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[Science-Fiction] Weltraum-Kolonisation

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Yerho:
Ich empfehle als Lektüre zum diesem Thema immer gerne John Barnes "The man who pulled down the sky" (dt. "Himmelstürmer"). Da wird speziell auf die Konstellation von Erdbewohnern (ohne eigenen Zugang zu Raumfahrt), den Orbitalrepubliken und den Äußeren Kolonien (nur in unserem Sonnensystem) eingegangen, hauptsächlich aber auf die wirtschaftlichen Abhängigkeiten. Ganz besonderes Augenmerk liegt dabei auf Krediten und Zinsen, weil diese bekanntlich ungeachtet der langen Reise-/Transportzeiten weiterlaufen, ohne dass man die Möglichkeit hätte, in dieser Zeit an deren Ablöse zu arbeiten. Es wird auch thematisiert, wie man ein Technologiegefälle künstlich schaffen, erhalten und ausnutzen kann.

Auch darüber, wie ein bewaffneter Konflikt ablaufen könnte, wird eingegangen: Die Äußeren Kolonien hatten keinerlei Verteidigungsanlagen, was aber okay ist, denn die Orbitalrepubliken hatten auch keine Schiffsbewaffnung. Es ging letzteren auch eher darum, die aufmüpfigen Kolonisten wieder zur Räson zu bringen und die dort aufgebaute Infrastruktur möglichst intakt zu lassen, weil ein Neuaufbau unglaublich viel Zeit und Ressourcen verschlungen hätte. Overkill kam auch deshalb nicht in Frage, weil dieser keinen Rückhalt in der eigenen Bevölkerung gefunden hätte und man nicht einen Unabhängigkeitskrieg und einen Bürgerkrieg gleichzeitig an der Backe haben wollte. Das Ganze lief in diesem Fall auf Guerilla-Kampf unter Niedrig/Null-G-Bedingungen hinaus, irgendwann hatten die Orbitalrebubliken auch dafür in der eigenen Bevölkerung keinen Rückhalt mehr, weil der Bodycount und die Kosten stiegen und eine gütliche Einigung immer attraktiver wurde.

Jedenfalls fürs erste. Weil den Kolonien aber klar war, dass die Orbitalrepubliken es wieder versuchen würden, schickte man Agenten auf die Erde, um den Unabhängigkeitskampf der Dirtsider mit Rat und Tat zu unterstützen, aber auch zu verstärken. Die Orbitalrepubliken hatten hier klar die technische und militärische Überlegenheit, aber auch hier konnten sie nicht mit voller Kraft zuschlagen, weil das bedeutet hätte, durch zerstörte Infrastruktur und getötete Arbeitskräfte die eigene Versorgung mit Rohstoffen zu beeinträchtigen und dadurch in größere Abhängigkeit zu den ehemaligen Kolonien zu geraten, denn aus dem Erdorbit lässt es sich zwar trefflich herrschen, aber die Versorgung kommt nun einmal von innen oder von außen und ab einem gewissen Punkt lässt sich mit militärischer Überlegenheit nichts mehr machen.

Das ist übrigens ein Punkt, den wir sträflich ignoriert haben, wenn wir über Angriffe auf Planeten aus dem Weltraum sprachen: Gerade wenn etablierte Welten irgendwann über lückenlose Raumüberwachung und waffenstarrende Verteidigungswaffen verfügen sollten, wird Infiltration um so wichtiger. Idealerweise sollten eingeschleuste Kommandoeinheiten oder -trupps soweit platziert sein, dass sie militärischen Verteidigungsanlagen schwere Schäden zufügen oder diese sogar gegen die Verteidiger selbst richten können, bevor die Flotte eintrifft. Man kann auch die Bevölkerung bedrohen, oder wichtige Personen und/oder Einrichtungen zerstören oder als Geisel nehmen bzw. besetzen. Gegen Infiltration hilft nur totale Abschottung, durch die man ohne Feindeinwirkung ausblutet oder durch rigide innere Sicherheit, die Freiheiten beschneidet und es Infiltratoren leichter macht, innere Unruhen zu schüren, auch wenn sie es sonst schwerer haben. Ohnehin verursacht schon die dicke Verteidigungsinfrastruktur selbst beträchtliche Kosten, die von der Bevölkerung sowohl monetär als auch ideologisch erst einmal getragen werden müssen, und auch wen nsie mitspielt muss der Etat nicht unbedingt reichen, um gleichzeitig starke Offensivkapazitäten aufzubauen, die man bräuchte, um eine Belagerung zu knacken. - Kurz, es ist ein ewiges Auf und Ab von Erwägungen und unzählige Optionen für glaubwürdige Szenarien.

