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[Europa - alternatives Mittelalter]
Boba Fett:
Was ist mit dem römischen Glauben an Jupiter und Konsorten?
Wenn das Christentum dieser Religion nicht den gar ausgemacht hat, wieviel blieb davon und inwiefern hat sich das vielleicht prägend auf Europa ausgewirkt?
(Immerhin kann der nordische Glauben an Odin und Thor (etc.) ja auch durchaus durch die römische Besatzung in Germanien inspiriert worden sein)
Da dieser Glauben ja mit anderen Göttern durchaus toleranter umging (die "keine anderen götter haben ausser mich" ist ja eine monotheistische Sache) und teilweise sogar Götter in den eigenen Pantheon importierte (zB die Musen), könnte dies als Staatsreligion sich durchgesetzt haben, weil niemand Probleme gehabt haben muss, seinen alten Göttern abzuschwören...
@Belchion: Wenn es keine christlichen Klöster und Missionierungen gegeben hat, muss es ja nicht bedeuten, dass statt dessen nichts alternatives existierte. Es kann andere Tempel gegeben haben, es kann auch andere Missionierungen oder Glaubenskriege gegeben haben.
Nur ersatzlos zu streichen, finde ich etwas einfallslos.
Ein:
Ich würde ja fast behaupten, dass selbst ohne Christentum sich nicht viel ändern würde, da die bürokratischen Strukturen des Mittelalters eine Mischung aus römischen und germanischen Ideen waren und die wissenschaftlichen Grundlagen des Mittelalters auf Ideen aus dem Mittelmeerraum basieren. Das Christentum war nur für den religiösen Oberbau da und selbst dieser ist sehr stark griechisch-römisch geprägt.
Terrorbeagle:
Ich zeichne hier mal ein sehr kirchenfreundliches Bild. Wer will, kann das natürlich anders sehen.
* Ohne Staatsreligion als einigendes Element beschleunigt sich der Verfall des römischen Reiches und streckt sich auch auf das oströmische Reich aus. Die verschiedenen Barbarischen Invasionen fallen schwerer aus, und betreffen nicht nur Rom, sondern auch Konstantinopel. Der damit verbundene Verlust an Wissen und Macht fällt daher schwerwiegender aus als er dies in der Europäischen Geschichte tatsächlich tat.
* Nach dem Zusammenfall des römischen Reiches findet die historsiche Verquickung von weltlicher Macht und geistlicher Macht nicht im gliechen Maße statt - an stelle einer übergeordneten Kirche, die eine übergeordnete Struktur bietet, bilden sich nur Kultee von regionaler Bedeutung und regionalem Einfluss aus. Diese fehlende Verbindung hat zur Folge, dass die gerade durch die kirchlichen Instanzen mitgetragene Infrastruktur und Stützen der Gesellschaft deutlich schwächer ausgebildet werden. Dies hat zur Folge, dass es weniger Aufzeichnungen und Überlieferungsmöglichkeiten gibt, und die Infrastruktur für größere staatlichen Strukturen nicht gegeben sind: Anstelle von größeren Reichen wie etwa dem der Karolinger und das nachfolgende HRRDN bilden sich nur eine Vielzahl von Stammsfürstentümern, die jeweils nur über kleine Territorien verfügen und selten über regionale Bedeutung hinaus wachsen.
* Durch das Fehlen dieser staatlichen Infrastruktur bleiben gerade die Gebiete, die nie oder nur kurz zum römischen Reich gehörten weitaus langsamer weiter und sind noch stärker von der starken Zersplitterung und der fehlenden Infrastruktur betroffen. Dies führt zu einem deutlichen Gefälle zwischen Süd- und Nordeuropa (Je nach dem wie sich das oströmische Reich schlägt kann es sein, dass sich in der Balkanregion eine stärkere Infrasstruktur ausbildet und so etwas wie ein bulgarisches oder Großreich heranwächst und überregionale Bedeutung erlangt. Die Konsequenz wäre ein etwas anderes Europa als das hier geschilderte, dass weniger von der römisch-fränkisch-christlichen Tradition der Karolinger und Konsorten und mehr in einer slawisch-griechisch-oströmischen Tradition stehen würde.)
