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War in True Grit: Western-Smalltalk/Filmemacher & Gesellschaft
Kurna:
--- Zitat von: Chaosdada am 4.03.2011 | 03:18 ---Was allerdings eine lächerliche Behauptung wäre.
Churchhill wurde wohl (ein paar Sekunden lang) eingebaut, um den Kontext in Erinnerung zu rufen und weil er eine extrem beliebte und bekannte Figur ist. Irgendeinen Vorteil für Konservative bringt das nicht. Und auf die außenpolitischen Einstellungen von König und Königin wird nicht eingegangen; die einzige Stelle an der das überhaupt relevant wird, ist die Rede, wo er auch ziemlich milde spricht. Im Übrigen ist Appeasement eigentlich eine sehr vernünftige Sache, aber Politik spielt in dem Film nun mal keine Rolle.
Das Thema des Films hängt stark damit zusammen, dass der König für seine Aufgaben völlig ungeeignet ist, was eher anti-royalistisch wäre. Sein Vorgänger ist ja sogar so ungeeignet, dass er abtreten muss.
--- Ende Zitat ---
Churchill ist schon deutlich länger als nur ein paar Sekunden im Bild. Er macht ja fast den Eindruck, als wäre er der wichtigste politische Berater der Royals.
Und unabhängig davon, was Du (oder ich) von der Appeasementpolitik halten, im heutigen UK gilt sie weitgehend als großer Fehler. Insofern werden also eindeutig sowohl Churchill als auch George und Elizabeth für das relevante Publikum (sprich: die Leute in Großbritannien) in ein positiveres Licht gestellt als es den Tatsachen entspricht. Es ist ja auch kein Zufall, dass der Film gerade der jetzigen Queen so sehr gefallen hat.
Und das George VI. trotz seiner Schwierigkeiten quasi "in der Stunde der Not über sich hinausgewachsen ist" wird in Großbritannien sicher kaum jemand als negativ für das Königshaus auslegen.
Insofern finde ich, dass die Tendenz der Änderungen von historischen Fakten schon eindeutig ist. Nichtsdestotrotz würde ich deshalb natürlich auch nicht gleich sagen, dass wäre jetzt ein Propagandafilm. Oder auch nur, dass es ein wichtiger Aspekt des Films wäre. Nur für Zufall halte ich es dennoch auch nicht.
Es ist ja auch nicht überraschend, wenn man bedenkt, dass der Drehbuchautor David Seidler bei Queen Mum (also der Königin Elizabeth aus dem Film) um Erlaubnis gefragt hatte, ob er diesen Film über ihren (zu dem Zeitpunkt schon verstorbenen) Ehemann machen dürfe. Ihre Bitte war, nicht zu ihren Lebzeiten, woran er sich dann ja auch gehalten hat.
Tschuess,
Kurna
Chaosdada:
--- Zitat von: Kurna am 5.03.2011 | 05:13 ---Churchill ist schon deutlich länger als nur ein paar Sekunden im Bild. Er macht ja fast den Eindruck, als wäre er der wichtigste politische Berater der Royals.
--- Ende Zitat ---
Kommt drauf an, was du unter ein paar verstehst, auf jeden Fall extrem kurz. Und als wichtiger Berater für den König erscheint er definitiv nicht.
--- Zitat ---Insofern werden also eindeutig sowohl Churchill als auch George und Elizabeth für das relevante Publikum (sprich: die Leute in Großbritannien) in ein positiveres Licht gestellt als es den Tatsachen entspricht.
--- Ende Zitat ---
Churchhills Unterstützung für diesen oder jenen König gereicht ihm nicht zum Vorteil (hätte George wegen seiner Unterstützung der Appeasement-Politik einen schlechten Ruf, wäre diese Änderung ja höchstens zu Churchhills Nachteil) und angesichts seiner Glorifizierung ist es extrem schwer ihn in ein besseres Licht zu stellen, als in dem er sich schon befindet.
Und auf die politische Position des Königs wird nicht eingegangen, daher ist es gar nicht möglich, dass der Film dahingehend von der Wirklichkeit abweicht.
--- Zitat ---Und das George VI. trotz seiner Schwierigkeiten quasi "in der Stunde der Not über sich hinausgewachsen ist" wird in Großbritannien sicher kaum jemand als negativ für das Königshaus auslegen.
