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War in True Grit: Western-Smalltalk/Filmemacher & Gesellschaft
Chaosdada:
--- Zitat von: Alrik am 2.03.2011 | 02:42 ---Vollste Zustimmung! Das ist auch der Grund, warum in Deutschland keine Western gedreht wurden, und viel mehr noch warum es so wenige Actionfilme gibt. Dieses Genre passt einfach nicht in das Gesellschaftsbild.
--- Ende Zitat ---
Nein, das Genre passt einfach nicht ins Landschaftbild. Etliche Italo-Western wurden mit deutscher Beteiligung gedreht (zumeist in Spanien) und es wurden auch durchaus in Deutschland welche gedreht. Und bei den Actionfilmen liegt die eher spärliche Ausbeute wohl eher an den Kosten, denn angeschaut werden Actionfilme in Deutschland ja schon; ebenso wie die noch viel seltener produzierten, teuren Science Fiction Filme.
--- Zitat ---Leider kann ich aber irgendwie nicht so einfach da sitzen und sagen: Wer die Filme zu ernst nimmt, ist halt ein Idiot! Ich mag ungern nur da sitzen und schauen, was die Cowboys so als naechstes machen, waehrend ich mir denke: Puh, ein Glueck bin ich nicht so doof!
--- Ende Zitat ---
Tja, das ist Pech. Verhindern dass sie solche Filme schauen kannst du wohl auch nicht.
--- Zitat ---[Ninja Edit] Oha und mit dem "Sie bekommen ja auch die echte Welt zu sehen!" waer ich nicht so laut...
--- Ende Zitat ---
Wie jetzt? Bekommen sie nicht? Oder meinst du nur durch die Foxnews-Linse?
Alrik:
--- Zitat von: Chaosdada am 2.03.2011 | 03:02 ---Nein, das Genre passt einfach nicht ins Landschaftbild. Etliche Italo-Western wurden mit deutscher Beteiligung gedreht (zumeist in Spanien) und es wurden auch durchaus in Deutschland welche gedreht. Und bei den Actionfilmen liegt die eher spärliche Ausbeute wohl eher an den Kosten, denn angeschaut werden Actionfilme in Deutschland ja schon; ebenso wie die noch viel seltener produzierten, teuren Science Fiction Filme.
--- Ende Zitat ---
Haha, ich wuerd super gerne einen schoenen Western in Friesland sehen! Hihi, mit Kuehen statt Bisons und Leuchttuermen anstelle von Wassertuermen, mit Moewen, die durchs Bild fliegen anstelle von Gestruepp :D
Nein im Ernst: Deine Argumente sind alle richtig. Western passt nicht ins Landschaftsbild, Actionfilme sind teuer. Aber ist die deutsche Filmindustrie wirklich zu arm oder wird das Geld nur lieber woanders investiert? In Frankreich scheint es mir im uebrigen aehnlich zu sein. Eine Skurrilitaet scheint mir da Daenemark zu sein.
--- Zitat ---Tja, das ist Pech. Verhindern dass sie solche Filme schauen kannst du wohl auch nicht.
--- Ende Zitat ---
Ne, aber drueber reden und so Aufmerksamkeit auf das Problem lenken.
--- Zitat ---Wie jetzt? Bekommen sie nicht? Oder meinst du nur durch die Foxnews-Linse?
--- Ende Zitat ---
Fox ist ja eigentlich nur eine Karikatur dessen, wie weit man es treiben kann. Traurigerweise wird Foxnews jedoch nicht als Satire sondern als Nachrichtensender wahrgenommen. Es funktioniert und die Leute, die dahinter stecken, wissen genau, wie sie ihre Propaganda unters Volk bringen koennen :puke:
In Deutschland gibt's da natuerlich die Bild als Sprachrohr der Konservativen. Aber auch alle anderen Zeitungen werden nicht neutral, sondern unter Beruecksichtigung von Interessengruppen herausgegeben. Da geht's nicht primaer um das Beduerfnis die Wahrheit (was auch immer das ist) zu verbreiten, sondern um Geld und Interessen. Das mag jetzt sehr verschwoererisch klingen, aber so ist's. Auch die New York Times, eine fuer amerikanische Verhaeltnisse linkere Tageszeitung, kann nicht schreiben was sie will und bietet ein gefaerbten Blick auf das Gesamtbild.
