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[Burning Wheel] oliof arbeitet sich durch die Regeln …
oliof:
Weiter gehts mit dem berühmt-berüchtigten Streitgespräch, dem Duel of Wits.
Hierbei geht es um die argumentatorische Auseinandersetzung zweier Redner, die gegenseitig versuchen, ihren Standpunkt durchzusetzen (die Regeln erwähnen ganz richtig, dass es nicht zwingend darum geht, den Gegenüber zu überzeugen). Es wird ein Body of Argument gebildet (quasi das abstrake Vermögen jeder Seite, Argumente und Einwände abzuwheren), und man versucht, den gegnerischen Body of Argument möglichst ohne eigene Verluste auf 0 zu reduzieren.
Der Trick hierbei ist das Scripting – Jede Runde im DoW besteht aus drei Phasen, für die man sich eines von 7 Manövern (Vom Thema Ablenken, Fintieren, Beleidigen, etc.) aussucht, und natürlich auch einen entsprechenden rollenspielerischen Ansatz. Zum Dualismus Würfeln–Reden kommt eine dritte, microtaktische Ebene hinzu, weil diese Manöver unterschiedlich gut aufeinander passen. Bei einigen Manövern haben Erfolg oder Fehlschlag bestimmte Auswirkungen, die nicht unbedingt direkt auf den Body of Argument wirken, sondern zum Beispiel das Manöver des Gegners neutralisieren oder dazu führt, dass der Gegner seine nächste geplante Aktion nicht ausführen kann. Dazu wird das ganze natürlich entsprechend der Absichten der beiden Seiten rollenspielerisch ausgestaltet.
Ein netter Dreh am Ganzen ist, dass die Gewinnerseite der Verliererseite Zugeständnisse machen muss, wenn ihr Body of Argument in Mitleidenschaft gezogen wurde. Dazu gibts noch ein paar Anmerkungen zum Duel of Wits in Gruppen: Es wird empfohlen, die Gruppe eigentlich nur helfen zu lassen oder gegebenenfalls die Punktemenge im Body of Argument zu erhöhen. Letzteres scheint mir aber doch arg synthetisch im Sinne von "Es kommen immer Gegner in passender Menge zur Gruppengrösse"; ich weiss nicht ob ich damit einverstanden bin.
Ich finde die Idee hinter dem System ganz elegant und es ist sicher auch ganz spassig, das mal zu spielen. Aber ich bin mir sicher, dass es besser wirkt, wenn es (nur) für die wirklich wichtigen Auseinandersetzungen herhalten muss (zum Beispiel würde ich nicht die Feilscherei um den Kaufpreis für eine Passage auf einem Schiff – für die es eh schon extra-Regeln gibt – mit einem Duel of Wits abkaspern wollen).
Nota Bene: Wer im Buch vorblättert wird sehen, dass die ausführlichen Kampfregeln auch so funktionieren (allerdings mit >10 Manövern). Es lohnt sich also, sich mit dieser Art Subsystem anzufreunden, wenn man mit BW in die Vollen gehen will. Persönlich bin ich ja mittlerweile von aufwändigen Social Conflict-Systemen nicht nur überzeugt, aber ich glaube, dass das Duel of Wits, wie ich schon schrieben hatte, in der korrekten Dosierung Spass machen kann.
Der Wray:
Alle Scripting Systeme sollten nur für wichtige Szenen hergenommen werden. DoW sollte im Idealfall nur gezückt werden, wenn:
1. Nach einigem hin und her Rollengespiele keine Einigung erzielt wird (beide Parteien schwafeln sich einfach nur voll).
2. Ein Kompromiss zwischen den Meinungen interessant wäre.
3. Wenn es Zuschauer/-hörer gibt, deren Meinungen zum Thema es zu beeinflussen gilt.
4. Die Spieler es einfordern.
Generell ist es ein gutes Zeichen, wenn die Spieler ein erweitertes Resolution System einfordern, weil ihnen viel an der Sache liegt. :)
Cheers,
Wray
Blechpirat:
Das hört sich ja echt spannend an, eine Art soziale Kampfregel, die den Namen auch verdient? Ich lese weiter gespannt mit, was du sonst so berichten wirst und vor allem, ob du mit der Menge an Crunch leben kannst.
oliof:
Je nu, der Wray hat es ja schon angedeutet: Man benutzt nur was man braucht und wenn es wichtig ist. Es kann kaum das Ziel sein, alle Regeln in einer Sitzung zu benutzen (wobei bei einem heissen Streitgespräch zwischen einem Magierkonzil und einer Söldnertruppe im folgenden Kampf durchaus eine Menege zusammenkommen könnte – aber das hake ich mal als hypothetisches Problem ab).
Und ja, DoW ist ein soziales Kampfsystem, das seinen Namen verdient.
Alex Schröder:
Harald fasst das gut zusammen. Im Spiel fand ich die Sache dann manchmal seltsam, aber das hat auch mit meinen aktuellen Präferenzen zu tun: weil wir am Tisch reden können, und mir das Spaß macht, beargwöhne ich alle Regeln, die dies potentiell reduzieren. Im BW soll ja jedes Manöver auch kurz angespielt werden: ein wirkliches Argument, eine wirkliche Beleidigung, eine wirkliche Ablenkung. In meinen wenigen Runden ist das aber immer etwas holprig gewesen und ganz und gar nicht im Sinne Fëanors ein System, dass mit der Zeit in den Hintergrund entschwindet. Diesen Spagat von Würfelspiel, Schere-Stein-Papier und freiem Rollenspiel fand ich deswegen zwar interessant aber auch sehr gewöhnungsbedürftig.
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