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[VtM] Euer Spielverständnis?
Oberkampf:
--- Zitat von: Sol Invictus am 1.08.2011 | 15:43 ---
Ich bin im Übrigen kein VtM-Enthusiast, aber danke für die Unterstellung und die induzierte Diffarmierung.
--- Ende Zitat ---
Da haben wir wohl beide ähnliche Forumserfahrungen gemacht, wenn auch von unterschiedlichen Seiten. Sorry, ich wollte dir kein blindwütiges Fanboytum unterstellen, aber das habe ich leider sehr ungeschickt formuliert.
--- Zitat von: Sol Invictus am 1.08.2011 | 15:43 ---Fettmarkierungen durch mich.
Siehst du - und deswegen oben die Fettmarkierungen. Wieder deine Meinung. Hör' auf sie als Faktum darzustellen. Ich brauche keine "nostalgische Verklärungsbrille" um den Hintergrund von Vampire überragend zu finden, es sei denn ich behaupte, er sei objektiv das Gegenteil oder gleich schlecht. Und das, mein Freund, geht einfach nicht.
--- Ende Zitat ---
Überwiegend habe ich deswegen so oft "meine Meinung" geschrieben, weil ich die für alles andere als objektiv halte. Erfahrungsbasierend, sicherlich, aber nicht objektiv. Obwohl, die Attraktion unterschiedlicher Spielvorlieben halte ich auch für objektiv zutreffend.
--- Zitat von: Sol Invictus am 1.08.2011 | 15:43 ---Da muss nichts geleugnet werden. Vielleicht hatten diese "V:tM-Fans" einfach bessere Spielerfahrungen? Vielleicht haben sie genau das bekommen, was du beschreibst? Wenn nicht, schon möglich, dass die, die du kennst die Geschichte verklären aber bitte schließe doch nicht von ihnen oder von dir auf andere. Was du beschreibst sind Erfahrungen, die sich möglicherweise sogar mit einigen hier aus dem Forum decken - aber das Gleiche gibt es für so gut wie jedes Spiel, jeden Geschmack, jedes andere Medium. Und es gibt immer wieder die, die meinen, dass ihre Meinung Anspruch auf Allgemeingültigkeit hat. So etwas gibt es in Geschmacksfragen nicht, ganz gleich wie viele dir vermeintlich den Rücken stärken.
--- Ende Zitat ---
Dass sich V:tM für mich als enttäuschend erwiesen hat, und ich bestimmte Spielstile (mit stark erzählenden Spielleitern) nicht leiden kann und diesen Stil hauptsächlich bei V:tM erlebt habe, ist alles völlig subjektiv. Die Spielstilvorliebe ist eine Geschmacksfrage, die Beobachtungen bei verschiedenen V:tM-Runden erlauben keinen Rückschluss auf die Gesamtheit (Beobachterfehler und zu geringe Stichprobe).
Das Blöde an der Sache ist, dass alles hier Einzelerfahrungen sind. Natürlich kann jemand V:tM völlig anders erlebt haben als ich - was auf einem völlig anderen objektiven Tatbestand beruhen kann, als auch an einer völlig anderen subjektiven Bewertung liegen kann. Forendiskussionen erfüllen nunmal keine wissenschaftlichen Standards (und Objektivität in den Sozialwissenschaften ist auch eine Sache für sich).
Theoretisch gilt das mit der Subjektivität auch für meine Behauptung, dass das Würfelsystem von Vampires umständlich und schwerfällig ist, aber hier gibts auch ein paar "objektive" Argumente.
Trotzdem freut es mich für dich, wenn du selten Leuten begegnet bist, die V:tM als ein besonders tolles Rollenspiel ansehen, oder selten mit Spielleitern gespielt hast, die das Spiel nur als Ventil für ihre schriftstellerischen Leidenschaften und Bühne für ihre NSCs angesehen haben, und deine Vampires-Actionszenen (und Kämpfe) eher selten zu spielzeitfressenden Würfelorgien wurden. Aber meine subjektive Erfahrungswelt ist eine andere, und lustigerweise ähnelt meine subjektive Erfahrung zu weiten Teilen der anderer V:tM-Spieler.
