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Iron Sky

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Madner Kami:
Hab ihn mir vorhins reingezogen und der kleine Saal im lokalen Cinestar (um die 200 Plätze) war bei der 18Uhr-Vorstellung knackevoll (0, in Worten: Null freie Plätze). Hät ich so nicht erwartet, alldieweil nur wenig Werbung im Mainstreambereich für den Film lief und die Spätvorstellung im großen Saal (um die 700 Plätze) ist auch schon halb ausgebucht. Bin ja mal schwer gespannt, was der für Zahlen liefern wird. Ich war ja schon schwer überrascht, dass er überhaupt in einem Laden wie dem Cinestar läuft, aber, dass er dann gleich so gut anzulaufen scheint...

Zum Film selbst: Für das Budget hervorragende Effekte, gute Schauspieler (die männlichen Nazis waren allesamt so wunderbar over the Top durchgeknallt und die Schauspieler hatten sichtlich Spaß bei ihrer Arbeit), tonnenweise Anspielungen auf andere Filme (die Zusammenscheißszene aus "Der Untergang" hat zum Beispiel Eingang gefunden), aktuelle politische Themen und soziale Vorgänge und generell ein gutes Pacing. Der Soundtrack (von Laibach) passt stets dazu und die Geschichte ist so wunderbar trashig und dennoch allegorien- und anspielungsreich. Zum Ende hin wird er allerdings ein wenig schwach und dem Film hätte in diesem Bereich ein wenig mehr Action gut getan (mehr Kampfszenen mit Fußvolk und Technik, gerade die "Aushilfsdarthvader" der Nazis hatten zu wenig Screentime, ganz eindeutig und die Reichsflugscheiben sowieso), das hat Star Wreck besser hinbekommen.

Highlight: Ganz eindeutig der stilechte Auftritt des Mondführers im VW Käfer und der musikalische Ritt der Walküren, als Frau Wagner die Naziraumschiffe plättet.

Anmerkungen: Wenn möglich im englischen Original anschauen. In der Synchro dürften einige Witze verloren gegangen sein.

Jiba:
Auch gesehen (auf deutsch)... unser Kino war zwar klein, aber auch erstaunlich voll (22:00-Vorstellung am Karfreitag). Mir hat er insgesamt auch gefallen, obwohl ich sagen muss, dass er doch ein wenig schlechter als gehofft war - ein paar Logiklöcher, ein sehr freizügiger Umgang mit der Attraktivität von Naziuniformen (ich denke dass das ein Grund für die eher verhaltene Kritik von dem FAZ-Kinomenschen gewesen sein muss)... und ich hätte gerne noch beleuchtet gesehen, wie die Nazis auf den Mond gekommen sind. Mein Highlight war übrigens die Mondnazi-Interpretation des Tanzes mit der Weltkugel in Charlie Chaplins "Der Große Diktatur"... für mich die großartigste Homage im Film. Tatsächlich hätte mir aber die Schlussschlacht auch besser gefallen, wenn sie, keine Ahnung, bodenständiger gewesen wäre: Weniger internationale Raumschiffe, mehr Kampf zwischen Nazis und G.I.s oder Luftjägern und Reichsflugscheiben. Aber sonst: Ich habe nicht bereut, reingegangen zu sein und würde dem Film Kultstatus zurechnen - obwohl es vielleicht zu früh ist, das zu sagen.

Xemides:
Ich wrde ihn wohl erst auf DVD sehen können. In Lübeck läuft er nicht  wtf?

Darkling ["beurlaubt"]:
Ist es denn ein Film, den man im Kino gesehen haben sollte?