Die Frage, ob das gut oder schlecht ist, kann sich jeder selber stellen. Wichtig ist nur, dass man sich dessen bewusst ist und nicht alles einfach so hin nimmt. Ich glaube ja auch, dass die meisten das tun. Aber gibt es eben genug Menschen, die das nicht tun und deshalb mag ich so gern darueber reden.
Aehm... Ich bin jetzt etwas von dem Thema Film abgedriftet... also Handbremse gezogen, um noch die Kurve zu kriegen:
Zu einem aehnlichen Teil wird IMO auch die Filmbranche beeinflusst. Gerade Hollywood steht sehr unter der Beobachtung von Washington, ganz zu schweigen von etlichen Grosskonzernen. Beide gewaehrleisten ihre Interessen durch den Fluss von Geld. Das hoert sich jetzt so an, als ob ein Regisseur, nachdem er sein Skript etwas feinpoliert hat, sich ein Saeckchen Dollars als Belohnung vom Barack abholen darf. So offensichtlich geschieht das natuerlich nicht, sondern viel subtiler. Da gibt's genauso wie in Washington Lobbying und viele Personen, die ordentlich Einfluss ausueben koennen. So wird auch entschieden, welcher Film ein Erfolg wird und welcher nicht (hallo Oscars!).
Ich will damit nicht sagen, dass Hollywood ein Haufen korrupter Arschgeigen ist. Zum Glueck nicht! Es gibt genug Ausnahmen und dem Spaghettimonster sei Dank gibt es ja auch noch das Independent Kino. ABER: So voellig frei ist diese ganze Branche eben nicht.
Chaosdada:
--- Zitat von: Alrik am 2.03.2011 | 04:23 ---Nein im Ernst: Deine Argumente sind alle richtig. Western passt nicht ins Landschaftsbild, Actionfilme sind teuer. Aber ist die deutsche Filmindustrie wirklich zu arm oder wird das Geld nur lieber woanders investiert? In Frankreich scheint es mir im uebrigen aehnlich zu sein. Eine Skurrilitaet scheint mir da Daenemark zu sein.
--- Ende Zitat ---
Die deutsche Filmindustrie ist vergleichsweise wirklich sehr arm und es werden durchaus Actionserien gemacht, z.B. Alarm für Kobra 11, Der Clown (mit eigenem Kinofilm), Lasco. Western werden heute sowieso nur noch selten gedreht und eigentlich ist es natürlich ein uramerikanisches Genre - das gab es ja in Europa eigentlich vor allem im Zuge der Nachahmungswelle der billigen, aber extrem erfolgreichen, frühen Italo-Western. Deshalb gibt es auch nur wenige Französische Western (waren z.B. beteiligt an Winnetou und erst vor kurzem haben sie eine Lucky Luke-Verfilmung gemacht), Actionfilme allerdings sehr viele.
Dänische Western kenne ich eigentlich gar keine, und ich glaube es gibt die auch nicht wirklich - wie ich gerade ergoogelt habe, ist "dänischer Western" ein Synonym für Pornofilm. ;D
Mit der echten Welt meinte ich vor allem so richtig von Angesicht zu Angesicht. Das sollte eigentlich maßgeblich für den Umgang mit anderen Menschen sein.
Jede Nachricht, die mit einem Kommentar versehen ist, ist selbstverständlich immer mit Meinung angereichert. Mit dpa-Meldungen bekommt man aber keine Zeitung voll, geschweige denn einen 24-Stunden-Nachrichtensender. Im Internetzeitalter, kann man aber die meisten Nachrichten mit wenigen Klicks aus mehreren verschiedenen Blickwinkeln sehen.
--- Zitat ---. Auch die New York Times, eine fuer amerikanische Verhaeltnisse linkere Tageszeitung, kann nicht schreiben was sie will und bietet ein gefaerbten Blick auf das Gesamtbild.
--- Ende Zitat ---
Wenn sie schreiben könnten, was sie wollten, würden sie auch einen gefärbten Blick bieten, nur eben einen anders gefärbten.
Wenn man Teil einer Milliardenindustrie ist und zig Millionen Budget für einen Film hat, ist es klar, dass man nicht die Freiheit unabhängiger Filmschaffender hat. Diese Beschränkungen künstlerischer Freiheit sind aber bestimmt in erster Linie darauf abgezielt den Umsatz zu steigern, nicht irgendwelche politischen Ziele zu verfolgen - wenn die Leute etwas bestimmtes sehen wollen, geben sie es ihnen halt. Die überwältigende Mehrheit der Filme hat auch gar nicht den Anspruch zu informieren, aufzuklären oder die Welt sonstwie zu verbessern. Wenn sie also für die ein oder andere Art von Werbung bezahlt werden, finde ich das legitim.