Was ich aber noch interessanter finde, ist, dass meine Freunde und ich fast die gleichen Runden gespielt haben, die objektiven Beobachtungen teilen, aber völlig unterschiedliche subjektive Bewertungen dazu haben. Wenn ich z.B. das System kritisiere, sehen sie oft eher die Spielleiter als verantwortlich an usw. Ja, vielleicht täusche ich mich in V:tM - aber ich empfinde es schon als auffällig, dass ich mit kaum einem anderen System solche Enttäuschungen erlebt habe. Und dann schlägt sich der Unterschied zwischen der angepriesenen Ware und den realen Erlebnissen doppelt nieder.
--- Zitat von: Sol Invictus am 1.08.2011 | 15:43 ---Erst wirfst du mir vor, mit zweierlei Maß zu messen und andere Spielstile nicht gleichberechtigt neben "meinem" zu akzeptieren und jetzt sowas. Erstens ist das in meiner Erfahrung nur in sehr wenigen Runden passiert und zweitens hatten die nicht viel mit Vampire zu tun. Pseudointellektueller Forenkonsens ist nicht gleich allgemeingültige Wahrheit.
--- Ende Zitat ---
Ob dus glaubst oder nicht, aber ich meine, dass meine Ansicht kein Forenkonsens ist, und das sie selbst im Tanelorn eine eher randständige Position ist. Ich glaube sogar, die meisten Leute hier mögen V:tM.
--- Zitat von: Sol Invictus am 1.08.2011 | 15:43 ---Im Übrigen habe ich bestätigt, dass die meisten Vampire-Runden, auch in meiner Erinnerung, "schlecht gelaufen sind"
--- Ende Zitat ---
Interessanter Punkt. Schiebst du das alles auf persönliches Pech, oder könnte nicht vielleicht doch etwas an diesem System liegen?
--- Zitat von: Sol Invictus am 1.08.2011 | 15:43 ---und mich ausschließlich gegen eine Verallgemeinerung und Festlegung "objektiver" Tatsachen bezüglich der Qualität des Spiel(-System)s gerichtet. Das ich dafür gleich wieder in die Fanboy-Ecke geschoben werde spricht Bände über die wirkliche Verblendung, die in diesem Thema Einzug hält.
--- Ende Zitat ---
Und an der Stelle sehe ich eben bei Vampires ein viel ausgeprägteres Defensivverhalten der Spieler gegen Kritik, als in anderen Rollenspielen. Ich wette, mit einem Earthdawn oder d20 Spieler, selbst einem W:tA-Spieler, komm ich leichter auf einen Nenner was Kritik an seinem Lieblingssystem angeht, als mit einem Vampire-Spieler. Subjektive Erfahrung? Ja, ohne Zweifel. Aber die Wagenburgmentalität ist nunmal bei einigen Spielen ausgeprägter als bei anderen (und Teylen hat da, was SW angeht, nach meinem Eindruck sogar teilweise recht, da gibts auch manchmal zu schnell Stress, aber das ist eine andere Baustelle).
Teylen:
--- Zitat von: Chrischie am 1.08.2011 | 18:02 ---Und es nicht perse schlecht. Ich frage mich nur wie man auf ein Spiel schreiben kann, dass es um soziale konflikte etc geht aber mehr Zeit und Seiten aufs Kampfsystem "verschwendet" als auf den angeblichen Kernpunkt des Spiels.
--- Ende Zitat ---
Weil man halt noch nicht sooo geuebt im Design war.
Sprueche wie "Ihr habt X Kampffertigkeiten und X+y>10 andere Fertigkeiten" im Buch weisen ja drauf hin das man es nicht absichtlich verhauen / ausgelassen hat.
--- Zitat ---Und damit verabschiede ich mich auch. Ich habe immerhin gelernt, dass selbst 2011 die Schwächen von VtM immer noch schön geredetet werden. Es ist ja ein Feature und kein Bug, dass dieses Spiel Probleme mit seiner Corestory hat. ::)
--- Ende Zitat ---
Allez, es ist ja nun auch nicht so als waere in den letzten 13 Jahren eine neue Edition erschienen welche die Schwaechen haette beheben koennen.
Und erstaunlicherweise spielen die Spieler es ja auch noch gern, anstelle es zu meiden und zu begraben. Die Fieslinge. ^^
Oberkampf:
--- Zitat von: TheLemming am 1.08.2011 | 16:28 ---Nur so eine Randnotiz: Ich würde echt gerne mal mit einem bunten Haufen von Euch 'ne Runde VtM spielen, der Thread alleine zeigt soviele Facetten auf und ich hab wirklich wieder Lust auf 'ne Runde eintauchen in die WoD.