Madner Kami:

--- Zitat von: Jiba am  8.04.2012 | 10:47 ---[...] ein sehr freizügiger Umgang mit der Attraktivität von Naziuniformen (ich denke dass das ein Grund für die eher verhaltene Kritik von dem FAZ-Kinomenschen gewesen sein muss)...
--- Ende Zitat ---

Der Film bedient sich sehr vieler Klischees, die wahrscheinlich so manchem Normaldeutschen nicht geläufig sind. Deutsche Uniformen und ganz besonders SS-Uniformen werden oftmals als sehr attraktiv gesehen und das Spiel mit diesen Uniformen in Mode- und Undergroundkreisen ist garnicht mal so unüblich (daher auch die Szene mit der Umstylung im Film). Als Deutscher bekommt man das, meiner Meinung nach, noch am besten in japanischen Comics und Trickfilmen mit, weil dort teilweise extrem unbekümmert damit umgegangen wird und generell in dieser Kunstform fast alle Charaktermerkmale über Haare und Kleidung transportiert werden. So stellt zum Beispiel der typisch deutsche Stahlhelm immernoch ein Primärmerkmal für verbissen kämpfende, hochtrainierte Verbände dar und SS-artige Uniformen werden für Authoritätspersonen (egal ob auf der guten oder bösen Seite) als Standard angesehen.


--- Zitat von: Jiba am  8.04.2012 | 10:47 ---und ich hätte gerne noch beleuchtet gesehen, wie die Nazis auf den Mond gekommen sind.
--- Ende Zitat ---

Dazu gibt es ein Webcomic (und dieser wiederrum bedient sich einer anderen Naziverschwörungsgeschichte, die direkt mit dem Hanebuflugscheiben zusammenhängt: Neuschwabenland in der Antarktis - http://www.ironsky.net/sneakpeek/issueone/). Im Gegensatz zu anderen Filmemachern haben diese Leute hier allerdings verstanden, was wirklich für den Film wichtig ist und was eher interessantes Randmaterial ist. Dennoch wird natürlich vieles als gegeben vorausgesetzt, was man in Deutschland vermutlich eher nur in Eso-Neofolkzirkeln oder interessierten Lachdarüberkreisen kennt. Aber man kann es halt nicht jedem Kulturkreis recht machen :)


--- Zitat von: Jiba am  8.04.2012 | 10:47 --- Mein Highlight war übrigens die Mondnazi-Interpretation des Tanzes mit der Weltkugel in Charlie Chaplins "Der Große Diktatur"... für mich die großartigste Homage im Film.
--- Ende Zitat ---

Ja, auch ganz groß. "Chaplins bester 10-minütiger Kurzfilm." ;D


--- Zitat von: Darkling am  8.04.2012 | 18:17 ---Ist es denn ein Film, den man im Kino gesehen haben sollte?
--- Ende Zitat ---

Janein eher nicht. Es ist nicht verkehrt sich ihn dort anzusehen aber Szenen für die man unbedingt ins Kino gehen müsste gibt es leider eher nicht. Hier hätte ich mir gewünscht, dass die Macher des Films zum Beispiel die Bombastarchitektur der Nazis stärker genutzt hätten. Klar war die Mondbasis nur ein Abklatsch von dem, was Nazis so auf der Erde verbastelt hatten, aber riesige Maschinenhallen, der Helium-3 Abbau und auch die Nuklearschläge abschüttelnde "Götterdämmerung" haben doch irgendwie Größe und vor allem Masse vermissen lassen (gerade wenn man bedenkt was diese Geheimwaffe mal eben so mit dem Mond anstellt - Warum sind Palpatine/Vader/Tarkin da eigentlich nicht drauf gekommen? Ne ne, da braucht man erstmal wieder einen echen Nazi um das auf die richtig böse Art zu machen...). Den Machern merkt man dahingehend schon an, dass sie nicht viel Erfahrung mit der großen Leinwand haben, denn der Raum wird selten wirklich genutzt.

Warum man aber, meiner Meinung nach, unbedingt ins Kino gehen sollte um ihn sich dort anzusehen: Damit Kinobetreiber merken, dass es auch ein großes und zahlungswilliges Publikum abseits des Mainstreams gibt. ;)

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