Und bezüglich der Oscars: Ich finde zwar nicht, dass The King's Speech der beste Film des letzten Jahres war, aber für welche Gruppierung war er denn nun besonders hilfreich. Stotterer?
Lyonesse:
Gut, der Western, der amerikanische Heimatfilm, ist im Vergleich zu früheren Jahrzehnten in den Hintergrund getreten oder hat Ersatz-Genres Platz gemacht, das zeichnete sich aber schon in den 60er Jahren ab - wo der Western eher ins Fernsehen wanderte, als auf der Leinwand aufzutrumpfen - und hat imho nur bedingt mit dem Flop von 'Heaven's Gate', Anfang der 80er zu tun. Dennoch ist mir ein guter Western alle paar Jahre lieber, als eine Horde doch oft recht durchschnittlicher Produktionen vergangener Zeiten - wir erinnern uns eben nur noch an die guten Klassiker (mit oder ohne dem Duke) und nicht an die Hundertschaften mieser Durchschnittskost, die inzwischen durchs Rost gefallen sind.
Filmstudios wollen in erster Linie Geld verdienen und das in einem doch recht riskanten Geschäft. Da muß dann ein Streifen, der Kohle bringt, die anderen 10, die Flops waren, mitfinanzieren. Und wenn Western relativ teuer sind und dann doch nicht so gut laufen, warum sollte man dann welche drehen? So gesehen, sind auch die Coens auf Nummer Sicher gegangen und haben sich lieber am Remake eines berühmten Films versucht, als an einem neuen Stoff - wie ich es eigentlich von ihnen erwartet hätte.
Der Piratenfilm war auch tot, bis Johnny Depp ihm wieder Leben eingehaucht hat. Dennoch führte das nicht zu einer wirklichen Rennaissance der Freibeuter, und auch ein großer Publikumserfolg beim Western, wird nicht automatisch die 50er Jahre zurückbringen, wo haufenweise Western gedreht wurden.
Die Zeiten haben sich geändert, aber dennoch ist mir der Western immer noch zu sehr seinen alten Hollywoodwurzeln verhaftet. So werden nie farbige Cowboys gezeigt, obwohl es einen ganzen Haufen davon gab, und auch Einwanderer aus nicht-angelsächsischen Ländern spielen eigentlich eine viel zu untergeordnete Rolle. Wo sind etwa die Massen von Deutschen, die in Texas herumrannten? Das führt dazu, dass man sich verwundert die Augen reibt, wenn in 'Heaven's Gate' auf einmal russische Farmer mitspielen - ein Zeichen dafür, dass das viel zu selten im Western umgesetzt wurde.
Lyonesse:
--- Zitat von: Chaosdada am 2.03.2011 | 14:41 ---Die deutsche Filmindustrie ist vergleichsweise wirklich sehr arm und es werden durchaus Actionserien gemacht, z.B. Alarm für Kobra 11, Der Clown (mit eigenem Kinofilm), Lasco.
--- Ende Zitat ---
Alles hervorragende Beispiele für Füllsel zwischen den Werbeblöcken, die immer nach dem gleichen Strickmuster ablaufen, und höchstens noch als Anschauungsmaterial für die Stuntschule taugen. Aus deutschen Landen kommt praktisch nichts was der Rede wert wäre, nicht im Fernsehen und erst recht nicht im Kino - und nach dem frühen Tod von Bernd Eichinger, wird es da wohl noch düsterer werden.
Die einzigen deutschen Serien, die mich in den vergangenen Jahren überzeugen konnten, waren KDD - Kriminaldauerdienst - die war wirklich hervorragend und wurde natürlich von keinem Schwein gesehen - und vielleicht noch die etwas überdrehte Nachtschicht-Reihe mit u.a. Armin Rohde. Ansonsten lehne ich Krimis inzwischen kategorisch ab, was einerseits mit einer totalen Übersättigung an diesem Genre und der Durchschnittskost zusammenhängt, die da geboten wird (merke: der Mörder ist immer die Person, die am unauffälligsten ist und in der Regel auch am wenigsten Screentime hat).
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