--- Ende Zitat ---
Ich komm zwar mit dem Schreiben kaum nach, aber das ist mal ein toller Vorschlag. Mich würde mal interessieren, wie die Leute so in Real Life drauf sind, die sich wegen V:tM immer noch (nach Jahren) so leicht aufregen können, dass dieser Thread so schnell wächst (ich bin normalerweise in Rollenspielangelegenheiten entspannter, außer ich leite das erst mal mit unbekannten Spielern ;D )
Teylen:
Zum Spielverstaendnis, vielleicht hilft ein kleiner Fragebogen.
Sowas wie:
[*] Wollen wir das Menschlichkeits System so wie es im GRW steht verwenden?
(Sozial-Faehigkeitscap, Entartungswuerfe, schlechtes Aussehen)
[*] Wollen wir Charaktere auf Pfaden zu lassen?
[*] Sollen die Charaktere noch sehr menschlich sein oder schon erfahrene Vampire?
[*] Sollen die Charaktere aus normalen menschlichen Verhaeltnissen kommen oder sind gebrochene Konzepte mit anderen Wertvorstellungen auch okay?
[*] Wo wollen wir unser Machtlevel haben?
[*] Woraus zieht ihr das Gruselgefuehl / Horror? (ist das ueberhaupt erwuenscht?)
[*] Spielen wir eher die Guten, die Boesen oder die Dreckigen oder alle zusammen?
[*] In wie weit ist Sex & Gewalt Darstellung teil des Spiels / gibt es Grenzen / ist es erwuenscht Grenzen zu setzen?
Das ganze kann man ja auch als Fragen an eine neue Gruppe stellen.
Dann sollte es auch klappen ^^
(Wuerde mich nicht wundern wenn sich eine solche Liste in einer der Spielhilfen-Buecher findet)
Clawdeen:
Sehr ärgerlich, wenn gerade inmitten des nächsten getippten Romans alles futsch ist, ohne dass man auch nur eine Taste gedrückt hat. ::) :verschwoer:
Bei dem Beitrag, auf den ich zuerst antworten wollte, kommen zwei verschiedene Dinge zum Tragen, Teylen.
Auf der einen Seite stehen die allgemeinen Dinge zum System (um die es hier ja auch gehen soll), auf der anderen Seite stehen da Details aus der aktuell gegebenen Tischrunde.
Ich fang mal mit den Details der aktuellen Runde an, die ich in diesem Thread allerdings ungern vertiefen würde:
Das Ganze orientiert sich am Sabbat, soll also schon eigentlich dahin führen (aktuell gibt es ihn noch gar nicht, wir befinden uns nämlich (noch) bei Dark Ages). Das war von vornherein so klar, weshalb beispielsweise auch einige Pfade außen vor bleiben sollten. Zugleich wurde aber explizit gesagt, dass es sich letztlich um eine Individualentscheidung der Charaktere handelt, es also z.B. möglich wäre, dass sich zwei für die Camarilla entscheiden, zwei für gar nichts und der Rest für den Sabbat.
Ich halte das grundsätzlich für eine sehr schwierige Option, auf jeden Fall aber ist es zwingend nötig, den Kanon zu beugen zu Gunsten der Runde, um das Zusammenspiel weiterhin möglich zu machen, sollte es zu unterschiedlichen Entscheidungen kommen.
Das ist dann der Schwenk hin zu den allgemeinen Vampire-Vorurteilen für mich. Denn einerseits erwarten bestimmte Leute, dass
--- Zitat von: Teylen am 1.08.2011 | 13:29 ---als normaler Spieler faende ich es gut wenn es dem Spieler selbst ueberlassen wird zur welcher Haltung sein Charakter aus welchen Gruenden gekommen ist. Schliesslich spielt man einen fiktiven Charakter und nicht "sich selbst mit Faengen"
--- Ende Zitat ---
,
andererseits wird umgekehrt nicht dasselbe zugestanden - was ich wiederum als "typisch Vampire" erlebe.
Damit meine ich nun nicht dich persönlich, aber das Zitat ist perfekt, weil es nämlich genau das widerspiegelt, was ich so erlebt habe und erlebe.