Der Oger (Im Exil):
Was ich mir vorstellen könnte, ist, das in der imperialen Form die besiedelnde Macht auch das Bildungssystem so gestalten könnte, dass Wissen aller Art nur im rudimentären, absolut für das Überleben der Kolonie notwendige Maß zugänglich wird.

Keine Universitäten - oder nur für eine bestimmte Gesellschaftsschicht, wie die Angehörigen einer bestimmten, dem System ergebenen Schicht, zugängliche Schulen. Die gehen dann vielleicht auf Akademien auf zentralen Welten - wo sie dann auch leichter durch Geheimdienste überwacht und politisch indoktriniert werden können.

Keine Forschung,  die es erlauben würde, das Agrarplaneten irgendwann mal selbst High - Tech - Waren (oder Gott bewahre: Waffen und Raumschiffe) herstellen können.

Das ist aber alles immer nur eine vorrübergehende Lösung, denn die einzige Konstante ist ja der ständige Wandel. Den kann man vorrübergehend aufhalten, in den Untergrund drücken, aber nicht verhindern.

Wenn dann einige Kolonien in die Unabhängigkeit gelangen (vermutlich die Agraplaneten als erstes), könnte ich mir vorstellen, dass die Machthaber vor allem aus der zuvor herangezüchteten Schicht stammen, Da man keine Erfahrung im Umgang mit Demokratien und dem freien Handel hat, gleiten diese Welten vielleicht dann in blutige Militärdiktaturen ab, die sich zudem dann möglicherweise bei ihren früheren Kolonialherren verschulden - und damit wieder abhängig werden.

Holothuroid:

--- Zitat ---Das ist aber alles immer nur eine vorrübergehende Lösung, denn die einzige Konstante ist ja der ständige Wandel. Den kann man vorrübergehend aufhalten, in den Untergrund drücken, aber nicht verhindern.
--- Ende Zitat ---

Da wäre ich mir nicht so sicher. "Why Nations Fail"/"Warum Nationen scheitern" ist ein sehr empfehlenswertes Buch zu dem Thema und gerade auf Deutsch erschienen.

Der Oger (Im Exil):

--- Zitat von: 1of3 am 15.04.2013 | 16:31 ---Da wäre ich mir nicht so sicher. "Why Nations Fail"/"Warum Nationen scheitern" ist ein sehr empfehlenswertes Buch zu dem Thema und gerade auf Deutsch erschienen.

--- Ende Zitat ---

Okay, danke für den Tip!

Eulenspiegel:

--- Zitat von: Feuersänger am 14.04.2013 | 12:53 --- Treibstoff ist pillepalle, da nimmt man für gewöhnlich Wasser, das gibt es überall und es muss auch nichts groß "hergestellt" werden. Jedenfalls in einem Setting, das nukleare Antriebe erlaubt.
--- Ende Zitat ---
Wenn Treibstoff und damit allgemein die Transportkosten Pillepalle sind, dann hättest du Recht. Dann kann man damit einen Gewinn erwirtschaften.

Weiter oben hattest du aber geschrieben, dass Kosten von 10cr/kg entstehen. Und mit diesen Kosten macht man bei Standard-Lebensmitteln einen Verlust. Dann sieht die Rechnung nämlich so aus:

Traktor inkl. Transport zur Kolonie, Selbstkosten 100.000cr.
Du tauschst ihn gegen Getreide, sagen wir: 1000 Tonnen, die auf der Erde 1 Million cr wert sind. (1cr/kg)

--- Zitat ---Lass den Rücktransport des Getreides zur Erde meinetwegen nochmal 100.000cr kosten.
--- Ende Zitat ---
Oben schriebst du etwas von 10cr/kg. Das sind dann 10 Millionen cr.

Wir haben also:
Traktorkauf: -150.000 cr.
Transport Traktor --> Kolonie: -5.000 cr. (Annahme: 5 Tonnen bei 10cr/kg)
Tausch Traktor/Nahrungsmittel: kostenlos
Transport Nahrungsmittel --> Erde: -10.000.000 cr (Annahme: 1000 Tonnen bei 10cr/kg)
Verkauf Nahrungsmittel: +1.000.000 cr. (bei 1cr/kg)

Das macht einen Verlust von ca. 9 Millionen cr.

Man kann natürlich daran drehen, wenn man entweder die Transportkosten auf unter 1cr/kg drückt oder den Nahrungsmittelpreis auf über 10cr/kg erhöht.

Aber mit den beiden Annahmen, die du getroffen hast (Transport 10cr/kg und Nahrungsmittelpreis 1cr/kg) machst du ein Verlustgeschäft von 9cr/kg.

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