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Asiatische Filme (in China ins Kino)

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Nocturama:
Ich werde mal ein bisschen berichten, was für Filme ich hier in China im Kino sehe. Vielleicht interessiert’s den einen oder anderen und, wer weiß, vielleicht möchte sich ja jemand mit Filmen aus anderen asiatischen Ländern beteiligen. Ich wäre interessiert  ;)

Ich fange mal mit dem Film an, den ich zuletzt gesehen habe (vorgestern) und arbeite mich von da aus weiter durch.

Zhanguo (战国) – The Warring States

Ein Film, der meine Erwartungen so gar nicht erfüllt hat. Ich habe mit einem knalligen Wuxia-Schinken oder mit einem Film gerechnet, der mir schon wieder irgendwelchen patriotischen Nonsens über den tollen chinesischen Staat verkaufen will… Nein, die Botschaft war das wenig originelle: „Krieg ist immer doof“, aber davon bekomme ich wenigstens kein Augenzucken.
Der Film hätte auch „Sun Bin“ heißen können, um den ging es nämlich. Sun Bin, Erbe des berühmten Strategen Sunzi… der eigentlich gar nichts von Krieg wissen will. Er will weder dem Staat Wei, noch dem Staat Qi dienen, sondern lieber kichern und Pferdewiehern nachmachen. So ganz schlau bin ich aus der Figur nicht geworden: Soll Bin ein Autist sein? Der weise Narr? Oder ist das ganze nur eine Show, um nicht in die ganze Kriegssache reingezogen zu werden?
Der erste Teil des Films zeigt die lustige Lovestory unseres Forrest Gump Sun Bin mit der knallharten Generalin Tian Xi und seine Versuche, sich dem Krieg zu entziehen.
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Im zweiten Teil wird Bing von seinem Schülerkollegen nach Wei geschleppt und ordentlich gefoltert, um die Geheimnisse seines Lehrers aufzuschreiben. Bin weigert sich aber standhaft (oder nicht, harhar, nachdem ihm die Beine gelähmt werden).
Der letzte Teil schließlich bringt Bin zurück nach Qi, wo er sich dem Krieg nicht mehr entziehen kann. Erst jetzt packt er seine Fähigkeiten als Stratege aus und was er nach dem Sieg tut, kann sich vermutlich jeder Kenner asiatischer Filme denken.

Fazit: Kein toller Film, aber auch kein totaler Reinfall. Nicht gut, weil er zu unentschlossen (Komödie? Historienschinken? Lovestory?) war und die Mischung nicht so recht gelungen ist. Gegen Ende hat sich der Film auch etwas gezogen. Die Lovestory selbst fand ich etwas schräg, aber eine ähnliche Geschiche fand ich schon in Forrest Gump seltsam (herzensgut hin oder her, anziehend war Sun Bin nicht).
Trotzdem hat der Film seine Momente. Die Interpretation von Sun Bin ist unerwartet, aber interessant, das Verhältnis zu seinem Blutsbruder Pang Juan glaubhaft. Und endlich mal Streitende Reiche, ohne dass man auf Qin rumreitet!
Für Qin-Spieler sicher nicht uninteressant, immerhin ist das genau die Zeit des RPGs. Naja, die Kostüme und Ausstattung sind sicher nicht authentisch, aber sehr schön anzusehen. Und dann die quer über Berge geschrienen Verhandlungen zu Anfang und die Friedenskonferenz aller Könige...

Nocturama:
Jianyu (剑雨) - Reign of Assassins



Einer der ersten Filme, die ich mir hier angesehen habe – ein guter Auftakt, besonders da ich davor den unsäglichen ZhangYimou „Love under a Hawthorn Tree“ gesehen hatte…

Aber nun zu Jianyu, dessen chinesischer und englischer Titel beide Wortspiele sind. „Jianyu“ bedeutet „Schwerterregen“ – Schwerter, weil es ein Wuxiafilm ist und Regen, weil der Name der Protagonistin Nieselregen ist und Schwerterregen einfach cool klingt. Nieselregen ist außerdem Mitglied der „Schwarzen Steine“, einer Gruppe von Attentäter („Reign of Assassins“, hmja). Oder besser, sie war ein Mitglied, denn schon in der Eröffnungssequenz macht sie sich mit den Überresten eines Bodhisattva davon, die angeblich magische Kräfte besitzen.
Das Zusammentreffen mit einem buddhistischen Mönch bewegt Nieselregen schließlich dazu, ihrem Leben als Auftragsmörderin und Schwertkämpferin den Rücken zu kehren.
Eine Gesichtsoperation später lässt sich Nieselregen in einer Stadt nieder und lernt einen liebenswerten jungen Mann kennen. Aber, wie man sich denken kann, hält der Frieden nicht an, da mehr als nur die Schwarzen Steine hinter Nieselregen und der magischen Leiche her sind…

Ach, das war mal wieder ein richtig guter Wuxia-Streifen. Jianyu fügt dem Genre vielleicht nichts Neues hinzu, ist aber wirklich gut gemacht. John Woo war an dem Film beteiligt und die Kampfszenen halten, was dieser Name verspricht. So sollte Wire Fu sein! Dazu kommen jede Menge Charaktere, Spezialwaffen, eine Lovestory (die vielleicht dem einen oder anderen zu prominent sein mag, aber das hat seinen Sinn), etwas Humor und überraschende Wendungen (und ich dachte, das heisere Flüstern des Anführers der Schwarzen Steine wäre nur Angeberei). Und für mich ist durchaus ein Kriterium, dass die Actionheldin weiblich und nicht mehr ganz jung ist (nun, sie ist zumindest nicht mehr Fünfundzwanzig und wird nicht sexualisiert – dafür ist ja die nymphomanische Assassinin da).