Der Haken dabei: Bei meinen bisherigen Spielerlebnissen ist da in einem Großteil der Fälle keine Haltung aus irgendwelchen Gründen.
Und genau das ist mein Hauptkritikpunkt und auch das, was ich ständig erlebe. Da wird was von Haltungen, Erfahrungen und Gründen eines Charakters ins Rennen geworfen, aber genauer wird das nicht definiert, weil es nämlich dazu keine genauen Gedanken gibt, weil das Ganze streng geheimes Wissen sein soll und andere ja zu blöd sind, Inplay und Outplay zu trennen, weil man sich keine größeren Gedanken zu einem Präludium gemacht oder ein solches ausgespielt hat etc.
Und ja, das kann man als Mitspieler durchaus beurteilen, auch wenn man nicht Bogen, Hintergrund (falls vorhanden) in der Hand hat, weil man es nämlich spätestens dann merkt, wenn es überhaupt keine Kontinuität im Charakterverhalten gibt, wenn es keinerlei Werte, Vorstellungen, Meinungen etc. des Charakters gibt, die besonders stark, besonders oft oder überhaupt sonstwie ins Spiel gebracht werden. Wenn nämlich alles genau so gedreht wird, wie es gerade optimal erscheint. Da lässt man dann nicht nur 5, sondern direkt mal 77 gerade sein, weil: Ist sonst halt uncool.
Diese Folgen aus so einer Spielart nerven mich enorm, wenn es allerdings grundsätzlich einen Charakter gibt, der wie von dir beschrieben Gründe hat (ob ich die kenne oder nicht ist irrelevant, da geht es mir wie gesagt um die Verhaltenskontinuität): bitte, soll er, kann er, darf er gern machen, was er eben so für richtig, sinnvoll oder sonstwas hält.
Umgekehrt sind es aber genau solche Spieler, die einem dann sagen (im Bereich des Möglichen, bislang allerdings kein reales Beispiel): "Wie, kein Sabbat? Wie, Menschen kein Vieh? Wie ... (whatever)? Du MUSST aber dies und jenes, weil sonst muss mein Charakter dich leider schneiden, verraten, vernichten etc."
Wo ist denn da bitte das auch nur angestrebte Zusammenspiel oder auch nur der Wille, jedem Tierchen sein Pläsierchen zu lassen?
Ah, doch, es passt wohl ein reales Beispiel, wenn auch nicht aus der aktuellen Runde: Genau diese Nummer ist nämlich im Grunde auch bei der Forenrunde Sabbat damals passiert: "ICH will ein Blutfestmahl, weil ICH bin voll cool im Sabbat und ICH hab das auch im Buch gelesen, dass das so gemacht wird, deswegen scheiße ICH darauf, dass das hier nicht gewünscht wird, deswegen interessiert es MICH nicht, dass hier auch Minderjährige lesen und darum auch laut Forenregeln nicht geht, weil IHR sonst nämlich einfach alle uncool, unflexibel und nicht krass genug für den Sabbat seid. So."
Und genau da sind wir dann wieder bei den Vorurteilen, dass dieser Spielertyp zwar gerne Förmchen und Schüppchen haben möchte, aber zu egozentrisch ist, auch mal ne Schüppe Sand abzugeben.
Sachen wie vergleichbares Machtniveau der Charaktere, Umgang mit Tabus und Grenzüberschreitungen usw. können natürlich noch dazu kommen, aber die halte ich nicht für wesentlich beim Kernproblem.
Und sicherlich gibt es irgendwo Leute, die die "äußerliche Form des Horrors direkt thematisieren", zu gut deutsch: einen mehr oder weniger ausgeprägten Hang zu Splatter/Gore haben, und die dennoch nicht "das Drama, den psyschologischen Horror, die moralischen Konflikte oder Tragik ausblenden". Ich weiß es nicht genau, aber ein paar (keine Hand voll) kenne ich vermutlich sogar, bei denen das so ist.
Das entspricht aber nicht dem gängigen Spielertyp bei Vampire, zumindest nicht meiner Erfahrung nach an unterschiedlichen Orten, zu unterschiedlichen Zeiten, mit unterschiedlichen Menschen, in unterschiedlicher Form.
