nur Verschleierung oder Sinnbild für andere Dinge, die bei Weitem nicht so spektakulär sind.

Das hat mich bei dem Film am meisten gestört.

Jed Clayton:

--- Zitat von: Teylen am  4.04.2011 | 11:51 ---Das Wort "Graphic Novel" [damit man nicht mehr "Comic" sagen muss, was so nach Unterhaltung klingt] haben nicht die Deutschen erfunden.

--- Ende Zitat ---

Graphic Novels sind aber mittlerweile eine ganz bestimmte Unterform von Comics, kein alternatives Wort. GNs sind in der Regel abgeschlossen und geben sich auch die Aura des Anspruchsvollen und Künstlerischen. Verlage promoten manche Comicbände als "Graphic Novels", um eine erwachsene Klientel anzusprechen, die ansonsten keine typischen Comics lesen würde.

@Thot:
Schöner Einwand, aber ich spreche nicht von Germanistikseminaren oder darüber, wie die Nachwelt unsere Zeit einmal beurteilen wird oder könnte. Ich spreche nur davon, wie die Dinge de facto HEUTE sind. Die Trennung zwischen Kunst und Unterhaltung ist real und hat damit auch einen realen Einfluss auf den Markt.

Jerry Cotton, Maddrax und Geisterjäger John Sinclair schafften es auch nicht zu Reich-Ranicki ins Literarische Quartett.

Teylen:

--- Zitat von: Calisota am  4.04.2011 | 17:21 ---Graphic Novels sind aber mittlerweile eine ganz bestimmte Unterform von Comics, kein alternatives Wort. GNs sind in der Regel abgeschlossen und geben sich auch die Aura des Anspruchsvollen und Künstlerischen. Verlage promoten manche Comicbände als "Graphic Novels", um eine erwachsene Klientel anzusprechen, die ansonsten keine typischen Comics lesen würde.
--- Ende Zitat ---
Jain, bzw. Ja. Graphic Novel wurde urspruenglich eingefuehrt um Comics mit anspruchsvolleren Themen sprachlich ein besseres Etikette zu geben bzw. sie aufzuwerten und wird mittlerweile als Etikett zur Aufwertung genutzt.
Pride and Prejudice and Zombies erschien direkt unter dem Etikette Graphic Novel, anstelle von Comic.
Die Einzelbaende zum Marvel Civil War erschienen iirc zunaechst als normale Comic Hefte, und spaeter in der TB Fassung, also mehrere gesammelt in einem robusteren Einband, mit dem Etikette der Graphic Novel [Ebenso zB die Marvel Zombie Reihe].

Ich muesste nach schauen, denke aber das es sich die Belgier einfach sparen Graphic Novel (oder Comic) auf die Comics drauf zu schreiben [Man findet sie dann normal unter Stripboeken, Stripverhaalen oder halt Comics]. Naja und auch allgemein die Werke nicht so nach Qualitaet / Anspruch sortieren.

Jiba:
Ja, der Jed hat da schon recht...

"Pride and Prejudice and Zombies" (den ich btw. als Graphic Novel eher daneben fand) erschien ja deshalb unter dem Label Graphic Novel, um ein erwachsenes Publikum anzusprechen. Selbiges gilt für den "Cash"-Comic, "Persepolis" und die großartigen Manga von Jiro Taniguchi.
Und die Frankobelgier müssen gar nicht Graphic Novel draufschreiben, weil die Akzeptanz von Comics als Literatur in diesen Ländern schon seit den Anfängen vorhanden war.