Für jeden Wuxia-Freund empfehlenswert. Würde ich wahrscheinlich noch vor Tiger and Dragon oder Hero potentiellen Mitspielern in einer PDQ-Wuxia-Runde zeigen :D

Und damit zum schlechtesten film, den ich hier im Kino gesehen habe...

Shanzhashu zhi lian (山楂树之恋) - Love under a Hawthorn Tree


(EDIT: Lensflare auf dem Kinoplakat, das hätte mich warnen müssen)

Zhang Yimou hat ja schon in Hero gezeigt, dass er gerne mal regimefreundliche Streifen dreht und ich wäre nicht in China, wenn ich nicht ein bisschen Patriotismus abkönnte.

Aber irgendwo ist Schluss.

„Love under a Hawthorn Tree“ spielt zur Zeit der Kulturrevolution während der Landverschickung. Und wir alle wissen ja, was für ein schönes Erlebnis das für alle Beteiligten war. Jedenfalls wenn man dem Film glauben darf.
Zhang Jinqiu gehört zu den Studenten, die auf dem Land „umerzogen“ werden müssen, immerhin war ihr Vater Kapitalist oder so etwas. Doch anstatt auf irgendwelche Probleme (oder harte Arbeit) trifft sie auf nette und nettere Leute. Die Bauern, bei denen sie wohnt, nehmen sie auf wie ein Familienmitglied und der junge, in der Nähe Bodenproben nehmende Soldat gefällt ihr auch ganz gut. Das ist der Auftakt der angedrohten Liebesgeschichte. Oh Gott, die Liebesgeschichte. Die fast noch schlimmer ist als das nostalgische Bild der Kulturrevolution. Lao San, der Soldat, ist nämlich dermaßen ehrenhaft, ehrlich und gut und ihre Liebe so keusch und rein, dass man Lust auf… ich weiß nicht, harte Pornografie oder wüstes Pöbeln bekommt. Nur um sich wieder zu akklimatisieren.

Aber was wäre ein Liebesgeschichte ohne Probleme? Jinqiu will gerne Lehrerin werden und dank ihrer schlechten Herkunft muss sie sich einwandfrei verhalten. Also kein obszönes Händchenhalten oder Blicke tauschen mit irgendwelchen Kerlen, dass das klar ist!

Leider schafft es der Film nicht, einem die Probleme einer heimlichen Liebe zu vermitteln. Mutter findet es raus? Kein Problem, Lao San ist ja ein netter Kerl. Mal eben für einen halben Tag von der Baustelle zu verschwinden und mit seinem Schatzi im See zu baden? Da sagt doch keiner was. Man hat das Gefühl, dass Jinqiu und Lao San ihr Problem lösen könnten, würden sie einfach fragen, ob sie heiraten dürfen. Bei so verständnisvollen Menschen…
Und das Ende…

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Wenn das chinesische Kino etwas liebt, dann ist es tragische Liebe. Tragik muss also her. Die politische Ecke geht ja nicht, viel zu kontrovers. Wie wäre es mit dem Lieblingstwist asiatischer Seifenopern? Leukämie? Lao San schwindet also dahin, stirbt im Kreise seines Generalsvaters und mit Jinqius Foto an der Decke. Streicherquartett, Tränen.
Alles, was den Film von einem Heimatfilm der Fünfziger unterscheidet, sind Zang Yimous hübsche Bilder. Aber die können auch nichts mehr retten.

Und nur als Anekdote am Rande: Ich habe den Film zum chinesischen Nationalfeiertag im Kino gesehen und meine chinesischen Sitznachbarn haben sich alle fünf Minuten gefragt, ob sie jetzt gehen sollen oder ob sie es noch bis zum Ende durchhalten. Haben sie nicht.

Bluerps:
Reign of Assassins klingt so, als ob ich den auch mal sehen müsste. :D
Weißt du, ob es den auch auf Englisch gibt?


Bluerps

Nocturama:
Ich glaube noch nicht... Aber meine DVD hat zumindest englische Untertitel, die sollten also aufzutreiben sein.

Seth:
Also bei "Warring States" kann ich dir nur beipflichten, der rangiert bei mir auch an der Schmerzgrenze.

Was mich interessieren würde: läuft der hier in China schon/noch: Shaolin (2011) - unter Anderem mit Jackie Chan und Andy Lau?

Soweit ich das sehen konnte, kommt der bei uns erst noch (wenn überhaupt).



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