--- Zitat von: youth nabbed as sniper am 1.08.2011 | 14:30 ---Und ehrlich gesagt wundere ich mich auch, warum auch heute noch viele V:tM-Fans bei diesem Hintergrund und diesem Regelsystem überrascht sind, dass da Gewaltorgien vorkommen und eine Menge Powergamer mitspielen wollen.
--- Ende Zitat ---
Also mich wundert es nicht, nur finde ich die offenbar immer wiederkehrende Bestätigung des Ganzen enttäuschend.
Mag sein, dass die Regeln von V:tM wirklich extrem anders sind als die der sonstigen oWoD, so regelfest bin ich da wie gesagt nicht, aber eigentlich sollte das so unterschiedlich doch nicht sein, da alle dasselbe Grundgerüst verwenden?
Und V:tM-Fan ... bin ich nicht und wie es aussieht, werde ich es auch nicht mehr werden *seufz*.
--- Zitat von: Teylen am 1.08.2011 | 15:07 ---Hinsichtlich der "Gewaltorgien".
Also ich halte es einerseits nicht fuer ein V:tM spezifisches Problem. Da kann man mit jedem Setting reintappen - zumindest mir ist es bei HEX passiert.
Allenfalls das es sich vermutlich noch verstaerkt wenn ein Setting den Themenbereich Horror umfasst.
Da hilft normalerweise wenn man vorher drueber redet wo so die Ekel / Gewaltgrenze liegt und wie man nun die Menschlichkeit handhabt.
--- Ende Zitat ---
Noch mal: Mir geht es nicht im allgemeinen um Grenzüberschreitungen, Ekel-, Tabu- oder Gewaltgrenzen als solche.
Und ich halte es nach wie vor für ein V:tM-spezifisches Problem, auch wenn ich es nicht verstehen kann.
Ich habe Werwolf gespielt, Dämonen, Mumien, Changeling, Wraith ... von Systemen abseits der WoD, die zum Horrorgenre zählen oder gezählt werden, habe ich bislang Little Fears/Kleine Ängste gespielt, Cthulhu, KULT und bislang nur einmal All flesh must be eaten.
Ich hab in keinem dieser Systeme bislang dieselben oder auch nur ähnliche Erfahrungen gemacht wie bei Vampire.
Komisch, oder?
Okay, zugegeben: Die KULT-Runde habe ich sehr schnell verlassen, weil sie mir persönlich zu krass war. Das hing allerdings nicht mit dem Gewaltlevel oder Grenzüberschreitungen zusammen, sondern hatte andere Gründe. Ist hier jetzt auch irrelevant, zumal es persönliche Gründe waren.
Das war dennoch eine sehr gute Gruppe mit einem wirklich supertollen SL, und mit der Aussage habe ich mich damals auch aus der Runde verabschiedet. Das war einfach zum damaligen Zeitpunkt aus bestimmten Gründen zu heavy für mich und ich find's okay, das einfach so einzusehen und als Konsequenz dann zu gehen. Das hatte aber nur etwas mit mir zu tun, nicht mit dem System, nicht mit dem SL und nicht mit der Gruppe. Ich würd's heute wieder spielen mögen.
Das sehe ich in Bezug auf meine bisherigen Vampire-Erfahrungen anders.
--- Zitat von: TheLemming am 1.08.2011 | 15:17 ---Was genau sind übertriebene Grausamkeiten? Für eine Sabbatrunde und dabei noch einen der Tschi...-Chi...-äh na die Foltertruppe halt - ist es irgendwie ein interessantes Gegenstück und stimmungsförderndes Element in meinen Augen. Man(n) muss es ja nicht unbedingt übertreiben, aber die Perversität des Sabbats stellt für mich ein stimmungsintensives Element dar.
Edit(h): Habt ihr eigentlich schon 'mal Backgroundstories wie Eternal Hearts gelesen? Die Grundinspiration und Herangehensweise von VtM war ziemlich hart(bzw. Hardcore) in allen Richtungen.
--- Ende Zitat ---
Nö, ich kenne keine Backgroundstorys.
Aber weil es sich gerade so anbietet: Wo übertriebene Grausamkeit anfängt, entscheidet jede Gruppe immer individuell, denke ich.
