Pen & Paper - Spielsysteme > Pathfinder/3.x/D20
[Pathfinder/DnD] Hab' ich diesem System all die Jahre Unrecht getan?
Jed Clayton:
Noch einmal zur Einordnung ein Blick in meine eigene Rollenspieler-Geschichte:
Begonnen habe ich in diesem Hobby vor genau 20 Jahren als relativ unmotivierter Spieler in einer Gruppe, die als einziges System immer Rolemaster spielte. Das war das erste RPG, das ich kennenlernte. Wenig später habe ich zwar irgendwo auch mal den Namen Dungeons & Dragons gelesen, und ab 1992 wusste ich auch so mehr oder weniger, dass das in den USA groß und bekannt war. In meiner Gegend hat aber keine mir bekannte Gruppe D&D gespielt. Im Laufe der nächsten Jahre lernte ich DSA, Midgard, Shadowrun und andere kennen--sowie auch viele, viele unausgewogene Hausregeln.
Meine eigene "Karriere" als SL verlief über ElfQuest (!) und Heroes Unlimited zu GURPS und von dort über RuneQuest und die Chaosium-Familie (Pendragon, Stormbringer) zu BESM und Cartoon Action Hour und schließlich zu ein paar Indie-Spielen und wieder zurück zu RuneQuest bzw. Basic Roleplaying.
Ich habe also über einen Zeitraum von 20 Jahren am ehesten RuneQuest/BRP oder eine Abwandlung davon gelesen und gespielt und mehr Sessions damit geleitet als mit anderen Regelwerken. Von allen Spielen, die ich mir gekauft und sie selber geleitet habe, ist war scheinlich Heroes Unlimited/Rifts/Palladium dem typischen D&D-Modell am nächsten. Allerdings besaß ich nie ein D&D- oder AD&D-Buch, meine Gruppe hat das nicht gespielt und es galt immer als Spiel von der "bösen" Konkurrenz. Schlichtweg war D&D bei uns eine Art Running Gag. Über D&D wurde immer nur mit negativen Konnotationen gesprochen... Es war immer das komplizierte Spiel, das unreife oder dumme Spiel, das Munchkin-Spiel, das Hack and Slay-Spiel, das Pfennigfuchser-Spiel, das Spiel mit den hunderttausend Fortsetzungen und Erweiterungen, das Spiel, das "die Anderen" spielten, oder schlichtweg der böse, feindliche Mainstream-Müll, mit dem unsereins nichts zu tun haben wollte. Gut, so war das zumindest damals.
Nun bin ich ja auch bloß bei Pathfinder gelandet, weil ich seit letztem Jahr eine Chance habe, im Nebenjob ein wenig an der deutschen Fassung mitzuarbeiten. Zuerst wollte ich es sogar nur übersetzen, aber gar nicht leiten. Vor ein paar Monaten bin ich dann einzig und allein deswegen Pathfinder-SL geworden, weil ich dankbarerweise von Ulisses Spiele ein Gratisexemplar des Regelwerks bekommen hatte. Dieses Buch hat mir dann doch viel zu gut gefallen, um es nicht auch einzusetzen. So etwas lässt man nicht einfach verstauben.
