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[Science-Fiction] Weltraum-Kolonisation
Talasha:
Bei den Umsiedlungen kommt es darauf an wie der Planet aussieht.
Ist er ein riesiges SPa mit tollen Stränden usw. dann die Eliten, hat er in erster Linie harte Lebensbedingungen, dafür Rohstoffe, dann ARbeiter.
alexandro:
A) dürfte sich nicht lohnen - da ist es billiger irgendeine Arbeit auf der Erde (muss keine sinnvolle Arbeit sein) zu schaffen oder halt in den sauren Apfel zu beißen und die Sozialhilfe zu bezahlen. Wahrscheinlicher wäre es, dass die Unterschicht auf diversen nicht-subventionierten Wegen (versteckt in Frachträumen oder in krude zusammengebastelten Raketen) versucht auf dem "unerschlossenen" Mars neu Fuß zu fassen, bevor die Chance verstreicht (Modell: Besiedlung Amerikas).
B) die Elite hört auf Elite zu sein, sobald es niemanden unter ihnen gibt: die Wirtschaft der Kolonie wird allmählich - koppelt man es nicht irgendwie an die Erdenwirtschaft and (was selbst bei dieser Anzahl Schiffe nicht einfach ist) - zu höheren Lebenshaltungskosten und damit zu einer sozialen Schichtung führen. Und spätenstens dann überlegen sich die Eliten (die jetzt "arm" sind, aber noch reich genug um sich den (vergleichsweise billigen) Flug zur Erde leisten zu können), ob das Leben auf der Erde nicht doch besser war.
C) Wäre evtll. eine Option, wenn das Leben auf der Erde komplett unerträglich geworden ist (Umweltverschmutzung). Dann ein paar Jahrhunderte in den Weltraum, der Erde Zeit zur Regeneration geben. Die Frage ist (da das Ganze ja von Nationen ausgeht) wies besagte Nationen verhindern, dass andere Erdnationen sich während der Abwesenheit das "leere" Territorium unter den Nagel reißen.
D) zu diesem Zweck müssten die anderen Gebiete bereits (faktisch oder finanziell) Vasallenstaaten oder Kolonien sein - und auf jeden Fall dürfte eine solche Aktion die umstürzlerischen Kräfte (auf der Erde und der neuen Kolonie) stärken.
Die besten Chancen hätte die Aktion noch, wenn sie nicht von Nationen ausgeht, sondern von Großkonzernen.
Beispiel: Intel stellt eines Tages fest, dass sie mittlerweile alle Komponenten für die Chipproduktion sowieso vom Mars importieren (weil besonders seltene Erden auf der Erde nicht mehr in ausreichenden Mengen zu bekommen sind). Dadurch entsteht ein riesiger logistischer Aufwand, weil man die Lagerhäuser auf der Erde (was hat man da, was fehlt), die Lagerhäuser auf dem Mars (was hat man da, was muss man abbauen), die Transportwege (wann gehen welche Raumschiffe raus und wieviel Kapazitäten haben diese) und die Kommunikationswege (welche Bestellungen hat man wann schon rausgegeben und wie schnell wurden diese bearbeitet). Sobald mal ein Raumschiff Verspätung hat oder gar vernichtet wird, kann es zu Engpässen in der Produktion kommen, weil natürlich (Murphys Gesetz) gerade die eine Komponente die man braucht, dort im Transit festhängt.
Was macht man also: man verlagert die gesamte Produktion auf den Mars, lockt Experten mit höheren Löhnen (und/oder niedrigen Lebenshaltungskosten), wirbt noch ein paar Arbeiter an und schafft ein Framework, damit diese ihre Familien mitbringen, damit man ihren Daueraufenthalt (ohne Extra-Urlaub für den langen Flug zur Erde) rechtfertigen kann. Die Experten kommen, weil es halt ein gut bezahlter Job ist (welche die Regierung nur begrenzt vergeben kann). Die Angestellten bleiben da, weil ihre Einkommensquelle vom Aufenthalt auf dem Mars abhängt. Die Firma schickt fertig gebaute Chips oder sogar Computer zur Erde und kann das praktisch kontinuierlich machen (ohne darauf Rücksicht zu nehmen, wieviel Rohmaterial die Produktion auf der Erde verarbeiten kann), wodurch Transitausfälle aufgefangen werden. Durch die Ansiedlung kommt es nach und nach zu einer Infrastruktur rund um das Produktionszentrum (weil die Firma einfach nicht alle Bedürfnisse der Kolonisten erfüllen kann/will) und damit die Entstehung anderer Wirtschaftszweige. Da die Kolonisten aus unterschiedlichen Ansiedlungen des Konzerns rekrutiert wurden, sind sie bunt gemischt und die nächste Generation sieht sich wahrscheinlich schon eher als Marsianer, denn als Bürger ihrer Ursprungsnation.
Feuersänger:
--- Zitat von: Talasha am 15.11.2015 | 03:50 ---Bei den Umsiedlungen kommt es darauf an wie der Planet aussieht.
Ist er ein riesiges SPa mit tollen Stränden usw. dann die Eliten, hat er in erster Linie harte Lebensbedingungen, dafür Rohstoffe, dann ARbeiter.
--- Ende Zitat ---
Das auf jeden Fall.