--- Ende Zitat ---
Er ist nach wie vor ein miserabler Redner und wird als ganz normaler Mensch mit Problemen dargestellt. Man wird es ihm nicht vorhalten, eben weil man ihn privat sieht, mit Schwierigkeiten kämpfend, und Sympathie für ihn hat. Es wird allerdings kaum den Glauben stärken, dass ein solcher gewöhnlicher und für seine Aufgaben nicht sonderlich geeigneter Mann spezielle Privilegien haben sollte, die ihn nicht mal glücklich machen.
--- Zitat ---Insofern finde ich, dass die Tendenz der Änderungen von historischen Fakten schon eindeutig ist.
--- Ende Zitat ---
Außer der kurzen Anwesenheit Churchhills, die ich nicht als Teil einer derartigen Tendenz sehe, welche konkreten Änderungen meinst du?
Kurna:
Hi Chaosdada,
Churchills Unterstützung von Edward VIII. (der immerhin ziemlich nazifreundlich war), gilt im heutigen Großbritannien nun wirklich nicht als positiv. Das ist eigentlich der große Makel auf seiner Weste und es dermaßen umzukehren, lässt ihn dort automatisch in einem deutlich besseren Licht erscheinen.
Ähnlich ist es mit Georges und Elizabeths Unterstützung der Appeasement-Politik. Die gilt im heutigen UK als negativ -> der Aspekt wird im Film verschwiegen -> sie erscheinen positiver.
Tendenz also: Bei bestimmten Personen werden negative Aspekte entweder verschwiegen oder sogar bewusst in (historisch nicht korrekte) positive geändert. Welche Schlüsse man daraus zieht, sei jedem selbst überlassen.
Zum Vergleich:
Man hatte ja z.B. kein Problem damit, den Erzbischof (der ähnlich viel Screentime hatte wie Churchill) als Einschleimer darzustellen, der sich gleich bei Edward nach dem Tod des alten Königs anbiedert. Dabei war der historisch deutlich eher gegen Edward eingestellt als Churchill.
Wo Du aber sicher Recht hast (das hatte ich schon im letzten Post schreiben wollen, aber vergessen), dass es bei Churchill natürlich auch um den großen Wiedererkennungswert geht. Z.B. bei der großen Radiorede am Ende geben die Filmemacher selbst zu, dass es historisch so nicht abgelaufen war. Da waren natürlich keine Politiker dabei, sondern höchstens ein paar Hofangestellte. Aber die hätte dann keiner erkannt, so dass sie an der Stelle die Politiker benutzt haben.
Tschuess,
Kurna
Chaosdada:
--- Zitat von: Kurna am 5.03.2011 | 15:13 ---Ähnlich ist es mit Georges und Elizabeths Unterstützung der Appeasement-Politik. Die gilt im heutigen UK als negativ -> der Aspekt wird im Film verschwiegen -> sie erscheinen positiver.
--- Ende Zitat ---
Nein. Verschweigen würde bedeuten, dass etwas Wichtiges mit einer bestimmten Absicht weglassen würde (und selbst dann ist es keine Änderung geschichtlicher Fakten). Georges Einstellung zu den Nazis hat aber null Relevanz für die Geschichte und er sagt auch nichts negatives über sie oder Hitler.
Die Außenpolitik von Neville Chamberlain und Konsorten wird natürlich als negativ betrachtet; im Nachhinein. Abgesehen davon: Wenn George ein starker Unterstützer des Appeasements war, wie es dann so schrecklich sein seinen Vorgänger zu unterstützen, nur weil er nazifreundlich war?
Lyonesse:
WTF? 'The King's Speech' bekommt 95% bei Rotten Tomatoes? Anscheinend haben die alle einen komplett anderen Film gesehen, als ich. Das Darstellertrio war insgesamt überzeugend, aber der Streifen war mir zu vorhersehbar und hat sein durchaus vorhandenes Potential gar nicht ausgeschöpft. Aber wir kennen das, Filme über körperlich Benachteiligte werden ja häufig mit überdurchschnittlich viel Wohlwollen aufgenommen, und hier kommen dann noch die allseits beliebten Royals hinzu. Um es klar zu sagen, 'The King's Speech' ist ganz und gar kein schlechter Film, aber ein alles überragendes, großartiges Meisterwerk ist er auch nicht.
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