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[Science-Fiction] Weltraum-Kolonisation
Galatea:
--- Zitat von: Chaos am 14.04.2013 | 21:12 ---Ein älteres Schiff dürfte ceteris paribus wartungsintensiver sein als ein neueres Schiff.
--- Ende Zitat ---
Das aber auch nur wenn die Schiffe auf aktueller Technologie basieren und außerstande sind sich selbst zu warten. Hat man mittels Nanotechnologie erst einmal organische oder pseudoorganische Schiffe geschaffen erledigt sich das Problem der Wartung. Dann muss man die Schiffe nur regelmäßig füttern/tanken.
Grey (away):
Ohnehin ist die Denkweise "dafür kriege ich keine Ersatzteile mehr" historisch gesehen noch recht neu. Sie ist typisch für eine Gesellschaft mit industrieller Massenproduktion von identischen Gütern und Bauteilen. Damit umfaßt sie bislang einen Zeitraum von weniger als 100 Jahren in etlichen Jahrtausenden menschlicher Entwicklung.
Wenn zukünftige Gesellschaften von der Fertigung her flexibler agieren - entweder durch entsprechend komplexe KIs und Roboter oder durch (partielle) Rückkehr zur Handarbeit -, dann wäre zumindest dieses Problem kein Thema.
Feuersänger:
Jetzt wo du's sagst: beispielsweise könnten die vorgenannten 3D-Drucker jederzeit ein maßgeschneidertes Ersatzteil synthetisieren.
Von der Sache mit den selbstreplizierenden Nanogeschichten bin ich nach wie vor nicht so ganz überzeugt. Insbesondere für Weltraumanwendungen, da die Biester da große Probleme mit der Abstrahlung ihrer Abwärme haben dürften.
Yerho:
Übrigens kann auch das imperialistische Konzept durchaus (schein-) autarke Kolonien erlauben, wenn auch aus einem anderen Grund: Menschen vermehren sich exponentiell und da ist bei sehr großen Populationen sehr schnell der Punkt erreicht, bei dem die "kritische Masse" erreicht ist, die sich augrund sozialer Unruhen nicht mehr ohne starke Repression (= massive Kosten für Monitoring, Ordnungskräfte und Militär) zentral regieren lässt. Man kann die "überzählige" Bevölkerung aber nicht einfach auf alle neuen Kolonien verschieben, weil das anfänglich deren Wirtschaftlichkeit eher bremst (Sind ja nicht alles die gewünschten Spezialisten ...) und später die Kontrolle erschwert.
Also sucht man sich Planeten, die attraktiv genug sind, dass Menschen dahin übersiedeln wollen, wenn man sie nur mit der Nase darauf stößt, die aber für die Zentralregierung keinen vordergründigen Mehrwert haben. Man gibt den Leuten auf Kredit alles mit, was für den Aufbau einer simplen Kolonie nötig ist, aber kein bißchen mehr. Der Planet wäre auf dem Papier autonom, müsste aber immer noch den Startkredit zurückzahlen - was schwierig ist, weil er ja gar nicht die Möglichkeit hat, hochwertige Güter zu produzieren. Wenn dort Ackerbau betrieben wird (Ideal, weil der ohne komplexe Maschinen sehr viel Manpower benötigt, also viele Menschen beschäftigt hält ...) und die Landwirte keine eigenen Transportmöglichkeiten bauen können, brauchen sie weitere Kredite, um diese Infrastruktur zu etablieren; diese Kredite bekommen sie wieder nur von der Zentralregierung, weil bei so etwas kein privater Investor mitmacht. Wenn sie dann einen Shuttleverkehr oder Orbitallift haben, können sie aber immer noch nur Nahrungsmittel exportieren, womit nicht viel zu verdienen ist - sie bleiben also in ständiger wirtschaftlicher Abhängigkeit gegenüber ihrem Kreditgeber. Und so lange der sich bei der Abzahlung der Kredite sehr kulant zeigt und den Kolonisten einen bescheidenen Wohlstand erlaubt, bleibt der Burgfrieden bestehen.
Für ein zentralistisches Regime ist das optimal. Die Kosten sind vergleichsweise gering, weil man praktisch nur Leute dorthin transportiert und Material für Behausungen und Geräte für überwiegend manuellen Landbau bereitstellen muss. Die Population erreicht nirgends eine kritische Masse, die Kolonisten sind beschäftigt und glücklich, weil sie nicht in Sprawls, sondern in einer gesunden Umgebung leben und sich autonom fühlen können. Die Kosten sind tröpfchenweise irgendwann wieder drin und die Kolonie bleibt durch den Zinseszins trotzdem abhängig (und bringt evtl. weitere Erlöse). Gleichzeitig wird Nahrung produziert, die man zu Dumpingpreisen bezieht und die auch Bewohner anderer Welten ernährt, wo unter rigider Kontrolle die für das Regime primär wichtigen Dinge gefördert und/oder produziert werden.
Nun ja, jedenfalls geht das so lange gut, bis die Kolonisten merken, was abgeht und bis sich genug "Nationalstolz" kumuliert hat, um nicht länger der "dumme Bauer" des bekannten Weltraums sein zu wollen.
Feuersänger:
Ah, das sogenannte Homesteading. Findet sich so auch im einen oder SF-Klassiker; beispielsweise bei Heinlein in zwei unterschiedlichen Perspektiven:
- in "Farmer in the Sky" werden die Kolonisten nichtmal ausgebeutet; sie können iirc ohne große finanzielle Bürden auf Ganymed Nahrung produzieren, die auch iirc nicht mehr groß exportiert wird (weil dafür der Transport zu teuer ist) sondern einfach zum schlemmen da ist. Die Kolonisten sind der Nahrungsmittelknappheit auf der Erde entkommen, haben reichlich Futter und sind zufrieden; die Erdbehörden sind froh dass sie ein paar Verbraucher weniger versorgen müssen, alle sind glücklich.
[Gelegentliche Versorgungsflüge liefern Luxusgüter wie Rasierklingen etc zu Apothekerpreisen, allerdings ist unklar woher die Kolonisten das Geld dafür haben sollen -- und die meisten laufen auch in der Tat bärtig rum.]
- in "Logic of Empire" ist es dagegen so, dass für die Arbeit auf der Venus "Vertragsarbeiter" angeworben werden, die in Wahrheit nichts anderes als Schuldsklaven sind: um sich aus ihrem Arbeitsvertrag zu lösen, müssten sie die von der Company vorgestreckten Reisekosten ablösen, und das können sie nicht. Jedenfalls nicht nach den auf dem Papier vorgesehenen 6 Jahren (wodurch sich der Vertrag verlängert), sondern frühestens nach 18, und die meisten schaffen es nie. [Die "Company" darf man sich wohl ungefähr so nach dem Modell der East India Trading Company vorstellen.]
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