Pen & Paper - Spielsysteme > Savage Worlds
Was ist der Grund für die enttäuschten Kunden von Savage Worlds?
Yehodan ben Dracon:
Schöner Beitrag Harlan.
Ich möchte ergänzen, dass ein fundiertes Playtesting eigentlich immer Zeit braucht. Man muss mehrere Spieltage damit verbringen, damit auch alle Regelelemente gezeigt haben, ob sie was können/taugen. Und erst danach erkennt man, welche Elemente ineinander greifen.
Mein Spieler findet es z.B. doof, dass er für das Expertentalent Waldläufer hohen Verstand braucht, weil die Naturfertigkeiten so hoch sein müssen. Er als Orkspieler hat da aber ein anderes Konzept im Kopf. Ändert man das einfach z.B. in Willenskraft, wird dadurch ein anderes Attribut aber massiv entwertet.
Der fiktive menschliche Waldläufer käme sich dann auch bescheuert vor, warum er Verstand und die zugehörigen Fertigkeiten hoch gesetzt hat und dafür auf Kraft und Schnelligkeit verzichten musste, während der Ork alles "geschenkt" bekommt.
Oberkampf:
Das vorschnelle Hausregeln ist halt eine der Gefahren von SW, durch die ich auch "bedroht" bin. ;D
SW ist sehr durchdacht, wodurch Hausregeln schnell ein Ungleichgewicht zwischen Spielziel und Resultat auslösen. Aus einigen anderen Systemen (z.B. mMn D&D3.x) bin ich es gewohnt, dass Regeln oft schlecht verzahnt beieinander stehen oder ohne Sorgfalt entworfen wurden, so dass sich eine Hausregel nur auf die unmittelbar betroffenen Mechanismen auswirkt. Darum bastelt man da leichteren Herzens am Regelwerk, als man es mit SW tun sollte. wenn man diese Leichtfertigkeit auf SW überträgt, kann das ins Auge gehen.
Yehodan ben Dracon:
Noch etwas, was mir am Anfang schwer fiel:
Das Begreifen der Grobkörnigkeit im Massenkampfsystem! Ich hatte anfangs tatsächlich die einzelnen Marker als Kämpfergruppen verstanden und nicht nur als Anzeige für die Entwicklung einer Schlacht. Dass z.B. gute Ausrüstung für die Kämpfer einfach einen Bonus von einem Marker geben kann, war mir ein fernes Konzept.
Prisma:
Man kann hier viele Äußerungen sehen, dass man sich mit dem SW überdurchschnittlich tief zu beschäftigen hat, um es zu verstehen. Wenn SW so sehr durchdacht ist, wieso bestehen dann solche Mauern, die es durch zahlreiche Sitzungen zu überwinden gilt? Und wieder stellt sich die Frage: Warum sollte man das tun, wenn es einen nicht am Anfang mitgerissen hat? Man könnte mit geeigneteren Spielen, die schneller und einfacher vollen Zugang bieten, viel eher Spaß haben.
--- Zitat von: Opa Hoppenstedt am 6.05.2011 | 08:30 ---Prisma, Du hast meine Intention des Fadens komplett missverstanden.
Es geht um Einholung von Kritik, sozusagen "von Außen", weil eine Selbstreflexion oft an der eigenen Sicht scheitert. Es ist gerade eine Einladung, über kritische Stellen im System zu sprechen und zwar zwischen Leuten, die es mal ausprobiert haben (von solchen, die nur mal irgendwann das Regelwerk durchgeblättert haben erwarte ich keine fundierte Meinung sondern eben nur eine reine Geschmacksaussage à la "Ich mag nun mal kein Krokodilfleisch, schon vom Anblick her!"
--- Ende Zitat ---
Ich kann Dich nicht missverstanden haben, denn ich habe genau das getan, was gewünscht war:
In meinem ersten Posting habe ich SW kritisiert. Außerdem gehöre ich zur gewünschten Zielgruppe, denn ich habe mich mit SW tief genug beschäftigt, es mehrmals gespielt und war auch bei den Conversions tätig.
Pyromancer:
--- Zitat von: Prisma am 6.05.2011 | 13:23 ---Man kann hier viele Äußerungen sehen, dass man sich mit dem SW überdurchschnittlich tief zu beschäftigen hat, um es zu verstehen. Wenn SW so sehr durchdacht ist, wieso bestehen dann solche Mauern, die es durch zahlreiche Sitzungen zu überwinden gilt?
--- Ende Zitat ---
Ich lese den Thread anders.
1) Manche Sachen sind einfach Geschmacksfragen, da bringt's auch nichts, wenn man nach 10 Sitzungen wirklich noch die allerletzte Regelvariante verstanden hat.
2) Einige Spielleiter sind wohl gewohnt, ein neues System erst einmal zu verhausregeln, damit es so funktioniert, wie sie es sich vorstellen. Wenn es dann knirscht oder schlicht nicht funktioniert, dann ist erst einmal nicht das System schuld, sondern die undurchdachten Hausregeln. (siehe oliofs Baseball-Beispiel)
3) Der Eindruck der "hohen Mauern" rührt wohl oft daher, dass SL und Spieler einen "no-brainer" erwarten, den man aufschlägt und losspielen kann, an statt ein "richtiges Rollenspiel".
--- Zitat ---Und wieder stellt sich die Frage: Warum sollte man das tun, wenn es einen nicht am Anfang mitgerissen hat? Man könnte mit geeigneteren Spielen, die schneller und einfacher vollen Zugang bieten, viel eher Spaß haben.
--- Ende Zitat ---
Man könnte vielleicht mit einem einfachen System eher Spaß haben, vielleicht hat man aber mit dem etwas anspruchsvollerem System langfristig mehr Spaß. Ich selbst quäle mich z.B. seit einiger Zeit mit FATE/DFRPG rum, in der Hoffnung, dass es sich irgend wann auszahlt. ;)
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