Mir geht es aber nicht darum, dass der Gewaltlevel bei V:tM oder beim Sabbat mir generell zuviel wäre, sondern ich finde die erlebte Umsetzung desselben zumeist schlicht als - ich schrieb es schon - platt und primitiv. Das hat mit Stimmungsförderung oder -intensivierung nichts zu tun, vielmehr was mit Stimmungstötung.
Man kann mit wenigen Sätzen oder mit den Dingen, die man eben nicht sagt oder zeigt, meist sehr viel mehr erreichen als mit exzessiver Darstellung unklarer Motivation. Exzessive Darstellung vor dem Hintergrund persönlich orientierter Motivationen stellt da für mich eher so ein Mittelding dar.
Das soll nicht heißen, dass das Mittel der Wahl sein sollte oder muss. Ich sehe durchaus sinnvolle Einsatzmöglichkeiten auch für explizite und umfangreichere Darstellungen ... wenn auch nur relativ wenige, insofern es wirklich der Stimmung dienen soll. Kann aber sein, klar, und das sind nicht die Dinge, die ich ablehne, sondern eben das tumbe "Moshen" ohne Hintergrund und ohne Konsequenz. Und letzteres scheinen sich halt die meisten Vampire-Spieler warum auch immer auf die Fahnen geschrieben zu haben.
Ich glaube langsam, dass Scimis Beitrag von Seite 1 da sehr viel Gewicht hat.
--- Zitat von: Koenn am 1.08.2011 | 16:09 ---Es gibt dummerweise zuviele Spieler, die sich in der Regelmechanik des Spiels verhaken und dort den heiligen Gral suchen. Oftmals kommt sowas vor allem auf Cons vor, aber es liegt eigentlich am Menschen selbst, der das Spiel spielt. Das ganze fängt an bei Dingen wie "ich möchte irgendwie meine Generation senken" - "ich möchte diese und jene (überaus komplizierte) Disziplin" - "ich möchte diesen Clan spielen (und habe keine Ahnung davon wie man das tut, aber die Diszis lesen sich geil)" und endet bei Munchkin-Bauten mit höchst suspekten Disziplinsausprägungen und -höhen und Blutbädern von Spielern, die noch keine 18 sind, oder sich selbst für eine Verkörperung des Death-Metal-Anarchen halten. In keine anderen Spiel findet man so viele Blödnasen und Psychopathen. Leider.
--- Ende Zitat ---
Ich find's gerade ein bisschen erschreckend, wie bekannt mir das vorkommt ...
--- Zitat von: Koenn am 1.08.2011 | 16:09 ---Wenn ich aber diese mir unsympathische Oberfläche wegnehme bleiben aus meiner Sicht viele ernsthaft gute und komplex denkende Spieler übrig, die das Ganze mit Farbe füllen. Ich habe über zwei Dutzend genialer Spieler kennengelernt, die so mannigfaltige Charakterideen haben und diese sehr gut umsetzen und spielen können - und dabei zwar die Regeln kennen, aber sie nicht für sich ausnutzen möchten.
--- Ende Zitat ---
Und daraus besteht meine Hoffnung. Ich finde die Grundidee zu V:tM ja nett, warum sonst würde ich es überhaupt immer wieder mal versuchen?
Allerdings sehe ich diese Lichtblicke, die du hier beschreibst, immer nur gepaart mit den Beispielen von weiter oben und nicht getrennt voneinander.
Schade.
--- Zitat von: Koenn am 1.08.2011 | 16:09 ---Ein anderer Punkt ist, man muss das Spiel ungemein eingrenzen, vor allem bei den Optionen den Charakter zu bauen. (...) Bei mir dürfen zum Beispiel Die Clansdisziplinen sich allerhöchstens um zwei Punkte unterscheiden, ich habe zuviele Startcharaktere gesehen mit Verdunklung 5 oder Geschwindigkeit 5. Gibts bei mir nicht. Zudem beschränke ich die Nichtclansdisziplinen auf die Höhe der niedrigsten Clansdisziplin. Das Blut des Clans ist nicht zu leugnen.
--- Ende Zitat ---
Du hälst es also auch für unabdingbar, bei Vampire im Vorfeld oder möglichst frühzeitig sehr klare Definitionen, Grenzen etc. festzulegen und als "Rundengebote" (oder meinetwegen Hausregeln ;)) festzunageln?
Und findest du, dass V:tM das nötiger hat als andere Systeme?