--
ad A) Och, ich denke, "lohnen" könnte es sich schon, wenn man es schafft dass die Umsiedlung weniger kostet als das voraussichtliche Arbeitslosengeld für den Rest des Erwerbslebens. [Da ist dann die Frage ob und wie man Konzepte wie "Rente" auf den Kolonien umsetzen kann.] Dazu ist es freilich wichtig, dass man z.B. die Siedlerflotte nicht überlaboriert. Wenn ich nur 10 Millionen Menschen insgesamt umsiedeln will, brauche ich dafür keine 1500 Schiffe sondern nur ca 150.
BTW ist das mit ein Grund, warum ich für mein Setting bei einer balkanisierten Erde bleibe: um diverse gesellschaftliche Systeme durchzuexerzieren. Die einen teilen freiwillig die Automatisierungsdividende unter den Menschen auf, und jeder bekommt sozusagen das Geld des Jobs, den der Roboter ihm weggenommen hat (mal ganz simpel gesagt). Die anderen versuchen, beim Turbokapitalismus zu bleiben damit die Eliten weiter in perlengesättigtem Champagner baden können, und halten die Massen mit wenigen Almosen und viel Repression unter Kontrolle.
ad B) wiederum eine Frage der Automatisierung. Selbstverständlich kann ich nicht _nur_ die oberen 10000 verschiffen (außer ich will sie buchstäblich auf den Mond schießen, aber das wäre dann ein anderes Szenario). Da wäre also die Idee: Ich suche mir einen schönen Planeten, lasse mir den gemütlich einrichten, stelle genügend Automaten hin die mich mit allem Notwendigen und Angenehmen versorgen, und nehme _außerdem_ noch genügend Techbirnen mit die die Automaten am Laufen halten. Wenn ich z.B. die Kontrolle über 1 Milliarde Menschen habe, und ich will die Top 1% evakuieren, nehme ich zusätzlich zu diesen 10 Millionen eben noch 100 Millionen Leute "Personal" mit - die Bottom 90% lasse ich im Dreck sitzen.
ad C) richtig, eine komplette Evakuierung einzelner Länder wäre eine Reise ohne Rückfahrkarte, da man nicht erwarten kann, dass sich dann niemand die Heimat unter den Nagel reißt. Eine komplette Evakuierung der Erde mit ihren bis dahin 10-15 Milliarden Einwohnern wäre dann auch wieder ein zu gewaltiges Projekt, selbst wenn man geeignete Welten zur Umsiedlung hätte.
ad D) Eine gewisse historische Bindung kann da sicher nicht schaden -- aber eine Vasallenbeziehung sehe ich da nicht unbedingt als notwendig an. Wenn z.B. Indien hunderte Millionen arme Leute haben die am Existenzminimum rumkrebsen, und falls der indische Staat eher daran interessiert ist ein Luxusexil à la (B) für seine Oberschicht aufzubauen, dann könnte doch z.B. das British Empire dort punkten, indem es 1-200 Millionen armen Indern eine nachhaltige Existenz auf ihrer Kolonie in Aussicht stellt.
Dass fast alle Modelle langfristig für Zündstoff sorgen, ist klar. Was aber wiederum das Setting interessanter macht. ;)
Aedin Madasohn:
ein großer Knackpunkt bei all diesen Überlegungen ist doch die Qualität der Zielwelt!
A)
Ich brauche ein paar Millionen Malocher für die Ausbeutung eines rohstoffreichen Höllenplanetens und muss sie mit
- satt Knete anlocken
- vorgehaltener Pistole zwingen
B)
Ich habe eine zweite Erde voller schöner Landschaften. Da stehen alle (Konkurrenten) doch Schlange. Da brauche ich eher Zugangskontrollen und habe dann im Gegenzug wieder Schleuser(Piraten).
C)
Ich habe so viele Second Earths, dass jeder "Block" sich hier seine homogene Basis einrichten kann
nächster Knackpunkt: was kostet die Passage an Geld/Ressourcen
1)
zur Zeit der Amerikaauswanderung gab es mehr arme Schlucker, die auswandern wollten, als sie Geld für die Überfahrt hätten.
2)
wie "Imperial" muss ein Block denken, dass es für diesen Staat ein Wert an sich wäre, seine Bürger in Massen auf einem anderen Planeten anzusiedeln?
Hier können sehr schnell interessante Settings erwachsen, wo der Konkurrenzgedanke zwischen den Blöcken in imperialer Politik begründet liegt.
Erst so wird plausibel, dass diese Staaten ihr Buget in Passagen ihrer Bürger stecken (weil es "ihre ::)" Staatsbürger sind und nicht irgendwelche aufsässigen billig-Fremdarbeiter >;D)
3)
wie billig muss eine Passage sein, dass terra-perspektivlose (Stichwort: jugendarbeitslose) Bevölkerungsteile verschifft werden können?
Als Settingbauer einfach Hyperraumenergieabzapfer-für-billig-hoch-drei-Energie einsetzen und gut.
das alles kann beliebig gegeneinader verschoben werden. Hier muss man vom gewünschten Setting zurück zur "Entwicklung" denken.
Lichtschwerttänzer:
--- Zitat von: Aedin Madasohn am 15.11.2015 | 12:59 ---
1)
zur Zeit der Amerikaauswanderung gab es mehr arme Schlucker, die auswandern wollten, als sie Geld für die Überfahrt hätten.
--- Ende Zitat ---
Schuldknechtschaft wäre eine Lösung
https://de.wikipedia.org/wiki/Indentur
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