* Ohne kirchliche Einrichtungen insbesondere Klöster bilden sich keine "Haltepunkte" für das Wiedergewinnen des Wissens der Antike oder andere Formen der Schulen. So etwas wie die karolingische Rennaissance findet nicht statt - der Verlust an Wissen, der ohnehin schon gravierender ausgefallen ist, kann somit auch nur weitaus schwieriger wettgemacht werden, und ist daher auch weitaus nachhaltiger.
* Ohne die Infrastruktur und die starke Zersplitterung des Kontinents in kleine, regionale Strukturen sind auch die Urbarmachung und Städtegündung weitaus weniger wichtige Phänomene, zudem es keine Klöster als "Keimzellen" für Städte gibt. Weite Teile Europas bleiben daher von dichten Wäldern bedeckt, Städte sind eine seltene Ausnahme, große Städte sowieso.
* Die stark zerfaserte Landschaft und die fehlende Instanz der Vermittlung und der Kommunikation sorgen für ein weitaus konfliktträchtigeres Leben - allerdings ist es wahrscheinlich, dass sich dementsprechend relativ bald eine starke Ritualisierung von Auseinandersetzung stattfindet, da die verschiedenen Klein- und Kleinstfürstentümer nicht die Ressourcen haben, längere oder intensivere Konflikte zu bewältigen.
* Plünderer, Invasoren und Briganten von ausserhalb - Nordleute, Magyaren, Turk-Völker und dergleichen - stoßen auf wenig Widerstand und können relativ schnell eigene staatliche Strukturen etablieren, die aber unter den gleichen Problemen leiden wie auch die vorher bestehenden Reiche - namentlich die schwache Infrastruktur. Die Etablierung dieser zusätzlichen Invasorenreiche tragen zur starken Heterogenität des Landes bei.
* Völlig unbeeindruckt von Christemtum und Islam macht sich ein ehrgeiziger junger Mann namens Timujin auf, die Stämme seiner Umgebung zu einen. Seine Nachfolger werden auf ihrem Weg nach Westen nicht mit dem selben Grade an Widerstand konfrontiert und können ihren Einflussbereich daher weitaus weiter ausdehen, als dies in der tatsächlichen Historie der Fall gewesen ist. Erst durch die Mongolenherrschaft werden eine allgemeine Verkehrssprache und eine stark überregionale Vernetzung erreicht. Viele Begriffe von Hierarchie und das Verständnis von Macht und Herrschaft wird stark von der mongolischen Herrschaftsstruktur geprägt und auch wenn das eigentliche Mongolische Reich unter unterschieldich erfolgreichen Herrschern größer oder kleiner wird, bilden sich im größeren Umkreis Khanate nach mongolischem Vorbild aus wobei aber die sehr unterschiedliche Lebenssituation dazu beiträgt, dass die Verquickung mit Mongolischen Traditionen eher ideologischer oder philosophischer Natur als eine Übernahme des Lebensstils.
Sphärenwanderer:
--- Zitat ---@Belchion: Wenn es keine christlichen Klöster und Missionierungen gegeben hat, muss es ja nicht bedeuten, dass statt dessen nichts alternatives existierte. Es kann andere Tempel gegeben haben, es kann auch andere Missionierungen oder Glaubenskriege gegeben haben.
Nur ersatzlos zu streichen, finde ich etwas einfallslos.
--- Ende Zitat ---
Geht es hier um einfallslos oder plausibel? Ich glaube auch nicht, dass ohne das Christentum viel von den damaligen Aufzeichnungen erhalten geblieben wäre. Dafür war das christliche Weltverständnis im Mittelalter entscheidend - und dieses basierte nunmal auf der Schöpfung durch einen einzigen Gott. Ohne diesen Faktor hätte die Überlieferung der alten Werke mit ziemlicher Sicherheit nicht stattgefunden. Und ich dachte, es gehe hier darum, die Geschichte möglichst plausibel mit anderen Voraussetungen weiterzuspinnen, nicht sich hanebüchene Storys auszudenken, wie ein gewünschtes Ergebnis erreicht werden könnte.
Insofern kann ich dem Beitrag vom lachenden Mann nur zustimmen.
Gasbow:
Kam die Rolle der Kirche und insbesondere der Klöster als Bewahrer des Wissens nicht erst nach dem Untergang Roms auf?
Falls ja würde ja zumindest was den Verlust des Wissens angeht, das Christentum bis zu dem Zeitpunkt keinen großen Unterschied machen.
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