--- Zitat von: Teylen am 1.08.2011 | 16:18 ---Was gerade bei Werewolf daran liegt das es einen recht 'stumpfen' Eindruck macht. Kurz gesagt, das bisschen Zwischenwelten gespringe sowie die Umwelt Einstellung macht mir die Beschreibung als gewaltaetige, unglaublich starke Werwoelfe nicht schmackhafter. Der Comic "Black Furies" bestaetigte die Vorurteile eher. Haette es ganz spannend gefunden, aber letztlich kaempfen sich die Charaktere dort unter massiver Gewaltanwendung durch die Geschichte. An die Theo "Shaft" Bell im Anschluss nicht heran kommt.
--- Ende Zitat ---
Ja, den Eindruck hatte ich auch lange von Werwolf (Comics sind, wie gesagt, nicht mein Ding, also ich kenne die nicht). Ich dachte mir: Wenn Vampire schon dauernd so aus dem Ruder zu laufen scheint bzw. einen bestimmten Typ Spieler anzieht, wird Werwolf dem Ganzen wohl die Krone aufsetzen.
Ich war überrascht zu erfahren, dass das nicht so ist. Die Charaktere, die ich bei Werwolf erlebt habe, hatten genau das, was mir bei Vampire meist fehlt: Hintergrund und Motivation sowie eine kontinuierliche Spielform.
--- Zitat von: Teylen am 1.08.2011 | 16:18 ---Ich halte es fuer massiv falsch bei Spielern, welche brutale oder detaillierte Szenen einbringen beziehungsweise beschreiben, darueber zu philosophieren das dort irgendwelche persoenlichen Eigenheiten des Spielers nach aussen projieziert werden.
Als Spieler trenne ich strikt zwischen dem Charakter und meiner Person.
Nun und ich erwarte eigentlich von meinem Umfeld das es die Trennung akzeptieren kann.
Insbesondere wenn es sich hierbei um andere Rollenspieler handelt.
--- Ende Zitat ---
Naja, das wäre auch wieder ein Thema für sich. Das Thema kommt ganz gern mit Nicht-Rollenspielern auf, die dann postulieren, dass ja Eigenschaft X oder Verhalten Y zwingend in einem drin stecke, weil man es sonst nicht spielen könnte und sie mit Erschrecken darüber nachdenken, was das wohl über die wahre Persönlichkeit eines Spielers aussagt.
Ich denke: Das stimmt - und es stimmt nicht.
Kein Mensch fragt: Wieso malst du so ein düsteres Bild? Warum schreibt jemand einen Horrorroman? Weswegen entsteht ein Horrorfilm?
Wenn man dann aber in eine Charakterrolle im Rahmen des RPG schlüpft, wird es komischerweise plötzlich persönlich und fragwürdig. Halte ich für Unsinn.
Dennoch kann man tatsächlich nur spielen, was man spielen kann, ganz simpel formuliert. Wenn diverse Sachen nicht Teil der eigenen Persönlichkeit sind, kann man sie nicht (gut) spielen, weil man sie nicht mal im Ansatz (ausreichend) nachvollziehen kann.
Trotzdem ist eine Trennung ungemein wichtig - um mal ein weniger emotionsgeladenes Beispiel zu nennen: Wer gerne Diebe spielt, ist nicht zugleich auch kleptoman veranlagt, hat vielleicht noch nie in seinem ganzen Leben gestohlen und wird es auch nie tun. Kann sein - und muss man unbedingt trennen. Vorstellen kann die Person es sich aber in irgendeinem Hinterstübchen schon, sonst wird der Dieb nicht plausibel.
Dennoch kann man da nicht vom Charakter auf die Persönlichkeit des Spielers schließen. Einmal, weil schon Nuancen eine Charakterpersönlichkeit verändern können und natürlich auch, weil man eben spielt. Tun Schauspieler auch und werden nicht in ihrer Persönlichkeit hinterfragt, nicht mal die obligatorischen Bösewichte.
--- Zitat von: Teylen am 1.08.2011 | 16:18 ---Aber bei einer Verschmelzung von Charakter und Spieler bzw. der Trennung von Fiktion und Realitaet, bekaeme man doch bei dem ganzen Horror, potentiell, direkt gesagt, einen Dachschaden?
--- Ende Zitat ---
Wahrscheinlich - vor allem, wenn man verschiedene Charaktere, Systeme etc. spielt.
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