Dass es aber eine große Trennung zwischen Entertainment und Kunst gibt, würde ich immer noch bestreiten. Es gibt sicherlich Formate, die da Augenwischerei betreiben (z.B. DSDS, was ja effektiv damit arbeitet, dem Publikum die künstlerischen Talente der Kandidaten vorzugaukeln), aber es gibt viel, was mir spontan einfiele, was dieser Trennung nicht unterliegt. Ich nehme nochmal Charlotte Roches "Feuchtgebiete"... ein absoluter Bestseller, weswegen ich davon ausgehe, dass die Lektüre wohl sehr unterhaltsam gewesen ist (Entertainment), zugleich von den Kritikern hochgelobt und verrissen und allgemein kontrovers diskutiert (Kunst). Und das ist nur ein Beispiel: Filme von Tim Burton ziehen auch die Maßen ins Kino und sind mal eher "nur" unterhaltsam ("Alice im Wunderland"), mal mehr künstlerisch anspruchsvoll ("Big Fish"). Dasselbe gilt für Leute wie Quentin Tarantino oder die Coen-Brüder gleich doppelt. Bei Serien ist es genauso - "Lost" z.B. ist schon auch künstlerisch anspruchvoll, und wahrscheinlich sogar "Glee" auch. Und von den Leuten, die begonnen haben, Computer- und Videospiele auf ihren narrativen Anspruch hin zu untersuchen, will ich gar nicht erst anfangen - es sei nur gesagt, dass auch "Little Big Planet" zweifellos digitale Kunst ist.

Entertainment und Kunst haben somit einen Haufen Berührungspunkte. Ich würde sogar sagen, sie kommen ohneeinander inzwischen nicht mehr aus. Denn Kunst ohne Unterhaltungswert wird nicht mehr wahrgenommen, Entertainment ohne Kunst nicht ernstgenommen. Ich finde, dass die Trennung, die hier gemacht wird, gar nicht so ohne weiteres aufrecht zu erhalten ist. Dazu müsste man btw. auch erst einmal "Kunst" und "Entertainment" genau definieren. Dinge wie "Bildungsanspruch" oder sowas, fallen aus beidem irgendwie raus. Unsere Postmoderne Welt zeichnet sich gerade durch die Verschachtelung und Vermischung unterschiedlicher Codes und Zeichensysteme aus... damit auch unterschiedlicher Genres und unterschiedlicher Klientels und unterschiedlicher Ansprüche.

Ich fand "Sucker Punch" so gut, eben weil diese Welt im Kopf von Babydoll nicht real ist, weil sie für alles, was draußen passiert keine direkte (aber schon eine indirekte) Relevanz hat. Das ist nicht so platt, denn das Genre, wo sich Nichtskönner in eine Parallelwelt verirren, wo sie die Überactionhelden sind bedienen "Narnia" und "Harry Potter" schon zureichend. "Sucker Punch" ist eben kein Film wo die sexy Lolitas den bösen Jungs auf die Fresse geben, sondern einer, wo die sexy Lolitas von den bösen Jungs auf die Fresse kriegen! Und Babydolls Welt ist eben die Kompensation dieser Hilflosigkeit, aber eben nicht als Flucht in eine schöne heile Märchenwelt, wie bei vielen anderen Filmen, sondern eben in eine ebenso konfliktgeladene, in der sie und die Mädels die Konflikte aber besiegen können. Das, was "Sucker Punch" zu einem Top-Film fehlt ist meiner Meinung nach nicht die Tatsache, dass die Parallelwelt nicht echt ist (eines der großen Probleme von Burtons "Alice im Wunderland", so als Vergleich, war das Ende: der Film wäre besser gewesen, wenn sie aus dem Wunderland kommt und den nervösen Trottel trotzdem heiratet), sondern, dass ich zu wenig über die Figuren (inklusive Babydoll) erfahre und ihre Rollen in der Parallelwelt nur Platzhalter bleiben. Wenn das da gewesen wäre, hätte "Sucker Punch" möglicherweise in einer Liga mit Terry Gilliams "Tideland" und Tarsem Singhs "The Fall" gespielt (noch so zwei Filme, wo die Parallelwelt als psychologischer Ausdruck der Figuren nicht "real" ist).

Was man mit Sicherheit sagen kann, ist, dass "Sucker Punch" ein Autorenfilm ist und das es Snyder dabei wohl um Hommage und die eigene Filmästhetik gegangen ist, als er ihn schrieb. Das heißt für mich, dass der Film wohl zumindest einen ästhetischen Diskurs aufmacht. Und damit auch gut und gerne als Kunst bezeichnet werden kann, mit allen positiven und negativen Nebenbedeutungen, die man diesem Wort so geben mag.

alexandro:

--- Zitat von: Thot am  4.04.2011 | 16:15 ---Und deswegen ist Sucker Punch schlecht?  ;D
--- Ende Zitat ---

Nein.
Deswegen ist [EDIT: Watchmen] keine Kunst.

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