Nun habe ich logischerweise nach der Lektüre von Pathfinder und einigen Modulen dafür begonnen, Vergleiche zwischen meinem alten Favoriten BRP und Pathfinder/DnD/d20 zu ziehen. Man könnte natürlich Hunderte Dinge darüber sagen, aber hier ist das, was ich im Moment aus dem Bauchgefühl heraus sagen würde:
* Zum schnellen Einstieg in eine "klassische" Fantasy-Abenteuer-Welt finde ich Pathfinder aktuell etwas besser als BRP. Das liegt nicht allein am Artwork, an dem großen Marketing von Paizo oder an dem Umstand, dass die Welt Golarion schon so weit ausgearbeitet vorliegt. Ich spreche eher von den Klassen: Obwohl ich 19 oder 20 Jahre lang Charakterklassen immer verlacht und vermieden hatte, mag ich sie nun auf einmal. Wenn ein Neueinsteiger einen typischen Kämpfer haben will, nimmt er die Klasse "Kämpfer" und hat dann auch typische Kämpfersachen. Kein Problem. Ein "Magier" ist auch ein typischer Magier, ein "Paladin" eben ein typischer Paladin, ein "Barbar" ist ein Beserker und Haudrauf und ein "Mönch" ist eben der Kung-Fu-Typ. Zudem lässt Pathfinder ja sowohl Mehrfachklassen und Klassenwechsel zu, als auch viele coole Wahlmöglichkeiten innerhalb der Klasse, auf die man hinarbeiten kann.
* Um bei dem Vergleich mit BRP zu bleiben: Dort konnte es durchaus passieren, dass wir einen Charakter als Kämpfer bauen wollten und dieser Kämpfer dann (durch POW oder eine verzauberte Waffe) plötzlich magischer war als der Magier, oder auch umgekehrt. Berufe und Spezialisierungen spielten oft keine Rolle, außer man legte im Spiel viel Wert darauf und steigerte absichtlich immer die dazugehörigen Skills.
* Die Trefferpunkte hängen hier von der Klasse ab und von nichts anderem. Das ist in einem solchen System kein schlechter Zug. In BRP muss ich i.d.R. auf CON und SIZ achten. Wieder ein mögliches Problem: zerbrechliche Kämpfer und superrobuste Magier und Intellektuelle, gerade wenn man bei der Charaktergenerierung Zufallswürfe verwendet hat.
* Die Magie: Ich war durch BRP/RuneQuest jahrelang daran gewöhnt, dass man zum Zaubern Magiepunkte ausgab, oder sogar permanent POW opferte (die alte Göttliche Magie aus RQ). Das hielt ich immer für den Normalfall in Rollenspielen. Jetzt gewöhne ich mich an die Zauber pro Tag. Es gibt kein eigenes Punktekonto für die Kosten von Zaubern mehr. Ebenso ist die magische Kraft eines Magiewirkers nicht mehr an ein Attribut gebunden, wie das POW in RQ, das viele Probleme erzeugen konnte. Im Durchschnitt kann ich in Pathfinder anfangs wahrscheinlich genauso viel und genauso wenig zaubern wie in BRP, aber ich muss nicht ständig MP abziehen und wieder gucken, wie viel davon man regenerieren oder aufsparen kann. Dennoch sind die beiden Systeme enge Verwandte: Durch eine normale Nacht voll Schlaf ist der Basisvorrat für einen Tag wieder da.
Das sind nur erste Überlegungen und sie sind noch nicht geordnet. Ich wollte damit nur sagen: Nach langer Zeit habe ich nun eine andere, aufgeklärte und aufgeschlossene Einstellung zu Pathfinder und auch zu DnD. :D Ich habe meinen Frieden damit geschlossen.
Darius:
Geht mir ziemlich ganz genau so! Auch ich komme aus der Rolemaster Ecke. Klar...MERS auch und sogar auch Runequest, wie du auch. Auch bei uns war eine latente Abneigung gegen D&D vorhanden und es gab nur wenig Berührungspunkte.
Seit Meinem Geburtstag im Dezember habe ich nun Pathfinder hier stehen und es gefällt mir echt gut. Auch meiner Gruppe gefällt es glaube ich ganz gut. Ich finde es ist gut gemacht und kann das, was es können will. Meiner Empfindung nach ist es ein rundes System, das einfach funktioniert und viele gute Quellen hat. Mir gefällt das. Und die Abenteuerpfade finde ich echt super. Damit hatte ich null Erfahrung zuvor.
Klar! Es ist was neues, aber ich habe einiges neues probiert und davon gefällt mir Pathfinder am besten. Ich mag es zu leiten. Würde es aber auch gerne mal spielen. Bin immer nur SL. ;)
ElfenLied:
Hi Jed,
schön das du d20 für dich entdecken konntest. Ich sehe mich allerdings dazu gezwungen, auf deine Punkte etwas näher einzugehen:
--- Zitat von: Jed Clayton am 28.06.2011 | 14:18 ---Um bei dem Vergleich mit BRP zu bleiben: Dort konnte es durchaus passieren, dass wir einen Charakter als Kämpfer bauen wollten und dieser Kämpfer dann (durch POW oder eine verzauberte Waffe) plötzlich magischer war als der Magier, oder auch umgekehrt. Berufe und Spezialisierungen spielten oft keine Rolle, außer man legte im Spiel viel Wert darauf und steigerte absichtlich immer die dazugehörigen Skills.
--- Ende Zitat ---
Das ist einer der riesigen Knackpunkte in D&D/PF. Magie kann alles, und zwar meist besser. Wenn die Zauberklassen es wollen, können die durchaus dafür sorgen, dass die Mundanen kein Land mehr sehen.
--- Zitat von: Jed Clayton am 28.06.2011 | 14:18 ---Die Trefferpunkte hängen hier von der Klasse ab und von nichts anderem. Das ist in einem solchen System kein schlechter Zug. In BRP muss ich i.d.R. auf CON und SIZ achten. Wieder ein mögliches Problem: zerbrechliche Kämpfer und superrobuste Magier und Intellektuelle, gerade wenn man bei der Charaktergenerierung Zufallswürfe verwendet hat.[/li][/list]
--- Ende Zitat ---
Trefferpunkte hängen hier in erster Linie von Zufallszahlen+Konstante ab, ausser man spielt mit Durchschnittswerten. Die Konstante ist ein Modifikator, der aus der Konstitution des Charakters abgeleitet wird, und beeinflusst maßgeblich die Trefferpunkte eines Charakters.
--- Zitat von: Jed Clayton am 28.06.2011 | 14:18 ---Die Magie: Ich war durch BRP/RuneQuest jahrelang daran gewöhnt, dass man zum Zaubern Magiepunkte ausgab, oder sogar permanent POW opferte (die alte Göttliche Magie aus RQ). Das hielt ich immer für den Normalfall in Rollenspielen. Jetzt gewöhne ich mich an die Zauber pro Tag. Es gibt kein eigenes Punktekonto für die Kosten von Zaubern mehr. Ebenso ist die magische Kraft eines Magiewirkers nicht mehr an ein Attribut gebunden, wie das POW in RQ, das viele Probleme erzeugen konnte. Im Durchschnitt kann ich in Pathfinder anfangs wahrscheinlich genauso viel und genauso wenig zaubern wie in BRP, aber ich muss nicht ständig MP abziehen und wieder gucken, wie viel davon man regenerieren oder aufsparen kann. Dennoch sind die beiden Systeme enge Verwandte: Durch eine normale Nacht voll Schlaf ist der Basisvorrat für einen Tag wieder da.
--- Ende Zitat ---
Die Kraft eines Zauberwirkers in D&D/PF ist maßgeblich an ein Attribut gebunden, bei einem Magier z.B. Intelligenz. Es bestimmt, wie gut Leute seinen Zaubern widerstehen können, wie oft er an einem Tag zaubern kann, und welche Grade er zaubern kann.
Alles in allem aber nichts, was groß stört.
AcevanAcer:
Interessant hingegen ist, das Magiewirker bis level 5 hinter den Meele Klassen zurückliegen, dann sehr rasch aufholen und auf Stufe 14-15 deutlich stärker sind. Je höher der Level aber geht, desto schwächer werden die Magier und Hexenmeister wieder, insbesondere wenn es dann auf Bereiche zwischen 25-30 geht.
8t88:
Ich hatte das vor knapp 7 Jahren auch, und kann Deine Reaktion nachvollziehen! :d
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